Vom Konzept zum fertigen Film - eine kurze Anleitung

300 Regieklappe

Einen Film zu produzieren ist eine komplexe Angelegenheit, da Filme mehrere Ausdrucksebenen in sich vereinen. Dazu gehört zum Beispiel die Komposition der Einzelbilder und der Bildsequenzen (Bildsprache), der Umgang mit Licht und Farbe (Lichtgestaltung), das Verfassen des gesprochenen und geschriebenen Textes (Drehbuch und Redaktion), das Schauspiel vor der Kamera, der Einsatz von Geräuschen und Musik und nicht zuletzt die Montage der Bilder (Videoschnitt). Aus diesem Grund haben wir einige wichtige Tipps:

Tipp 1: Ohne gutes Konzept, geht nichts!

Je besser das Filmkonzept, desto schneller wird das Projekt zu einem Erfolg. Denn ein gutes Drehbuch sorgt dafür, dass am Filmset kein Chaos ausbricht und die Akteure sowohl vor als auch hinter der Kamera wissen, was zu tun ist. Hilfe bei der Gestaltung eines Drehbuchs (bei journalistischen Produktionen: des Treatments) gibt es beim Servicepunkt Film des Zentrums für Informationsverarbeitung (ZIV). Für die Unterstützung bei der Planung und der Umsetzung Eurer Projekte ist eine frühzeitige Anmeldung erforderlich.

Tipp 2: Eine Geschichte erzählen

Heute ist man aus Fernsehen und Kino gewohnt, durch Filme unterhalten zu werden. Diesen Anspruch haben Zuschauer auch an die Filme in diesem Portal – auch dann, wenn es „nur“ um die Darstellung von mehr oder weniger abstrakten Informationen gehen soll. Mit anderen Worten: Filme dürfen alles, nur nicht langweilig sein.

Das beste Mittel gegen Langeweile ist seit jeher, den Menschen eine spannende Geschichte zu erzählen. Wie das geht, dafür gibt es viele Beispiele: Ein Reporter macht sich auf den Weg, um am Ort des Geschehens etwas zuvor Unbekanntes herauszufinden; ein Student erzählt, wie er in seinem Studium einen besonderen Erfolg erzielt hat oder ein Film erzählt die Geschichte einer Forschergruppe, die ein besonderes Problem gelöst hat.

Natürlich gibt es auch unkonventionelle Wege, Geschichten zu erzählen – zum Beispiel in dem man die Perspektive eines Gegenstandes einnimmt, der seinen Weg durch die verschiedenen Räumlichkeiten eines bestimmten Fachbereiches macht. Dabei sind der Kreativität natürlich keine Grenzen gesetzt – entscheidend ist: Geschichten helfen dabei, Informationen filmisch aufzubereiten und dabei die Gestaltung von Bild und Ton gekonnt einzusetzen. 

Tipp 3: In einzelnen Bildeinstellungen denken!

Filme sind keine geschriebenen Texte – und vor allem auch kein Radio! Der Filmemacher sollte sich immer darüber bewusst sein, dass die Bilder des Films beim Zuschauer viel stärker gemerkt werden und emotionaler wirken, als jede Textinformation. Daher lohnt es sich schon beim Konzeptmachen, immer darüber nachzudenken, wie man einzelne Informationen „bebildern“ kann.

Das gilt auch für Interviews. Das Bild eines Archäologen, der vor einer Ausgrabungsstätte etwas über einen neuen sensationellen Fund berichtet, transportiert unter Umständen viel mehr, als stünde derselbe Forscher vor einem schlichten Bücherregal. Jede Information, die durch ein Bild (oder eine Bildfolge) verdeutlicht wird, wird vom Zuschauer besser gemerkt und macht ihn neugieriger auf weitere Informationen, die der Film erzählt.  

