{"id":10561,"date":"2018-06-04T14:26:29","date_gmt":"2018-06-04T12:26:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/?p=10561"},"modified":"2026-04-01T11:02:03","modified_gmt":"2026-04-01T09:02:03","slug":"mein-arbeitsalltag-an-der-richard-hale-school-und-bank-holidays","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/mein-arbeitsalltag-an-der-richard-hale-school-und-bank-holidays\/","title":{"rendered":"Mein Arbeitsalltag an der Richard Hale School und Bank Holidays"},"content":{"rendered":"<p>Hello travellers, bloggers and blog-readers \ud83d\ude42<\/p>\n<p>eine erholsame Ferienwoche, die die half term des Schulhalbjahres markiert, bank holiday genannt wird und die ich im wundersch\u00f6nen Schottland verbracht habe, geht zu Ende. Am Montag beginnt (f\u00fcr mich mit einem lachenden und weinenden Auge) wieder der Schulalltag und somit auch schon die zweite H\u00e4lfte meines Schulpraktikums. Und wann w\u00e4re ein besserer Zeitpunkt, einmal von meinen Aufgaben und meinem Alltag an der Schule zu berichten?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Normalerweise beginnt mein Schultag an der Richard Hale (Boys) School um 9:10 Uhr, was f\u00fcr deutsche Verh\u00e4ltnisse nat\u00fcrlich eine sehr entspannte Zeit ist. Allerdings m\u00fcssen Lehrer und Sch\u00fcler* in den meisten F\u00e4llen auch jeden Tag bis halb 4 bleiben. Ein paar Mal bin ich auch schon vor Beginn der ersten Stunde gekommen, zum Beispiel um an einem Department Meeting (mein Hauptarbeitsplatz ist das Modern Foreign Languages Department) teilzunehmen oder mir eine Versammlung\/Debattierrunde anzusehen. Versammlungen finden hier n\u00e4mlich grunds\u00e4tzlich vor dem Unterricht statt. Dabei finden sich die unterschiedlichen Jahrgangsstufen (years) an verschiedenen Tagen in der Aula ein, um \u00fcber ein Thema zu sprechen, dass in dieser Woche relevant f\u00fcr sie sein wird, seien es z.B. Pr\u00fcfungen oder die Refugee Week, die in zwei Wochen ansteht. Dann folgt \u00fcblicherweise die &#8220;registration&#8221; der einzelnen Klasssen (forms) in den Klassenr\u00e4umen. Hierbei wird die Anwesenheit von jedem Sch\u00fcler aller Klassen und H\u00e4user (ja, es gibt tats\u00e4chlich wie in Harry Potter H\u00e4user und &#8211; ob ihr&#8217;s glaubt oder nicht &#8211; sogar einen Hauspokal) \u00fcberpr\u00fcft. Erst dann begeben sich die Sch\u00fcler zu dem Klassenraum, indem ihre erste Stunde stattfindet.<\/p>\n<p>Im Languages Department helfe ich meistens im Fach Deutsch. Dort werden mir dann pro Stunde einige Sch\u00fcler im Wechsel zugeordnet, die aus ihrem regul\u00e4ren Unterricht gehen und mit denen ich dann detailliert den aktuellen Stoff wiederhole. Dabei versuche ich mit ihnen Dialoge auf Deutsch zu f\u00fchren, damit sie so neue Vokabeln und Phrasen verinnerlichen. Das mache ich mit Year 7 bis 11. Year 11 konnte ich so auf ihre GCSE-Pr\u00fcfungen im Fach Deutsch vorbereiten. In manchen Stunden observiere ich aber auch nur und helfe gelegentlich, indem ich bei Stillarbeiten herumgehe, um mich teilweise neben einzelne Sch\u00fcler zu setzen, damit sie sich besser konzentrieren und nicht von anderen ablenken lassen, was besonders in Year 7 ziemlich schwierig ist. Au\u00dferdem begleite ich h\u00e4ufig Gruppenarbeiten und finde es sehr beeindruckend, wie motiviert die Sch\u00fcler arbeiten, sobald man die Aufgabe in einen kleinen Wettkampf verwandelt. \ud83d\ude09<\/p>\n<p>\u00dcber