Zukunftskonzept Telearbeit

Wie Beschäftigte Beruf und Familie besser unter einen Hut bekommen können
von Kristin Woltering

März 2012
Telearbeit

Foto: picture alliance

Lena Mörtenkötter arbeitet gerne. Mit ernstem Blick schaut sie durch ihre Brille auf den hell erleuchteten Bildschirm. Heute stellt sie die Unterlagen für die nächste Senatssitzung zusammen. Nur ab und zu wird die Stille durch ein leises Brabbeln und Glucksen durchbrochen – ihr einjähriger Sohn blinzelt durch den Türspalt. Lena Mörtenkötter nimmt Max kurz auf den Arm, und schon geht es weiter.

Nicht, dass Lena Mörtenkötter auf die Idee gekommen wäre, ihren Sohn mit ins Büro zu bringen. Jeden Dienstag arbeitet sie daheim - so gerne und effektiv wie im „normalen Büro“. Seit 2004 bietet die Universität Münster Telearbeit an. Ein Konzept, das flexible Arbeitszeiten und ein „Home-Office“ ermöglicht. 35 Beschäftigte haben das Angebot bereits in Anspruch genommen. Davon profitiert auch Lena Mörtenkötter, die ihre Teilzeitstelle an zwei Tagen pro Woche im münsterschen Schloss und einen halben Tag am heimischen Schreibtisch ausübt.

„Immer mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sprechen uns und den Personalrat darauf an“, berichtet Melanie Prost, Sachbearbeiterin im Dezernat für Personal- und Organisationsentwicklung. Sie betreut und entwickelt das Konzept weiter, das ihre Vorgängerin ins Leben rief. „Zunächst waren es nur Pilotprojekte, die sehr erfolgreich waren. Jetzt ist die Telearbeit an der Universität Münster zu einem festen Bestandteil geworden“, betont sie. Aber nicht nur in der „Zentrale“ funktioniert das Konzept. „Viele Einrichtungen wie das Servicebüro Familie, das ZIV und neuerdings auch die Universitätsbibliothek arbeiten eng mit uns zusammen und setzen sich für die Telearbeit ein.“

Aus gutem Grund, denn die Beschäftigten, die das Angebot bislang annehmen, sind sehr zufrieden. „Es klappt wunderbar. Ich freue mich, arbeiten zu können und Max zwischendurch und in den Pausen zu sehen“, erzählt Lena Mörtenkötter. Abgelenkt wird sie durch ihren kleinen Sohn indes nur selten. „Wenn ich zu Hause arbeite, ist immer eine Babysitterin da, die sich um Max kümmert.“ In den Semestermonaten tagt der Senat einmal pro Monat, die Unterlagen bereitet sie am heimischen PC vor. Die Universität stellt den Beschäftigten, die einen Telearbeitsplatz haben, die nötige Büro- und PC-Ausstattung zur Verfügung. So kann Lena Mörtenkötter auf die erforderlichen Laufwerke zugreifen.

Telearbeit ist gerade für diejenigen ein interessantes und hilfreiches Konzept, die Beruf und Familie miteinander vereinbaren wollen. In vielen Familien sind Männer und Frauen gleichermaßen auf ihren Beruf angewiesen. Viele Beschäftigte wollen deshalb keine oder nur kurze Babypausen einlegen. Allerdings ist die Organisation der Kinderbetreuung oft ein Problem. Vor allem, wenn die Kinder noch sehr jung sind.

Wie im Fall der Familie Zumsande aus Tecklenburg. Michael Zumsande ist Sachbearbeiter im Dezernat 3.1. Auch seine Frau ist berufstätig. Um mehr Zeit für seine Söhne zu haben und die Betreuung untereinander besser aufzuteilen, arbeitet er seit 2008 einen Tag in der Woche zu Hause. „Ich genieße diese Möglichkeit, weil ich auf diese Weise an einem Tag in der Woche die Jungs in den Kindergarten bringen kann“, sagt Michael Zumsande. Zudem spare er zwei Stunden Fahrtzeit. Sofa, Telefon, Fernseher oder die möglicherweise unordentliche Küche, die dringend aufgeräumt werden müsste: In den heimischen vier Wänden lauern reichlich Ablenkungsmöglichkeiten. Aus diesem Grund sollten sich alle Telearbeits-Interessenten gut überlegen, ob sich dieses Modell für sie eignet. „Man muss sich stets selbst motivieren können und eine Menge Selbstdisziplin haben. Man muss ehrlich zu sich selbst sein und sich fragen: Kann ich das oder nicht?“, weiß Melanie Prost. Zudem müsse der jeweilige Vorgesetzte dem Wunsch zustimmen. „Die Vorgesetzten kennen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Regel sehr gut und können einschätzen, ob Telearbeit das Richtige für sie ist.“

Für Lena Mörtenkötter steht fest: Es war die richtige Entscheidung. Zu Hause habe sie sogar meist mehr Ruhe, weil keine Kollegen anklopfen, um mit ihr zu sprechen oder sie um etwas bitten. Der einzige Nachteil sei, dass sie von Absprachen auf dem „kleinen Dienstweg“ erst am nächsten Tag erfahre.

Aber auch diese Form der Selbstständigkeit hat ihre Grenzen. „Der ständige Kontakt zur Dienststelle muss gegeben sein, denn wir wollen keine isolierten Beschäftigten. Außerdem können nicht alle Aufgaben von zuhause erledigt werden“, erklärt Melanie Prost. Viele Tätigkeiten erforderten den direkten Kontakt zu Kollegen, Beschäftigten oder Studierenden.

Die Personalexpertin sieht die Telearbeit als einen von vielen Bausteinen moderner Organisation und eines zukunftsorientierten Arbeitsplatzes. Der zunehmende Fachkräftemangel und der demographische Wandel tragen dazu bei, dass die Telearbeit auch in den kommenden Jahren für die Universität Münster und ihre Beschäftigten interessant bleibe. „Wir können es uns nicht leisten, auf qualifiziertes Personal zu verzichten, das aufgrund mangelnder Alternativen gezwungen ist, sich langfristig für die Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen beurlauben zu lassen“, findet Melanie Prost. 


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