{"id":15843,"date":"2022-09-05T09:15:30","date_gmt":"2022-09-05T07:15:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/?p=15843"},"modified":"2025-06-30T11:07:12","modified_gmt":"2025-06-30T09:07:12","slug":"auf-wiedersehen-seoul-fazit-nach-vier-monaten-menschenrechts-ngo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/auf-wiedersehen-seoul-fazit-nach-vier-monaten-menschenrechts-ngo\/","title":{"rendered":"Auf Wiedersehen, Seoul \u2013 Fazit nach vier Monaten Menschenrechts-NGO"},"content":{"rendered":"<p>Die Zeit ist wie im Fluge vergangen und ich habe mein Praktikum bei PSCORE mittlerweile abgeschlossen. W\u00e4hrend ich nun wieder in meiner Wohnung in M\u00fcnster sitze, f\u00fchlen sich die vergangenen Monate verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig lang an \u2013 sowohl ich fachlicher als auch in pers\u00f6nlicher Hinsicht habe ich viele neue Erfahren machen und Unmengen lernen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h6>Menschenrechtsberichte verfassen bei PSCORE<\/h6>\n<p>Bereits vor Beginn meines Politikwissenschaft-Studiums war es der Fall Nordkorea, der mein Interesse in besonderem Ma\u00dfe weckte. Als sich mir nach dem Abitur die Frage stellte, in welche Richtung es beruflich f\u00fcr mich gehen sollte, stolperte ich \u00fcber den COI-Report der UN \u00fcber die Menschenrechtslage in Nordkorea und f\u00fchlte mich unmittelbar dazu inspiriert, sp\u00e4ter etwas \u00c4hnliches zu machen: Irgendwann einmal an einem Menschenrechtsbericht mitzuarbeiten, das w\u00e4re doch wahnsinnig spannend! Die Chance, nach Seoul zu fliegen und eben dies zu tun, f\u00fchlt sich daher an, als w\u00fcrde sich der Kreis, der sich damals noch als vage Vorstellung vor mir auftat, endlich schlie\u00dfen. Gerade deshalb sind die Erfahrungen der letzten Monate unfassbar wertvoll f\u00fcr mich und ich sch\u00e4tze mich sehr gl\u00fccklich dar\u00fcber, dass mir diese M\u00f6glichkeit zuteil wurde.<\/p>\n<p>Von April bis Ende Juli dieses Jahres habe ich bei PSCORE spannende Einblicke in die Arbeit bei einer kleinen Menschenrechts-NGO erhalten d\u00fcrfen, welche mir zus\u00e4tzlich Orientierung gegeben und mir neue Perspektiven auf meine Jobvorstellungen er\u00f6ffnet haben. Insgesamt hat mir mein Praktikum sehr gut gefallen und ich habe f\u00fcr mich selbst erkannt, dass ich nicht nur gerne und mit gro\u00dfem Interesse in diesem Bereich arbeiten w\u00fcrde, sondern dass mich der Beitrag, den ich dort zu leisten vermag, auch erf\u00fcllt. Aus diesem Grund haben mich die vergangenen Monate darin best\u00e4rkt, weiter nach M\u00f6glichkeiten zu suchen, mich bez\u00fcglich Nordkorea und der Menschenrechtsarbeit weiterzubilden. Da die Strukturen bei PSCORE sehr stark auf Eigenverantwortlichkeit und selbstorganisiertes Arbeiten ausgerichtet sind, gilt hier vor allen Dingen eines: Man nimmt das aus dem Praktikum mit, was man mitnehmen m\u00f6chte. In solchen Strukturen gibt es stets die Praktikant:innen, die schnell wieder verschwinden und sich nur wenig selbst einbringen, worunter vor allen Dingen die eigene Praktikumserfahrung leidet. Pers\u00f6nlich hatte ich jedoch eine sehr positive und bereichernde Praktikumszeit. Wer gewillt ist, die Initiative zu ergreifen und aktiv bei verschiedenen Projekten mitzuwirken, wird bei PSCORE auf jeden Fall etwas lernen k\u00f6nnen. Vor allem aber war es die Arbeit mit internationalen Studierenden, die einer der sch\u00f6nsten Aspekte des Praktikums war \u2013 ich habe viele tolle und intelligente Menschen kennengelernt, mit denen ich mich nicht nur in der Mittagspause durch die Speisekarten probieren, sondern auch abends direkt weiter zum Han-Ufer fahren konnte, um in warmen Vorsommern\u00e4chten gemeinsam zu picknicken.