{"id":16822,"date":"2023-04-11T10:25:15","date_gmt":"2023-04-11T08:25:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/?p=16822"},"modified":"2025-03-17T10:24:29","modified_gmt":"2025-03-17T08:24:29","slug":"ein-typischer-arbeitstag-in-kramfors-schulen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/ein-typischer-arbeitstag-in-kramfors-schulen\/","title":{"rendered":"Ein typischer Arbeitstag in Kramfors&#8217; Schulen"},"content":{"rendered":"<p style=\"font-weight: 400;\">Der Schultag beginnt in Schweden erst um 08:30, also etwas sp\u00e4ter als in deutschen Schulen. Den halbst\u00fcndigen Weg zur Schule gehe ich zu Fu\u00df, daf\u00fcr ziehe ich mir meine Schneeschuhe an. Mit jedem Schritt muss man aufpassen, nicht auf dem glatten Eis auszurutschen, doch mit jeder Woche wird meine Balance besser!<!--more--><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Um 08:15 treffe ich mich mit Tabea im Lehrerb\u00fcro in der Gudmundr\u00e5skolan, wo wir kurz besprechen, was heute ansteht und welche Materialien wird brauchen. Da Tabea die einzige Deutschlehrerin in der Gemeinde ist, arbeitet sie nicht nur an der Gudmundr\u00e5, sondern noch an drei weiteren Schulen. Dazu geh\u00f6ren die Kramforsskolan (Klasse 4-6), in welcher wir die sechste Klasse in ihrem ersten Jahr in Deutsch unterrichten, die Bollstaskolan im Nachbarort, auf welcher wir ebenfalls die sechste Klasse unterrichten, die eben schon erw\u00e4hnte Gudmundr\u00e5skolan (Klasse 7-9), in welcher wir in jedem Jahrgang einen Kurs haben, und zu guter Letzt das Gymnasium \u00c5dalsskolan, hier hat die 11. Klasse drei Mal in der Woche Deutschunterricht auf A2-\/B1-Niveau.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die erste Stunde findet heute in der sechsten Klasse in der Kramforsskolan statt, und wir beginnen mit einem neuen Thema. Nach einem Vokabeltest, mit dem Tabea zu Beginn jeder Unterrichtsstunde die neuen Vokabeln \u00fcberpr\u00fcft, h\u00f6ren die Sch\u00fclerInnen ein H\u00f6rverstehen zu den Kleidungsst\u00fccken auf Deutsch. Wir arbeiten haupts\u00e4chlich mit dem Deutschbuch, die Sch\u00fclerInnen haben ein Text- und ein \u00dcbungsbuch, welches sie innerhalb eines Jahres durcharbeiten und dann zum n\u00e4chsten Level \u00fcbergehen. W\u00e4hrend Tabea den Sch\u00fclerInnen die Aufgabenstellungen auf Schwedisch erkl\u00e4rt, korrigiere ich die Vokabeltests. Das kann ich schnell erledigen und es macht mir Spa\u00df, den Sch\u00fclerInnen ein kleines Feedback zu geben und nebenbei meine Schwedischkenntnisse zu verbessern. Die Noten trage ich direkt in das digitale Klassenbuch ein, wodurch die Eltern direkt eine Benachrichtigung mit der Punktzahl per Mail erhalten. Hier in Schweden habe ich gelernt, dass die Digitalisierung in Schulen nicht nur zu Problemen f\u00fchren muss, sondern mit den richtigen Programmen und einem geschulten Umgang den Schulalltag bereichern und den LehrerInnen Aufgaben von den Schultern nehmen kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Am Ende der Unterrichtsstunde spielen die Sch\u00fclerInnen ein Quizlet, in welchem die neuen Vokabeln f\u00fcr die n\u00e4chste Woche spielerisch abgefragt werden, sie arbeiten dabei in Gruppen und haben schnell Erfolgserlebnisse.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nach der ersten Stunde laufen Tabea, die anderen FremdsprachenlehrerInnen und ich wieder zur\u00fcck zur Gudmundr\u00e5, das ist ein ungef\u00e4hr zehnmin\u00fctiger Weg. Auch die Franz\u00f6sischlehrerin ist die einzige in der gesamten Gemeinde und die Spanischlehrerinnen sind zu zweit. Generell herrscht in Schweden ein gro\u00dfer Mangel an Lehrkr\u00e4ften f\u00fcr Fremdsprachen, die nicht Englisch sind. Jedes Kind, dessen Muttersprache nicht Schwedisch ist, hat Anspruch auf eine Unterrichtsstunde in der Woche in der Muttersprache. F\u00fcr diesen Zweck werden viele Quereinsteiger besch\u00e4ftigt, die h\u00e4ufig nur ein Kind in der Muttersprache unterrichten, wie es zum Beispiel in T\u00fcrkisch der Fall ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Um 10:30 Uhr gibt es hier schon Mittagessen, bis dahin haben Tabea und ich frei und bereiten in der Zeit weiteren Unterricht vor. H\u00e4ufig hat Tabea in dieser Zeit auch Elterngespr\u00e4che, die jedoch auf Schwedisch stattfinden, sodass ich mit meinen weniger als rudiment\u00e4ren Sprachkenntnissen leider nicht teilnehmen darf. Sie hat mir jedoch erz\u00e4hlt, dass die Eltern