Tipp 4: Den Ton nicht vergessen

Vor lauter Konzentration auf das Bild darf natürlich ein Fehler nicht passieren: ein schlechter Ton. Denn selbst die schönsten Bildgeschichten können beim Zuschauer schnell zum „Abschalter“ werden, wenn man den Ton dazu nicht verstehen kann. Für Bild und Ton gilt gleichermaßen: Nicht nur die Qualität des Aufnahmegerätes ist entscheidend (Kamera und Mikrofon), sondern auch praktische Übung im Umgang damit sowie eine sorgsame Kontrolle von Bild und Ton schon bei der Aufnahme. Durch einen einfachen Bild- und Tontest vor Ort können bereits die meisten Fehler (etwa ungewollte Lichtreflexionen und Schatten, störender Lärm im Hintergrund,  falsche Mikrofonposition etc.) erkannt werden. Und wenn ein Schauspieler oder Interviewpartner es mal sehr eilig hat, dann sollte die Aufnahmesituation einfach vorab mit einem Statisten getestet werden – das sichert eine gute Aufnahme und schont die Nerven aller Beteiligten.

Tipp 5: Als Autor oder Regisseur auch in das Geschehen eingreifen

Ein häufiger Anfangsfehler von angehenden Filmemachern ist, sich beim Dreh zu passiv zu verhalten. Denn allzu oft passieren die wirklich spannenden Dinge genau hinter dem großen Menschen, der sich im genau falschen Moment vor die entscheidende Situation gestellt hat. Auch auf die Gefahr hin, dass man sich gelegentlich mal zum unbeliebtesten Menschen des Tages macht: Ein einfaches „Entschuldigung, könnten Sie sich bitte einen Meter nach rechts stellen“ kann da manchmal schon Wunder bewirken! Das gleiche gilt natürlich auch für Handlungen, die man in einer Naheinstellung gerne nochmal genauer zeigen möchte: Die meisten Menschen sind gerne bereit, eine Situation für den Film noch einmal nachzuspielen –  der Zuschauer wird später sehr dankbar dafür sein!

Tipp 6: Beim Filmen Ablaufregeln beachten

Disziplin am Set ist nicht selbstverständlich – sondern unterliegt ganz bestimmten Regeln. Zwar muss man für kleinere Produktionen nicht das Regelwerk einer Hollywood-Produktion beachten – es schadet jedoch nicht, sich ein paar eigene Vorsätze für den Ablauf am Set zu machen. Die wichtigste Regel dabei ist: Am Filmset muss klar sein, wer die Regie führt – denn wenn alle Anweisungen im Raum quer durcheinander gehen, weiß am Ende niemand mehr, auf wen er hören soll.
Eine gute Hilfe für ein koordiniertes Drehen bilden folgende Kommandos:

Regisseur: „Ruhe Bitte“  
Regieassistent: „Szene 1 die erste“
Regisseur: „Kamera ab“
Kameramann: „Kamera läuft“
(Nach ca. 3 Sekunden) Regisseur: „Und Bitte“!
(Nach der Szene) Regisseur: „Aus!“


Tipp 7: Geduld und Mut behalten

Nach der ersten Anfangseuphorie ereignet sich bei einer Filmproduktion häufig eine Tragödie nach der anderen: Schauspieler sagen einen Tag vor dem Dreh ab, die Kamera zeichnet plötzlich keinen Ton mehr auf, es regnet genau in dem Moment, in dem die Außenaufnahme geplant ist und in der wichtigsten Bildeinstellung des ganzen Films steht plötzlich ein großer Scheinwerfer im Bild, den niemand bei der Aufnahme bemerkt hat. Allzu schnell kommt dann der Gedanke, dass Filmemachen nur etwas für Menschen ist, die irgendwie mehr Geduld haben als man selbst…

Dabei darf man nicht vergessen, dass das Gelingen eines Films von sehr vielen Faktoren abhängig ist, die man nicht immer gleichzeitig bedenken und kontrollieren kann. Das Beste ist, Filme bereits im Team zu planen und dann (mit eindeutiger Rollenverteilung) gemeinschaftlich zu realisieren. Denn mehr Köpfe können effizienter denken als nur einer – zumindest im Vorfeld der Produktion.

Die anschließenden Dreharbeiten sind dann häufig ein wenig so wie das Aufbauen eines Kartenhauses: Mit viel Ruhe und Geduld kommt man schließlich zum Erfolg – auch wenn man dabei mal einen Versuch mehr gebraucht hat. Und sehr häufig ergeben sich während des Filmens aus einzelnen Problemen auch kreative Lösungen, die manchmal das Ergebnis viel besser werden lassen, als ursprünglich geplant!


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