Erlebnisse in einer US Kanzlei

Mein Praktikum absolviere ich bei der Kanzlei BridgehouseLaw in Charlotte, North Carolina. Die Kanzlei hat mehrere Standorte, in dem Büro in Charlotte arbeiten zur Zeit sieben Anwälte. Hauptsächlich betreut die Kanzlei deutsche mittelständische Unternehmen dabei, einen Standort in den USA aufzubauen. Deshalb werden auch größtenteils Rechtsgebiete bearbeitet, die mit „corporate matters“ zusammenhängen: Banking & Finance, Real Estate, Arbeitsgesetze und allgemeines Vertragsrecht. Viele der Fälle sind grenzüberschreitend, was ich sehr spannend finde. So kommt nicht nur nationales Recht zur Anwendung, sondern man erhält einen ganz neuen Einblick.

Von den Anwälten bekomme ich immer kleine Projekte zugeteilt, häufig verfasse ich ein Entwurfsschreiben für den eigenen Mandanten oder für den gegnerischen Anwalt. Dadurch erhält man wirklich einen guten Einblick und die Anwälte haben sich immer viel Zeit genommen zunächst den Fall, aber auch die juristischen Besonderheiten/Probleme zu erklären. Es war wirklich spannend zu sehen, wie hier häufig ohne ein Gesetz, dafür aber mit Präzendenzfällen, gearbeitet wird und wie ein Prozess abläuft. Generell ist der Weg zu einem Gericht hier deutlich länger und auch kostspieliger als in Deutschland, weshalb in den meisten Fällen vorher eine Einigung der Parteien erreicht wird.

Ich hatte auch die Gelegenheit, zum Gericht zu gehen und ein paar Fälle zu beobachten. Es war wirklich interessant, einen amerikanischen Gerichtsprozess mit einem deutschen zu vergleichen. Besonders schockierend war für mich, dass North Carolina ein Staat ist, in dem die Todesstrafe angewendet werden kann. Ich war bei einer strafrechtlichen Sitzung, in der die offizielle Anklageerhebung durchgeführt wurde (arraignment). Dies läuft so ab, dass der Staatsanwalt einen Fall aufruft, der Gefangene von den Sicherheitsleuten vorgeführt wird und dann die Anklage vorgelesen wird. Der Anwalt steht neben dem Angeklagten und der Beschuldigte muss sich schuldig oder nicht schuldig bekennen. Viel mehr passiert bei der Anklageerhebung nicht, es wird nur noch ein Termin für die eigentliche Verhandlung festgesetzt und dann wird die nächste Anklage für den nächsten Beschuldigten verlesen. Als ich zugeschaut habe, wurden auch viele Anklagen verlesen, die einen Mord oder Totschlag zum Gegenstand hatten. Bei den Mordanklagen hat der Richter dann nachgefragt, ob die Todesstrafe verfolgt werden soll oder nicht. Der Anwalt, der mich begleitet hat, hat mir erklärt, dass ein solcher Prozess mit einer Todesstrafe deutlich aufwendiger ist und viel länger dauert. Außerdem war ich noch in einem bereits laufenden Verfahren anwesend, in dem der Beschuldigte für zwei Morde im Zusammenhang mit einem Raubüberfall angeklagt war. Der Tag am Gericht war auf jeden Fall ein für mich spannendes Erlebnis, wenn auch an vielen Stellen etwas schockierend.

Das Praktikum hat mir in den ersten vier Wochen (zwei kommen noch) wirklich sehr viel Spaß gemacht. Ich habe viele neue Erfahrungen gesammelt und viel dazu gelernt.

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