zwei Mal im Halbjahr \u00fcber die Lernerfolge oder -misserfolge sowie das Sozialverhalten ihrer Kinder informiert werden. H\u00e4ufig kommt es dabei zu Meinungsverschiedenheiten, viel Schuld wird den Lehrkr\u00e4ften zugeschoben. In Schweden herrscht ein zu Deutschland verschiedenes Bild von Kindern und ihren Bed\u00fcrfnissen und Verpflichtungen. Sehr h\u00e4ufig wird den Lehrpersonen gesagt, dass die Kinder keine Lust auf das Lernen haben und lieber Videospiele spielen und sie als Eltern ihre Kinder zu nichts zwingen m\u00f6chten, was ihnen keine Freude bereitet. Die Schuld liege bei den Lehrkr\u00e4ften, weil sie ihre Sch\u00fclerInnen nicht ausreichend motivieren w\u00fcrden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zum Mittagessen gibt es jeden Tag ein gro\u00dfes Salatangebot, ein Gericht mit Schwein, eines mit H\u00fchnchen oder Fisch und ein vegetarisches. Die Sch\u00fclerInnen, die sich vegan ern\u00e4hren oder eine Unvertr\u00e4glichkeit melden, bekommen separates Essen. Das Beste ist jedoch, dass das Mittagessen umsonst ist, damit alle Kinder aufgrund der Schulpflicht die Chance auf ein warmes Essen am Tag haben. Jeder kann sich so viel nehmen wie er oder sie mag und f\u00fcr einen Preis von 3,50 Euro k\u00f6nnen sie auch ihre selbstmitgebrachten Dosen f\u00fcllen und noch etwas f\u00fcr das Abendessen mitnehmen. Das Angebot des Mittagessens nehmen jedoch nur ungef\u00e4hr 50% der Sch\u00fclerInnen an, die meisten essen au\u00dferhalb in der Stadt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nach der Mittagspause treffen sich Tabea und ich mit der Franz\u00f6sischlehrerin, Arabischlehrerin und einer der Spanischlehrerinnen und gemeinsam fahren wir mit einem Auto, welches von der Gemeinde f\u00fcr diesen Zweck gestellt wird, 20 Minuten lang in den n\u00e4chsten Ort zur Bollstaskolan. Hier unterrichten wir unsere zweite sechste Klasse in einer Doppelstunde. Der Inhalt ist der gleiche wie bei der Kramforsskolan, jedoch ist die Gruppe in Bollsta etwas unmotivierter und schw\u00e4cher, weshalb beide Klassen auf ungef\u00e4hr dem gleichen Stand sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Anschluss unterrichten wir die Muttersprachenkinder in der gleichen Schule. Es sind zwei Kinder, die jeweils sieben und neun Jahre alt sind. Beide tragen die Konsequenzen der Online-Schule durch Covid, da sie erst im Laufe letzten Jahres nach Schweden gezogen sind. Deswegen passen wir den Unterricht ihren Bed\u00fcrfnissen an und unterrichten sie in den Grundlagen, indem wir uns aufteilen und jedem Kind eine 1:1-Betreuung erm\u00f6glichen. Es ist ein tolles Gef\u00fchl, wenn sie Erfolgserlebnisse haben und das Lesen und Schreiben immer besser klappt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Um 15 Uhr endet der Unterricht in Bollsta und wir fahren gemeinsam wieder zur\u00fcck. In Kramfors angekommen sitze ich meistens noch f\u00fcr ein bis zwei Stunden im Lehrerzimmer und trinke Kaffee. Dabei kann ich an meinen Abgaben f\u00fcr die Uni arbeiten oder selbst Unterricht vorbereiten. Eigenst\u00e4ndig Unterricht durchzuf\u00fchren ist aufgrund der Sprachbarriere etwas schwierig, in der 11. Klasse jedoch eigentlich kein Problem. Hier lese ich gerne mit den sechs Sch\u00fclerInnen etwas anspruchsvollere Texte und unterhalte mich mit ihnen auf Deutsch.<\/p>\n<p>In Kramfors passiert generell nicht viel, aber abends noch weniger. Meistens gehe ich nach der Schule in der Schwimmhalle, die unter der Woche bis 19:30 Uhr ge\u00f6ffnet hat, schwimmen und saunieren. H\u00e4ufig gehe ich auch auf dem zugefrorenen See spazieren, um den Sonnenuntergang zu genie\u00dfen. Um Geld zu sparen, esse ich mittags in der Schule immer eine gro\u00dfe Portion, damit ich abends nur noch eine Kleinigkeit brauche, denn auch hier sind die Lebensmittel sehr teuer! Bevor ich schlafen gehe, telefoniere ich h\u00e4ufig noch mit Freunden aus Deutschland und habe endlich Zeit, all die B\u00fccher zu lesen, die schon viel zu lange Zeit auf meinem Nachttisch lagen. Nach acht Wochen liegt mein Book Count bei 15 B\u00fcchern, so viel habe ich schon lange nicht mehr lesen k\u00f6nnen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schultag beginnt in Schweden erst um 08:30, also etwas sp\u00e4ter als in deutschen Schulen. Den halbst\u00fcndigen Weg zur Schule gehe ich zu Fu\u00df, daf\u00fcr ziehe ich mir meine Schneeschuhe an. 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