{"id":1861,"date":"2014-09-25T08:40:21","date_gmt":"2014-09-25T06:40:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/?p=1861"},"modified":"2024-10-04T12:05:08","modified_gmt":"2024-10-04T10:05:08","slug":"ein-tag-im-leben-des-marius-s","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/ein-tag-im-leben-des-marius-s\/","title":{"rendered":"Ein Tag im Leben des Marius S."},"content":{"rendered":"<p>4:45 Uhr. Die Phrase &#8220;Der Wecker klingelt erbarmungslos&#8221; wird meinem allmorgendlichen Empfinden nicht gerecht.<\/p>\n<p>Bombenhagelunwetterabgrundregentrommelschl\u00e4gepistoleglatteis. So schon eher.<\/p>\n<p>Ich werde hier zum Spie\u00dfer&#8230;<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Abends schmiere ich mir meine zwei Br\u00f6tchen. Packe sie in meine blaue Butterbrotsdose. Drapiere mein Trinkp\u00e4ckchen, eine Packung Oreo, ein M\u00fcsliriegel und eine Banane daneben. K\u00fchlschrank zu. Danach falte ich meine Hose auf meiner Kommode, hole ein frisches Hemd aus dem Schrank und lege es obendrauf. Die Schuhe stelle ich davor. Dann dusche ich und gehe schlafen, wenn meine Haare trocken sind. Morgens z\u00e4hlt jede Minute. Nacht. Inzwischen ist es 4:53 Uhr und es wird Zeit. In Usain-Bolt-Tempo arbeite ich die Sachen ab, die ich am Abend zuvor vorbereitet habe und sehe mich um 5:10 Uhr vor meiner Haust\u00fcr in Bairro Alto stehen. Vereinzelt kommen mir betrunkene Menschen entgegen, hier und da st\u00fctzt ein junger Mann in Hemd eine sch\u00f6ne Portugiesin auf High Heels. Wahrscheinlich hofft er auf seine Belohnung.<\/p>\n<p>Ich erreiche die Avenida da Liberdade und jetzt beginnt mein Aufstieg zu Marques de Pombal. Ich komme an Armani, Hugo Boss, Gucci und Prada Flagshipstores vorbei. Unter den B\u00e4umen davor suchen Obdachlose ein bisschen Schlaf auf den harten B\u00e4nken. Jeden Morgen ein merkw\u00fcrdiges Bild. Ich habe jedoch keine Zeit, um dar\u00fcber nachzudenken. Mein Bus f\u00e4hrt gleich. Mein Busfahrer l\u00e4sst sich wie folgt beschreiben: Er hupt bereits, wenn es noch rot ist.<\/p>\n<p>Gegen 6:30 Uhr komme ich bei Volkswagen Autoeuropa an. Hier mache ich ein sechsmonatiges Praktikum im Project Management. Wie immer bin ich mit Nuno zusammen der erste im B\u00fcro. Er bringt mir mein t\u00e4gliches portugiesisches Schimpfwort des Tages bei. Heute ist es &#8216;fraco&#8217;, was so viel wie Schw\u00e4chling bedeutet. Ich trinke n\u00e4mlich keinen Kaffee, was hier als Staatsbeleidigung gilt. Folgerichtig bin ich also der gr\u00f6\u00dfte fraco der Abteilung.<\/p>\n<p>Ich beginne mit meiner Arbeit. Da meine Abteilung ausschlie\u00dflich mit neuen Projekten (sprich: neuen Autos) zu tun hat, musste ich vor Praktikumsbeginn eine Verschwiegenheitserkl\u00e4rung unterschreiben. F\u00fcr manche klingt das \u00fcbertrieben, ich finde es vor allem eines: spannend.<\/p>\n<p>Wenn die Portugiesen eines k\u00f6nnen, dann ist es p\u00fcnktlich Mittag machen. Da wir ein bisschen au\u00dferhalb des Werksgel\u00e4ndes sitzen, fahren wir immer mit einem gro\u00dfen Auto zur Kantine. Zehn Leute bei sieben Sitzen ist dabei nat\u00fcrlich auch kein Problem. Heute h\u00e4nge ich halb in Franciscos Achsel, w\u00e4hrend bei Susana links von mir das Handy klingelt. Es gibt Situationen, in denen kann man einfach nicht ans Telefon gehen.<\/p>\n<p>Gegen 16 Uhr endet mein Arbeitstag. Wenn ich auf dem Weg nach Hause die Ponte 25 de Abril \u00fcberquere, sp\u00fcre ich schon jetzt ein bisschen Heimat. Und ein starkes Gef\u00fchl von Zuneigung. Wieder steige ich bei Marques de Pombal aus und gehe dieses Mal bergab. Ehe es dann wieder bergauf geht. Und bergab. So richtig entscheiden kann sich diese Stadt nicht. Und das mag ich. Aus den obdachlosen Menschen auf den B\u00e4nken sind inzwischen gut angezogene Frauen mit Smartphone geworden. Ich bin zwar ersch\u00f6pft, widerstehe aber dem Drang und versuche noch etwas zu erleben. Heute entscheide ich mich f\u00fcr Takeaway bei &#8220;Casa da India&#8221;, einem guten und g\u00fcnstigen Restaurant am Rande des Bairro Alto. Hier gibt es ein Schaufenster, in dem Fisch und Chicken gegrillt und dann mit der Gartenzange zurechtgeknipst werden. \u00a0Es ist also offensichtlich, dass ich das Ganze schon an meinem ersten Tag ausprobieren musste und seitdem gerne zur\u00fcckkomme. Um allen Klischees zu entsprechen, entscheide ich mich f\u00fcr Bacalhau, den portugiesischen Nationalfisch.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ich entspannt bei mir Zuhause am Tisch sitze, Musik h\u00f6re und dabei mein Essen genie\u00dfe, \u00fcberlege ich meine Abendplanung. Denn quasi mit meinem ersten Arbeitstag habe ich entschieden, dass Schlaf f\u00fcr die n\u00e4chsten Monate am unteren Ende meiner Priorit\u00e4tenliste steht. Zu viele gute Restaurants, zu viele interessante Bars, eine einfach zu sch\u00f6ne Stadt mit einfach zu sch\u00f6nen und zu interessanten Menschen. Mein Handy klingelt und ich treffe mich bald mit den Architekten, die ich hier in meinen ersten Tagen kennengelernt habe. Um es in Hape-Kerkeling-Manier zu sagen: &#8220;Ich bin dann mal weg&#8221;.<\/p>\n<p>Bis zum n\u00e4chsten Mal. Ich bleibe dran!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>4:45 Uhr. Die Phrase &#8220;Der Wecker klingelt erbarmungslos&#8221; wird meinem allmorgendlichen Empfinden nicht gerecht. Bombenhagelunwetterabgrundregentrommelschl\u00e4gepistoleglatteis. So schon eher. Ich werde hier zum Spie\u00dfer&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":85,"featured_media":1862,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1248,1278,2042,2050],"tags":[9,39,175,110,1186,1404],"class_list":["post-1861","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-europa","category-portugal","category-soziales-und-paedagogik","category-wirtschaftswissenschaften","tag-auslandspraktikum","tag-erasmus","tag-lissabon","tag-portugal","tag-praktikumsalltag","tag-volkswagen-autoeuropa"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1861"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/users\/85"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1861"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1861\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1869,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1861\/revisions\/1869"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1862"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1861"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1861"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1861"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}