{"id":17756,"date":"2024-03-22T11:33:57","date_gmt":"2024-03-22T09:33:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/?p=17756"},"modified":"2025-02-05T14:15:03","modified_gmt":"2025-02-05T12:15:03","slug":"karibu-an-der-one-world-secondary-school","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/karibu-an-der-one-world-secondary-school\/","title":{"rendered":"Karibu an der One World Secondary School!"},"content":{"rendered":"<p>Als angehende Lehrkraft f\u00fcr (Fremd-)Sprachen (Englisch, Spanisch, Deutsch) sowie DaF\/Z (Zertifikatsstudiengang) werden wir, Nasha und Anna, immer wieder Perspektivwechsel initiieren, (inter-)kulturellen\/-religi\u00f6sen Austausch f\u00f6rdern und Menschen \u00fcber Kommunikation miteinander verbinden d\u00fcrfen. Wir m\u00f6chten Br\u00fcckenbauerinnen zwischen Kulturen und Weltansichten sein und die Lernenden auf ihrem Weg zu mehrsprachigen, bewussten und toleranten Individuen begleiten. Um Kulturkontraste authentisch pr\u00e4sentieren und empathisch auf (DaFZ-)Lernende eingehen zu k\u00f6nnen, ist es elementar, diese wertvollen Erfahrungen von Alterit\u00e4t, Neugierde, Faszination, aber auch Irritation selbst zu erleben. So durften wir an einem wertvollen DaF-Praktikum in Tansania an der <em>One World Secondary School<\/em> in Kisangara, Kilimanjaro, wachsen. Einen Einblick zur Schule kann man sonst auch gut unter der gleichnamigen Internetadresse finden.<!--more--><\/p>\n<p>Die <em>One World Secondary School<\/em> wurde vor 12 Jahren von einem deutschen Ehepaar, den \u201eK\u00f6hlers\u201c, gegr\u00fcndet und finanziert sich zu gro\u00dfen Teilen aus Spendengeldern. Gleichzeitig m\u00fcssen die Sch\u00fcler:innen, je nach ihren sozio-\u00f6konomischen Verh\u00e4ltnissen, Schulgeld zahlen. Die Schule bietet den Sch\u00fcler:innen, die an dem Internat leben und lernen, qualitative, demokratische und gewaltfreie Bildung. Unter anderem ist sie Pasch-Schule des Goethe-Instituts. Wichtige Foki sind die nachhaltige Entwicklungsarbeit vor Ort sowie der Ausbau globaler Netzwerke, sodass den Lernenden Wurzeln und Fl\u00fcgel gegeben werden: Verwurzelt in einer stolzen, interkulturellen Identit\u00e4t und mit Verantwortungssinn f\u00fcr die Zukunft und ihre sozialen Gemeinschaften, stehen ihnen gleichzeitig oft internationale Bildungswege sowie verantwortungsvolle Positionen in Gesellschaft und Politik offen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_17757\" aria-describedby=\"caption-attachment-17757\" style=\"width: 611px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a class=\"trawell-popup-img\" href=https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Bild1-1.jpg  data-size=\"{&quot;w&quot;:1920,&quot;h&quot;:1280}\" ><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-17757\" src=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Bild1-1-300x206.jpg\" alt=\"\" width=\"611\" height=\"419\" srcset=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Bild1-1-300x206.jpg 300w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Bild1-1-1024x704.jpg 1024w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Bild1-1-768x528.jpg 768w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Bild1-1-800x550.jpg 800w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Bild1-1.jpg 1280w\" sizes=\"(max-width: 611px) 100vw, 611px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-17757\" class=\"wp-caption-text\">Gelegen in der Kilimanjaro-Region, ist die One World Secondary School von kleineren Bergen umgeben.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Schon am ersten Tag h\u00f6rten wir von allen Seiten \u201eKaribuni\u201c (Herzliche Willkommen), tanzten gemeinsam auf der roten Erde, spielten Uno (ein wunderbares und internationales Spiel, um Farben und Zahlen in der Fremdsprache zu trainieren) und tauschten erste deutsche Vokabeln gegen W\u00f6rter auf Kiswahili aus. Anfangs schien uns die Sprache sehr fremd, doch rasch verinnerlichten wir wichtige Phrasen und Interaktionsmuster und konnten bald basale Kommunikation (z.B. beim Einkaufen auf dem Markt) leisten.