{"id":10506,"date":"2018-05-16T13:12:05","date_gmt":"2018-05-16T11:12:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/?p=10506"},"modified":"2026-04-01T11:11:56","modified_gmt":"2026-04-01T09:11:56","slug":"neues-aus-natal-praktikum-in-einer-brasilianischen-anwaltskanzlei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/neues-aus-natal-praktikum-in-einer-brasilianischen-anwaltskanzlei\/","title":{"rendered":"Neues aus Natal: Praktikum in einer brasilianischen Anwaltskanzlei"},"content":{"rendered":"<p>Bom dia! Ich melde mich zur\u00fcck aus Natal. Heute werde ich euch von meinen Praktikumserfahrungen in einer brasilianischen Anwaltskanzlei berichten. Denn seit Januar arbeite ich hier im Nordosten Brasiliens f\u00fcr einen brasilianischen Rechtsanwalt, der sich insbesondere auf Internationales Steuer- und Gesellschaftsrecht spezialisiert hat.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>W\u00e4hrend hier vor Ort in der Kanzlei alles geregelt abl\u00e4uft und getreu dem<em> jeitinho brasileiro<\/em> f\u00fcr jede unvorhergesehene Situation eine schnelle, passende L\u00f6sung gefunden wird, war die Planung f\u00fcr das Praktikum im Voraus ziemlich nervenaufreibend. Das lag allerdings nicht an meinem Praktikumsgeber, sondern vielmehr an den brasilianischen Beh\u00f6rden. Denn Brasilien hatte im letzten Jahr bereits ein neues Einwanderungsgesetz erlassen, ohne dabei den brasilianischen Konsulaten im Ausland die neuen Voraussetzungen f\u00fcr Visaantr\u00e4ge mitzuteilen. Das brasilianische Generalkonsulat in Frankfurt entschied sich daher kurzerhand dazu, keine Antr\u00e4ge mehr bis zum Erhalt der neuen Visavoraussetzungen zu bearbeiten. Dies f\u00fchrte dazu, dass ich mein Visum f\u00fcr einen Praktikumsaufenthalt in Brasilien von mehr als 90 Tagen nicht rechtzeitig vor Abflug erhielt und meinen Flug daher f\u00fcr teures Geld umbuchen musste. Das Visum hatte ich letztlich dann auch nur aufgrund einer \u201eAusnahme\u201c bekommen, die neuen Voraussetzungen lagen den Beh\u00f6rden bis zu jenem Zeitpunkt immer noch nicht vor.<\/p>\n<p>Derartige unerwartete Ereignisse und die Tatsache, dass so ein Visumsantrag doch schon b\u00fcrokratischen Aufwand mit sich bringt, sollte man auf jeden Fall im Hinterkopf behalten, wenn man einen mehrmonatigen Brasilien-Aufenthalt plant. Denn immerhin kann man in Brasilien als deutscher Staatsangeh\u00f6riger problemlos 90 Tage ohne Visum verbringen. Genauere Informationen dazu gibt es aber auch auf den Webseiten der brasilianischen Konsulate in Deutschland.<\/p>\n<p>Als ich nach dieser unerfreulichen Erfahrung nun aber im Januar endlich in Natal ankam, gew\u00f6hnte ich mich schnell an den brasilianischen Arbeitsalltag. Ein normaler B\u00fcrotag in meiner Kanzlei dauert acht Arbeitsstunden und in der Mittagspause gehe ich meistens mit einem der Arbeitskollegen oder Praktikanten meines Alters in der B\u00fcro-N\u00e4he essen. Obwohl sich die Kanzlei in Petr\u00f3polis, einem der vornehmsten Viertel Natals, befindet, gibt es ein paar gute Restaurants, in denen man hausgemachtes Essen und einen Saft f\u00fcr umgerechnet maximal 4 Euro erh\u00e4lt. Es ist aber auch durchaus \u00fcblich, dass man selbstgemachtes Essen von zu Hause mitbringt und in der K\u00fcche im B\u00fcro warm macht.<br \/>\nVon der Arbeit an sich war ich positiv \u00fcberrascht. Mein Chef, ein Zivil- und Verfassungsrechtler und Partner der Kanzlei, k\u00fcmmerte sich von Beginn an vorbildlich um mich und bem\u00fcht sich stets darum, dass ich die F\u00e4lle, die er mir zur Bearbeitung gibt, vollst\u00e4ndig begreife. Die komplexen Sachverhalte zu verstehen, gelang mir am Anfang n\u00e4mlich nicht allzu schnell, da ich zwar ein gutes Niveau in der portugiesischen Sprache hatte, einige juristische Fachbegriffe aber noch nicht kannte. Und insbesondere der Dialekt im brasilianischen Nordosten machte mir in den ersten Wochen selbst in allt\u00e4glichen Unterhaltungen oft zu schaffen. Ich wurde zwar von vielen brasilianischen Freunden aus dem S\u00fcdosten des Landes diesbez\u00fcglich vorgewarnt. Dass sich Unterhaltungen mit manchen Einheimischen allerdings so schwierig gestalten w\u00fcrden, hatte ich nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehalten.<\/p>\n<p>Das Verst\u00e4ndnis verbesserte sich aber mit der Zeit deutlich, sodass ich im B\u00fcroalltag inzwischen keine Probleme mehr damit habe. Das liegt nicht zuletzt daran, dass mein Chef mir als erste Praktikumsaufgabe das Schreiben einer Petition auftrug und ich daf\u00fcr eine Akte mit vergangenen Gerichtsentscheidungen in derselben Sache zum Lesen erhielt. Ich fertigte mir daraufhin eine Vokabelliste mit den in den Entscheidungen verwendeten juristischen Fachbegriffen an, die ich nach und nach um W\u00f6rter erweiterte, die ich bei der Arbeit aufschnappte und die mir bis dato unbekannt waren.<\/p>\n<p>Inzwischen sieht ein normaler Arbeitsalltag so aus, dass mein Chef mir einen Vertrag zur Korrektur aufgibt, ich selbst einen Vertrag anfertigen muss (im Regelfall einen Gesellschaftsvertrag) oder ich schlichtweg eine rechtsvergleichende Untersuchung durchf\u00fchren soll und dabei L\u00f6sungsans\u00e4tze des deutschen bzw. brasilianischen Rechts f\u00fcr bestimmte Gesellschafts- oder Steuerrechtsfragen gegen\u00fcberstellen muss.<\/p>\n<p>Da ein Partner der Kanzlei au\u00dferdem Professor ist, habe ich neben dem B\u00fcroalltag auch die Chance, Vorlesungen im brasilianischen Familienrecht sowie im brasilianischen Steuerrecht an der Universidade Federal do Rio Grande do Norte zu besuchen. Anfangs konnte ich dort auch jeweils einen Vortrag \u00fcber das deutsche Recht halten, wobei mir insbesondere die Neugier vieler brasilianischer Studenten im Bezug auf das deutsche Rechtssystem auffiel. Das d\u00fcrfte daran liegen, dass Deutschland in Brasilien ein Image als besonders entwickeltes und aufgekl\u00e4rtes Land genie\u00dft.<\/p>\n<p>Zusammenfassend kann ich sagen, dass meine anf\u00e4nglichen Bef\u00fcrchtungen, eventuell gar nicht in der Kanzlei \u201egebraucht\u201c zu werden, sich nicht best\u00e4tigt haben. Aufgrund des \u00fcberragenden Interesses am deutschen Rechtssystem und wegen der Hilfsbereitschaft meiner Kollegen habe ich mich schnell wohl gef\u00fchlt und in kurzer Zeit viel gelernt. Dieses Wissen hat mir wiederum geholfen, Vertrauen aufzubauen und neue Projekte in die Hand zu nehmen, wodurch sich der Aufenthalt sehr abwechslungs- und lehrreich gestaltet.<\/p>\n<p><a class=\"trawell-popup-img\" href=https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/20180304_163634.jpg  data-size=\"{&quot;w&quot;:1920,&quot;h&quot;:1280}\" ><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-10513\" src=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/20180304_163634.jpg\" alt=\"\" width=\"593\" height=\"334\" srcset=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/20180304_163634.jpg 1280w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/20180304_163634-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/20180304_163634-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/20180304_163634-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/20180304_163634-600x338.jpg 600w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/20180304_163634-800x450.jpg 800w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/20180304_163634-1200x675.jpg 1200w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/20180304_163634-585x330.jpg 585w, https:\/\/www.uni-muenster.de\/CareerService\/blog-erasmus\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/20180304_163634-385x217.jpg 385w\" sizes=\"(max-width: 593px) 100vw, 593px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bom dia! 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