{"id":12134,"date":"2019-02-26T13:00:33","date_gmt":"2019-02-26T11:00:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/?p=12134"},"modified":"2026-02-27T12:05:30","modified_gmt":"2026-02-27T10:05:30","slug":"pj-in-sri-lanka","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/pj-in-sri-lanka\/","title":{"rendered":"PJ in Sri Lanka"},"content":{"rendered":"<p>Hallo ihr Lieben,<\/p>\n<p>ich bin Luise und studiere Medizin. Schon lange wollte ich einen Einblick in ein \u201enicht-westliches\u201c Krankenhaus bekommen. Von Deutschland ist man sehr hohe Standards gewohnt und ich wollte gerne die Erfahrung machen, dass man auch mit weniger Material und M\u00f6glichkeiten als wir sie zu Verf\u00fcgung haben arbeiten kann. Gleichzeitig hat mich nat\u00fcrlich die vielf\u00e4ltige und traumhafte Landschaft gereizt. Str\u00e4nde, Berge, eine andere Kultur kennenlernen, mein Englisch verbessern und ein Einblick in ein anders Gesundheitssystem bekommen, in Sri Lanka konnte ich all das unter einen Hut bekommen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Bei meiner Abreise hatte ich bereits zwei PJ-Tertiale hinter mir, eins in den Niederlanden und eins in Deutschland. Zwar unterschiedet sich das niederl\u00e4ndische Gesundheitssystem von dem, was wir in Deutschland haben, das Niveau auf dem gearbeitet wird, ist jedoch dasselbe.<\/p>\n<p>Zwei Tage vor Silvester bin ich losgeflogen. Zun\u00e4chst nach Colombo und in derselben Nacht ging es noch weiter nach Galle. Am n\u00e4chsten Morgen musste ich zusammen mit anderen PJlern, die auch ihren ersten Tag hatten, um 8 ins Krankenhaus, erst mal nur, um organisatorische Dinge zu erledigen. Da der n\u00e4chste Tag der 1. Januar war, war mein richtiger erster Arbeitstag erst am Mittwoch. Dort wurden wir zusammen mit f\u00fcnf anderen Studenten, die auch ihren ersten Tag hatten von dem Chef der Allgemeinchirurgie empfangen. Mit ihm haben wir besprochen, in welche Abteilung wir zun\u00e4chst gehen. Die Aufteilung war sehr entspannt. Je nach Interessensgebiet konnte man in jedes Gebiet der Chirurgie hinein schnuppern. Es wurde dann einfach den Chef der jeweiligen Abteilung angerufen und mit ihm besprochen, wie viele Studenten wie lange wo sind.<\/p>\n<p>Da ich mir durch Allgemeinchirurgie erhoffte, ein besonders breites Spektrum an chirurgischen OPs mitzubekommen, blieb ich dort. Sp\u00e4ter war ich noch einige Zeit auf der Neurochirurgie. Montag, Mittwoch und Freitag waren die sog. Ward-rounds, sprich die Visiten. Dienstag und Donnerstag wurde operiert. Nat\u00fcrlich fanden auch Dienstag und Donnerstag OPs statt, nur hier gab es keine geplanten OPs, sondern die, die sich nicht planen lassen.<\/p>\n<p>Am Anfang war ich mit allem etwas \u00fcberfordert. Das Krankenhaus ist unfassbar voll, in der Notaufnahme stehen die Patienten bis auf die Stra\u00dfe Schlange und warten (extrem geduldig!), dass ihnen geholfen wird. An meinen ersten Tagen im Krankenhaus in Galle wurde mir immer wieder bewusst, wie verw\u00f6hnt man vom deutschen Gesundheitssystem ist. Hier gibt es gar keine Zimmer. Eine Station ist ein riesiger gro\u00dfer Saal, in dem die Betten dicht beieinander, h\u00f6chstens noch durch einen Vorhang getrennt, stehen. Da es oft nicht genug Betten f\u00fcr so viele Patienten gibt, sitzen manche Patienten auch einfach auf einem Stuhl oder auf dem Boden. Digital wird hier gar nichts dokumentiert. Auf den Visiten dokumentiert eine Schwester auf Papier was besprochen wird und R\u00f6ntgenbilder oder Laborwerte liegen auf dem Nachtisch. Auch Arbeitspl\u00e4tze gibt es hier viel weniger. Das Arzt- oder Schwesternzimmer ist meist voll, wenn sich dort zwei Leute befinden. Trotzdem quetscht man sich mit 10 Leuten rein, um nach den Visiten noch R\u00f6ntgenbilder oder andere Dinge zu besprechen.