<\/p>\n<p>Die Sch\u00fcler:innen begegneten uns mit einer gro\u00dfen Neugierde, stellten viele Fragen und nahmen uns sehr herzlich auf.<\/p>\n<p>\u201eIhr geht also nach Afrika\u201c, hatten im Vorfeld einige Personen in unserem Umfeld mit einem anerkennenden bis skeptischen Ton zusammengefasst. Wir spezifizierten, dass wir unser Praktikum im ostafrikanischen Tansania verbringen w\u00fcrden. Der afrikanische Kontinent mit den 54 L\u00e4ndern, der dreimal so gro\u00df ist wie Europa, wird im westlichen Bewusstsein h\u00e4ufig zu einem Land degradiert. Oft mussten wir auch erkl\u00e4ren, wo genau Tansania liegt &#8211; obgleich bei Erw\u00e4hnung des Kilimanjaros, dem Dach Afrikas, schlie\u00dflich eifriges Nicken erfolgte.<\/p>\n<p>Ein weiteres Clich\u00e9, das uns im Vorfeld begegnete, waren Vorstellungen von armen Menschen in einfachen Behausungen, rigiden Geschlechtervorstellungen, hungrigen Kindern und trockener Erde. Au\u00dferdem hatten wir, aufgrund der kolonialen Geschichte, die Tansania und Deutschland auf blutige Weise verbindet, bef\u00fcrchtet, dass uns, als Deutsche, begr\u00fcndete Ressentiments entgegengebracht werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Bereits vor dem Praktikumsstart war uns klar, dass viele dieser Konzeptionen stereotyp, simplifizierend und verletzend sein k\u00f6nnen, sodass wir uns darauf freuten, ihnen eigene Eindr\u00fccke und Erfahrungen entgegenzustellen.<\/p>\n<p>Hinsichtlich des Aspektes der Armut merkten wir schnell, dass sich ein ambivalentes Bild auftat: Zwar geh\u00f6rt Tansania zu den \u00e4rmsten L\u00e4ndern der Welt, wobei etwa 90% der 41 Millionen Menschen unter der Armutsgrenze lebt, jedoch ist das Land reich an Bodensch\u00e4tzen, wie Gold und Edelsteinen. Problematisch ist jedoch, dass diese wertvollen Ressourcen von ausl\u00e4ndischen Unternehmen abgetragen werden oder die Staatseinnahmen im undurchsichtigen Gewirr der im Land vorherrschenden Korruption verschwinden: Eine Hand w\u00e4scht die andere, doch vergisst man dabei jene des Volkes. Somit ist Tansania ein reiches Land mit vorwiegend armer Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>Die <em>One World School<\/em> unterst\u00fctzt, anders als andere Privatschulen des Landes, Sch\u00fcler:innen aus ganz unterschiedlichen \u00f6konomischen Verh\u00e4ltnissen. Zwar kommen viele Sch\u00fclerinnen tats\u00e4chlich aus \u00f6konomisch stark benachteiligten Familien und werden durch Sponsor:innen gef\u00f6rdert, doch ist dies nicht f\u00fcr alle der Fall. Neid scheint dabei jedoch selten aufzukommen: Die Sch\u00fcler:innen des Internats bilden eine starke Gemeinschaft, die von R\u00fccksichtnahme und gegenseitiger Unterst\u00fctzung gepr\u00e4gt ist.<\/p>\n<p>Bez\u00fcglich der Landschaft sahen wir, besonders in der hoch gelegenen Kilimanjaro-Region, saftige Wiesen, auf denen die Massai ihr Vieh grasen lie\u00dfen, W\u00e4lder, Plantagen, Landwirtschaft und Palmen an uns vorbeiziehen. Mit der einsetzenden Regenzeit prasselten die dicken Tropfen schlie\u00dflich so laut auf die D\u00e4cher der Klassenzimmer, dass man manchmal sein eigenes Wort nicht mehr h\u00f6rte \u2013 so viel zum Vorurteil der D\u00fcrren und W\u00fcsten (man muss jedoch hinzuf\u00fcgen, dass sich das Wetter, als Folge des Klimawandels, auch in Tansania ver\u00e4ndert und Regen- sowie Trockenzeiten schlechter vorhersehbar werden und die Landwirtschaft enorm beeinflussen).