Osterausstellung 2020

Wie alle Museen der WWU ist auch das Bibelmuseum der WWU derzeit wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Planmäßig wäre am 4. April die diesjährige Osterausstellung „Auferstanden“ eröffnet worden. Um allen Interessierten dennoch einen Einblick zu gewähren, hat das Bibelmuseum jetzt auf dieser Website  kurze Videos, Fotos und Texte bereitgestellt, mit denen man einige Schlüsselexponate der Osterausstellung kennenlernen kann. Die Seite wird fortlaufend erweitert. Die neuen Inhalte stehen dann jeweils oben.

Osterausstellung - Teil 4

Ostervideo vierter und letzter Teil

Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir auch die nächste Ausstellung nicht vor Ort zeigen können, da die Universität Münster beschlossen hat, Ihre Gebäude und damit auch die Museen bis zum Ende der Vorlesungszeit am 17.07. geschlossen zu halten.         
Die von uns vorbereitete Ausstellung zum Thema „Gottes Bach ist voller Wasser, Ps. 65,10. Wasser und die Bibel“ werden wir daher ebenfalls Online und in den Sozialen Medien, wie an dieser Stelle, mit kleinen Einblicken ins Museum vorstellen und hoffen sie nächstes Jahr in vollem Umfang präsentieren zu können.
Mit dem Pfingstfest endet die Osterzeit. In der Apostelgeschichte 2.1-11 heißt es:

Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort.

Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.

Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen,

und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab.

Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.

Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde verstört, denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden.

Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, Galiläer?

Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache?

Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia,

Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Römer, die bei uns wohnen,

Juden und Proselyten, Kreter und Araber: Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden.

Mit diesem vielsprachigen Ausklang der Osterausstellung möchten wir bereits auf die nächste große Ausstellung des Bibelmuseums hinweisen. Es wird um den Turmbau zu Babel und Babel in der Bibel gehen. Dafür wird das Bibelmuseum Exponate aus dem Pergamonmuseum in Berlin entleihen. Man darf also gespannt sein.

Bilder

© Bibelmuseum
  • © Bibelmuseum
  • © Bibelmuseum
  • © Bibelmuseum
  • © Bibelmuseum
  • © Bibelmuseum
  • © Bibelmuseum

Die Bibel in Bildern

Künstler: Julius Schnorr von Carolsfeld
Drucker: Georg Wigang
Druckort: Leipzig
Druckjahr: 1860

Die Geschehnisse zu Ostern aus einer Bibel mit Bildern von Julius Schnorr von Carolsfeld, erschienen im Jahr 1860. Seine Bilder, die in vielen Bibelausgaben abgebildet sind, haben ganze Generationen geprägt. Julius Schnorr von Carolsfeld war ein Vertreter der romantisch-religiösen Kunstrichtung der Nazarener. Zusammen mit Gustav Doré gilt Schnorr von Carolsfeld als der wichtigste Bibelillustrator des 19. Jh. Die 240 Holzstiche der „Bibel in Bildern“ zeichnen sich durch naturalistische Darstellung mit einer feierlichen Innerlichkeit aus. In dem Vorwort zur Bibel macht Schnorr von Carolsfeld deutlich, dass die Bibel preiswert und fürs Volk verständlich sein soll, ebenso will er an der Bildung und Erziehung der Jugend teilhaben. Der Bekanntheits- und Verbreitungsgrad der Bibel war sehr groß. Dieses Werk wurde in vielen Ausgaben in unterschiedlichem Format gedruckt.

Bilder

© Bibelmuseum
  • © Bibelmuseum
  • © Bibelmuseum
  • © Bibelmuseum
  • © Bibelmuseum

Hieroglyphick Bible

Verleger/Drucker: Silas Andrus & Son
Druckort: Hartford
Druckjahr: 1855

Im 18. Jh. wurden für Kinder kleine Bücher mit Sprüchen der Bibel gedruckt. In die Sätze werden einzelne Begriffe durch Zeichen oder Darstellungen ersetzt, die beim Lesen oder Vorlesen erkannt und benannt werden müssen – wie auch heute noch in Büchern für kleine Kinder und Leseanfänger.
Hier ist auch die Ostergeschichte dargestellt. Voraussetzung für das flüssige Lesen der Hieroglyphick Bible ist breites Wissen über die Geschichten der Bibel.

Bilder

© Bibelmuseum
  • © Bibelmuseum
  • © Bibelmuseum
  • © Bibelmuseum
  • © Bibelmuseum
  • © Bibelmuseum

Biblia sacra polyglotta

Londoner Polyglotte

Autor: Brian Walton
Drucker: Thomas Roycraft
Druckort: London
Druckjahr: 1654-1657

Die „Londoner Polyglotte” wurde von dem anglikanischen Priester, Theologen und Bischof von Chester Brian Walton unter Mitarbeit namhafter Wissenschaftler erarbeitet. Sie markiert einerseits das Ende der aufwendig gestalteten klassischen Mehrsprachenbibeln, andererseits ist sie der eigentliche Auftakt der wissenschaftlichen Textkritik. Sie versammelt sämtliche wichtigen alten und von den Kirchen benutzten Texte in neun Sprachen: Hebräisch, Griechisch, Lateinisch, Aramäisch, Syrisch, Arabisch, Samaritisch, Persisch und Äthiopisch.

