{"id":19858,"date":"2025-06-05T13:05:01","date_gmt":"2025-06-05T11:05:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/?p=19858"},"modified":"2025-06-13T13:21:17","modified_gmt":"2025-06-13T11:21:17","slug":"der-umgang-mit-zweifeln-und-aengsten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/der-umgang-mit-zweifeln-und-aengsten\/","title":{"rendered":"Der Umgang mit Zweifeln und \u00c4ngsten"},"content":{"rendered":"<p>Wenn man andere Studierende nach ihren Erfahrungen bez\u00fcglich ihres Auslandsaufenthaltes fragt, bekommt man meistens Antworten, in denen es fast ausschlie\u00dflich um positive Erlebnisse geht. Zumindest war das bei mir der Fall. Fragt mich jetzt jemand nach meinen Erlebnissen w\u00e4hrend meines Praktikums in Irland, erwische auch ich mich dabei, ein glorifiziertes Bild meiner Erfahrungen abzugeben.<!--more--> Meistens erkl\u00e4re ich, wie viele offene und inspirierende Menschen ich kennengelernt habe, wie ich meinen Horizont erweitert habe und \u00fcber mich hinausgewachsen bin. Nat\u00fcrlich sind all diese Aussagen richtig, aber meistens lasse ich dann doch die Stellen aus, die mich an meine Grenzen gebracht haben. Mit diesem Post m\u00f6chte ich davon berichten, dass es normal ist, an sich und seinem Vorhaben zu zweifeln und beschreiben, wie ich mit diesen Gef\u00fchlen umgegangen bin.<\/p>\n<p><strong>Die Organisation und Planung<\/strong><\/p>\n<p>Im Studium zur Grundschullehrerin studiert man in NRW die F\u00e4cher Deutsch, Mathe und Bildungswissenschaften. Sein sogenanntes Drittfach kann man frei w\u00e4hlen. W\u00e4hrend meiner Bewerbung entschied ich mich f\u00fcr Englisch. Ein Grund daf\u00fcr war, dass hierbei ein Auslandsaufenthalt in einem englischsprachigen Land verpflichtend sein w\u00fcrde. Schon w\u00e4hrend ich mich f\u00fcr mein Studium einschrieb, war mir bewusst, dass ich ins Ausland gehen w\u00fcrde. Mir war auch klar, dass mir das alles andere als leichtfallen w\u00fcrde. Aber ich wollte die Chance nutzen und mich selbst aus meiner Komfortzone zwingen. Im Laufe meines Studiums r\u00fcckte der Zeitpunkt immer n\u00e4her, dass ich mich um meinen Auslandsaufenthalt k\u00fcmmern musste. Mit zunehmender Zeit merkte ich immer mehr, wie mich das Thema belastete. Im Nachhinein ist mir klar, dass mein gr\u00f6\u00dftes Problem war, dass ich nicht wusste, wo ich anfangen sollte. F\u00fcr mich war dieser Aufenthalt eine gro\u00dfe, ungewisse Aufgabe, der ich mich irgendwie stellen musste. Gleichzeitig hatte ich so gro\u00dfe Angst, eine falsche Entscheidung zu treffen, dass ich mich davon wie gel\u00e4hmt gef\u00fchlt habe. Doch wie bei so vielen Dingen im Leben l\u00f6sen sich Probleme nicht in Luft auf, wenn man sie vor sich herschiebt. Ganz im Gegenteil: Sie werden immer belastender.<\/p>\n<p>Und so entschied ich mich, die Planung f\u00fcr meinen Aufenthalt Schritt f\u00fcr Schritt anzugehen. Ich recherchierte im Internet, fragte andere Studierende nach ihren Erfahrungen und mir wurde immer deutlicher, was ich mir unter meiner Auslandserfahrung vorstellte. Dabei hat es mir sehr geholfen, mir selbst Deadlines und feste Timeslots f\u00fcr meine Recherche zu setzen. So habe ich beispielsweise in der Anfangszeit jeden Tag 30 Minuten im Internet Erfahrungsberichte gelesen und mich zu m\u00f6glichen Ziell\u00e4ndern informiert. Letztendlich war es wie ich es erwartet hatte: gar nicht so schlimm. Das Schwerste an der Sache war das Anfangen. Wie genau ich bei der Planung vorgegangen bin, k\u00f6nnt ihr in einem anderen meiner Posts nachlesen.