Was macht eigentlich...
... Dr. Roswitha Poll?
Genießen Sie Ihre freie Zeit, oder sind Sie immer noch viel beschäftigt?
Ich bin immer noch im internationalen Bibliotheksbereich tätig, mit Vorträgen und Publikationen, vor allem aber in der Normung von Information und Dokumentation. Auf einem internationalen Treffen 2001 in Rom wurde ich gefragt, ob ich den Bereich der ISO-Normen für Bibliotheksmanagement übernehmen könnte. Ich habe den Kollegen damals gesagt, dass ich in drei Jahren pensioniert würde. Aber sie meinten, dann hätte ich doch viel Zeit. Das ist kein Job, mit dem man Lorbeeren verdient, weil die entwickelten Normen nie die Namen der Verfasser nennen. Aber es ist interessant. Ich arbeite immer gern mit Kollegen aus anderen Ländern, und es ist faszinierend zu sehen, wie Bibliotheken in Südkorea oder in Kanada funktionieren.
Das hört sich nach viel Arbeit an. Haben Sie denn keine Freizeit?
Doch, doch: Ich habe genug Freizeit für Sport und Hobbys. Außerdem lasse ich alles gemütlicher angehen. Und wenn ich zu Sitzungen fahre, die weiter entfernt sind, wie zum Beispiel letztes Jahr nach Australien und Finnland, machen mein Mann und ich im Anschluss gerne noch etwas Urlaub im Land. Außerdem haben wir noch immer ein Haus in Erlangen, unser zweites Zuhause sozusagen. Da fahren wir hin, wie andere Leute in die Ferienwohnung nach Mallorca. Wir lieben die fränkische Landschaft und haben viele Freunde dort, sodass sich die Mühe mit Haus und Garten lohnt.
ZUR PERSON
- Geboren 1939 in Insterburg
- Studium der Geschichte, Romanistik und
- Philosophie an der WWU
- Referendariatsausbildung in München
- 1972 Promotion an der WWU
- Leitung der Erwerbsabteilung der Universitätsbibliothek Erlangen
- 1981 Bibliotheksdirektorin
- Von 1987 bis 2004 Leitung der ULB Münster.
- Zwischen 1991 und 1993 Vorsitzende des Vereins Deutscher Bibliothekare.
- Seit 2004 leitet sie die Komitees für Qualität und Statistik in Informationseinrichtungen im Deutschen Institut für Normung und bei der International Organization for Standardization
Für welches Hobby haben Sie jetzt Zeit?
Mein Hobby war schon immer die Mädchen-Literatur. Ich habe eine Sammlung von etwa 1820 an. Schon während meiner Bibliotheksausbildung in München habe ich angefangen zu sammeln. Mich interessiert vor allem, wie in diesen Romanen das heranwachsende junge Mädchen für ihre Rolle als Hausfrau und Mutter vorbereitet wird und ab wann zum Beispiel der Beruf bei den Mädchen auftaucht. Ich sammle nur bis 1945, da danach diese spezielle Literaturgattung nicht mehr existiert.
Haben Sie ein Lieblingswerk in ihrer Sammlung, das Sie immer wieder in die Hand nehmen?
In meiner Sammlung zu Charlotte Mary Yonge, einer englischen Schriftstellerin der viktorianischen Zeit, gibt es ein Kinderbuch (The Stokesley Secret), das ich noch ins Deutsche übersetzen möchte.
Welche Termine stehen derzeit in Ihrem Kalender?
Zunächst eine Telefonkonferenz, dann ein Langlauf-Urlaub in Kärnten, im Mai zwei Tagungen in Berlin und Rom, für die noch viel vorzubereiten ist. Und meist kommt noch schnell etwas dazwischen, wie im Augenblick die Examensarbeit einer italienischen Kollegin, die ich beraten soll.
Was haben Sie von der WWU mitgenommen?
Selbst etwas aufzubauen, das hat mir sehr viel Freude gemacht. Ich war die erste Direktorin einer Universitätsbibliothek in Westdeutschland. Die NRW-Kollegen mussten sich erst daran gewöhnen, dass ich 1987 als Frau dort auftauchte, dazu noch aus Bayern. Wir mussten damals mit der EDV bei null anfangen, andere Bibliotheken waren schon viel weiter. Die Magazine waren noch alle geschlossen; wir haben sie dann Jahr für Jahr weiter für die Benutzer geöffnet, und die waren begeistert. Außerdem brauchten wir dringend Raum: 1987 war gerade noch für drei Jahre Buchzugang Platz. Als erste Lösung kam die Medizinbibliothek, dann andere Erweiterungen. Und fast jedes Jahr hatten wir das Glück, etwas besonders Wertvolles für die Bibliothek zu erwerben: mittelalterliche Handschriften, Inkunabeln, den Nachlass der Annette von Droste-Hülshoff und Ähnliches. Es war eine spannende Zeit für uns alle. Und das Gefühl, etwas planen und neu machen zu können - das war toll.
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