Die Polyglotte stellt eine drucktechnische Meisterleistung dar: Die Texte in den verschiedenen Sprachen sind parallel gesetzt, so dass der Leser sie auf einen Blick miteinander vergleichen kann, ohne ein Blatt umwenden zu müssen.

  • Osterausstellung - Teil 3

    * Erläuterung zum Start-Bild des Videos: Diese Lutherfigur hält eine Bibel in der Hand, bei der der Übergang vom Alten zum Neuen Testament aufgeschlagen ist. Das in Großbuchstaben geschriebene Wort "Ende" auf der Seite des Alten Testaments, kann als antisemitisch gedeutet werden, denn es legt nahe, dass das Alte Testament für beendet oder nicht weiter gültig erklärt wird. Dies ist eine typisch antisemitische Auffassung, die auch von den „Deutschen Christen“ im Nationalsozialismus vertreten wurde. Der Entwurf der Figur orientiert sich an dem Lutherdenkmal in Wittenberg von 1821. In der Neuauflage der Figur wurde das Wort "Ende" weggelassen.

    Bilder

    © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum

    Das new Testament

    Autor: Martin Luther
    Drucker: Hans Lufft/Melchior u. Michel Lotter
    Druckort: Wittenberg
    Druckjahr: 1524 (Erstausgabe 1522)
    Künstler: Lucas Cranach

    Nachdem Luther auf dem Rückweg vom Reichstag zu Worms von Friedrich dem Weisen zum Schutz auf die Wartburg entführt wurde, begann er als „Junker Jörg“ mit der Übersetzung des Neuen Testaments ins Deutsche. Als Grundlage diente ihm u.a. das griechische Neue Testament des Erasmus von Rotterdam. Luther zog neben dem griechischen Text aber auch hebräische und lateinische Werke heran. Er übersetzte sehr zügig und hatte bereits im März 1522, als er sein Exil auf der Wartburg verließ, ein druckfertiges Manuskript des Neuen Testaments fertig. Mit Philipp Melanchthon (1497-1560), Professor für Gräzistik in Wittenberg und ein enger Freund Luthers, ging er sein Manuskript nochmals durch. Auch Georg Spalatin (1484-1545) half bei griechischen Wortbedeutungen. Luther war bei seiner Übersetzung wichtig, die Sprache des Volkes zu sprechen. Ein gutes Beispiel hierfür ist, dass er, mithilfe des Numismatikers Wilhelm Reiffenstein (1482-1538), die griechischen Münzen des Neuen Testament durch die aktuelle Währung seiner Zeit ersetzte. Lucas Cranach und Christian Döring kümmerten sich um die Verlegung des Buches. Cranach fertigte zudem einen Zyklus von 11 Holzschnitten für die Illustrierung der Apokalypse an. Die Schnitte der ersten Auflage waren noch eine unmissverständliche Polemik gegen den Papst, so schmückt das Haupt des Tieres aus der Tiefe (Off 11, 1ff.) als Anlehnung an die Tiara des Papstes eine dreifache Krone. Bereits in der zweiten Auflage im Dezember desselben Jahres wurde durch Wegschneiden die dreifache Krone in eine einfache verwandelt, um die direkte Verbindung zu entschärfen. Für den Druck wandte sich Luther an Melchior Lotter. Der bedeutende Leipziger Drucker hatte schon 1517 einen Einbanddruck von Luthers 95 Thesen veröffentlicht und 1519 Luthers bis dahin umfangreichstes wissenschaftliches Werk, einen lateinischen Kommentar zum Galaterbrief, vervielfältigt. Innerhalb von fünf Monaten konnten 3000 Exemplare fertiggestellt und auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt werde. Bezeichnend für die Brisanz des Werkes ist, dass in der ersten Ausgabe weder der Name Luthers, noch die Namen der Verleger oder der Drucker genannt wurden. Trotz eines vergleichsweise hohen Preises von einem halben Gulden war die Nachfrage derartig hoch, dass bereits im Dezember 1522 eine zweite, überarbeitete Auflage erschien. Die vorliegende Ausgabe ist aus dem Jahre 1524. Auffällig ist hier, dass sich nun auf der letzten Seite die Namen der Drucker und der Druckort finden: „Gedruckt zu Wittenberg Melchior und Michel Lotther gebrüder“. Neben dem Text sind Kommentare Luthers zu erkennen, in denen einzelne Wörter erläutert werden.