die hohe Bereitschaft und Motivation aller Sch\u00fcler w\u00e4hrend meiner selbst gestalteten und gehaltenen Stunde in Year 10 zum Thema &#8220;Schuluniform&#8221; war ich ebenfalls sehr erfreut. Da dies ein Thema ist, was mich selbst sehr interessiert, da es sich so von Deutschland unterscheidet und ich dar\u00fcber auch einen Essay im Anschluss an mein Praktikum schreiben werde, war es sehr hilfreich, mithilfe der &#8220;Skalier-Methode&#8221; die Meinung der Sch\u00fcler \u00fcber das Tragen einer Uniform zu erfahren. Bei der Skalier-Methode handelt es sich um eine \u00dcbung, bei der sich alle Sch\u00fcler auf einer Linie positionieren m\u00fcssen, an dessen einen Ende eine komplett positive Haltung zu dem Thema eingenommen wird. Das andere Ende steht f\u00fcr eine ablehnende Haltung. Es war erkennbar, dass die meisten Sch\u00fcler positiv \u00fcber ihre Schuluniform denken. Durch sie f\u00fchlen sie sich &#8220;gut angezogen&#8221; und denken, dass sie Mobbing verhindern kann. Nur wenige empfinden die Uniform als unbequem und behindernd, wenn es darum geht, die eigene Pers\u00f6nlichkeit zu zeigen.<\/p>\n<p>Auch mit den A-Level Students (Year 13, vergleichbar mit AbiturientInnen) \u00fcbe ich, Gespr\u00e4che zu f\u00fchren, Analysen zu schreiben und Texte zu \u00fcbersetzen. F\u00fcnf Sch\u00fcler aus Year 12 betreue ich einzeln, jede(n) eine halbe Stunde. Dabei ist es mir m\u00f6glich, die Stunden eigenst\u00e4ndig zu gestalten. Die zust\u00e4ndigen Lehrer geben mir lediglich das Thema vor. So konnte ich in den letzten Wochen einen deutschen Poetry Slam zum Thema Flucht und Migration mit ihnen durchnehmen. Ich war begeistert von ihrem Interesse, denn nachdem wir Paragraph f\u00fcr Paragraph \u00fcbersetzten und reflektierten, wollten sie immer mehr \u00fcber die Fl\u00fcchtlingsbewegungen in Deutschland seit 2015 erfahren. Es entstanden super interessante Gespr\u00e4che und das haupts\u00e4chlich in Deutsch!<\/p>\n<p>Zudem konnte ich bereits einen Einblick in den Religionsunterricht in der Oberstufe und in den Englischunterricht erhalten. Im Religionsunterricht des Year 9 nehme ich momentan ebenfalls die Fl\u00fcchtlingsbewegung seit 2015 aus Syrien, Afrika, Pakistan und Afghanistan sowie Hilfsorganisationen durch. Dabei unterrichte ich gemeinsam mit einem anderen Religionslehrer (team teaching). So besprechen wir jede Stunde im Vorhinein und ich lerne neue Methoden und Ideen, Lehrarten und Aufgaben kennen. Das alles empfinde ich als sehr bereichernd! Da ich auch meiner Kreativit\u00e4t freien Lauf lassen kann, durfte ich in der Woche vor den Ferien eine Stunde ganz nach meinen Vorstellungen entwerfen. Dort haben wir uns dann mit einem anderen Poetry Slam besch\u00e4ftigt und letztlich haben die Sch\u00fcler daraufhin ihren ersten eigenen Poetry Slam geschrieben und pr\u00e4sentiert. Ich war \u00fcberw\u00e4ltigt von ihren emotionalen und kreativen Werken! Allerdings erkl\u00e4rte mir der Religionslehrer, dass dies eine eher untypische Religionsstunde gewesen sei. Auch in den Stunden anderer Religionslehrer erkannte ich, dass es hier besonders darauf ankommt, Religion neutral zu vermitteln. Da Kirche und Staat komplett voneinander getrennt sind, wird im Religionsunterricht, der auch nicht in evangelischen und katholischen getrennt ist, weniger \u00fcber den eigenen Glauben gesprochen und mehr die Vielfalt der Religionen oder philosophischer Ans\u00e4tze vorgestellt.