Keine Ärmelschonerträger
Wie drei Beschäftigte der WWU-Verwaltung ihre Arbeit sehen und mit Klischees aufräumen
von Andreas Eimer

Foto: Peter Grewer
„Die Verwaltung“, sagt Tobias Nowak rückblickend, „war während meines Studiums keine berufliche Perspektive für mich.“ Das hat sich geändert. Und zwar entscheidend. Mittlerweile ist Tobias Nowak seit mehr als zehn Jahren „dabei“. Zunächst als studentische, dann als wissenschaftliche Hilfskraft, danach ein befristeter Angestelltenvertrag und jetzt mit „Festvertrag“ als stellvertretender Leiter des Career Service: Er sei, meint Tobias Nowak, „da so hineingerutscht“. Und irgendwann habe er gemerkt, „wie viel Spaß mir diese Arbeit macht“.
Er findet allerdings nicht, dass seine Tätigkeit eine Verwaltungsfunktion ist. Er sehe den Career Service vielmehr als Serviceeinrichtung mit Brückenfunktion nach außen. Inhaltlich baut Tobias Nowak seit sechs Jahren die Arbeitgeberkontakte aus. In den kommenden Monaten wird er als neue Aufgabe damit beginnen, im Career Service einen E-Learning-Bereich zu entwickeln Sein Schreibtisch ist für ihn eine Art Basis, von der aus er immer wieder zu Außenterminen mit Arbeitgebern im gesamten Bundesgebiet startet. Die Netzwerkarbeit, das ist ein Kernbereich seiner Aufgabe.

Foto: Peter Grewer
Der Arbeitsalltag von Annette Wiegmann sieht anders aus: Seit 28 Jahren arbeitet sie in der Universitätsverwaltung, von Anfang an als Mitarbeiterin in der Personalverwaltung und sogar immer im selben Büro. „Richtig schön“, findet sie das und überhaupt: In der Verwaltung zu arbeiten sei schon immer ihr Wunsch gewesen. Bereits als Kind habe sie mit dem Telefon gespielt und ein Schifferklavier als Schreibmaschine umfunktioniert. Sie sieht ihren Arbeitsbereich durchaus als Teil einer klassischen Verwaltung. Doch auch hier hat sich im Laufe der Zeit jede Menge verändert: „Alleine das Internet bietet uns viele neue Möglichkeiten, eine dienstliche Frage fix zu klären.“ Zum Arbeitsrecht zum Beispiel, denn ihre Aufgabe ist die verwaltungsseitige Betreuung von vielen Hundert Hilfskräften und wissenschaftlichen Beschäftigten der Fachbereiche 10 und 11 sowie einiger Zentren von der Einstellung bis zum Ausscheiden. Mag ihre Arbeit der Vorstellung von Verwaltungsarbeit entsprechen, Annette Wiegmann selbst bedient nicht das Klischee einer Ärmelschonerträgerin. Auf die Frage, ob ihr Temperament und ihr Witz zum Verwaltungsalltag passen, kommt die Antwort ganz spontan: „Klar, dann fluppt das doch alles erst richtig.“

Foto: Peter Grewer
„Ich bewege mich hier zwischen den Welten“, lacht Birgit Hennecke, Leiterin der Abteilung 1.4 „Qualität der Lehre“. Ja, es gebe in ihrem Bereich auch einige klassische Verwaltungsaufgaben, doch die Beratungsarbeit für die Fachbereiche überwiege. „Mein Ziel ist es“, sagt sie, „das System 'Lehre an der Hochschule' für die nachfolgenden Generationen zu verbessern.“ Sie und ihr Team unterstützen die Fächer bei der Akkreditierung und Reakkreditierung der Studiengänge. Konkret: Mal geht es darum, auf strukturelle Notwendigkeiten hinzuweisen, ein anderes Mal informiert sie über Veranstaltungs- und Prüfungsformate. Birgit Hennecke bringt da ihre Expertise und ihre Erfahrung aus der Erwachsenenbildung und der Didaktik ein. „Die aus dem Schloss“, werde sie in den Fachbereichen manchmal genannt. „Damit kann wahlweise die Verwaltung oder auch das Rektorat gemeint sein“, schmunzelt Birgit Hennecke. Und nicht immer darf diese Bezeichnung offenbar als reines Kompliment verstanden werden. Andererseits gebe ihr die Tatsache, strukturell in die Verwaltung eingebunden zu sein und eng mit dem Rektorat zusammenzuarbeiten, manchmal eine gestärkte Position – „gerade wenn Fragen mal kontrovers diskutiert werden“.
Drei Personen – drei unterschiedliche Arbeitswelten. Die Verwaltung ist alles andere als monoton, sie ist vielfältig und bietet spannende Themen. Diese Entwicklung, meint Prof. Ada Pellert, Expertin für Hochschul-Organisationen und Präsidentin der Deutschen Universität für Weiterbildung, sei typisch für Hochschulverwaltungen. An vielen Hochschulen habe sich beispielsweise ein sogenannter „Third Space“ etabliert, ein dritter Bereich zwischen der klassischen Verwaltung und dem Komplex Forschung und Lehre.
Während die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung reibungslose Abläufe garantieren und andere Bereiche administrativ entlasten, habe dieser Third Space stark strategische Funktionen. Zu diesem neuen Feld gehörten beispielsweise die Alumniarbeit, Fundraising, Einrichtungen zur Förderung der Internationalisierung und zur Begleitung des Bologna-Prozesses oder Career Services. Beide Sphären – Verwaltung und Third Space -, betont Pellert, seien in modernen Hochschulen notwendig, ihre Funktionen aber nicht identisch.
Der Verwaltungsbegriff ist geblieben - was sich dahinter verbirgt, hat sich in den vergangenen Jahren aber offenbar stark verändert und erweitert. Dorothee Dzwonnek, Generalsekretärin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), empfiehlt gerade Hochschulen, an denen sich viele unterschiedliche Bereiche unter dem Schirm der Hochschulverwaltung versammeln: „Seid kommunikativ, flexibel und mutig.“
Tobias Nowak bedauert, dass unter dem Oberbegriff „Universitätsverwaltung“ nach außen oft nicht deutlich wird, wie effektiv und facettenreich hier gearbeitet wird. Im Freundes- und Bekanntenkreis versuche er häufig, Aufklärungsarbeit zu leisten. „Aber viele Leute pflegen sehr gerne ihre Klischees“, sagt er. Und dagegen muss wohl erst noch ein Kraut gefunden werden.
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