    Bibelmuseum Münster

    Bilder

    © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum

    Die türkische Bibel oder des Koran allererste teutsche Übersetzung

    Autor: Jakob Friedrich Megerlin
    Drucker: Johann Gottlieb Garbe
    Druckort: Frankfurt/Main
    Druckjahr: 1772


    Neu in der Sammlung des Bibelmuseums ist ein Werk von Jakob Friedrich Megerlin (1699-1778), das nicht unkommentiert im Museum stehen bleiben kann, da es zeitgeschichtlich eingeordnet werden muss. Es handelt sich um "Die türkische Bibel oder des Koran allererste teutsche Übersetzung", die erste Übersetzung des Koran direkt aus dem Arabischen ins Deutsche. Gedruckt wurde das Werk 1772 bei Johann Gottlieb Garbe, also knapp 90 Jahre nachdem das Osmanische Reich zum dritten Mal in der europäischen Geschichte vor den Toren Wiens kämpfte (1683). Seit dem ersten Vordringen des Osmanischen Reiches bis nach Wien im Jahr 1529 und 1541 (vgl. Exponat Nr. Luther) war die „islamische Gefahr aus dem Osten“ mit den „Türken“ verbunden. Daher wird auch der Koran mit den Türken gleichgesetzt: er heißt daher die „türkische Bibel“. Bereits Luther kannte ab 1542 eine handschriftliche, lateinische Übersetzung des Korans durch Robert von Ketton (um 1110-1160) aus dem 12. Jh. Megerlins Arbeit ist nun der erste Druck einer deutschen Übersetzung aus dem Arabischen. Die genannte islamische Gefahr ist allgegenwärtig und Megerlin zeigt bereits vor dem Titelblatt seine Haltung und Absicht, die er mit dem Werk verfolgt: ein Portrait des Propheten Mohammed trägt den Untertitel „Mahumed der falsche Prophet“. Wichtig ist das Vorwort, in dem der Autor seine Absicht bzw. seine antiislamische und auch antijüdische Geisteshaltung klar formuliert:

    "so wohl den Antichrist Mahomed, als auch sein Lügenbuch, den Koran, besser kennen zu lernen, und Gott zu bitten, diesen gewaltthätigen Reich, und seiner aberglaubigen Religion im Koran, bald ein Ende zu machen."

    Die Reaktion der Fachgelehrten der Zeit ließ nicht lange auf sich warten, bereits im gleichen Jahr erschien in der Zeitschrift „Allgemeine Deutsche Bibliothek“, in Band 17 (Berlin 1772, S. 426-437), eine vernichtende Rezension. Hier heißt es „Hr. Prof. Megerlin versteht weder genug Arabisch, noch deutsch, und deutsch am wenigsten.“, Rezensent „C.B.“. Auch Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), der sich intensiv mit dem Koran beschäftigt hat, kannte das Werk Megerlins. Er schreibt hierzu in den „Frankfurter gelehrte Anzeigen“ vom 22.12.1772, S. 811:

    „Wir wünschten, daß einmal eine andere [Übersetzung] unter morgenländischem Himmel von einem Deutschen verfertigt würde, der mit allem Dichter- und Prophetengefühl in seinem Zelte den Koran läse, und Ahndungsgeist genug hätte, das Ganze zu umfassen.“

    Bibelmuseum Münster

    Bilder

    © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum

    Eine Heerpredigt wider den Türcken

    Autor: Martin Luther
    Drucker: Joh. Stuchs
    Druckort: Wittenberg
    Druckjahr: 1530

    Die Türken waren zu Beginn des 16. Jh. als islamische Gefahr gegenwärtig, denn das Osmanische Reich vollführte eine Expansionspolitik und bedrohte Mitteleuropa. Wien wurde 1529 unter Sultan Süleyman I. (1494/95-1566) belagert, wenn auch erfolglos. Der Kaiser, die Fürsten und Städte mussten reagieren und konfessionsübergreifend Bündnisse eingehen, was de facto der Reformation nutzte. Martin Luther hat sich in mehreren Schriften mit den Türken und dem Koran beschäftigt. Er sah in ihnen Diener des Teufels. Militärische Erfolge der Türken fasste er als Strafe Gottes auf. Den Koran kannte Luther zunächst nur vom Hörensagen, erst 1542 hatte er Zugang zur handschriftlichen lateinischen Übersetzung des Koran von Robert von Ketton (1110-1160) aus dem 12. Jh. Erst 1772  wird die erste gedruckte Übersetzung des Koran aus dem Arabischen ins Deutsche vorliegen. Luther erkannte in den Türken und dem Papsttum die Feinde des Christentums. In seiner Schrift „Vom Kriege wider den Türken“, gedruckt 1529, rechtfertigte er den Widerstandskrieg und unterstellte dem Papst mit dem Türkenkrieg den Ablasshandel zu fördern. Luther befürchtet, wie viele seiner Zeitgenossen, den Weltuntergang und sah die Türken als Strafe Gottes an. Dies zeigt sich auch in der hier vorliegenden zweiten Schrift „Eine Heerpredigt wider den Türcken“, gedruckt 1530. Luther fordert zum Kampf gegen die Türken auf, auch wenn es kein Glaubenskrieg sein solle. Man solle:

    „mit Freuden/die Faust regen und getrost drein schlagen/moerden/rauben/und schaden thun.“

    Zur Weltuntergangsstimmung passt, dass Luther in seiner Argumentation die Offenbarung des Johannes heranzieht und die Türken mit der vierten Posaune gleichsetzt (Offb. 8,12):

    „Weyl aber zu dem Türcke/dennoch so gros und mechtig ist/und im Römischen reich sitzen sol/müssen wir ihn in dem selbigen suchen/und unter den hörnern des vierden thiers finden.“