<\/p>\n<p>Noch etwas, an das man sich gew\u00f6hnen musste, war die Hitze. Obwohl das Krankenhaus offen gebaut ist, sprich die W\u00e4nde gehen nur etwa bis Schulterh\u00f6he, kommt selten mal ein Luftsto\u00df hinein. An den Decken h\u00e4ngen ab und an Ventilatoren aber auch das hilft kaum, wenn man \u00fcber seiner normalen Kleidung auch noch einen Kittel tragen muss. Ich habe mir in den ersten Tagen hier angew\u00f6hnt, auf den Visiten immer genug Wasser und einen F\u00e4cher mit zu haben, so war es einigerma\u00dfen auszuhalten.<\/p>\n<p>Die Visiten laufen auch sehr anders ab, als man es aus Deutschland gewohnt ist. Da die \u00c4rzte sich hier um viel mehr Patienten als in Deutschland k\u00fcmmern m\u00fcssen, muss nat\u00fcrlich dementsprechend bei der Viste auch alles viel schneller gehen. W\u00e4hrend bei uns eine halbe oder eine drittel Station von einem Arzt betreut wird, ist hier ein Arzt f\u00fcr 3-4 Stationen + Notaufnahme verantwortlich. Die Arbeitsaufteilung ist hier also auch eine andere: K\u00f6rperliche Untersuchung, Blutentnahmen und alles andere was in Deutschland zur \u00e4rztlichen T\u00e4tigkeit geh\u00f6rt, wird hier durch die Schwestern erledigt. Die Visite ist wirklich nur da, um kurz zu besprechen was gemacht werden muss und wie es dem Patienten geht. Mit dem Patienten selber wird nicht gesprochen, nur \u00fcber den Patienten. Die Schwester notiert sich, was gemacht werden soll. An der Umsetzung sind die \u00c4rzte nicht beteiligt. Oft stand man noch nicht mal eine Minute am Patientenbett. Was mich \u00fcberrascht hat ist, dass die \u00c4rzte trotzdem immer ganz genau wussten, warum welcher Patient da war und oft auch Details wie Laborwerte auswendig wussten, die bei uns immer eben im Computer nachgeguckt werden, bevor man ins Patientenzimmer geht.<\/p>\n<p>Bei den Visiten wird prinzipiell Englisch gesprochen, allerdings laufen bei den Visiten oft bis zu 20 Leute mit: Assistenz\u00e4rzte, einheimische Studenten und ausl\u00e4ndische Studenten, sodass man, wenn man nicht ganz vorne stand, in den Visiten oft Schwierigkeiten hatte, etwas mitzubekommen.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich am auff\u00e4lligsten war, dass sich keiner der Patienten jemals beschwert hat. Jeder schien einfach froh, dass ihm geholfen wird. Und obwohl das Krankenhaus so viel voller ist, als die Krankenh\u00e4user in Deutschland und es viel weniger Platz gibt, ist es sehr leise. Alle behandeln sich sehr respekt- und r\u00fccksichtsvoll. Von der Chirurgie bin ich in Deutschland einen sehr ruppigen Ton gewohnt. Ich habe bisher nicht einmal mitbekommen, dass jemand angemotzt oder runtergemacht wurde \u2013 etwas was ich in Deutschland leider \u00f6fter erlebt habe.<\/p>\n<p>In den OP-S\u00e4len war der Unterschied zu Deutschland weniger auff\u00e4llig. Einwaschen, Vorbereitung und OP selber funktionieren \u00e4hnlich wie in Deutschland. Nur die OP-Kleidung ist die, die man mehrfach verwendet. Sie wird nach jedem Gebrauch gewaschen und steril abgekocht. In Deutschland verwenden wir Einmal-Material, das nach Gebrauch einfach entsorgt wird. Wenn an einigen Tagen allerdings ungeplant mehrere OPs anstanden, die zeitnah erfolgen mussten, wurden in einem OP-Saal teilweise 3 OPs gleichzeitig durchgef\u00fchrt. So wurde 1x in einem Saal eine Hernie entfernt, am Tisch daneben ein Zeh amputiert und daneben noch ein Schlangenbiss versorgt.<\/p>\n<p>Schade ist nat\u00fcrlich, das wir Studenten durch die andere Aufgabenverteilung und dadurch, das wir so viele sind, viel weniger machen d\u00fcrfen als in Deutschland, bzw. eigentlich gar nichts. Meine Rolle war immer eher eine Zuschauerrolle, man darf mal ein R\u00f6ntgenbild oder Laborwerte befunden.<\/p>\n<p>Die \u00c4rzte und das Pflegepersonal sind insgesamt sehr nett, allerdings bleibt durch das gro\u00dfe Arbeitspensum w\u00e4hrend der Visite nicht viel Zeit f\u00fcr Erkl\u00e4rungen. Abh\u00e4ngig von der Abteilung auf der man ist, werden allerdings einige F\u00e4lle im Arztzimmer nachbesprochen und da wird auch darauf geachtet, die Studenten mit einzubeziehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo ihr Lieben, ich bin Luise und studiere Medizin. 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