<\/p>\n<p>Insbesondere dadurch, dass ich dieses Praktikum in Seoul absolvieren konnte, war ich in der Lage, Einblicke in die Lebensrealit\u00e4t von Nordkoreaner:innen und in den Diskurs um Menschenrechte und Wiedervereinigung auf der koreanischen Halbinsel zu erhalten, die ich zuvor nie f\u00fcr m\u00f6glich gehalten habe. Durch den Kontakt mit nordkoreanischen Gefl\u00fcchteten, die f\u00fcr Interviews im B\u00fcro ein- und ausgingen, konnte ich neue Perspektiven auf das Leben der Gefl\u00fcchteten in Nordkorea und S\u00fcdkorea \u00a0gewinnen, was h\u00f6chst bewegend war. In besonderem Ma\u00dfe unterst\u00fctzte mich der Aufenthalt auch dabei, Koreanisch zu lernen, sowohl hinsichtlich meiner tats\u00e4chlichen Sprachf\u00e4higkeit als auch hinsichtlich meines Willens, diese F\u00e4higkeit weiter auszubauen, um die Zeugenberichte und gesellschaftlichen Diskurse eines Tages in ihrer ungefilterten Form verstehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<h6>Meine Erfahrung in Seoul<\/h6>\n<p>Mein Interesse an Nordkorea war zun\u00e4chst mein einziger Bezugspunkt zur koreanischen Halbinsel, bis ich Anfang des letzten Jahres begann, mir aus einer Laune heraus selbst Koreanisch beizubringen. Erst dann nahm die Vorstellung, in Seoul selbst bei einer Menschenrechtsorganisation ein Praktikum zu machen, konkretere Z\u00fcge an. Als ich sah, dass PSCORE den Special Consultative Status des UN ECOSOCs h\u00e4lt, war meine Entscheidung gefallen. Das wahre Abenteuer begann jedoch erst, nachdem ich die Zusage f\u00fcr den Praktikumsplatz erhalten hatte.<\/p>\n<p>Zu dem Zeitpunkt, zu dem ich nach Seoul reiste, war es nicht gerade einfach, dorthin zu kommen. Zum einen sind sowohl die Reise als auch die Lebensunterhaltskosten in Seoul recht hoch und zum anderen war auch die Corona-Situation Ende M\u00e4rz noch sehr un\u00fcbersichtlich und instabil. Meine pers\u00f6nliche Erfahrung war daher mit sehr viel Chaos und Unsicherheit verbunden \u2013 bekomme ich \u00fcberhaupt ein Visum (eine visumsfreie Einreise ist nur mit einem K-ETA f\u00fcr einen Aufenthalt von maximal 90 Tagen m\u00f6glich)? Welche Coronatest- und Impfnachweise ben\u00f6tige ich und wie kann ich meine Quarant\u00e4ne absolvieren? Da sich die Regelungen im M\u00e4rz nahezu t\u00e4glich \u00e4nderten, bestand sehr viel Unklarheit \u00fcber die korrekte Vorgehensweise und ich musste mich auf verschiedene Szenarien vorbereiten. Nach massenweise Papierkram, nur m\u00e4\u00dfig verst\u00e4ndlichen koreanischen Websites und langem Bangen sa\u00df ich dann aber letztendlich im Flugzeug und konnte mich f\u00fcr die n\u00e4chsten 14 Stunden zur\u00fccklehnen. Die Ankunft war erst noch einmal etwas stressig, da ich genau vor Wegfall der Quarant\u00e4nepflicht ankam, als die Strukturen f\u00fcr Individuen, die \u00fcberhaupt noch in Quarant\u00e4ne mussten, bereist sehr reduziert waren und vor allem nicht mit Anweisungen in englischer Sprache einher kamen. Zur Beruhigung aber: Alle Leute, die nach mir gekommen sind, erz\u00e4hlten jedoch von deutlich positiveren Erfahrungen, weshalb ich denke, dass ich da selbst eher einen ungl\u00fccklichen Ausnahmefall erlebt habe!<\/p>\n<p>F\u00fcr alle, die daran interessiert sind, ebenfalls ein Praktikum in S\u00fcdkorea zu machen, kann ich sagen, dass die Reise zwar durchaus organisationsaufw\u00e4ndig ist, sich aber auf jeden Fall lohnt. Bevor ihr fliegt, ist es wichtig zu kl\u00e4ren, ob ihr ein Visum beantragen m\u00fcsst oder nur ein K-ETA braucht, welches ihr online beantragen k\u00f6nnt, und welche coronabezogenen Regulierungen zu einem jeweiligen Zeitpunkt herrschen (S\u00fcdkorea war \u00fcber meinen gesamten Aufenthaltszeitraum diesbez\u00fcglich noch recht streng). Ich w\u00fcrde diesbez\u00fcglich immer die Website der Botschaft im Auge behalten. Eine koreanische Kontaktperson bzw. jemanden mit einer koreanischen Handynummer, die ihr auf Dokumenten angeben k\u00f6nnt, zu kennen, ist auf jeden Fall klar von Vorteil (ich musste hier zum Beispiel zu Beginn meine Vermieterin um Hilfe bitten). Was die Preise betrifft, sind Wohnungen recht teuer (dies h\u00e4ngt jedoch von der Wohnlage und auch davon ab, wo man sucht), w\u00e4hrend drau\u00dfen zu essen im Durchschnitt g\u00fcnstiger ist als in Deutschland, so lange es nicht ausschlie\u00dflich westliches Essen sein muss. Im Gegensatz dazu sind die Lebensmittel in den L\u00e4den jedoch nicht unbedingt g\u00fcnstig \u2013 insbesondere bei den Preisen f\u00fcr Obst und manche Gem\u00fcsesorten f\u00e4llt man manchmal schon ein wenig aus allen Wolken. Und ja \u2013 die Warnungen bez\u00fcglich des Sommerwetters waren berechtigt. Ich wusste nicht, dass ich in der Lage dazu bin, so zu schwitzen, wie ich es getan habe. Da ich Hitze an sich ganz gut abkann, war es letztendlich jedoch definitiv ertr\u00e4glich und sogar ganz sch\u00f6n, Nachtspazierg\u00e4nge bei 30 Grad zu machen, um ein bisschen Abk\u00fchlung vom Tag zu erhalten. Es k\u00fchlte jedoch in den letzten Monaten nie wirklich ab, weil die Luft selbst einfach sehr hei\u00df und feucht war. Dar\u00fcber hinaus ist der Regen keineswegs zu untersch\u00e4tzen, weil es teilweise schon sehr, sehr starken Platzregen geben kann, der einen platschenden Schrittes und mit nassen F\u00fc\u00dfen durch die Stra\u00dfen schwimmen l\u00e4sst. Herbst und Fr\u00fchling sollen wohl die besten Zeiten sein, um sich in S\u00fcdkorea aufzuhalten. Von meiner Erfahrung eines traumhaft sonnigen Fr\u00fchlings und Vorsommers im April und Juni kann ich zumindest letzteres best\u00e4tigen.