{"id":20106,"date":"2025-07-25T09:19:09","date_gmt":"2025-07-25T07:19:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/?p=20106"},"modified":"2025-07-25T09:19:09","modified_gmt":"2025-07-25T07:19:09","slug":"das-franzoesische-schulsystem-von-innen-mein-praxissemester-am-cse-strasbourg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/das-franzoesische-schulsystem-von-innen-mein-praxissemester-am-cse-strasbourg\/","title":{"rendered":"Das franz\u00f6sische Schulsystem von innen: mein Praxissemester am CSE Strasbourg"},"content":{"rendered":"<p>Coucou,<\/p>\n<p>es ist verr\u00fcckt, wie schnell die Zeit hier in Strasbourg nur so geflogen ist; eben bezog ich noch mein sch\u00f6nes (von der Schule kostenlos gestelltes!) Zimmer im Zentrum Strasbourgs und schon hatte ich meinen letzten Tag im <strong>Praxissemester<\/strong> am Coll\u00e8ge \u00c9piscopal St \u00c9tienne.<!--more-->Da es f\u00fcr mich bald zum Abschluss meines Aufenthaltes noch auf einen Roadtrip geht (Blog Beitrag II loading &#8230;), verbrauche ich also gerade alle Reste, die bis n\u00e4chsten Freitag aufgefuttert sein m\u00fcssen \ud83d\ude09 So warte ich also gerade darauf, dass mein Schokoladen-Himbeer-Johannisbeer-Erdnussbutter-Brownie-Kuchen (wow!) im Ofen fertig backt und tippe euch ein paar Zeilen, insbesondere f\u00fcr alle, die in Zukunft auch am CSE ihr Praxissemester oder aber ein Praktikum verbringen m\u00f6chten. Vorab: ihr werdet ziemlich sicher unfassbar viel lernen, auch immer mal wieder an eure Grenzen sto\u00dfen, keine Woche ohne neue schulinterne Aktivit\u00e4ten und Specials vergehen sehen und v.a. werdet ihr beim Kollegium immer ein offenes Ohr, Bereitschaft zu praktischer Hilfe, didaktisch\/p\u00e4dagogische Tipps und viele l\u00e4chelnde und freundliche Gesichter erleben.<\/p>\n<p>F\u00fcr das CSE solltet ihr ein gutes Ma\u00df <strong>Selbstst\u00e4ndigkeit<\/strong> bzw. Bereitschaft zum aktiven Unterst\u00fctzungsgesuchen mitbringen: ihr werdet euren Stundenplan relativ von Beginn an eigenst\u00e4ndig erstellen, indem ihr herumfragt, welche Lehrkr\u00e4fte eure F\u00e4cher unterrichten und dann schaut, mit wem davon ihr gern zusammenarbeitet m\u00f6chtet: Tipp von mir ist, dass ihr bei mehreren LK mitgeht und dann entscheidet, wo ihr am ehesten lernen wollt. Ich kann sehr gern auch <strong>Empfehlungen<\/strong> aussprechen f\u00fcr die F\u00e4cher Englisch, SoWi, Deutsch &amp; Spanisch. Wenn ihr daran Interesse habt, dann schreibt gerne einen Kommentar, sodass ich euch kontaktieren kann (Datenschutz etc., daher nicht direkt hier im Blog).<\/p>\n<p>Nun aber zu den noch wichtigeren Akteuren in der Schule &#8230; den Sch\u00fcler:innen! Da vorraussichtlich alle, die ans CSE aus M\u00fcnster gehen, eine oder mehrere Klassen in LRA (offizieller Name, wird auch &#8220;Deutsche Kultur&#8221; genannt) \u00fcbernehmen werden, mag ich euch hier einen Einblick geben in meine gesammelten Erfahrungen, damit ihr vielleicht ein wenig entspannter in eure Zeit als voll verantwortliche Lehrkraft starten k\u00f6nnt &#8211; wobei ich mit Pierre Huss auch schon einen neuen Onboarding-Prozess angesto\u00dfen habe, sodass ihr ohnehin etwas seichter einsteigen k\u00f6nnen solltet. So oder so aber: am CSE ist die Beziehung zwischen Lehrkraft und SuS deutlich distanzierter als in Deutschland und es gibt tats\u00e4chlich auch andere p\u00e4dagogische \u00dcberzeugungen hier. F\u00fcr euch hei\u00dft das im Unterricht v.a., dass ihr wissen m\u00fcsst, was die Schulkultur verlangt bzw. wie die SuS sozialisiert sind im System Schule. <strong>Am CSE bedeutet das bspw., dass Disziplinierungsma\u00dfnahmen \u00fcber das sog. carnet de correspondance gehandhabt werden<\/strong>; je nach Art des Fehlverhaltens werden unterschiedlich viele Punkte im Heft abgezogen und bei Punktestand 0 m\u00fcssen die SuS zwei oder vier Stunden nachsitzen bzw. es kann zu einer Konferenz kommen, bei der ein Vertrag abgeschlossen wird, bei dessen Nichteinhaltung das Kind der Schule verwiesen wird. <strong>Es ist also alles recht klar und transparent geregelt, aber eben auch recht streng.