    Luther mahnt in Gefangenschaft geratene Christen an, treu im Glauben zu bleiben und gibt Soldaten Anregungen sich im Gebet zu rüsten. Es wird deutlich, dass der Papst der Antichrist ist, die Türken sind Diener des Teufels:

    „Summa/Wo wir hyn kommen/da ist der rechte wirt/der teuffel da heym/Kommen wir zum Türcken/so faren wir zum teuffel/Bleiben wir unter dem Bapst/so fallen wir in die helle/Eytel teuffel auf beiden Seiten und allenthalben/So stehet es leyder yetzt in der welt/und gehen die Sprüche Christi und S. Pauli im vollen Schwanck/das in den letzten tagen sol ferliche und grausame zeit sein/da der teuffel loß worden/alle welt verführet/und solch iamer und not anricht/das kein Mensch kund selig werden/wo Got die selbigen tage nicht würde verkürtzen/umb seiner außerwelten willen.“

    1541 wurde Wien erneut von Sultan Süleymann angegriffen, was Luther zu einer weiteren Schrift „Vermahnung zum Gebet wider den Türcken“, gedruckt 1541 und einem Kampflied „Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort“ veranlasste.

    Die Flugschrift weist mit ihrem Einband eine Besonderheit auf. Als Einband wurde eine Seite einer Inkunabel (früher Druck/ Wiegen-druck 1454-1500) eines „Missale Romanum“, also eines römischen Messbuchs verwendet. Der lateinische Text handelt von Ezekiel 37, 6-14 und den Erläuterungen zu weiteren Propheten.

    Bibelmuseum Münster

    Bilder

    © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum

    Hochzeitsglückwünsche Luthers an Nikolaus Specht

    Objekt: handschriftlicher Brief
    Martin Luthers
    Verfasser: Martin Luther
    Empfänger: Nikolaus Specht
    Ort: Wittenberg
    Datum: 12.Dezember
    Jahr: 1538

    Luther schreibt in diesem Brief einen Hochzeitsglückwunsch an den Schuldirektor und späteren Pfarrer Nikolaus Specht in Bautzen. Er gratuliert ihm hier durch Anton Lauterbach, einem Anhänger Luthers und Reformator, zur Vermählung, da er selbst nicht an der Hochzeit teilnehmen kann. Als Geschenk schickte er ein Bildnis von „dem heiligen Mann“ Johannes Hus, das heute leider nicht mehr erhalten ist.
    Johannes oder Jan Hus war ein vorlutherischer Reformator, böhmischer Theologe und Prediger. Er kritisierte in seiner Lehre den weltlichen Besitz der Kirche und die Habsucht des Klerus und dessen Lasterleben. Als er dann während des Konzils von Konstanz 1415 seine Lehren nicht widerrufen wollte, wurde er als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Er soll, bevor er verbrannt wurde, gesagt haben: „Heute bratet ihr eine Gans, aber aus der Asche wird ein Schwan auferstehen“ (tschechisch „Hus“ für „Gans“). Dieser Ausspruch wurde später auf Martin Luther gedeutet, sodass der Schwan zum Symbol für Luther wurde.
    Die nach Jan Hus benannte Bewegung der Hussiten geht zum Teil auf sein Wirken zurück. In Tschechien wird er als „Nationalheiliger“ verehrt. 
    Seit der Zeit der Leipziger Disputation unterhielt Luther Beziehungen zu den Hussiten, den „Böhmischen Brüdern“. Er gab 1536 und 1537 Briefe von Hus heraus.

  • Osterausstellung - Teil 2

    Bilder

    © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum

    Historia des leidens und Aufferstehung unseres Herrn Jhesu Christi

    Autor: Johannes Bugenhagen
    Drucker: Georg Rhaw
    Druckort: Wittenberg
    Druckjahr: 1530

    Johannes Bugenhagen (1485-1558) war ein deutscher Theologe. Ab 1521 war er ein enger Mitstreiter Martin Luthers bei der Reformation und wenig später Pfarrer an der Stadtkirche in Wittenberg. Bugenhagen war Luthers Beichtvater, schloss die Ehe zwischen Luther und Katharina von Bora und hielt die Grabrede nach dem Tode Luthers. Bugenhagen ist der Begründer des lutherischen Kirchenwesens im Norden Deutschlands und in Dänemark.
    In seiner Schrift „Historia des leidens und Aufferstehung unseres Herrn Jhesu Christi“ gibt Bugenhagen eine zusammenfassende Darlegung (eine Harmonie) der Passionsgeschichte. Es ging Bugenhagen insbesondere um den Nachweis der geschichtlichen Wahrheit im biblischen Zeugnis. Die Bibel steht also im Mittelpunkt seiner exegetischen Arbeit. Zunächst wurde sie in lateinischer Sprache gedruckt, die ersten Übersetzungen ins Deutsche erscheinen ab 1526. Weiter Drucke gibt es als Raubdrucke, also nicht autorisierte Nachdrucke. Dies geschah im 16. Jh. sehr häufig.
    Die vorliegende Ausgabe von 1530 ist noch ohne Illustrationen, nur das Titelblatt ist bildlich ausgearbeitet und zeigt die Vertreibung der Händler aus dem Tempel. Spätere Ausgaben sind reich illustriert und zeigen zum einen das Bedürfnis des Volkes nach einer solchen Harmonie und zum anderen die Beliebtheit der Arbeit Bugenhagens.