<\/p>\n<p>Ist man einmal angekommen, muss man nur noch die Haust\u00fcre \u00f6ffnen und sich hinaus in die vielen, vielen Abenteuer wagen, die sich in Seoul vor einem auftun. Bis zu meinem Abreisetag hatte ich nicht das Gef\u00fchl, Seoul durchdrungen zu haben. Dies w\u00fcrde sicherlich Jahre dauern. Ich habe jedoch gelernt, mich in meinem Alltag in S\u00fcdkorea gut zurecht zu finden und mich immer mehr einzuleben. Seoul ist eine wahnsinnig intensive Stadt, die nur so vor Leben brodelt und ich habe mich in ihr wohler gef\u00fchlt, als ich urspr\u00fcnglich erwartet hatte. Es war schmerzlich, mich zumindest vorerst von ihr zu verabschieden. Nach knapp f\u00fcnf Monaten in S\u00fcdkorea tut es jedoch auch gut, wieder in Deutschland anzukommen und die Ruhe zu genie\u00dfen. Ich bin unglaublich dankbar daf\u00fcr, auch dank der Unterst\u00fctzung des Career Services, mein Praktikum in Seoul absolviert haben zu k\u00f6nnen. Es war ausgesprochen gewinnbringend, das Thema der nordkoreanischen Menschenrechte und der Wiedervereinigung aus der s\u00fcdkoreanischen Gesellschaft heraus kennenlernen zu d\u00fcrfen und ich kann mir definitiv vorstellen, auch sp\u00e4ter auf meinen Erfahrungen aufzubauen und nach Spezialisierungs- und Jobm\u00f6glichkeiten in diesem Bereich zu suchen. Deshalb habe ich auch die Hoffnung, dass mich mein Weg eines Tages nochmal nach Seoul f\u00fchren wird. Die letzten Monate haben in mir eine gro\u00dfe Begeisterung geweckt und mir gezeigt, auf welche Weisen ich einen Beitrag leisten kann \u2013 ich bin motiviert, mich auch hier in Deutschland intensiv mit dem Thema Menschenrechte in Nordkorea auseinanderzusetzen, um auch weiterhin in die von mir angestrebte Rolle hineinzuwachsen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a class=\"trawell-popup-img\" href=https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/C61B70A6-55E4-44E2-A605-B412D67628A9.jpeg  data-size=\"{&quot;w&quot;:1920,&quot;h&quot;:1280}\" ><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-15874\" src=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/C61B70A6-55E4-44E2-A605-B412D67628A9-225x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" 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W\u00e4hrend ich nun wieder in meiner Wohnung in M\u00fcnster sitze, f\u00fchlen sich die vergangenen Monate verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig lang an \u2013 sowohl ich fachlicher als auch in pers\u00f6nlicher Hinsicht habe ich viele neue Erfahren machen und Unmengen lernen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"author":859,"featured_media":15873,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1259,2043,1895,1896],"tags":[1835,1892,1893,1897,1875,1874],"class_list":["post-15843","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-asien","category-gesellschafts-und-geisteswissenschaften","category-nordkorea","category-suedkorea","tag-asien","tag-menschenrechte","tag-nordkorea","tag-pscore","tag-seoul","tag-suedkorea"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15843"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/users\/859"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15843"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15843\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20125,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15843\/revisions\/20125"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15873"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15843"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15843"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15843"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}