{"id":11621,"date":"2018-11-12T09:22:09","date_gmt":"2018-11-12T07:22:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/?p=11621"},"modified":"2026-03-20T11:30:49","modified_gmt":"2026-03-20T09:30:49","slug":"zu-gast-in-mexikanischen-krankenhaeusern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/zu-gast-in-mexikanischen-krankenhaeusern\/","title":{"rendered":"Zu Gast in mexikanischen Krankenh\u00e4usern"},"content":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend meiner sechsw\u00f6chigen Famulatur, ein Praktikum f\u00fcr Medizinstudenten, in Mexiko habe ich viele neue Einblicke in ein anderes medizinisches System bekommen. Das mexikanische Gesundheitssystem gliedert sich, \u00e4hnlich wie das deutsche, in ein \u00f6ffentliches und privates, wobei es bei der \u00f6ffentlichen Versorgung eine weitere Unterteilung f\u00fcr Beamte bzw. die \u00fcbrigen Mexikaner gibt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>An meinem ersten Tag in Pachuca de Soto fuhr ich morgens zun\u00e4chst zum International Office der Universidad Aut\u00f3noma del Estado de Hidalgo, bei der ich mich um eine Famulatur beworben hatte. Nachdem ich mich dort als neuer Austauschstudent vorgestellt und diverse Unterlagen unterschrieben hatte, begleitete mich ein Mitarbeiter zur medizinischen Fakult\u00e4t am anderen Ende der Stadt. Dort wurde ich von den Leitern der medizinischen Fakult\u00e4t herzlich zu einem Fototermin empfangen und mir wurde mitgeteilt, dass ich zwei Wochen in das ISSSTE, ein Krankenhaus f\u00fcr Beamte, in die Chirurgie und vier Wochen in das Hospital del Ni\u00f1o DIF, ein\u00a0Kinderkrankenhaus, geschickt werden w\u00fcrde.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-11565 alignleft\" src=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/313f7c6b-dcbb-4f57-847a-269520e54da0-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"232\" height=\"309\" srcset=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/313f7c6b-dcbb-4f57-847a-269520e54da0-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/313f7c6b-dcbb-4f57-847a-269520e54da0-600x800.jpg 600w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/313f7c6b-dcbb-4f57-847a-269520e54da0-380x507.jpg 380w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/313f7c6b-dcbb-4f57-847a-269520e54da0-247x330.jpg 247w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/313f7c6b-dcbb-4f57-847a-269520e54da0.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 232px) 100vw, 232px\" \/>Direkt zu Beginn meines ersten Tages im OP des ISSSTE wurde ich bei den morgendlichen Operationen von den Schwestern steril angezogen und durfte am OP-Tisch assistieren. Dabei wurden mir alle Operationsschritte von den Chirurgen erkl\u00e4rt und wurde ich angeleitet, wie ich mich dort steril bewege. Dass man im OP einen Mundschutz tragen musste, erschwerte mir zun\u00e4chst, die \u00c4rzte, Schwestern und Assistenten richtig zu verstehen. Hinzu kam, dass generell in Mexiko wenig Englisch gesprochen wird und man daher auch nicht auf eine andere Sprache ausweichen konnte.\u00a0Durch die entspannte Arbeitsatmosph\u00e4re, bei der viel gelacht und gescherzt wurde, hatte man aber immer viel Geduld mit mir, sodass ich u.a. im weiteren Verlauf Hautn\u00e4hte bei OPs machen und bei laporoskopischen Eingriffen die Kamera f\u00fchren durfte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In den zwei Wochen im ISSSTE habe ich fortan sowohl bei allgemein- und viszeral chirurgischen als auch bei unfallchirurgischen, urologischen oder gyn\u00e4kologischen Operationen assistiert.\u00a0Dar\u00fcber hinaus konnte ich dort die Stationsarbeit kennenlernen, die mir durch Studierende im letzten\u00a0Studienjahr beim Verfassen von Arztbriefen etc. und bei Visiten durch die \u00c4rzte n\u00e4hergebracht wurde.<\/p>\n<p>Jeder Morgen im Hospital del Ni\u00f1o DIF hingegen begann f\u00fcr mich mit einer gemeinsamen Visite mit den Chef-, Ober- und Assistenz\u00e4rzten in verschiedenen Bereichen des Kinderkrankenhauses. Dadurch, dass ich dort verschiedene Einblicke in die Kinderchirurgie, Neonatologie, Kindernephrologie, Kinderonkologie, Kinderneurologie oder Intensivmedizin bekommen durfte, konnte ich ein gro\u00dfes Spektrum der Kinder- und Jugendmedizin kennenlernen. Einen gro\u00dfen Teil der Zeit verbrachte ich dort aber in Urgencias, der Notaufnahme des Krankenhauses, wo alle Patienten zun\u00e4chst triagiert wurden, d.h. evaluiert wurde, ob sie station\u00e4r aufgenommen oder zu anderen Fach\u00e4rzten weitergeleitet werden mussten. Dies erm\u00f6glichte mir, viele verschiedene Kinder mit ganz unterschiedlichen Krankheitsbildern kennenzulernen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-11559\" src=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/4-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/4-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/4-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/4-600x800.jpg 