6500 Kilometer für ein Kamel

WWU-Mitarbeiter Sven Overmann nimmt an der Allgäu-Orient-Rallye 2012 teil
von Thomas Böckenholt

März 2012
14 Ralley

Sven Overmann (li.) und Teamchef Reinhard Vornholt
bringen eins der drei Autos, die mit auf die Rallye gehen, in Schuss.

Foto: privat

Eines der letzten automobilen Abenteuer dieser Welt“ – so betitelt der Veranstalter der Allgäu-Orient-Rallye sein Autorennen von Oberstaufen nach Baku/Aserbaidschan. Das Auto-Abenteuer ist für Sven Overmann, Mitarbeiter des Dezernats 2, Faszination und Motivation zugleich. Ab dem 28. April stellt er sich einer außergewöhnlichen Herausforderung: 111 Teams, sechs Fahrer, drei Autos zu je 1111 Euro, 222 Euro Startgeld pro Person, 555 bis 666 Kilometer täglich und 6500 Kilometer insgesamt – das sind die Eckdaten einer Rallye, die als einzige Sportveranstaltung überhaupt sogar die Vereinten Nationen als offiziellen Partner mit im Boot – Pardon, im Auto – hat. Gemeinsam mit vier tollkühnen Männern und einer tollkühnen Frau (seiner Ehefrau!) wagt er den Mix aus Abenteuer, Motorsport und Völkerverständigung. Den Gewinnern der Rallye winkt ein besonderer Preis: ein Kamel.

Wenn das Team „bestfalia“ im April als 44. von 111 Teams in Oberstaufen im Allgäu von der Startrampe rollt, liegen die aufregendsten und wahrscheinlich unvergesslichsten Tage auf dem Weg nach Baku in Azerbajian noch vor Sven Overmann und seinem Team. Eine aufwendige und lange Zeit der Vorbereitung liegt da aber bereits hinter ihnen: In der Nacht des 7. Juli 2011 wurde um 3.20 Uhr die Anmeldeplattform im Internet freigeschaltet. Zwei Minuten und acht Sekunden später waren alle Startplätze vergeben und das Team hatte Gewissheit, dass es im Gegensatz zum Vorjahr mit der Teilnahme klappen wird.

Auf den eigenwilligen Namen des Teams angesprochen räumt Sven Overmann ein, dass er weniger einer großen Portion Kreativität der Teammitglieder zu verdanken ist, als vielmehr der englischen Freundin eines der Teammitglieder. „Sie spricht kein Deutsch und aufgrund eines Missverständnisses bei der Suche nach einem passenden Namen in der ersten Teamsitzung stand diese in unseren Augen passende Wortschöpfung im Raum“, erklärt Sven Overmann, der vor seiner Zeit an der WWU eine Ausbildung als Kfz-Mechaniker absolvierte. In seinem Team werden die münsterschen Farben von seiner Frau und einem Freund vertreten, der gleichzeitig auch als Teamleader und Webmaster fungiert.

Einen internationalen Anstrich erhält das Team durch einen Allgemeinmediziner aus der Schweiz und einen in London tätigen Intensivmediziner. „Die ärztliche Versorgung für das Team ist in jedem Fall gesichert“, betont Sven Overmann schmunzelnd. Natürlich hoffe er, die Dienste im Laufe der Rallye nicht in Anspruch nehmen zu müssen. Das letzte Teammitglied lebt in Köln und bringt wie Sven Overmann reichlich „Schrauberkenntnisse“ mit.

Bei der Wahl der Autos einigten sich die Teammitglieder schnell. Kriterien wie Benzinverbrauch, Stauraum und vor allen Dingen der Preis gaben den Ausschlag für drei 5er BMWs. Einzeln sind sie nicht mehr weht als 1111 Euro – auch eines der Kriterien, die der Veranstalter vorschreibt. Das Team „bestfalia“ muss die „Kisten“ – wie sie ihre Fahrzeuge liebevoll nennen – in den verbleibenden Wochen bis zum Start geländetauglich machen, da die Nutzung von Autobahnen, Fähren und Navigationssystemen strikt verboten ist. Mit Dachgepäckträgern, Wassertanks, Reservekanistern und Ersatzrädern sowie einem Satz der gängigsten Ersatzteile werden die Boliden aufgerüstet. Mindestens mit einem Fahrzeug will das Team am 14. Mai die aserbaidschanische Hauptstadt Baku erreichen.

