{"id":11290,"date":"2018-10-15T08:33:27","date_gmt":"2018-10-15T06:33:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/?p=11290"},"modified":"2026-03-20T12:17:31","modified_gmt":"2026-03-20T10:17:31","slug":"meine-ersten-tage-in-torino","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/meine-ersten-tage-in-torino\/","title":{"rendered":"Meine ersten Tage in Torino"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\">Vor genau einem Jahr bewarb ich mich f\u00fcr das Erasmus+-Praktikum im Bereich DaF an der <em>Universit\u00e0 di Torino<\/em>. In M\u00fcnster setzte zu dieser Zeit der typische Herbstregen ein, es wurde allm\u00e4hlich kalt und mir erschien die Vorstellung wunderbar, in einem Jahr die Masterarbeit abgegeben zu haben, die W\u00e4rme Italiens zu genie\u00dfen und ein Eis zu essen: Ich wollte mein Lehramtsstudium an der WWU mit einer einzigartigen Erfahrung und viel Sonnenschein abschlie\u00dfen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dass ich bis dato kein Wort Italienisch konnte, empfand ich eher als nebens\u00e4chlich. Ich schrieb meine Bewerbung, setzte mich auf die Liste f\u00fcr einen Anf\u00e4nger-Kurs in Italienisch \u2013 und konnte mein Gl\u00fcck kaum fassen, als ich im Fr\u00fchjahr tats\u00e4chlich von meiner betreuenden Dozentin eine Zusage bekam.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Bis zu meiner Abreise im September stand einiges an: Die Masterarbeit und die hohen Temperaturen in Deutschland lenkten mich ab und es wurde mir erst beim Verlassen meiner Wohnung in M\u00fcnster so richtig bewusst, dass ich nun wirklich nach Turin gehen, an der Universit\u00e4t Deutsch unterrichten und Ende Dezember einen Koffer voller neuer Erfahrungen mit nach Hause bringen w\u00fcrde. Dieser wurde zun\u00e4chst einmal mit zahlreichen Sommersachen gef\u00fcllt, was sich, in Turin angekommen, schnell als Fehler herausstellte. Das Wetter war tats\u00e4chlich das erste, was mich vor eine kleine Herausforderung stellte: Ist es morgens und abends noch recht kalt, tr\u00fcb und neblig, so passiert es nachmittags nicht selten, dass ich doch noch schnell Sonnencreme heraushole, um nicht in der Sonne zu verbrennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a class=\"trawell-popup-img\" href=https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/SBDN6783.jpg  data-size=\"{&quot;w&quot;:1920,&quot;h&quot;:1280}\" ><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-11294 alignleft\" src=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/SBDN6783-300x168.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"168\" srcset=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/SBDN6783-300x168.jpg 300w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/SBDN6783-1024x574.jpg 1024w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/SBDN6783-768x430.jpg 768w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/SBDN6783-600x336.jpg 600w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/SBDN6783-800x450.jpg 800w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/SBDN6783-1200x675.jpg 1200w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/SBDN6783-585x330.jpg 585w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/SBDN6783-385x217.jpg 385w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/SBDN6783.jpg 1280w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Bereits w\u00e4hrend meiner ersten Tage in Turin ist mir bewusst geworden, dass vieles etwas anders abl\u00e4uft als in Deutschland. Ein typischer Tag startet hier nicht mit einer hippen, veganen Bowl, einem K\u00e4se-Schinken Brot mit Remoulade oder einem <em>coffee to go<\/em>, sondern mit einem buttrigen, mit Marmelade oder <em>crema <\/em>gef\u00fcllten Croissant und einem <em>caff\u00e8<\/em>, der entweder im Stehen an der Bar oder im Sitzen bei einer Zeitung genossen wird. Dem Anschein nach hat jede\/r TurinerIn ihr\/sein morgendliches Stammcaf\u00e9. Anhand der Gespr\u00e4che konnte ich dies anfangs jedoch kaum schlussfolgern &#8211; ich verstand n\u00e4mlich rein gar nichts von dem, was die Leute mir l\u00e4chelnd erz\u00e4hlten oder auf dem Gehweg zuriefen. War ich zuhause noch einigerma\u00dfen stolz gewesen, den Sprachtest mit der Best\u00e4tigung eines A2-Niveaus abgeschlossen zu haben, wird mir nun klar, dass ich diesbez\u00fcglich ein wenig zu optimistisch gedacht habe. Organisatorisches f\u00fcr die Universit\u00e4t, ein Arztbesuch, der Austausch mit meinen zuk\u00fcnftigen Sch\u00fclerInnen und als i-T\u00fcpfelchen ein Grammatiktest zu Beginn meines Sprachkurses, bei dem ich irgendwann nur noch auf das Zufallsprinzip zur\u00fcckgreifen konnte, lehrten mich schlie\u00dflich, \u00f6fter einfach mal zu schweigen und lediglich \u201ewissend\u201c zu l\u00e4cheln, ganz nach dem Prinzip: Freundlichkeit kennt keine Sprachbarrieren. Den Alltag stattdessen einfach auf Englisch zu meistern hat ebenfalls seine Grenzen. W\u00e4hrend die j\u00fcngeren Turiner durchaus bereit sind, es auf Englisch zu versuchen, bleibt mir bei der \u00e4lteren Generation meist nur das L\u00e4cheln und\/oder wilde Gestikulation. Zumindest auf dem Markt ist dies \u00e4u\u00dferst hilfreich und den sollte man hier nicht nur aufgrund der recht teuren Lebensmittel in den Superm\u00e4rkten unbedingt besuchen: Auf dem <em>Mercato di Porta Palazzo<\/em> findet man alles nur Erdenkliche: Von K\u00e4se und Fleisch, bis hin zu T\u00f6pfen, Kosmetika und Steckdosenadaptern, ist f\u00fcr jeden Bedarf etwas dabei.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Trotz der sprachlichen Barrieren oder gerade deswegen ist mir aufgefallen, dass die TurinerInnen unheimlich zuvorkommend, freundlich und hilfsbereit sind. Ich unterhalte mich (oder gestikuliere) jeden Tag mit den verschiedensten Menschen, die sich f\u00fcr meine Herkunft und meinen Aufenthalt in Turin interessieren. Ob im Kiosk, im Supermarkt, im Bus, im Caf\u00e9, in der Universit\u00e4t oder einfach mitten auf der Stra\u00dfe \u2013 die Leute sind gr\u00f6\u00dftenteils einfach nur herzlich. Es passiert nicht selten, dass ich mich dadurch um einige Minuten versp\u00e4te, was wiederum auch kein gro\u00dfes Problem darstellt. Die Tugend, immer und \u00fcberall p\u00fcnktlich zu sein, wird hier gem\u00fctlich \u00fcbergangen. Die Pr\u00fcfungen sind um zehn Uhr angesetzt und es ist 9:57? Das hei\u00dft es ist noch genug Zeit f\u00fcr einen <em>caf\u00e8 <\/em>und ein <em>brioche<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Im Grunde hatte ich vor meiner Ankunft keinerlei Vorstellungen von der Stadt. Es handle sich um eine Industriestadt und die Meinungen zum Stadtbild seien geteilt, wurde mir gesagt. Tats\u00e4chlich ist Turin nicht nur die Geburtsstadt von <em>Fiat<\/em>, <em>Lavazza <\/em>und den K\u00f6stlichkeiten <em>Gianduiotto<\/em> und <em>Bicerin<\/em>, sondern auch die des <em>Aperitivo<\/em>. Nirgendwo wird diese Tradition so zelebriert wie in Turin. Schon ab drei Uhr am Nachmittag wandern \u00fcber die Theken der Bars und Caf\u00e9s zahlreiche Aperol Spritz und andere alkoholische Getr\u00e4nke, dazu werden sogenannte Appetitmacher serviert: Kleine, meist salzige Speisen, die in der Menge jedoch bereits sehr s\u00e4ttigen. Es beginnt bei einer kleinen Schale und kann mit einem bis an den Rand bedeckten Tisch enden, wie wir es in einer Bar in der N\u00e4he des <em>Porta Palazzo<\/em> staunend erlebt haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a class=\"trawell-popup-img\" href=https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/7529072288_IMG_0180.jpg  data-size=\"{&quot;w&quot;:1920,&quot;h&quot;:1280}\" ><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-11295 alignright\" src=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/7529072288_IMG_0180-300x168.