{"id":18912,"date":"2024-11-04T08:27:02","date_gmt":"2024-11-04T06:27:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/?p=18912"},"modified":"2024-11-04T09:27:50","modified_gmt":"2024-11-04T07:27:50","slug":"mambo-aus-kisangara-in-tansania","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/mambo-aus-kisangara-in-tansania\/","title":{"rendered":"Mambo aus Kisangara in Tansania"},"content":{"rendered":"<p>Auf der Suche nach einem freiwilligen Praktikum im Ausland wurde ich \u00fcber das ZfL auf die One World Secondary School aufmerksam, die mir durch ihre vermittelten Werte und ihr ansprechendes Unterrichtsangebot ins Auge fiel. Schnell r\u00fcckte das Abflugdatum n\u00e4her und so machte ich mich Ende Juli mit gro\u00dfer Vorfreude, Neugier, aber auch Ungewissheit auf den Weg nach Tansania.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Anreise \u00fcber Sansibar, nach Arusha und dann im Taxi noch weitere 4 Stunden nach Kisangara war lang, doch als ich bei Dunkelheit endlich an der One World ankam wurde ich freundlich vom Schulleiter Karl-Heinz K\u00f6hler begr\u00fc\u00dft. Nach der ersten Nacht in meinem eigenen Zimmer im Volunteerhaus, welches mit einem Bett inklusive Bettw\u00e4sche, einem kleinen Schreibtisch, Stuhl und einem H\u00e4ngeregal ausgestattet ist, lernte ich direkt am Morgen zwei tansanische Volunteers kennen, die zum Zeitpunkt meines Aufenthalts an der Schule lebten und halfen. Die beiden M\u00e4dels, Angel und Peris, nahmen mich herzlich auf, zeigten mir die Schule, stellten erste Kontakte zu den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern her und begleiteten mich an meinem ersten Tag direkt auf den w\u00f6chentlichen Markt in Kisangara.<\/p>\n<p>Kisangara ist das Dorf, in dem sich die One World Secondary School befindet. Zu Fu\u00df ist man in etwa 20 Minuten im \u201eOrtskern\u201c, manchmal wurden wir aber auch freundlicherweise von einem Picky Picky mitgenommen, dann war man schon in 5 Minuten angekommen. Picky Picky\u00b4s sind Motorrad-Taxis, die in Tansania ein beliebtes und g\u00fcnstiges Fortbewegungsmittel f\u00fcr kurze Strecken sind &#8211; gerne passen dort bis zu 4 Personen drauf und auch jegliches Gep\u00e4ck kann damit transportiert werden. In Kisangara gibt es quasi alles, was man zum \u00dcberleben braucht: ein paar Shops, die Softdrinks, S\u00fc\u00dfigkeiten oder auch Hygieneartikel und Shampoos verkaufen, ein kleines Restaurant, einige Obst- und Gem\u00fcsest\u00e4nde und ein, zwei Bars, in denen manchmal Fu\u00dfball l\u00e4uft und man ein lokales Bier, wie Safari oder Kilimanjaro, probieren kann. Richtig sch\u00f6n wird das Dorf am Sonntag, wenn der w\u00f6chentliche Markt ist. Leckeres, frisches lokales Obst und Gem\u00fcse &#8211; meine Favoriten waren Avocados und Passionsfr\u00fcchte &#8211; Gew\u00fcrze, Fisch, aber auch Kleidung, Schmuck, Taschen, feste Schuhe oder Flip Flops werden angeboten. Es war einfach total sch\u00f6n \u00fcber den Markt zu bummeln, ein paar Kleinigkeiten zu erwerben, mit den Verk\u00e4uferinnen teilweise mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen \u00fcber den Preis zu verhandeln und von allen Seiten an die St\u00e4nde gewunken und begr\u00fc\u00dft zu werden. F\u00fcr die Menschen in Tansania ist es normal, die Eink\u00e4ufe auf dem Markt zu t\u00e4tigen &#8211; sowohl Lebensmittel als auch Kleidung werden meist nur dort gekauft. In Mwanga oder Moshi gibt es noch gr\u00f6\u00dfere und t\u00e4gliche M\u00e4rkte, die das \u00c4quivalent zu deutschen Gesch\u00e4ften und Superm\u00e4rkten sind. Einen Kiosk mit Snacks, Getr\u00e4nken und Schulbedarf gab es auch direkt auf dem Schulgel\u00e4nde.<\/p>\n<p>Weitere Unterschiede in den Lebensweisen zeigten sich auch innerhalb der Schule. Beispielsweise waren die sanit\u00e4ren Anlagen auch im Volunteerhaus im tansanischen Standard, d.h. es gab Hocktoiletten und kalte Duschen im geteilten Badezimmer. Diese doch zuerst ungewohnte Situation wurde \u00fcberraschend schnell zur Normalit\u00e4t und ich am\u00fcsierte mich dann gemeinsam mit den Sch\u00fcler*innen, was f\u00fcr uns jeweils \u201enormale\u201c Toiletten sind. \u00dcberrascht war ich auch dar\u00fcber, wie ordentlich und sauber die M\u00e4dchen und Jungs an der Schule waren &#8211; es wurden t\u00e4glich die Unterrichtsr\u00e4ume gewischt, der Schulhof trotz rotem staubigen Sand gefegt, die Schlafs\u00e4le gereinigt und W\u00e4sche gewaschen. Geputzt wurde mit einem alten Handtuch und gewaschen ganz simpel per Hand in einem Eimer. W\u00e4hrend die Sch\u00fcler*innen wirklich jeden Tag am Waschen und damit richtige Profis waren, war das Schrubben und Auswringen meiner T-Shirts und Hosen f\u00fcr mich doch etwas anstrengender &#8211; f\u00fcr 2 Monate aber absolut machbar. Und bei allen Ungewissheiten oder Herausforderungen standen mir sowohl die zwei tansanischen Volunteers, der Schulleiter und seine Frau, aber auch die Sch\u00fcler*innen immer zur Seite. Einen richtigen Kulturschock hatte ich nicht, da ich mich vorab mit dem Land besch\u00e4ftigt habe und meine Vorstellungen sich dadurch mit der Realit\u00e4t gedeckt haben &#8211; generell empfehle ich eine offene und tolerante Haltung einzunehmen, dann wird man auch nicht negativ \u00fcberrascht.