600w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/4-800x1067.jpg 800w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/4-380x507.jpg 380w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/4-247x330.jpg 247w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/4.jpg 960w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/p>\n<p>Beispielsweise hatten einige Kinder Windpocken, viele kamen mit Infektionen der oberen Atemwege, nicht selten hatten Kinder Leuk\u00e4mien oder Knochentumore, und andere wiederum wurden station\u00e4r aufgenommen, weil sie Geldm\u00fcnzen gegessen hatten und man wissen wollte, ob sie den K\u00f6rper wieder von alleine verlassen k\u00f6nnen. Neben vielen verschiedenen Patienten und sogar zwei Kinderwiederbelebungen habe ich den \u00c4rzten bei nicht-invasiven Aufgaben wie dem Anlegen eines Gipsverbandes und invasiven Ma\u00dfnahmen wie Blutabnehmen assistiert, dar\u00fcber hinaus eine Woche im Kinder-OP mitgearbeitet und mich an Hautn\u00e4hten bei den kleinsten Patienten versucht.<\/p>\n<p>Ein paar Dinge unterscheiden sich jedoch von deutschen Krankenh\u00e4usern, beispielsweise beim Thema Hygiene. Vor allem hiermit wird anders umgegangen: Nach jedem Patientenkontakt werden sich die H\u00e4nde gewaschen, weil die H\u00e4ndedesinfektionsmittel zwar auf jedem Krankenhausflur vorhanden, aber nicht so zuverl\u00e4ssig wie bei uns wirken. Auch bei T\u00e4tigkeiten mit Blut wird aus Kostengr\u00fcnden an Handschuhen gespart.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-11564\" src=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/38bc9dfd-1a92-47e8-8e09-e903dfb636fe-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/38bc9dfd-1a92-47e8-8e09-e903dfb636fe-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/38bc9dfd-1a92-47e8-8e09-e903dfb636fe-768x509.jpg 768w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/38bc9dfd-1a92-47e8-8e09-e903dfb636fe-600x398.jpg 600w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/38bc9dfd-1a92-47e8-8e09-e903dfb636fe-800x530.jpg 800w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/38bc9dfd-1a92-47e8-8e09-e903dfb636fe.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Die Finanzierung und Bezahlung im mexikanischen System sind ein gro\u00dfes Problem: Zwar gibt es eine Art Sozialversicherung und jedem Bed\u00fcrftigen wird geholfen, dennoch fehlt es durch Geldmangel oft an Ausstattung und Personal. Bei einer Arbeitsbelastung von \u00fcber 100 Wochenstunden verdient beispielsweise ein Assistenzart der P\u00e4diatrie im Rahmen seiner dreij\u00e4hrigen Weiterbildung umgerechnet ca. 600 Euro im Monat, ein Betrag, den ein Assistenzarzt in Deutschland bereits nach einer Woche verdient. Selbst Chef\u00e4rzte, die sich diese Position nach vielen Jahren im Beruf erarbeiten, nehmen nachher kaum mehr als 2000 Euro mit nach Hause.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-11548\" src=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/da7dd4fa-b14f-4274-b0e8-ade194630cf1-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"237\" height=\"316\" srcset=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/da7dd4fa-b14f-4274-b0e8-ade194630cf1-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/da7dd4fa-b14f-4274-b0e8-ade194630cf1-600x800.jpg 600w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/da7dd4fa-b14f-4274-b0e8-ade194630cf1-380x507.jpg 380w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/da7dd4fa-b14f-4274-b0e8-ade194630cf1-247x330.jpg 247w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/da7dd4fa-b14f-4274-b0e8-ade194630cf1.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 237px) 100vw, 237px\" \/><\/p>\n<p>Zusammenfassend kann ich sagen, dass trotz meiner anf\u00e4nglichen Bef\u00fcrchtungen, die Standards in mexikanischen Krankenh\u00e4usern vergleichbar zu denen in Europa sind. Selbst wenn Operationen eigentlich nie gem\u00e4\u00df des OP-Plans stattfinden und angehende Assistenz\u00e4rzte in einer Flut von Dokumentationen ertrinken, ist der Arbeitsalltag entspannt. Vielleicht sind die Hygienestandards nicht auf deutschem Niveau und R\u00f6ntgenger\u00e4te und OP-Ausstattung in die Jahre gekommen, dennoch funktioniert das medizinische System. Genau genommen funktioniert es sogar ziemlich gut, wenn man bedenkt, dass das System mit deutlich weniger Geld als in europ\u00e4ischen L\u00e4ndern auskommt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend meiner sechsw\u00f6chigen Famulatur, ein Praktikum f\u00fcr Medizinstudenten, in Mexiko habe ich viele neue Einblicke in ein anderes medizinisches System bekommen. 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