<\/p>\n<p><strong>Der Umgang mit Ungewissheit<\/strong><\/p>\n<p>Nachdem ich meinen Aufenthalt also durchgeplant hatte, ging es f\u00fcr mich im Februar 2025 nach Galway. Ich erinnere mich noch gut, dass mir die erste Zeit in dem neuen Land nicht immer einfach fiel. Der Hauptgrund daf\u00fcr war die Ungewissheit, die damit einherging, dass sich schlagartig alles in meinem Leben ver\u00e4nderte: Man kommuniziert auf einer anderen Sprache, kennt niemanden in der neuen Stadt, wohnt in einem unbekannten Haus, arbeitet in einem fremden Umfeld\u2026 Jeder meiner Tage war davon gepr\u00e4gt, mich an neue Bedingungen anzupassen. Die schiere Summe an unbekannten Situationen, die es zu l\u00f6sen gab, \u00fcberforderte mich zu Beginn. W\u00e4hrenddessen zweifelte ich daran, ob ich dieser Erfahrung \u00fcberhaupt gewachsen sei. Schlie\u00dflich hatte ich zuvor kaum von anderen geh\u00f6rt, die sich \u00e4hnlich gef\u00fchlt hatten.<\/p>\n<p>R\u00fcckblickend kann ich sagen, dass diese Situationen der Ungewissheit genau das waren, was mich hat wachsen lassen. Ich habe gelernt, dass es nicht schlimm ist, wenn man sein Gegen\u00fcber mal nicht versteht oder man in der Schule wegen eines Missverst\u00e4ndnisses in den falschen Raum l\u00e4uft, dass Nachfragen keine Schande ist und man den richtigen Bus schon finden wird. All diese Situationen musste ich aushalten, l\u00f6sen und merken, dass es am Ende gar nicht schlimm war. Menschen sind Gewohnheitstiere. Wir f\u00fchlen uns in Bekanntem wohl, nutzen Routinen, um unsere Handlungen zu entlasten. Es f\u00e4llt schwer, auszubrechen und neue Gewohnheiten aufzubauen. Dabei ist es unangenehm, aus seiner Komfortzone zu treten. Aber genau da f\u00e4ngt das Leben an. Mit diesem Post m\u00f6chte ich meine Zweifel und Unsicherheiten auf keinen Fall herunterspielen oder relativieren. Ich m\u00f6chte sie stattdessen mit dem Blick auf das gro\u00dfe Ganze betrachten. Es ist normal, sich unwohl zu f\u00fchlen und an sich zu zweifeln. Schafft man es jedoch, trotzdem zu handeln und seine Komfortzone zu verlassen, w\u00e4chst man \u00fcber sich hinaus und kann \u00e4hnliche Situationen in Zukunft souver\u00e4n l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nlich bin kein Verfechter von dem Spruch \u201eWhat doesn\u2018t kill you makes you stronger.\u201c Ich bin der klaren Meinung, dass man sich nicht bis zum Ultimatum qu\u00e4len sollte, wenn es einem sehr schlecht geht. Nat\u00fcrlich ist es v\u00f6llig in Ordnung, sein Vorhaben zu unterbrechen\/abzubrechen, wenn es nicht anders geht. Kleine bis mittelgro\u00dfe \u00c4ngste und Zweifel sind jedoch f\u00fcr viele Menschen Teil einer Auslandserfahrung. Mir hat es immer geholfen, in schweren Momenten daran zu denken, dass sie mir dabei helfen, \u00fcber mich hinauszuwachsen. Genau das habe ich auf verschiedenen Ebenen in Irland erlebt. So hat mir beispielsweise eine Lehrerin in der Schule r\u00fcckgemeldet, dass ich mit zunehmender Zeit immer freier und offener mit neuen Kolleg*innen redete. Auch beim Reisen merkte ich, wie ich immer gelassener wurde und am Ende gar keine Probleme mehr hatte, Fremde nach dem Weg zu fragen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend m\u00f6chte ich jedem, der seinen Auslandsaufenthalt noch vor sich hat, mitgeben, dass moderate Zweifel normal sind und zu einer solchen Erfahrung dazugeh\u00f6ren. Der Schl\u00fcssel im Umgang mit ihnen war f\u00fcr mich, sie zu akzeptieren und dennoch zu handeln. Ich habe mich so lange unangenehmen Situationen gestellt, bis sich meine Einstellungen ver\u00e4ndert haben. Das ist ein Prozess, der mich mein Leben lang begleiten wird und mir hilft, mich weiterzuentwickeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man andere Studierende nach ihren Erfahrungen bez\u00fcglich ihres Auslandsaufenthaltes fragt, bekommt man meistens Antworten, in denen es fast ausschlie\u00dflich um positive Erlebnisse geht. Zumindest war das bei mir der Fall. 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