<\/p>\n<p>Des Weiteren halfen mir der Austausch mit den Lernenden und Menschen vor Ort sehr dabei, meine Fragen und Gedanken zu Tansania sowie auch generelle Stereotypen \u00fcber Afrika zu thematisieren. Die Generalisierung von Afrika zu sprechen ist selbst schon ein Problem, da der Kontinent aus 54 L\u00e4ndern besteht, die alle total unterschiedlich sind und auch kulturell nicht \u00fcber einen Kamm geschert werden sollten. Das stereotype Bild eines \u201earmen Afrikas\u201c best\u00e4tigte sich auf der einen Seite, wurde auf der anderen Seite aber auch widerlegt. Zwar waren die Lebensbedingungen deutlich anders als in Deutschland, viele der Familien a\u00dfen aus Kostengr\u00fcnden zu fast allen Mahlzeiten Ugali (eine Art fester Brei aus Maismehl) und auch an der Schule gab es viele Sch\u00fcler*innen die auf ein Stipendium angewiesen waren. Die One World Secondary School bietet allerdings genau diesen Kindern aus einkommensschwachen Familien die M\u00f6glichkeit auf Bildung an ihrer Schule, wodurch sie sich auch von anderen tansanischen Privatschulen abhebt. Andererseits \u00fcberraschte mich Tansania auch durch ein weniger von Armut gepr\u00e4gtes Bild: sowohl an der Schule gab es t\u00e4glich zwei warme Mahlzeiten, die Menschen machten keinen verhungerten Eindruck oder hatten keine \u201evern\u00fcnftige\u201c Kleidung, viele der konsumierten Lebensmittel kamen ja aus dem eigenen Anbau, und zwar teilten sich gro\u00dfe Familien oft Zimmer oder auch H\u00e4user, aber sie hatten ein Dach \u00fcber dem Kopf. Au\u00dferdem waren &#8211; auch mir gegen\u00fcber &#8211; die Menschen stets freundlich und fr\u00f6hlich.<\/p>\n<p>Ich hatte, entgegen urspr\u00fcnglichen Bef\u00fcrchtungen auch aus meinem Umfeld, nie ein unwohles Gef\u00fchl oder Angst, obwohl ich als Frau durchaus eine andere Stellung hatte als in Deutschland. Zwar wurde ich ab und an von fremden M\u00e4nnern ber\u00fchrt oder sie haben tansanischen Begleiterinnen von mir erz\u00e4hlt, dass sie mich heiraten und umsorgen wollen, weil ich eine wei\u00dfe Frau bin. Ansonsten machte ich aber keine negativen Erfahrungen. In Tansania herrscht ein traditionelles M\u00e4nner-Frauen-Rollenbild und auch die Sch\u00fclerinnen sind in diesen hierarchischen Verh\u00e4ltnissen gro\u00df geworden und sehen sich daher teilweise auch als weniger wert an als M\u00e4nner. In den Schulferien m\u00fcssen die meisten M\u00e4dchen in ihren Familien beispielsweise ausschlie\u00dflich im Haushalt oder bei der Kinderbetreuung helfen und werden oft von zuhause nicht in ihren Bildungsm\u00f6glichkeiten weiter best\u00e4rkt. Die One World unterst\u00fctzt allerdings bewusst und aktiv die St\u00e4rkung eines starken Selbstwertgef\u00fchls und Unabh\u00e4ngigkeitsgedanken der M\u00e4dchen, damit diese auch langfristig ihre Chancen nutzen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_18913\" aria-describedby=\"caption-attachment-18913\" style=\"width: 712px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a class=\"trawell-popup-img\" href=https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/DSC00109.jpg  data-size=\"{&quot;w&quot;:1920,&quot;h&quot;:1280}\" ><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-18913\" src=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/DSC00109-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"712\" height=\"534\" srcset=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/DSC00109-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/DSC00109-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/DSC00109-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/DSC00109-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/DSC00109-600x450.jpg 600w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/DSC00109-800x600.jpg 800w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/DSC00109.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 712px) 100vw, 712px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-18913\" class=\"wp-caption-text\">Blick auf eines der drei Schulgeb\u00e4ude<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf der Suche nach einem freiwilligen Praktikum im Ausland wurde ich \u00fcber das ZfL auf die One World Secondary School aufmerksam, die mir durch ihre vermittelten Werte und ihr ansprechendes Unterrichtsangebot ins Auge fiel. 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