    Bilder

    © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum

    24. Dilherrbibel

    Biblia, das ist die ganze Schrift

    Im 17. und 18. Jh. gibt es mehrere Druckerfamilien, die den Markt mit Bibeln beherrschen und regelmäßig neue Ausgaben drucken. Eine der Druckerdynastien ist die Familie Endter aus Nürnberg. Seit 1613 werden dort Lutherbibeln gedruckt. Die letzte Ausgabe erscheint 1792.
    Im 17. Jh. erscheinen bei Endter zwei wichtige Ausgaben, die in vielen Auflagen nachgedruckt werden.
    Die erste Ausgabe ist die sogenannte Kurfürsten- oder Weimarerbibel. Diese enthält neben dem eigentlichen Text der Bibel eine Reihe von Zusätzen, zum Beispiel bebilderte Zwischentitel, Landkarten als Kupferstiche und Portraits der protestantischen Kurfürsten. Dabei tragen die Bilder und Karten keine Seitenzahlen, da sie nach finanziellen Mitteln und Wünschen des Bestellers beigefügt und ergänzt werden konnten.
    Die zweite Ausgabe ist die sogenannte Dillherrbibel. Ab 1656 gab der Nürnberger Drucker Wolfgang Endter diese Ausgabe der Lutherbibel heraus, die auch für den Gebrauch in der Familie geeignet sein sollte. Die Verantwortung für den Text trug der Nürnberger Theologe und Philologe an der Universität Jena, Johann Michael Dilherr. Dilherr war Protestant und erster Prediger an der Nürnberger Kirche St. Sebald. Gegenüber der Kurfürstenbibel sollte die Dilherrbibel kostengünstiger sein, um für den Gebrauch in Gemeinden, oder sogar der Familie geeignet zu sein. Die Holzschnitte sind passend zum Inhalt des Textes eingefügt und erlauben so, die Bibel auch als Bilderbuch zu lesen. Die Dilherrbibel war ein großer Erfolg für die Druckerei Endter. Von 1656-1788 erschienen mindestens 29 Auflagen.
    Vorstellen möchte ich nun die 24. Dilherrbibel von 1747. Sie bietet den reinen Text der Lutherbibel und ist deshalb zum Vorlesen in der Kirche oder in der Familie geeignet. Die vorliegende Bibel ist besonders prachtvoll gestaltet. Sie enthält ein schönes Titelblatt mit einer ausgemalten Illustration. Außerdem wurden Bilder nicht nur aus ästhetischen Gründen eingefügt, sondern auch als Ausdruck einer Bildsprache. Die Menschen der damaligen Zeit kannten die dargestellten Szenen und konnten diese identifizieren. Die Illustrationen finden sich nicht nur wie sonst üblich im Alten Testament, sondern es gibt auch zu wichtigen Szenen des Neuen Testaments viele Darstellungen, in diesem Fall zur Ostergeschichte. Die Illustrationen sind auf die vier Evangelien, die alle von Ostern berichten, aufgeteilt. Zusätzlich finden sich als Bildzeile kurze Verse in Reimform, die das Geschehen erläutern. Zur Auferstehung Christi heißt es beispielsweise:


     „Der Fürst des Lebens siegt: O Glaubens-Trost und Freude! Der Engel sitzt im Grab in reinem weissen Kleide.“

    Bilder

    © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum

    Bibelfliesen

    Diese Keramikfliesen stellen biblische Szenen dar. Es sind um die 600 verschiedene Motive, sowohl aus dem Alten als auch aus dem Neuen Testament, bekannt, die auf den Fliesen dargestellt werden. Bibelfliesen sind im 17. Jh. in den Niederlanden entstanden. Die Niederlande waren damals calvinistisch geprägt, sodass es erstaunlich ist, dass gerade dort biblische Darstellungen geschaffen wurden. Bei dem Calvinismus wurde das Bilderverbot in Kirchen streng geachtet, allerdings sollten sich die Gläubigen außerhalb der Kirche mit den biblischen Geschichten beschäftigen. Die Bibelfliesen waren in ihrer Herstellung relativ teuer, sodass sie als Zeichen des Wohlstandes in Bürgerhäusern die Wände der Stuben oder der Küche zierten. An ursprünglicher Stelle in den Häusern sind jedoch nur noch wenige Fliesen erhalten. Generell wurden auf den zwischen dem 17. und 19. Jh. hergestellten Keramikfliesen aber nur etwa sechs bis acht Prozent mit biblischen Szenen verziert, der Großteil des Dekors der Fliesen waren Blumen, Tiere, Landschaften, Segelschiffe, Hirten und weiteres. Die Werkstatt der Fliesen lässt sich anhand der Eckmotive und der Art und Weise der Bemalung identifizieren, auch die Form der dargestellten Bäume gibt Hinweise auf den Herkunftsort. Die Bilder konnten in verschiedenen Farben gebrannt werden.

