{"id":20140,"date":"2025-07-07T10:54:07","date_gmt":"2025-07-07T08:54:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/?p=20140"},"modified":"2025-07-07T10:54:07","modified_gmt":"2025-07-07T08:54:07","slug":"pj-in-newcastle-upon-tyne-eindruecke-aus-der-kardiologie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/pj-in-newcastle-upon-tyne-eindruecke-aus-der-kardiologie\/","title":{"rendered":"PJ in Newcastle upon Tyne \u2013 Eindr\u00fccke aus der Kardiologie"},"content":{"rendered":"<p>Ich befinde mich aktuell in der siebten von acht Wochen meines PJ-Tertials in der Inneren Medizin \u2013 genauer gesagt in der Kardiologie \u2013 in Newcastle upon Tyne. In den vergangenen Wochen habe ich bereits viele verschiedene Eindr\u00fccke gesammelt, die das britische Gesundheitssystem, die klinische Arbeit und die Rolle von Studierenden betreffen.<!--more-->Auch wenn ich mich mittlerweile gut orientieren kann, bleibt der Alltag hier weiterhin spannend \u2013 und in mancher Hinsicht auch herausfordernd. Zeit also, ein paar Gedanken und Erfahrungen festzuhalten.<br \/>\nStatt einer festen Station wurde ich einem Consultant als Supervisor zugeteilt. Man bekommt von Anfang an gesagt, dass man als Studierende*r \u00fcberall hingehen k\u00f6nne \u2013 ein gro\u00dfer Vorteil, wenn man gezielt eigene Interessen verfolgen m\u00f6chte. In der Praxis ist das jedoch nicht immer einfach: Es gibt viele andere Studierende, und es ist zun\u00e4chst gar nicht klar, was \u201e\u00fcberall\u201c eigentlich konkret bedeutet. Diese fehlende Struktur erschwert den Einstieg.<br \/>\nAufgaben f\u00fcr Studierende sind nicht klar definiert. Das hat zwei Seiten: Einerseits ist es sch\u00f6n, nicht an Routineaufgaben gebunden zu sein. Andererseits fehlt dadurch oft die M\u00f6glichkeit, praktisch mitzuarbeiten. Das Zuschauen \u00fcberwiegt deutlich, und f\u00fcr ein praktisches Jahr ist das ern\u00fcchternd. T\u00e4tigkeiten wie Blutabnahmen, die in Deutschland fast selbstverst\u00e4ndlich zum Alltag geh\u00f6ren, sind hier nicht vorgesehen \u2013 das \u00fcbernehmen andere Berufsgruppen. Auch in den Sprechstunden f\u00fchren \u00c4rztInnen die Gespr\u00e4che und Untersuchungen allein durch, Studierende beobachten nur.<br \/>\nDie Lehrqualit\u00e4t h\u00e4ngt stark von den betreuenden \u00c4rztInnen ab. Es gibt einige, die sich viel Zeit nehmen, erkl\u00e4ren, Fragen stellen und einen auch mal fordern. Es gibt aber genauso viele, die kaum etwas vermitteln.<\/p>\n<p>Auf der Intensivstation fand ich die Arbeitsweise besonders interessant: Die PatientInnen werden dort oft eins zu eins vom Pflegepersonal betreut, was eine sehr intensive und individuelle Versorgung erm\u00f6glicht. Die Pflegekr\u00e4fte sind hervorragend informiert, kennen den Zustand \u201eihrer\u201c PatientInnen genau und arbeiten eng mit den \u00c4rztInnen zusammen. Dort durfte ich unter Anleitung weniger komplexe PatientInnen selbst untersuchen und die Befunde sp\u00e4ter mit einer \u00c4rztIn besprechen \u2013 leider wurde das nicht immer umgesetzt, was schade war. Wenn man Gl\u00fcck hat, darf man bei der Visite auch mal selbst eine PatientIn pr\u00e4sentieren.<br \/>\nWas mich besonders positiv \u00fcberrascht hat, ist die unglaublich flache Hierarchie im Krankenhaus. Auf dem Flur wird man direkt angesprochen, wenn man suchend schaut, und gefragt, ob man Hilfe braucht. Das gesamte Personal ist durchweg freundlich und hilfsbereit. Auch die Anrede ist informeller als in Deutschland: Sowohl PatientInnen als auch KollegInnen werden h\u00e4ufig mit dem Vornamen angesprochen.