{"id":18885,"date":"2024-11-11T12:03:48","date_gmt":"2024-11-11T10:03:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/?p=18885"},"modified":"2025-02-04T14:53:34","modified_gmt":"2025-02-04T12:53:34","slug":"ayo-dushi-curacao","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/ayo-dushi-curacao\/","title":{"rendered":"Ayo dushi Curacao"},"content":{"rendered":"<p>Meine Zeit auf Curacao ist wie im Fluge vergangen. Wo ich am Anfang in Deutschland noch dachte \u201a<em>11 Wochen sind echt ganz sch\u00f6n lang<\/em>\u2018, denke ich nun, ich w\u00fcrde gerne noch viel l\u00e4nger an diesem wundersch\u00f6nen Ort bleiben. Dieser Wunsch wird durch verschiedene Gr\u00fcnde beeinflusst.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ganz oben steht die Gelassenheit und Entspanntheit der Menschen hier, sowohl der Lokals als auch der Niederl\u00e4nder. Hektik gibt es hier nicht, alles dauert etwas l\u00e4nger aber es funktioniert, so wie man es sich vorgenommen hat. Wenn etwas mal nicht so l\u00e4uft wie geplant, dann h\u00f6rt man nur ein \u201akomt goed\u2018 und dann wird auch alles gut. Diese Einstellung werde ich auf jeden Fall mit nach Hause nehmen und hoffen, dass ich von dieser w\u00e4hrend meines Referendariats profitieren kann. Gleichzeitig f\u00fchrt das durchweg sonnige Wetter auf der Insel dazu, dass man kaum jemanden begegnet, der schlecht gelaunt ist. Das wird in zur\u00fcck in Deutschland sicher wieder anders aussehen. Doch diese Fr\u00f6hlichkeit werde ich immer mit Curacao in Verbindung bringen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus habe ich in meiner Unterkunft sehr viele nette Menschen kennengelernt, durch die ich die niederl\u00e4ndische Sprache, Kultur und Ausgelassenheit auf mich wirken lassen konnte. Sprachlich war mir im Vorfeld, trotz meines Studiums, nicht so deutlich geworden, dass es im Niederl\u00e4ndischen vielfach kein \u00c4quivalent f\u00fcr deutsche Worte gibt. Oder das ihnen f\u00fcr Dinge, bei denen wir mindestes zwei bis drei Ausdrucksm\u00f6glichkeiten haben, nur ein Wort zur Verf\u00fcgung steht. Ein Beispiel aus dem Bereich des Kochens war, dass Niederl\u00e4nder immer \u201astampen\u2018 sagen, unabh\u00e4ngig davon, ob sie nun <em>p\u00fcrieren<\/em>, <em>stampfen <\/em>oder <em>matschen <\/em>meinen. Das ist nur ein Beispiel daf\u00fcr, dass das Niederl\u00e4ndische eine deutlich eint\u00f6nigere Sprache ist, zugleich sich aber die Menschen gro\u00dfartig mit dem (f\u00fcr uns beschr\u00e4nkten) Wortschatz ausdr\u00fccken k\u00f6nnen. Ich werde es in jedem Fall vermissen so viel mit der niederl\u00e4ndischen Sprache konfrontiert zu sein, da die Zeit hier mir noch einmal deutlich gemacht hat, warum ich diese Sprache so gerne spreche &#8211; sie ist einfach viel freundlicher als das harte, \u201ab\u00f6se\u2019 Deutsch, dass wir sprechen. Insgesamt hat sich der Aufenthalt auf Curacao auf meine Sprachf\u00e4higkeiten sehr positiv ausgewirkt, was meiner T\u00e4tigkeit als zuk\u00fcnftige Lehrkraft sicherlich zugutekommen wird.<\/p>\n<p>In Hinblick auf mein Praktikum habe ich ebenfalls viele Dinge gelernt, die ich zuk\u00fcnftig in der Schule nutzen kann, obwohl ich nicht im klassischen schulischen Bereich t\u00e4tig war. Deutlich zeigte sich dabei f\u00fcr mich wie irrelevant es im Miteinander mit den Kindern ist, ob alle die gleiche Sprache sprechen. Viele der Kinder im Ferienprogramm, insbesondere die J\u00fcngsten, sprachen weder Niederl\u00e4ndisch noch Englisch, sondern ausschlie\u00dflich Papiamentu. Dennoch haben wir es geschafft miteinander zu kommunizieren, mit Hilfe anderer Kinder, die eine der Sprachen sprechen konnten oder mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen. Mit der Zeit habe ich auch selbst einige Floskeln des Papiamentus gut verstehen k\u00f6nnen. Insgesamt ist das Papiamentu eine sehr interessante Sprache, wo es sich meiner Meinung nach in jedem Fall anbieten sich diesem an Projekttagen in der Schule zu widmen.