Podcasts - Eine unerhörte Erfolgsgeschichte?!

© Nora Hespers

Zum Einschlafen, um sich weiterzubilden oder einfach nur zur Unterhaltung – Podcasts können die unterschiedlichsten Rollen einnehmen. Aktuell befinden wir uns in der dritten Welle des Podcast-Hypes, der mittlerweile schon ziemlich lange anhält. Zwei Jahre sind vergangen, seit Podcast-Pionier Tim Pritlove seinen Vortrag zu dem Thema gehalten hat. Trotzdem entschließen sich derzeit immer mehr Firmen, aber auch Privatpersonen dazu, Podcasts zu produzieren. Es ist eine zunehmende Professionalisierung zu beobachten.

Eine, die das Potenzial des Mediums schon früh erkannt hat, ist Nora Hespers. Die Diplom-Sportwissenschaftlerin und freie Journalistin für den WDR und Deutschlandfunk Nova ist zusätzlich auch als Podcasterin und Bloggerin tätig. Wurde für ihre Arbeit an den Podcast-Projekten "Die Anachronistin" und "Was denkst du denn?" im Jahr 2018 sogar für den Grimme Online Award nominiert. In ihrem Vortrag „Podcasts – Eine unerhörtere Erfolgsgeschichte?!“ am Freitag, 17. Mai, stellt Nora Hespers das Podcasting und seine Zielgruppe vor, setzt sich aber auch kritisch mit dem Thema auseinander, indem sie die Frage beantwortet, was dem Podcasting in Deutschland noch fehlt, um richtig erfolgreich zu sein. Außerdem verrät sie euch, was einen guten Podcast ausmacht, damit auch Ihr dieses Medium zu eurem Vorteil nutzen könnt!

Text: Sarah Mecklenburg

Nachbericht zu Podcasts - Eine unerhörte Erfolgsgeschichte?!

„Podcasts sind mein größtes Hobby“, verkündet Sportjournalistin und Podcasterin Nora Hespers in ihrem Seminar ‚Podcasts – eine unerhörte Erfolgsgeschichte‘ am Freitag, 17. Mai. Schließlich produziert sie mittlerweile drei verschiedene Podcasts in ihrer Freizeit. Und die könnten vom Thema her kaum unterschiedlicher sein.

Im Jahr 2014 startete sie ihren ersten Podcast ˏDie Anachronistin´. Darin erzählt Nora Hespers die Geschichte ihres Opas Theo Hespers. Der war Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime im Zweiten Weltkrieg. „Ich bin mit dem Podcast total konzeptfrei und ahnungslos gestartet. Ich habe meinen Content produziert, aufgenommen und das Ergebnis dann einfach Podcast genannt“, gibt sie zu. So würden das nach Nora Hespers Erfahrung aber die meisten Podcaster*innen machen. Nur wenige verfolgen ein striktes Konzept. Dass ihr Ansatz dann aber doch in ein bestimmtes Genre eingeordnet werden konnte, war Nora Hespers zunächst nicht klar. Bis sie genau dieses Feedback bekam: „Dein Podcast ist wie ‚Serial‘, nur im Nonfiction-Format.“ Serial ist übrigens der erfolgreiche US-amerikanische Podcast, in dessen Folgen verschiedene Aspekte ungeklärter Kriminalfälle thematisiert werden. So sollte also auch ˏDie Anachronistin´ sein, nur dass ihr Podcast historisch korrekte und genau recherchierte Vorfälle beinhaltete. Ein großes Kompliment.

Doch auf diesem Zufall wollte Nora Hespers sich nicht ausruhen. Als sie ihren zweiten Podcast ˏWas denkst du denn? ´ im Jahr 2017 gemeinsam mit Bildungsphilosophin Rita Molzberger startete, sollte ein Konzept her. Auch aus dem Grund, dass ihre Podcast-Partnerin nicht wirklich social-media- und internet-affin ist. Um zu schauen, ob ihr Podcast überhaupt Potenzial hat, nahmen die beiden eine sogenannte Nullfolge auf. Eine Episode, in der das Konzept erst einmal ausprobiert wurde. „Uns war es wichtig zu schauen, ob unser Podcast überhaupt bei der Zielgruppe ankommt. Das ist bei philosophischen Themen nicht immer so einfach“, so Nora Hespers. Doch das Feedback war durchweg positiv. So entstand der Mit- und Nachdenkpodcast.

Aber auch zwei Podcasts reichten Nora Hespers noch nicht. „Mir ist als Journalistin aufgefallen, dass für viele Themen ausschließlich männliche Experten zu Rate gezogen werden und in den Berichten auftauchen. Das fand ich ungerecht“, erklärt sie. Deswegen rief sie ihren Interview-Podcast ˏMensch, Frau Nora!´ ins Leben. In dem führt sie Gespräche mit ausschließlich weiblichen Expertinnen zu unterschiedlichen Themen. Egal ob künstliche Intelligenz oder Genozid-Forschung. Dafür hat sie ein einfaches Minikonzept: Ein Problem finden, also ein Thema, das journalistisch sonst unzureichend abgebildet wird und dafür eine Lösung liefern.

Im Nachhinein betrachtet kann Nora Hespers nun sagen, dass ein gutes Konzept der wichtigste Grundstein für einen guten Podcast ist. Schließlich wurde sie mit zwei ihrer Podcasts schon für den Grimme-Online-Award nominiert. „Bevor ihr mit einem Podcast startet, solltet ihr euch aber zunächst über einige Rahmenbedingungen Gedanken machen“, gibt Nora Hespers zu bedenken. Nicht nur Thema, Name, Dauer, Regelmäßigkeit und Zielgruppe seien dabei wichtig. Auch ein Alleinstellungsmerkmal, die Wahl der richtigen Plattform und die passende Finanzierung müssten beachtet werden.

Sobald das geschafft ist, kann es auch schon ans Aufnehmen gehen. Und dafür braucht man zunächst kein überteuertes Equipment. „Ihr könnt alle ganz einfach mit eurem Smartphone Podcasts aufnehmen. Vielleicht noch ein günstiges Headset und das war‘s. Steigern könnt ihr euch immer noch“, rät Nora Hesters, „Sogar eine Aufnahme über Whatsapp-Sprachnachrichten ist möglich, wenn ihr das wollt. Die Audioqualität ist dabei natürlich eine andere Frage.“ Auch für die Nachbearbeitung und Veröffentlichung hat sie noch einige Plattform- und Programmtipps auf Lager. „Na dann hoffe ich, dass auch ihr bald euren eigenen Podcast aufnehmt und die Podcast-Landschaft noch vielfältiger macht“, beendet Nora Hespers das Seminar.

Das haben einige der Studierenden nun wirklich vor. Schließlich waren alle von dem Vortrag begeistert. So erhielt Nora Hespers mit „viele gute Beispiele“, „eine tolle Motivation zum Einstieg in das Podcasting“ oder „ein super Überblick über das Thema“, nur ausschließlich positives Feedback zu ihrem Seminar.

© Franz AFO WWU