    Die Emmausjünger

    Inhalt: N 207 Die Emmausjünger (Luk 24:15, 16; Mark. 16:12)
    Werkstatt: Rotterdam
    Datierung: 1750

    Am gleichen Tag, an dem die Frauen das leere Grab von Jesus entdecken, ereignet sich auch folgende Geschichte. Zwei Jünger Jesu befinden sich auf dem Weg von Jerusalem zu dem 11km entfernten Emmaus. Der eine heißt Kleopas. Bei dem anderen soll es sich, nach außerbiblischen Quellen, um den Evangelisten Lukas selbst handeln.
    „Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen. Doch sie waren mit Blindheit geschlagen, so dass sie ihn nicht erkannten.“
    Die beiden Jünger tragen auf der Bibelfliese die charakteristischen Pilgerstäbe, während Jesus in ihrer Mitte durch den Strahlenkranz gekennzeichnet ist. Der rechte Jünger deutet mit einer einladenden Geste auf ein Gebäude in der linken Bildhälfte. Dieses könnte symbolisch für Emmaus stehen, wo die beiden Jünger Jesus später, an der Art wie er das Brot bricht, erkennen.

    Die Kreuzigung- Die Soldaten würfeln um die Kleider Jesu

    Inhalt: N 194 Die Kreuzigung- Die Soldaten würfeln um die Kleider Jesu (Mat. 27:35; Mark. 15:24; Luk. 23:34; Joh. 19:23)
    Werkstatt: Makkum
    Datierung: 1880

    Die hier zu sehende Bibelfliese zeigt die Kreuzigung Jesu Christi und legt den Fokus auf eine besondere Szene, als die Soldaten um die Kleidung von Jesus würfeln.
    „Nachdem sie ihn gekreuzigt hatten, warfen sie das Los und verteilten seine Kleider unter sich.“
    Hierbei handelt es sich um eine gebräuchliche Praktik, die Vollstrecker der Kreuzigung durften die Kleider des Gekreuzigten als zusätzliche Bezahlung behalten.
    Johannes berichtet davon, dass unter den Soldaten ein Streit um den aus einem Stück gewebten Rock von Jesus entbrannte, den sie durch die Entscheidung per Würfelspiel lösen wollten. Unter der Szene befindet sich eine Versangabe, die die Identifizierung erleichtert. Dabei ist die Versangabe allerdings fehlerhaft, denn in Lk 23:33 heißt es:
    „Sie kamen zur Schädelhöhe; dort kreuzigten Sie ihn und die Verbrecher, den einen rechts von ihm den andern links.“
    Erst ein Vers später ist von dem Losspiel die Rede. Erschwerend kommt hinzu, dass die beiden Verbrecher neben Jesu komplett fehlen.

    Dauerleihgabe Projektgruppe Kulturgut Bibelfliesen/ Norder Bibelfliesenteam

    Verleugnung durch Petrus

    Inhalt: N 178 Die (Dritte) Verleugnung durch Petrus (Mat. 26: 75a; Mark. 14:72 Luk. 22:60 Joh 18:27)
    Werkstatt: Bolsward
    Datierung: 1760-1780

    Nachdem Jesus von Judas verraten wurde, wird er gefangengenommen und zum Hohepriester Kajaphas gebracht. Während des Verhörs wartet Petrus draußen zusammen mit Mägden und Knechten an einem Feuer. Dabei wird Petrus immer wieder beschuldigt ein Anhänger Jesu zu sein. Aus Angst davor ebenfalls gefangen genommen zu werden, verleugnet er diesen Umstand aber insgesamt dreimal.
    „(...) und Petrus erinnerte sich an das, was Jesus gesagt hatte: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.“
    Genau wie bei der anderen Bibelfliese befindet sich auch hier unter der Szene eine Versangabe, Mat. 24 V. 15. Nach unserer heutigen Verszählung ist auch diese Angabe inkorrekt. Der Verrat von Petrus findet sich bei Mat. 26:75.
    Auf der Fliese erkennt man rechts Petrus und links eine Magd, die ihn offensichtlich erkennt. Petrus hebt seine rechte Hand abwehrend nach oben, wahrscheinlich, um der Anschuldigung der Magd zu widersprechen. Zur Rechten sieht man den Hahn. Auffällig sind die mittelalterlich anmutenden Gebäude in der rechten Bildhälfte. Man erkennt, dass der Künstler die biblische Szene in eine ihm nähere räumliche und zeitliche Umgebung verortet hat.

    Dauerleihgabe Projektgruppe Kulturgut Bibelfliesen/ Norder Bibelfliesenteam

  • Osterausstellung - Teil 1

    Bilder

    © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum

    Ikone vom letzten Abendmahl

    Es ist kurz vor Ostern, am Gründonnerstag versammelten sich Jesus und die Jünger zum letzten Abendmahl.