<br \/>\nDas Krankenhauspersonal ist sehr international, was spannende Gespr\u00e4che \u00fcber unterschiedliche Gesundheitssysteme und Ausbildungswege erm\u00f6glicht. Besonders interessant finde ich die sogenannten Care Practitioners, z.\u202fB. Intensive Care Practitioners. Diese Rolle gibt es so in Deutschland nicht \u2013 es handelt sich um nicht-\u00e4rztliche ExpertInnen mit spezieller Ausbildung, die eigenst\u00e4ndig PatientInnen untersuchen, Behandlungspl\u00e4ne mitentwickeln und dokumentieren.<br \/>\nDie Stationsarbeit selbst \u00e4hnelt der in Deutschland \u2013 allerdings werden Studierende hier nach der Visite oft \u201efreigestellt\u201c, mit der Begr\u00fcndung, dass man danach nicht mehr viel lernen k\u00f6nne. Daf\u00fcr wird empfohlen, sich in anderen Bereichen des Krankenhauses umzusehen.<br \/>\nEin weiterer Unterschied: Das Arbeitstempo ist insgesamt entspannter, die Atmosph\u00e4re weniger gestresst. In den Sprechstunden nehmen sich \u00c4rztInnen mehr Zeit f\u00fcr Gespr\u00e4che mit den PatientInnen. Gleichzeitig bedeutet das aber auch: mehr Warten zwischen Aufgaben und weniger M\u00f6glichkeiten, selbst aktiv zu werden.<br \/>\nWas mir im Alltag mit am st\u00e4rksten auff\u00e4llt, ist der Unterschied im Umgang mit Hygiene, insbesondere bei der H\u00e4ndedesinfektion. W\u00e4hrend in Deutschland nach jedem Patientenkontakt konsequent die H\u00e4nde desinfiziert werden, ist hier das H\u00e4ndewaschen die vorherrschende Praxis \u2013 besonders in der Sprechstunde. Auch bei sterilen T\u00e4tigkeiten, etwa auf der Intensivstation oder im Katheterlabor, werden die H\u00e4nde mit spezieller Seife gewaschen, anstatt \u2013 wie bei uns \u00fcblich \u2013 eine chirurgische H\u00e4ndedesinfektion durchzuf\u00fchren. F\u00fcr mich war das anfangs sehr ungewohnt. Ebenso wird in manchen Bereichen, zum Beispiel im Katheterlabor, deutlich seltener ein Mundschutz\u00a0getragen, als ich es aus Deutschland kenne \u2013 auch das ist ein sp\u00fcrbarer Unterschied im klinischen Alltag.<br \/>\nEin weiterer auff\u00e4lliger Unterschied ist, dass h\u00e4ufig Ringe und Uhren getragen werden \u2013 auch bei klinischer T\u00e4tigkeit. Besonders Eheringe scheinen eine Ausnahme darzustellen: Sie werden zum Teil sogar unter sterilen Handschuhen\u00a0belassen, was aus deutscher Sicht eher un\u00fcblich und aus hygienischer Sicht bedenklich wirkt.<br \/>\nInsgesamt ist mein PJ in Newcastle eine spannende Erfahrung, vor allem wegen der kulturellen Unterschiede, des freundlichen Teams und der neuen Einblicke in ein anderes Gesundheitssystem. Fachlich und praktisch gesehen h\u00e4tte ich mir jedoch mehr aktive Einbindung gew\u00fcnscht. Wer sich auf ein hohes Ma\u00df an Eigeninitiative einstellt und flexibel bleibt, kann hier aber durchaus viel mitnehmen \u2013 besonders in puncto Kommunikation, Teamarbeit und interdisziplin\u00e4rer Zusammenarbeit.<!--\/data\/user\/0\/com.samsung.android.app.notes\/files\/clipdata\/clipdata_bodytext_250706_221128_823.sdocx--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich befinde mich aktuell in der siebten von acht Wochen meines PJ-Tertials in der Inneren Medizin \u2013 genauer gesagt in der Kardiologie \u2013 in Newcastle upon Tyne. 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