Das Abenteuer ist jedoch nicht auf die Straße begrenzt: Die Teams übernachten in den meisten  Fällen in Zelten direkt am Straßenrand. Wem das zu abenteuerlich und gefährlich ist, der gönnt sich den Luxus eines Hotelzimmers – allerdings für nicht mehr als 11,11 Euro, auch das steht in den Veranstaltungsregeln. Da ist das Zelt vielleicht doch die bessere Wahl.

Ein wichtiges Zwischenziel auf der Rallye 2012, wie auch bei allen vorangegangenen Auflagen, ist am 1. Mai die türkische Metropole Istanbul – das Tor zwischen Okzident und Orient. Dort steht am 4. Mai eine Sonderprüfung der ganz besonderen Art an: Auf der Formel-1-Rennstrecke im Istanbul-Park sollen die Teams eine bestimmte Anzahl von Runden in einem möglichst gleichmäßigen Tempo fahren. Je besser sie die Aufgabe bewältigen, desto mehr Punkte bekommen sie.

Um das Punktesammeln geht es auch bei allen weiteren Aufgaben, die das Roadbook (zu Deutsch: die Weginformation) für alle Teams täglich vorsieht. Denn als Siegerteam wird am Ende der Rallye nicht zwingend das Team gekürt, das als Erstes den Zielort erreicht, sondern vielmehr das Team, welches mit dem dicksten Punktekonto im Roadbook die Westküste des Kaspischen Meeres erreicht.

„Im vergangenen Jahr mussten die Teams zum Beispiel den Fan-Song des türkischen Fußballverein Fenerbahce Istanbul auswendig lernen und in einem lokalen Radiosender in Istanbul zum Besten geben oder mit dem gesamten Team in einer Telefonzelle verschwinden,“ berichtet Sven Overmann. Was genau sie in diesem Jahr auf dem Weg nach Baku erwartet, zählt zu den Überraschungen, von denen die Teilnehmenden erst im Laufe der zweiwöchigen Tour erfahren.

Für Sven Overmann und das Team „bestfalia“ ist, wie so oft im Leben, nicht der Sieg, sondern der Weg das Ziel. Abenteuer, Motorsport und Höllen- Erlebnisse, aber vor allem der Spaß im Team und der hautnahe Kontakt zu fremden Menschen und Kulturen – all diese Dinge werden im Vordergrund stehen, wenn Sven Overmann vom 28. April bis zum 14. Mai seinen Arbeitsplatz in der Röntgenstraße 19 zurücklässt, um sich einen Lebenstraum zu erfüllen.

Wenn Sven Overmann und seine Crew das Ziel in Baku erreichen, spenden sie ihre Fahrzeuge (oder das, was von ihnen übrig ist) zu Gunsten von ausgewählten Hilfsprojekten – diese Tradition wird seit Jahren von allen Teams gepflegt. So werden, passend zum Ende Mai in Baku stattfindenden Eurovision- Song-Contest, Musikprojekte in der Türkei und in Aserbaidschan unterstützt. Denn Musik verbindet und kennt keine Grenzen.

Die Hilfe, die durch die Rallye in die ärmeren Länder getragen wird, steht dabei immer unter dem Motto: „Schenke dem Hungernden keinen Fisch, sondern zeige ihm, wie man angelt.“ Die langfristige Wirkung steht für das Organisationskomitee im Vordergrund und trägt sicherlich auch zum Stellenwert der Allgäu-Orient-Tour als Botschafter für Deutschland und Europa in der Welt bei.


universa - Das Mitarbeitermagazin der WWU Münster

Redaktion:

Hanna Dieckmann (verantwortlich)
Presse- und InformationsstelleSchlossplatz 2
48149 Münster
Telefon: 0251 83-21414
Telefax: 0251 83-22258
E-Mail: universa@uni-muenster.de


Impressum | © 2011 Universität Münster
universa - Die Mitarbeiter-Zeitung der WWU Münster
Schlossplatz 2
· 48149 Münster
Tel.: +49 251 83-21414 · Fax: +49 251 83-22258
E-Mail: universa@uni-muenster.de