    Mk 14,22ff.:
    „Während des Mahls nahm er das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es ihnen und sagte: Nehmt, das ist mein Leib. Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, reichte ihn den Jüngern und sie tranken alle daraus. Und er sagte zu ihnen: Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.“

    Das Museum besitzt einen griechischen Ikonenzyklus von sechs Ikonen des 18. Jh.
    Im Gegensatz zur Darstellung des letzten Abendmahls im klassischen Stil eines Leonardo da Vinci, sitzen Jesus und seine Jünger an einer runden Tafel. Der Hintergrund der Szene wird durch ein Gewölbe angedeutet. Jesus trägt ein weißes Gewand über einem roten Hemd, die Jünger sind weiß gekleidet. Nur Judas sticht durch ein braunes Gewand hervor. Er ist der Einzige der dargestellten Personen, der keinen Heiligenschein trägt. Neben dem Heiligenschein von Jesus steht das nomen sacrum IΣ und ΧΣ (Jesus Christos). Gemäß der traditionellen Sitzordnung sitzen Johannes (links) und wohl Petrus oder Jakobus (rechts) neben Christus. Das Brot wurde gebrochen und der Kelch steht auf der Tafel. Einer der Apostel greift nach einem auf dem Boden stehenden Krug. Die Zuordnung der Apostel ist teilweise schwierig, da keine Namen genannt werden, keine Attribute der Apostel gemalt wurden, so dass die Zuordnung über einen Vergleich mit anderen Darstellungen erfolgt. So teilen sich traditionell Thaddäus und Simon einen Platz.

    Bilder

    © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • Matthäus
      © Bibelmuseum
    • Markus
      © Bibelmuseum
    • Lukas
      © Bibelmuseum
    • Johannes
      © Bibelmuseum
    • Matthäus
      © Bibelmuseum

    Christus am Kreuz

    Es ist Karfreitag, der Tag der Kreuzigung Christi.

    Die griechische Kreuzikone aus dem 15. Jh. zeigt die Kreuzigung Jesu Christi. In den abgerundeten Ecken des Kreuzes finden sich die Attribute der vier Evangelisten (Matthäus, Markus, Lukas und Johannes) und ihren nomina sacra: Mensch, Löwe, Stier, Adler. Die Art und Weise der Darstellung von Jesus ist typisch für die Zeit: Jesus ist verstorben, der Körper nach links gedreht und erschafft. Vier Nägel wurden durch die Hände und Füße getrieben, die auf einem suppedaneum (Brettchen) stehen.

    Der Titel oberhalb des Kreuzes fehlt, dort wird nicht wie bei lateinischen Kreuzen INRI, sondern das griechische INBI gestanden haben. Also statt "Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum" "Ιησούς Ναζωραίος Βασιλεύς Ιουδαίων".
    Das Kreuz ist aus zwei Hölzern zusammengesetzt und Blattgold überzogen. Auf das Gold wurden die Darstellungen gemalt. Ehemals diente das Kreuz als Bekrönung einer Ikonostase, also einem griechischen Altar.

    Die Evangelisten halten in den Händen die Bibel mit reichhaltigen Verzierungen, Ornamenten und Schließen. Diese Art der Verzierung und der Bindetechnik findet sich auch an den griechischen Handschriften des Museums. Dort zeigen sich ebendiese geometrische Figuren, florale Elemente oder wie in einem Fall, auf dem Einband eine Kreuzigungszene (siehe Text zu GA1432). Das Museum besitzt zwei griechische Handschriften des 13. Jh., die mit Miniaturen der vier Evangelisten versehen ist. Matthäus, Markus, Lukas und Johannes sind hier als Personen dargestellt, während die die Evangelien schreiben.

    Bilder

    © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum
    • © Bibelmuseum

    Pieta

    Eine Pietà (italienisch: „Frömmigkeit“, „Mitleid“), häufig auch Vesperbild, ist eine Darstellung Marias, die den Leichnam Jesu im Schoß hält. Maria ist immer sitzend und weinend dargestellt. Diese Szene ist nicht in den Evangelien beschrieben, wird aber zwischen die Geschehnisse der Kreuzabnahme und der Grablegung datiert. Das plastisch ausgearbeitete Motiv taucht seit dem 14. Jh. auf, es entstand im deutschsprachigen Raum und verbreite sich schnell im französischen Gebiet. Die bekannteste Darstellung einer Pietà stammt von Michelangelo aus dem Jahr 1499 im Petersdom.

    Die Pietà des Bibelmuseums ist aus Holz gearbeitet, das Gewand Marias und das Lendentuch Jesus mit Blattgold überzogen. Maria trägt ein ausladendes Gewand und ein Kopftuch, das auch um ihr Kinn gewickelt ist. Die Tracht erinnert an Nonnen des 16. Jhs. Marias Gesichtsausdruck ist schwer zu deuten. Ihre Augenlider sind leicht geschlossen, sie blickt aber nicht wie üblich direkt auf Jesus hinab. Der Leichnam Jesu sitzt auf dem Schoß Marias, der rechte Arm sowie der Kopf hängen schlaff herunter. Die Beine Jesu hängen auf den Boden herab. Der Mund Jesu ist geöffnet, an seinem Körper sind die Wunden und Blut zu erkennen. Maria umfasst mit der linken Hand das Becken Jesu, um den Leichnam zu halten.
    Interessant ist die Geschichte der Pietà: Konrad Adenauer schenkte sie Otto Dibelius zu seinem 75. Geburtstag. Nach dem Tod Dibelius kaufte Bischof Hermann Kunst die Pietà, die so in das Bibelmuseum gelangte.