\u00a0Wohingegen in Deutschland Religionslehrer ja sogar Angestellte der Kirche sind.<\/p>\n<p>In meiner Zeit an der Richard Hale School ist mir au\u00dferdem bisher insbesondere der Einsatz vieler Medien aufgefallen. In jeder Stunde werden vom Lehrer\/ von der Lehrerin vorbereitete PowerPoints genutzt, um das Thema vorzustellen. Sie enthalten dann meistens auch schon Arbeitsauftr\u00e4ge, die die Sch\u00fcler in der Stunde bearbeiten sollen. H\u00e4ufig werden auch Computerspiele genutzt (insbesondere im Deutschunterricht), um das Interesse am Vokabellernen zu verst\u00e4rken. Allerdings konnte ich bisher eher einen r\u00fcckl\u00e4ufigen Effekt erkennen. Das Arbeiten am Computer lenkt viele Sch\u00fcler eher ab und verleitet sie dazu, sich Webseiten anzuschauen, die nicht f\u00fcr den Unterricht vorgesehen sind. Hierbei handelt es sich h\u00e4ufig um bottom-set-Klassen, welche die schw\u00e4chsten Sch\u00fcler eines Jahres umfassen. Daneben gibt es middle-set sowie top-set, mit denen es sehr viel einfacher ist, zu arbeiten.<\/p>\n<p>Die Arbeit mit den Sch\u00fclern aus Year 7 im Drama Club (Theater) stellt eine Abwechslung zum eher strengen Unterricht da. Bereitet sie mir einerseits gro\u00dfe Freude, stellt sie mich andererseits aber auch vor viele neue Herausforderungen, zum Beispiel das Ermahnen und spontane Reagieren auf Englisch. Nat\u00fcrlich ist auch das Theaterspielen auf Englisch &#8211; manchmal musste ich auch schon in eine Rolle schl\u00fcpfen, um den Sch\u00fclern zu verdeutlichen, wie eine Szene dargestellt werden soll &#8211; eine v\u00f6llig neue Erfahrung f\u00fcr mich.<\/p>\n<p>Ein besonders zusammenschwei\u00dfendes Erlebnis f\u00fcr Sch\u00fcler und innerhalb des Kollegiums konnte ich direkt zu Anfang meines Praktikums erleben. In meiner zweiten Woche gab es einen Charity Run \u00fcber 5km, zu dem mich der schon genannte Relilehrer \u00fcberredete. Es kostete \u00dcberwindung, da Laufen normalerweise nicht zu meinen liebsten Sportarten geh\u00f6rt, aber tats\u00e4chlich merkte ich schon w\u00e4hrend des Rennens, welch ein Teamgeist zwischen den Lehrern herrschte, wie man sich gegenseitig ermutigte und wie das auch auf die Sch\u00fcler untereinander abf\u00e4rbte. Nach dem Lauf a\u00dfen und tranken wir zusammen und ich bin mir sicher, dass nicht zuletzt dieses Ereignis dazu gef\u00fchrt hat, dass ich mich hier so gut eingelebt habe und mit vielen Lehrern gut verstehe.<\/p>\n<p>So, das waren viele sch\u00f6ne Erlebnisse, die ich mit Euch teilen wollte! Hoffentlich konntet Ihr einen guten Einblick bekommen.<\/p>\n<p>Bis bald,<\/p>\n<p>Eure Carmen<\/p>\n<p>*auch, wenn ich nur die maskuline Form &#8220;Sch\u00fcler&#8221; verwende, ist die feminine Form impliziert. Allerdings ist Richard Hale ohnehin eine Jungenschule. Lediglich in der Oberstufe d\u00fcrfen wenige M\u00e4dchen die Secondary School besuchen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hello travellers, bloggers and blog-readers \ud83d\ude42 eine erholsame Ferienwoche, die die half term des Schulhalbjahres markiert, bank holiday genannt wird und die ich im wundersch\u00f6nen Schottland verbracht habe, geht zu Ende. Am Montag beginnt (f\u00fcr mich mit einem lachenden und weinenden Auge) wieder der Schulalltag und somit auch schon die zweite H\u00e4lfte meines Schulpraktikums. 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