<\/p>\n<p>Aber auch in Hinblick auf Differenzierung konnte ich im Ferienprogramm einiges lernen, den dort wurde ein autistischer Junge betreut. In meinen bisherigen Praktika, insbesondere im Praxissemester an einer Gesamtschule, habe ich bereits Erfahrungen mit Jugendlichen gesammelt, die an Autismus erkrankt waren. Ganz im Gegensatz zu den Lehrkr\u00e4ften in der Ferienbetreuung. Hier auf der Insel besuchen \u201aspeciale kinderen\u2018 eine Schule mit F\u00f6rderschwerpunkt, weshalb die drei Damen \u00fcberhaupt nicht wussten wie sie mit dem Jungen umzugehen haben. Das gr\u00f6\u00dfte Problem dabei war, dass sie den Jungen st\u00e4ndig von den anderen Kindern separierten. Die anderen Kinder haben nicht verstanden, warum er z.T. aggressiv oder \u00fcbergriffig reagiert (meist hat er dabei das Verhalten der anderen Kinder nachgeahmt). Anstatt den Kindern sein Handeln zu erkl\u00e4ren, wurde er neben die Lehrkr\u00e4fte gesetzt und musste dort sitzen bleiben. Mit Ausnahme von den j\u00fcngsten Kindern, wurde er als einziges Kind bei jedem Ausflug an der Hand gehalten, damit er keinen \u00c4rger macht. Ich habe mehrfach versucht den Frauen zu erkl\u00e4ren, dass er in die Gruppe integriert werden muss und die Kinder lernen m\u00fcssen, dass er nicht komisch ist. Das konnten oder wollten sie jedoch nicht verstehen.<\/p>\n<p>Insgesamt kam es f\u00fcr mich in mehreren Momenten so r\u00fcber, als w\u00fcrden mich die Lehrkr\u00e4fte nicht als vollwertige Lehrkraft ansehen. Dieses Verhalten w\u00fcrde ich damit begr\u00fcnden, dass sich das Bildungssystem hier und auch in das den Niederlanden \u00fcberhaupt nicht mit dem Deutschen vergleichen l\u00e4sst. Meine Erkl\u00e4rungen \u00fcber den Bildungsweg in Deutschland um Lehrerin zu werden, sto\u00df meist auf Unverst\u00e4ndnis. Ich wurde insbesondere von der \u201aChefin\u2018 nur als \u201aJuf\u2018 (Grundschullehrerin) angesprochen und das h\u00e4ufig in einem Tonfall, der verdeutlichte, dass ich nicht auf einer Ebene mit ihr stehe. Dies \u00e4nderte sich auch nicht, als ich es ihr gegen\u00fcber ansprach. Mit der Zeit habe ich aber f\u00fcr mich erkannt, dass dieser Tonfall nichts mit Unh\u00f6flichkeit zu tun hat, sondern laute Stimmen und Geschrei das Temperament der Menschen widerspiegelt. In Hinblick auf die Aktivit\u00e4ten, die ich mit den Kindern gemacht habe, fand ich die Abwechslung zwischen Freizeitaktivit\u00e4ten, die einfach zur Belustigung der Kinder gedacht waren und denen, bei denen die Kinder etwas lernen konnten sehr gut gew\u00e4hlt. So war es nicht nur reines Vergn\u00fcgen, sondern die Kinder konnten auf eine spielerische Weise auch einiges lernen. Dabei konnten sie vor allem Orte besuchen, die viele von ihnen mit ihren Eltern noch nie besucht haben und konnten dadurch besondere Erfahrungen machen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Alles in allem kann ich sagen, dass das Praktikum mich in vielerlei Hinsicht positiv gef\u00f6rdert hat und ich viele Erfahrungen sammeln konnte, von denen ich in meinem zuk\u00fcnftigen Leben, nicht nur auf der Arbeit, profitieren kann. Auch der Zeitpunkt des Praktikums war f\u00fcr mich nun sehr passend gew\u00e4hlt, ich war bereits fertig mit allen Verpflichtungen an der Universit\u00e4t und konnte ganz entspannt das Praktikum f\u00fcr mich selbst machen, ohne einen verpflichtenden Praktikumsbericht verfassen zu m\u00fcssen. Somit kann ich jedem nur empfehlen auch freiwillige Praktika zu absolvieren. Auch Curacao kann ich als Ort f\u00fcr ein Praktikum empfehlen. Da es au\u00dfereurop\u00e4isch ist, ist einiges etwas umst\u00e4ndlicher zu organisieren, aber vor Ort ist es im Gro\u00dfen und Ganzen mit unseren europ\u00e4ischen Standards zu vergleichen, wobei hier auch unterschieden werden muss, in welchem Teil der Insel man sich befindet. Sprachlich kann man sich hier sehr gut auf Niederl\u00e4ndisch, Englisch und Spanisch verst\u00e4ndigen und wenn das mal nicht klappt \u201ekomt het desondanks goed\u201c (dt.: <em>wird dennoch alles gut<\/em>).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ayo, Lina<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Zeit auf Curacao ist wie im Fluge vergangen. Wo ich am Anfang in Deutschland noch dachte \u201a11 Wochen sind echt ganz sch\u00f6n lang\u2018, denke ich nun, ich w\u00fcrde gerne noch viel l\u00e4nger an diesem wundersch\u00f6nen Ort bleiben. 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