<\/strong> Viele Kinder sind allerdings so sehr an dieses System gew\u00f6hnt, dass es mir in der kurzen Zeit nicht m\u00f6glich gewesen w\u00e4re, hier ein anderes System zu etablieren. Man muss mit dem System arbeiten, was vor Ort greift, auch, wenn das manchmal f\u00fcr deutsche Verh\u00e4ltnisse hart sein kann und ich mich selbst auch immer wieder und bis zum Schluss nicht unbedingt leicht damit getan habe.<\/p>\n<p>Ansonsten ist es so, dass ihr in Klassen mit einer sehr eingefahrenen Dynamik kommt, <strong>da ihr die Mauve-Klassen begleiten werdet, die also den deutsch-franz\u00f6sischen Zweig bilden: diese Klassen sind h\u00e4ufig seit der 1. Klasse in der Grundschule schon gemeinsam beschult und kennen sich daher ewig.<\/strong> Es gibt interne Logiken, Hierarchien, Dynamiken etc., durch die es ggf. nicht so einfach ist, durchzubrechen wie es in einer Klasse w\u00e4re, die in der Sek I neu zusammenkommt. Die Sch\u00fcler:innen sind allerdings in diesen Klassen <strong>insgesamt sehr leistungsstark<\/strong>, man muss sie nur entsprechend fordern und Grenzen aufweisen, dann kann man mit seinen Unterrichtsdesign gar sehr schnell voranschreiten. Die SuS sind auf jeden Fall zumeist sehr aktiv und aufgeweckt und an Mitarbeit mangelt es nicht. Wenn ihr die M\u00f6glichkeit habt, \u00fcberlegt euch schon vor eurem Aufenthalt ggf. zumindest das erste Thema, das ihr gern bearbeiten w\u00fcrdet: die Differenzierung m\u00fcsst ihr vor Ort machen, weil ihr wohl da erst erfahren werdet, in welche Klassenstufe ihr kommt. An sich ist es p\u00e4dagogisch sehr sch\u00f6n, die SuS bei der Themenwahl mit einzubeziehen, aber in Frankreich ist dies extrem ungew\u00f6hnlich, sodass ich euch das zumindest f\u00fcr den Start (!) der Zusammenarbeit nicht empfehlen w\u00fcrde; bei mir haben sich die Klassen damit am Anfang sehr \u00fcberfordert gezeigt, sodass ich das Thema dann doch selbst gew\u00e4hlt habe. Wenn ihr sp\u00e4ter eine bessere Verbindung zur Klasse habt, k\u00f6nnt ihr individuell nat\u00fcrlich schauen, ob ihr die anderen Themen mit ihnen festlegt; das Sch\u00f6ne n\u00e4mlich am Fach LRA ist, dass ihr sehr viel Gestaltungsspielraum habt. <strong>Im Prinzip k\u00f6nnt ihr alles machen, was irgendwie mit deutscher Kultur und Geschichte zu tun hat. Es gibt (Stand heute) keinen richtigen Lehrplan, da es lediglich ein Zusatzangebot der Schule f\u00fcr die bilingualen SuS ist, wobei das aber nicht (!) hei\u00dft, dass das Fach anders als die anderen behandelt wird: im Gegenteil, ihr gebt Noten, die denselben Koeffizienten wie alle anderen F\u00e4cher haben!<\/strong> Das hei\u00dft: euer Fach ist genauso viel wert wie Mathe oder Kunst. Die Mauve-Klassen haben sich bei mir als sehr kreative Klassen gezeigt, die auch gern entsprechende Abschlussarbeiten machen f\u00fcr die Zeugnisnoten (in jedem Trimester sollte es min. eine Note geben, am besten zwei).<\/p>\n<p><strong>Insgesamt werdet ihr von den anderen Lehrkr\u00e4ften und Mitarbeiter:innen als vollwertige Lehrkr\u00e4fte angesehen und behandelt werden<\/strong> und auch die SuS wissen, dass ihr Noten wie alle anderen geben d\u00fcrft, auch, wenn der Umstand, dass ihr nur f\u00fcr eine begrenzte Zeit da seid, in manchen Klassen f\u00fcr eine etwas andere Dynamik sorgen kann. Einerseits bedeutet euer Status am CSE, dass ihr von den anderen LK sehr herzlich aufgenommen, unterst\u00fctzt und auch verteidigt werdet und ihr auch alle Rechte bekommt, die die Regellehrkr\u00e4fte haben (Saalbuchungen, Zugang