    Bilder

    Einband GA1432
    © Bibelmuseum
    • Einband GA1432
      © Bibelmuseum

    Griechische Handschrift 12./13. Jahrhundert (GA 1432)

    Vorderseite (Bild1):
    Ein umlaufendes Band bildet ein Rechteck (Rahmen). Die darin enthaltene vegetabile Ornamentik wird von der Deckelmitte durch drei parallel verlaufende Linien abgegrenzt. In den vier Ecken des Innenrechtecks befinden sich weitere florale Motive. Die Bildmitte wird durch eine zentral ausgerichtete Raute gebildet. Innerhalb dieser Raute ist Jesus Christus am Kreuz dargestellt (sog. Kanonbild ). Über dem Kreuz befindet sich die Tafel mit der Inschrift ΙΝΒΙ (Ιησούς Ναζωραίος Βασιλεύς Ιουδαίων) . Links über dem Querbalken steht in griechischen Buchstaben ΙΣ (Jesus) und XΣ (Christus) rechts über dem Querbalken. Der Querbalken ist oberständig am Stamm angebracht. Jesus ist bis auf das Lendentuch unbekleidet dargestellt; ihn umgibt der Heiligenschein. Die Hände des Gekreuzigten sind mit jeweils einem Nagel am Querbalken befestigt. Der Körper ist leicht nach links gedreht und erschlafft. Die Beine Jesu sind nicht übereinander geschlagen, sondern nebeneinander hängend dargestellt. Zur Unterstützung der Füße ist ein Brett (sog. suppedaneum) am Kreuz befestigt. Die Füße sind anscheinend nicht mit einem Nagel am Kreuz angeheftet. Das Leiden Christi ist zentraler Gegenstand der Szene .
    Flankiert wird Jesus durch zwei Personen. Die linke Person kann anhand der griechischen Inschrift als Maria, Mutter Gottes („Theotokos“; Akronym: ΜΡ ΘΥ) und die zweite Person als Johannes (Hl. Johannes; Akronym: οΑ Ιω) identifiziert werden. Im Hintergrund erscheint eine Architekturabbreviatur. Umschlossen wird die Szene durch einen Doppelkreis. In die Zwischenräume rechts und links neben der Raute sind jeweils drei Rosetten integriert, die übereinander stehen.

    Rückseite (Bild2):
    Die Bildanordnung entspricht der Vorderseite . Statt der floralen Ornamentik durch die vier Rauten finden sich in den Ecken vier Vogelfiguren. Jesus Christus ist von elf Jüngern umgeben, die an einem Tisch sitzen, auf dem ein flaches Gefäß steht. Im Hintergrund von Christus findet sich wieder eine (andersartige) Architekturabbreviatur. Christus umgibt der Heiligenschein. Ein Jünger lehnt sich an Jesus an. Aufgrund der Darstellung als bartloser Jüngling und der Sitzposition neben Jesus wird die Person traditionell als der Apostel Johannes identifiziert .

Bilder

© Bibelmuseum
  • © Bibelmuseum
  • © Bibelmuseum

Ausmalbilder zu Ostern

Wir stellen Ausmalbilder (Abendmahl, Kreuzigung und Auferstehung) zu Ostern aus dem Werk von Julius Schnorr von Carolsfeld aus dem Jahr
1860 zur kostenlosen Verfügung. Hier geht's zum Download in hoher Auflösung zum Ausdrucken.
Viel Spaß beim Malen!

Wer mag, kann uns ein Foto seines Kunstwerkes gerne per Email schicken: bibelmuseum@uni-muenster.de oder bei Instagram, Twitter oder Facebook mit dem Hashtag #bibelmuseum #osterausmalbild hochladen.

Infos zur Quelle der Ausmalbilder

Titel: Die Bibel in Bildern
Künstler: Julius Schnorr von Carolsfeld
Drucker: Georg Wigang
Druckort: Leipzig
Druckjahr: 1860

Die Geschehnisse zu Ostern aus einer Bibel mit Bildern von Julius Schnorr von Carolsfeld, erschienen im Jahr 1860. Seine Bilder, die in vielen Bibelausgaben abgebildet sind, haben ganze Generationen geprägt. Julius Schnorr von Carolsfeld war ein Vertreter der romantisch-religiösen Kunstrichtung der Nazarener. Zusammen mit Gustav Doré gilt Schnorr von Carolsfeld als der wichtigste Bibelillustrator des 19. Jh. Die 240 Holzstiche der „Bibel in Bildern“ zeichnen sich durch naturalistische Darstellung mit einer feierlichen Innerlichkeit aus. In dem Vorwort zur Bibel macht Schnorr von Carolsfeld deutlich, dass die Bibel preiswert und fürs Volk verständlich sein soll, ebenso will er an der Bildung und Erziehung der Jugend teilhaben. Der Bekanntheits- und Verbreitungsgrad der Bibel war sehr groß. Dieses Werk wurde in vielen Ausgaben in unterschiedlichem Format gedruckt.