"Ex-Ini" ist auch für Studenten ein Gewinn

Cluster-Forscher werden in die Lehre einbezogen

04.07.2012
Cluster-Forscher

Prof. Dr. Stephan Ludwig

Foto: Peter Wattendorf

Der Jubel war groß, als der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Matthias Kleiner, die mit Spannung erwarteten Ergebnisse der Exzellenzinitiative bekanntgab: Bund und Länder werden 99 herausragende Forschungsvorhaben und Zukunftskonzepte von 39 Universitäten bis 2017 fördern. Es dauerte aber nicht lange, bis sich erste Kritiker zu Wort meldeten. Vor allem einige studentische Vertreter monierten, dass allein die Wissenschaftler die Vorteile des 2,4-Milliarden-Euro Geldsegens  genießen würden – die Studierenden gingen dagegen leer aus. „Das ist auf die WWU bezogen falsch“, betont Forschungs-Prorektor Prof. Stephan Ludwig. „Wir werden sicherstellen, dass sich unser gutes Ergebnis auch in einer verbesserten Lehrqualität niederschlägt.“

Seit einigen Tagen steht fest, dass Bund und Länder die beiden von der WWU beantragten Exzellenzcluster „Religion und Politik“ sowie „Cells in Motion“ mit jeweils zweistelligen Millionenbeträgen fördern werden – die genaue Höhe der Summe steht noch nicht fest. Das Geld soll in erster Linie dazu dienen, weitere Top-Wissenschaftler nach Münster zu locken und gleichzeitig dem akademischen Nachwuchs die bestmöglichen Förderbedingungen zu bieten. „Aber alle Cluster-Forscher sind in die Lehre einbezogen“, unterstreicht Stephan Ludwig. Auf diese Weise würden auch die Studierenden von der als Spitzenforschungs-Programm deklarierten Exzellenzinitiative profitieren. Der Prorektor verweist in diesem Zusammenhang auf einen entsprechenden Rektoratsbeschluss. „Das war seinerzeit eine sehr bewusste Entscheidung zugunsten der Studierenden“, betont er.

Auch die Sprecherin des 2007 gegründeten Clusters „Religion und Politik“, Prof. Barbara Stollberg-Rilinger, verweist auf den engen Zusammenhang zwischen Forschung und Lehre. „Die Studierenden sind einerseits hautnah am Puls der Forschung“, betont die Historikerin. „Andererseits haben die Studierenden die Möglichkeit, die Lehrveranstaltungen der vielen herausragenden Wissenschaftler zu besuchen – deren aktuelle Forschungsergebnisse fließen natürlich in die Lehre ein.“

In den beiden Clustern arbeiten künftig insgesamt rund 270 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus elf der 15 Fachbereichen der WWU. Spitzenforschung in der Fläche: Das ist auch aus Sicht von Forschungs-Prorektor Stephan Ludwig eines der wichtigsten Ergebnisse dieser mutmaßlich letzten Runde der Exzellenzinitiative. „Wir wissen, dass neue wissenschaftliche Erkenntnisse vor allem an den Grenzen und Übergängen zwischen einzelnen Disziplinen zu erwarten sind. Die Chancen dafür steigen natürlich, je mehr Fächer an den Clustern beteiligt sind und damit die interdisziplinäre Forschung gestärkt wird.“

Stephan Ludwig kann Teile der Kritik gut nachvollziehen. Das Verfahren sei sehr formalisiert. „Es ist zumindest fragwürdig, dass eine Universität beispielsweise mehrere Exzellenzcluster hat, aber allein wegen der Tatsache, dass sie keine Graduiertenschule unterhält, automatisch in der dritten Förderlinie mit ihrem möglicherweise sehr guten Zukunftskonzept scheitert.“ Zudem habe die Beteiligung extrem viel Energie an den Hochschulen gebunden. „Deswegen sagen viele Wissenschaftler vollkommen zu Recht: Jetzt sollte zunächst Schluss sein mit der Antragsserie – lasst uns in Ruhe arbeiten und schickt uns nicht wieder ins Hamsterrad.“

Gleichwohl bleibt Stephan Ludwig ein Verfechter des 2005 erstmals ausgelobten Bund-Länder-Programms. Der Universität Münster sei es in den vergangenen Jahren beispielsweise gelungen, ihre Stärken auf breiter Basis herauszuarbeiten. „Die gewünschte Profilbildung hat mit Erfolg stattgefunden – die Exzellenzinitiative hat ihren Zweck weitgehend erfüllt.“ Es wäre ein Fehler, meint Stephan Ludwig, das Geld aus der Forschungsförderung  nach Ende des Programms  „abzuziehen“. Stattdessen wäre es sinnvoller, die Milliarden in kleinere Formate zu investieren. Beispielsweise in Form einer noch massiveren Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). „Die DFG-Einzelverfahren sind für alle Wissenschaftler ideal. Jeder kann jederzeit einen Antrag auf Unterstützung seines Forschungsvorhabens einreichen. Niemand muss sich verbiegen, um in ein bestimmtes Programm zu passen – dies ist fast einzigartig auf der Welt. Man sollte die DFG-Förderung als die Stütze unseres Forschungssystems wausbauen.“

Parallel dazu sei es aber nicht nur wünschenswert, sondern „absolut notwendig“, dass die Politik in naher Zukunft die Grundfinanzierung der Hochschulen anhebe anstatt neue Förderprogramme aufzulegen. „Die fehlenden Anpassungen der Budgets kommen de facto Kürzungen gleich. Das haben die Hochschulen bislang nur zähneknirschend ertragen“, meint Stephan Ludwig. „Andernfalls müssten die Hochschulen im Gegenzug über eine Kürzung ihrer Angebote nachdenken.“

Norbert Robers


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