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"168\" srcset=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/7529072288_IMG_0180-300x168.jpg 300w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/7529072288_IMG_0180-768x431.jpg 768w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/7529072288_IMG_0180-600x336.jpg 600w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/7529072288_IMG_0180-800x450.jpg 800w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/7529072288_IMG_0180-585x330.jpg 585w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/7529072288_IMG_0180-385x217.jpg 385w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/7529072288_IMG_0180.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Das Leben in Italien ist anders als in Deutschland \u2013 vieles ist unkomplizierter und die Dinge werden gelassener genommen. Leider sehen es aber auch die Hundebesitzer mit den Hinterlassenschaften ihrer Lieblinge auf den Gehwegen nicht ganz so eng. Hei\u00dft es \u00fcber M\u00fcnsteranerInnen, dass jeder\/m mindestens einmal im Leben ein Fahrrad gestohlen wird, so kann man f\u00fcr die TurinerInnen wohl sagen, dass wahrscheinlich jeder\/m einmal in ihrem\/seinem Leben ein Malheur passiert, wenn der Blick nicht stetig auf den Gehweg gerichtet ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dabei lohnt es sich durchaus einmal nach oben zu schauen, denn in Turin gibt es einiges zu sehen. Da ist zum einen das Wahrzeichen der Stadt, die <em>Mole Antonelliana<\/em>, die einst als Synagoge gedacht, nun das <em>Museo Nazionale del Cinema<\/em> beherbergt. Des Weiteren finden sich in der ganzen Stadt zahlreiche Bauten im Barock-Stil. Von der <em>Piazza Vittorio Veneto<\/em> hat man zudem einen wundersch\u00f6nen Blick auf den Po, der durch Turin flie\u00dft sowie auf die andere Uferseite mit dem <em>Monte dei Cappuccini<\/em>, der <em>Villa della Regina<\/em> und der <em>Basilica di Superga<\/em>. Letztere bietet einen einzigartigen Blick \u00fcber die Alpen. <a class=\"trawell-popup-img\" href=https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/QXQV2178.jpg  data-size=\"{&quot;w&quot;:1920,&quot;h&quot;:1280}\" ><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-11293 alignright\" src=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/QXQV2178-300x168.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"168\" srcset=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/QXQV2178-300x168.jpg 300w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/QXQV2178-1024x574.jpg 1024w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/QXQV2178-768x430.jpg 768w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/QXQV2178-600x336.jpg 600w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/QXQV2178-800x450.jpg 800w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/QXQV2178-1200x675.jpg 1200w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/QXQV2178-585x330.jpg 585w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/QXQV2178-385x217.jpg 385w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/QXQV2178.jpg 1280w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Es f\u00e4hrt sogar jeden Tag (au\u00dfer mittwochs) eine alte Tram zu der <em>Superga<\/em>, was ich nach einem zweist\u00fcndigen Aufstieg und dreist\u00fcndigen Abstieg durch ein Naturschutzgebiet, in dem an jedem zweiten Baum ein Warnschild aufgrund von Gro\u00dfviehherden hing (dem Google-\u00dcbersetzer sei Dank!), an einem Mittwoch erfahren habe. Doch auch der etwas weniger aufwendig zu erreichende <em>Monte dei Cappuccini<\/em> bietet einen wunderbaren Ausblick auf die Stadt und wird nachts, vom Ufer aus zu sehen, angestrahlt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ich bin nun seit fast drei Wochen hier und die ersten Tage waren bereits ein Erlebnis, obwohl mein Praktikum noch nicht einmal richtig angefangen hat. Ich bin sehr gespannt, was mich an der Universit\u00e4t erwartet und freue mich auf die Kurse und die kommende Arbeit mit den LektorInnen und den StudentInnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor genau einem Jahr bewarb ich mich f\u00fcr das Erasmus+-Praktikum im Bereich DaF an der Universit\u00e0 di Torino. 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