zu R\u00e4umen, schulische Aktivit\u00e4ten begleiten, Zusammenarbeit mit vie scolaire). Andererseits bedeutet das auch, dass ihr keinen Welpenschutz bekommen werdet; die Leute helfen euch gern, aber ihr werdet nicht direkt an die Hand genommen bzw. im LRA-Unterricht irgendwie unterst\u00fctzt. Ihr haltet diesen Unterricht in der Regel komplett alleine, evaluiert ihn, gebt Noten, schreibt Zeugnis-Texte etc. Ihr k\u00f6nnt sehr viel aus dieser Erfahrung mitnehmen, weil sie f\u00fcr das Ref nat\u00fcrlich eine gratis lange \u00dcbungsphase ist! Fragt wo immer n\u00f6tig nach Hilfe, damit ihr aber auch gut im Sattel bleibt. Es ist viel, aber man lernt auch sehr viel!<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr die Praxissemesterstudis unter den Lesenden: die Hospitationen sind am CSE technisch \u00fcberhaupt kein Problem.<\/strong> Je nachdem, ob es das ZfsL bei euch noch erlaubt, k\u00f6nnt ihr auch alle Besuche einfach mit der vom Hausinformatiker (Name auch gern nach Kommentar) gestellten professionellen Kamera aufnehmen und euch die Aufnahmen von ihm in die Cloud stellen lassen, sodass ihr sie weiterleiten und auch selbst herunterladen k\u00f6nnt. Datenschutztechnisch ist seitens der Schule da alles gekl\u00e4rt. Der Informatiker hilft euch da auf jeden Fall sehr gern weiter. Als Tipp: schaut, dass ihr eure drei Besuche nicht zu weit nach hinten schiebt, sonst wird es einfach stressig am Ende. Ich habe zwei Besuche in den ersten Wochen gemacht und den letzten konnte ich leider erst 5 Wochen vor der Frist machen, da es organisatorisch nicht anders ging; das war etwas stressiger, weil man bspw. nicht noch krank werden durfte oder auch Ausf\u00e4lle durch Feiertage, Projekttage etc. mitbedenken musste, die sich zum Schuljahresende gern tummeln. Die Lehrkr\u00e4fte sind erfahrungsgem\u00e4\u00df aber sehr entspannt und zuvorkommend und geben euch die Stunden und Zeit, die ihr braucht: ihr m\u00fcsst nur klar kommunizieren, was ihr braucht, dann ist das am CSE eigentlich nie ein Problem. Allgemein sind die franz\u00f6sischen Kolleg:innen wie gesagt sehr solidarisch und hilfsbereit, sodass sie von sich aus auch ein inh\u00e4rentes Interesse zeigen, euch euren Aufenthalt nicht komplizierter als n\u00f6tig zu machen. Im Gegenteil: ich wurde im Laufe meines Aufenthaltes zu einer Weinverkostung, einer Dinnerparty, gemeinsamen Wanderungen und der Begleitung einer Klassenfahrt nach Italien eingeladen und eine Lehrkraft hat mir gar direkt in der zweiten Woche angeboten, ihre FeWo in der Camargue zu einem echt geschenkten Preis in den Osterferien zu mieten, was ich dankend annahm! Au\u00dferdem verbringe ich den ersten Teil meines Roadtrips ab n\u00e4chste Woche Freitag bei der Familie eines Kollegen, dessen Vater als ehemaliger G\u00e4stehausbetreiber sich schon darauf freut, mich bekochen und mir die Gegend zeigen zu d\u00fcrfen. <strong>Wirklich: fangt sofort an, euch einfach ins Kollegium zu werfen, die Franzosen nehmen euch gern auf, wenn ihr selbst auch auf sie zugeht. Sie sind sehr locker und hilfsbereit, solange ihr auch mit ihnen plauscht etc. \ud83d\ude42 Habt keine Angst! Ihr werdet definitiv belohnt!<\/strong><\/p>\n<p>So, nachdem mein Kuchen nun fertig ist und die n\u00e4chsten Tage beim Verschriftlichen der Studienprojekte sukzessiv verkr\u00fcmelt wird, folgt jetzt Resteverwertung Teil II: Curry aus Gem\u00fcseresten und Saucen!<\/p>\n<p>Na dann, bis ganz bald f\u00fcr den Roadtrip-Bericht! \ud83d\ude42<\/p>\n<p>\u00c0 tr\u00e8s bient\u00f4t!<\/p>\n<p>Eva<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Coucou, es ist verr\u00fcckt, wie schnell die Zeit hier in Strasbourg nur so geflogen ist; eben bezog ich noch mein sch\u00f6nes (von der Schule kostenlos gestelltes!) 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