Über das Bibelmuseum

Das Bibelmuseum der WWU erzählt die Geschichte der Bibel – von ihren handschriftlichen Anfängen bis heute. Zudem vermittelt es die Arbeit des Instituts für Neutestamentliche Textforschung, an das es angeschlossen ist.

Die Dauerausstellung des Museums ist in sechs Themenbereiche eingeteilt:

  • Geschichte der Bibel und Materialität: Exponate aus der Zeit des Alten Testaments zeigen die Entstehungsgeschichte der Bibel. Da die Bibel ein überlieferter Text ist, sind die biblischen Geschichten auf unterschiedlichen Materialien festgehalten worden, die hier vorgestellt werden.
  • Arbeit mit den Handschriften im 16.-21. Jahrhundert: Der ursprüngliche griechische Text des Neuen Testaments ist nicht erhalten, sondern nur spätere Abschriften. Seit dem 16. Jahrhundert wird der Text in seinen Ursprachen erforscht, diese Arbeit wird bis heute im Institut für Neutestamentliche Textforschung, an das das Bibelmuseum angeschlossen ist, weitergeführt.
  • Luther: Das 15. und 16. Jahrundert brachten bahnbrechende Veränderungen mit sich: Allem voran die Erfindung des Buchdrucks, Luthers Übersetzung der Bibel ins Deutsche und die Reformation.
  • Traditionen: Durch die Reformation hervorgerufen entstanden verschiedene deutsche Bibelübersetzungen mit unterschiedlichen Texten und Überlieferungstraditionen.
  • Vielsprachigkeit: Die Herstellung von Büchern wird im 18. Jh. immer günstiger, sodass sich mehr Leute eine Bibel leisten konnten. Heute ist die Bibel das am häufigste übersetzte Buch der Welt.
  • Popularisierte Bibeln: Schon frühe Handschriften wurden bunt verziert, bis heute finden sich in Bibeln verschiedenste Illustrationen. Für Familien und Kinder gibt es eigene Bilderbibeln. Auch in populärkulturellen Medien finden sich Bezüge zur Bibel und den biblischen Geschichten.

Die Ausstellung legt einen Schwerpunkt auf das griechische Neue Testament sowie die deutsche Bibel. Über 1500 Exponate veranschaulichen, wie sich die Bibel und ihre textliche Überlieferung im Laufe der Zeit entwickelt haben. Zu den Höhepunkten der Sammlung zählt eine Lutherbibel mit Widmung des Reformators aus seinen letzten Lebenstagen.

Ansicht einer Wandvitrine des Bibelmuseum
© Bibelmuseum Münster

Exponate und Themen im Überblick

  • Früheste griechische Handschriften auf Papyrus, Pergament und Papier
  • Repräsentative Buchdrucke des griechischen Neuen Testaments
  • Bibel-Illustrationen berühmter Maler wie Hans Holbein d.J. oder Marc Chagall
  • Die Geschichte der deutschen Bibel: von den vorlutherischen Übersetzungen über die Luther-Bibel bis hin zu heutigen Übersetzungen in verschiedene Dialekte
  • Eine originalgetreu nachgebildete Gutenbergpresse
  • Bibelpolyglotten: Mehrsprachige Ausgaben (lateinisch, koptisch, syrisch, äthiopisch etc.) als Spiegel der Wissenschaft
  • Rekonstruktion des Ausgangstext des Neuen Testaments: Arbeit des Instituts für Neutestamentliche Textforschung (INTF)
  • Neu: Sammlung Remy
  • Neu: 3D VR-Brille zur Ansicht und Veranschaulichung der wissenschaftlichen Arbeit des INTF
Griechische Handschrift: GA798, 10. Jh.
© Bibelmuseum Münster

"Detektive an Gottes Wort": auf der Suche nach dem Urtext

Das Bibelmuseum ist Teil des Instituts für Neutestamentliche Textforschung (INTF) an der WWU Münster. Hier arbeitet ein Team von Wissenschaftler*innen daran, den Urtext des griechischen Neuen Testaments zu rekonstruieren.

Dabei ist detektivischer Spürsinn gefragt: Die Forscher*innen gehen der Frage nach, wie der genaue Wortlaut des griechischen Neuen Testaments ursprünglich aussah. Die Frage stellt sich deshalb, weil alle originalen Handschriften der 27 neutestamentlichen Bücher verlorengegangen sind. Es sind nur Abschriften aus späteren Jahrhunderten erhalten, die zum Teil erhebliche Differenzen aufweisen. Diese gründen auf unterschiedliche Interpretationen des Textes, Fehler bei der Abschrift oder auch gezielte „Verbesserungen“ der Abschreiber.

Die in Münster rekonstruierte Ausgaben (Nestle-Aland, GNT, ECM) des griechischen Neuen Testaments werden heute weltweit von allen großen Kirchen und wissenschaftlichen Ausbildungsstätten genutzt. Darüber hinaus bilden sie die Grundlage für fast alle modernen Bibelübersetzungen.
Mehr Informationen zum Institut für Neutestamentliche Textforschung