{"id":14715,"date":"2020-03-11T12:33:23","date_gmt":"2020-03-11T10:33:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/?p=14715"},"modified":"2024-06-21T11:57:57","modified_gmt":"2024-06-21T09:57:57","slug":"makassar-ueber-die-rufe-des-muezzins-warungs-ziegen-und-gado-gado","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/makassar-ueber-die-rufe-des-muezzins-warungs-ziegen-und-gado-gado\/","title":{"rendered":"Makassar: \u00dcber die Rufe des Muezzins, Warungs, Ziegen und Gado-Gado"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\">Der Muezzin ruft \u2013 um zwanzig nach vier am Morgen. Ich wache fasziniert auf und lausche, zumindest noch am ersten Tag. Der Gesang, der aus den Lautsprechern der Moscheen t\u00f6nt, begleitet von nun an meine Zeit in Makassar auf Sulawesi, einer indonesischen Insel, die neben dieser Gro\u00dfstadt auch gro\u00dfartige Karststeinlandschaften und Traumstr\u00e4nde bietet.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Anfangs bin ich wie verzaubert von diesen T\u00f6nen, die f\u00fcr die Bewohner_innen Makassars ganz gew\u00f6hnlich zu ihrem Alltag geh\u00f6ren, f\u00fcr den der Islam mit seinen Regeln ohnehin den Takt vorzugeben scheint. Zugegeben \u2013 nach der dritten oder vierten schlaflosen Nacht schlug manche Begeisterung bei mir auch gelegentlich in Genervtheit um.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nicht nur wundersch\u00f6ne Moscheen pr\u00e4gen das Stadtbild in Makassar. Genauso tun es viele H\u00e4user, die im Baustil unterschiedlicher nicht sein k\u00f6nnten: Wellblech steht neben pr\u00e4chtiger S\u00e4ule, kleine Warungs, Verkaufsst\u00e4nde f\u00fcr verschiedene Gerichte, neben riesigen Shopping-Malls. Und dazwischen schl\u00e4ngeln sich die Stra\u00dfen, \u00fcberf\u00fcllt mit Rollern, Autos und Pete-Petes, das sind umgebaute Kleinbusse, die in dieser Art als Spezifikum des \u00f6ffentlichen Verkehrs in Makassar gelten d\u00fcrfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ganz gewiss sind es nicht die Stra\u00dfenverkehrsregeln aus Deutschland, an denen sich hier orientiert wird; der Verkehr scheint eine ganz selbstst\u00e4ndige Art der Koordination entwickelt zu haben, die aber gerne einmal ins Stocken ger\u00e4t \u2013 und so geh\u00f6rt zu jedem Weg auch ganz selbstverst\u00e4ndlich Stau. Der ist aber immer wieder eine gute Gelegenheit, um zu entdecken, was am Stra\u00dfenrand vor sich geht: Ziegen werden da neben Sim-Karten verkauft, M\u00fcll auf offener Stra\u00dfe verbrannt, in Warungs gemeinsam gegessen (oft und gerne nicht mit Besteck, sondern mit der rechten Hand \u2013 nie aber mit der linken, die ist f\u00fcr die Toiletteng\u00e4nge da!). Und immer wieder wird gebetet. Sholat subuh, sholat dhuhur, sholat ashar, sholat magrib und sholat isya bestimmen den Tagesrhythmus.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Auf mich wirkt diese rasende und laute Stadt, die aus einem Wimmelbuch genommen scheint, auf ganz unterschiedliche Weise. Ich bin immer wieder begeistert, erstaunt und \u00fcberfordert. Begeistert bin ich vor allem von den Herzlichkeit ausstrahlenden Menschen und ihrem w\u00e4rmenden Lachen. \u00dcberfordert bin ich hingegen davon, dass sie mich beinahe rund um die Uhr zu fotografieren scheinen. \u201eFoto, Mister!\u201c ist so kein seltener Ausruf, wenn ich die Stra\u00dfe \u00fcberquere. Zumindest in der Minasa Upa, meiner \u201eHeimat\u201c hier, ist man mittlerweile auf \u201eMiss\u201c umgestiegen. Und auch in Erstaunen versetzt mich so vieles. Jeden Tag freue ich mich (manchmal ein wenig gebremst von M\u00fcdigkeit) auf die Universit\u00e4t und die Studierenden, die so neugierig und freundlich sind, dass ich mich von der ersten Minute an in den Seminarr\u00e4umen wohlf\u00fchlte. Dass der Universit\u00e4tsalltag ansonsten vor allem aus Improvisation bestehen muss, \u00fcberfordert mich l\u00e4ngst nicht mehr so wie in den ersten Tagen. Improvisation ist ohnehin f\u00fcr diesen Aufenthalt ein oder sogar das Schl\u00fcsselwort. F\u00fcr einen Fan genauer Organisation kann das schon die ein oder andere Grenz\u00fcberschreitung bedeuten \u2013 ich kann aber nicht leugnen, dass mir auch das im Grunde mal ganz guttut. Und gelegentliche Frustration versuche ich manchmal einfach wegzul\u00e4cheln \u2013 zum Beispiel, wenn ich zum zehnten Mal ein Gericht \u201etanpa daging dan tanpa ikan\u201c bestellt habe und sich zwischen den Nudeln dennoch wieder Fleisch versteckt. Als Vegetarierin h\u00e4lt man sich am besten einfach an Gado Gado \u2013 ein unglaublich leckeres Gericht. Noch esse ich es mit L\u00f6ffel und Gabel, vielleicht nehme ich aber ja schon bald auch nur noch die rechte Hand, es ist schlie\u00dflich gerade mal Halbzeit&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Muezzin ruft \u2013 um zwanzig nach vier am Morgen. Ich wache fasziniert auf und lausche, zumindest noch am ersten Tag. 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