<\/p>\n<p>Hunger leiden m\u00fcssen zumindest die knapp 120 Sch\u00fcler:innen der One World School dennoch keinesfalls: Morgens gibt es Uji, eine Art Porridge, bevor es zur \u201eChai Break\u201c Tee und Brot oder k\u00f6stliches Obst gibt, mittags und abends wird warm gegessen (meist das aus Maismehl bestehende Nationalgericht \u201eUgali\u201c mit Gem\u00fcse oder auch mal Fleisch oder Reis).<\/p>\n<p>Hinsichtlich des gemeinsamen Lernens zwischen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern merkten wir, dass gewisse Ungleichbehandlungen bestanden. (So war etwa das Schlafgeb\u00e4ude der M\u00e4dchen zu \u201eihrer Sicherheit\u201c eingez\u00e4unt, jenes der Jungen jedoch nicht. Weiter war k\u00f6rperliche Ber\u00fchrung zwischen den Geschlechtern untersagt, was unter anderem dazu f\u00fchrte, dass Sportangebote (Fu\u00dfball oder Netball, \u00e4hnlich zu Basketball) prim\u00e4r den Jungen offenstanden.) Teilweise erkl\u00e4rten Sch\u00fclerinnen, dass ihre Eltern bereits ihre Verheiratung planten, anstatt ihren Wunsch nach einer universit\u00e4ren Ausbildung zu unterst\u00fctzen. Au\u00dferdem bestanden bei einigen Personen, Sch\u00fcler:innen sowie Lehrkr\u00e4ften, homophobe Tendenzen \u2013 dies ist leider ebenfalls h\u00e4ufig in Tansania anzutreffen. Doch auch hier muss gesagt sein, dass sich einige Jugendliche, obgleich sie im Rahmen des Schulunterrichts gar keine oder nur rudiment\u00e4re Sexual- und Identit\u00e4tsbildung erhalten, sich diesen Tendenzen klar entgegenstellen. Besonders in diesen Aspekten konnten wir, als junge Frauen, die in Westeuropa zahlreiche Freiheiten genie\u00dfen, unsere Privilegien reflektieren sowie in zahlreichen Gespr\u00e4chen den Sch\u00fcler:innen Selbstbewusstsein schenken oder sie unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend konnten wir auch die Bef\u00fcrchtung, Ablehnung aufgrund der grausamen Kolonialverbrechen Deutschlands zu erfahren, \u00fcber Bord werfen. Egal ob in der Schule, auf dem Markt oder bei Safaris (= Kiswahili f\u00fcr Reise) in andere St\u00e4dte: Uns wurde stets mit gro\u00dfer Herzlichkeit, einem L\u00e4cheln und Neugierde begegnet, sodass wir uns schon bald \u201ewie Zuhause\u201c f\u00fchlen durften.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als angehende Lehrkraft f\u00fcr (Fremd-)Sprachen (Englisch, Spanisch, Deutsch) sowie DaF\/Z (Zertifikatsstudiengang) werden wir, Nasha und Anna, immer wieder Perspektivwechsel initiieren, (inter-)kulturellen\/-religi\u00f6sen Austausch f\u00f6rdern und Menschen \u00fcber Kommunikation miteinander verbinden d\u00fcrfen. Wir m\u00f6chten Br\u00fcckenbauerinnen zwischen Kulturen und Weltansichten sein und die Lernenden auf ihrem Weg zu mehrsprachigen, bewussten und toleranten Individuen begleiten. Um Kulturkontraste authentisch pr\u00e4sentieren [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1070,"featured_media":17757,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1260,2071,2042,2125],"tags":[496,9,586,1415,1371,2124,2126],"class_list":["post-17756","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-afrika","category-lehramt","category-soziales-und-paedagogik","category-tansania","tag-afrika","tag-auslandspraktikum","tag-daf","tag-fremdsprachenassistenz","tag-interkulturelles","tag-one-world-secondary-school","tag-tansania"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17756"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1070"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17756"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17756\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19434,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17756\/revisions\/19434"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17757"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17756"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17756"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17756"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}