Digitale Edition normativer Texte der Weltreligionen

Neuer Forschungsschwerpunkt am Exzellenzcluster „Religion und Politik“

Ein neuer interdisziplinärer Forschungsschwerpunkt des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ der WWU wird anhand der Auseinandersetzung um den historischen Charakter religiös verbindlicher Texte dem Spannungsverhältnis von theologischer Glaubenslehre und gelebter Religiosität nachgehen. Dabei sollen die verschiedenen Schichten der Entstehungs- und Überlieferungsgeschichte veranschaulicht und die historische Entstehung von theologischen Texten, die als verbindlich erachtet werden, aufgewiesen werden – angesichts zahlreicher religiöser Konflikte weltweit eine gesellschaftlich bedeutsame Forschungsaufgabe. Ziel ist es, religiös verbindliche Texte der drei großen monotheistischen Religionen mit Methoden der Digital Humanities unter verschiedenen inhaltlichen Gesichtspunkten zu erfassen. Teils werden sie dabei erstmals rekonstruiert. Die normativen Texte aus unterschiedlichen Religionen sollen über eine gemeinsame Online-Plattform „Digital Theologies“ im Rahmen der vielfältigen Website-Angebote zu den Forschungen des Exzellenzclusters Interessierten aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft öffentlich zugänglich gemacht werden. Voraussetzung für den Start der Projekte ist, dass der Cluster im derzeitigen Antragsverfahren erfolgreich begutachtet und auch nach 2018 weitergefördert wird.

Vier groß angelegte Forschungsprojekte wollen sich mit der digitalen Edition autoritativer religiöser Texte befassen: Für das Christentum wurden lehramtliche Entscheidungen der katholischen Kirche (Prof. Dr. Hubert Wolf, Katholische Theologie) sowie deutungsrelevante Varianten des Neuen Testaments und ihre Rezeption in reformatorischen und modernen Übersetzungen (Prof. Dr. Holger Strutwolf, Evangelische Theologie) ausgewählt, für den Islam exemplarische Textstellen des Korans zum Thema Frieden und Gewalt (Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, Islamische Theologie, in Kooperation mit Prof. Dr. Angelika Neuwirth, Corpus Coranicum, Berlin) und für das Judentum einzelne Passagen der Pessach-Haggada (Prof. Dr. Clemens Leonhard, Katholische Theologie, in Kooperation mit der Ben Gurion Universität, Be’er Schewa, Israel). In allen Projekten arbeiten Textwissenschaftler und Informatiker eng zusammen.

Unterstützung erhalten die digitalen Projekte durch den Servicepunkt DH des Center for Digital Humanities (CDH) der Universitäts- und Landesbibliothek: Der Servicepunkt berät und unterstützt die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei der Entwicklung und Umsetzung der digitalen Editionsprojekte und übernimmt das Forschungsdatenmanagement. Der Servicepunkt wird dem Exzellenzcluster „Religion und Politik“ außerdem maßgeblich beim Aufbau der Online-Plattform “Digital Theologies“ zur Seite stehen, die die religiös verbindlichen Texte über die Website des Exzellenzclusters zugänglich machen wird. (exc)