Samoa in Bremerhaven

Der Betriebsausflug führte 210 WWU-Mitarbeiter in das Auswanderer- und das Klimahaus
von Christine Thieleke

März 2012
Betriebsausflug

Kein Mittagsschläfchen, sondern volle Konzentration in der Kuppel des Klimahauses
Foto: Christine Thieleke

Der frühe Vogel fängt den Wurm. Getreu diesem Motto beginnt der Betriebsausflug um 7.30 Uhr. Für mich ist das eine Stunde zu früh – ich gehöre offensichtlich zu den Nachteulen, und meine Beute ist ein Brötchen vom Bäcker. Die anderen Kollegen sehen hingegen munter aus. Auf dem Schlossvorplatz haben sich Gruppen gebildet, die sich fröhlich und erwartungsvoll unterhalten. Die Sonne scheint vielversprechend – die besten Voraussetzungen für einen tollen Tag. In diesem Jahr geht es nach Bremerhaven, wo wir wahlweise das Deutsche Auswandererhaus oder das Klimahaus besuchen. Der Rest des Tages steht uns zur freien Verfügung. In diesem Jahr haben sich so viele Teilnehmer wie noch nie angemeldet – 210. Ein ordentlicher Organisationsaufwand, ahne ich, und schaue anerkennend zu den Kollegen des Personalrats und der Personal- und Organisationsentwicklung.

Betriebsausflug

Foto: Christine Thieleke

Vier Busse biegen pünktlich auf den Schlossvorplatz. Nachdem alle einen Platz gefunden und sich angeschnallt haben (ja, in modernen Bussen muss man das!), geht es los. Als Verwaltungsmitglieder beginnen wir die Fahrt standardgemäß mit den Punkten „Begrüßung“ und „Organisatorisches“. Dazu gehören: ein herzliches Willkommen, Informationen über den Tagesablauf, Ankunfts- und Abfahrtszeiten sowie Tipps und ein Stadtplan für die Freizeitgestaltung. Nach dem offiziellen Teil beginnt der „wahre“ Betriebsausflug: Einige Kollegen packen ihre Brote und Kaltgetränke aus, hinter mir spielt ein Quartett Doppelkopf nach traditionell westfälischen Regeln, der Busfahrer erzählt Ostriesenwitze.

Um 11 Uhr kommen wir in Bremerhaven an. Wie es sich für den hohen Norden gehört, weht eine steife Brise. Ich habe mich für das Deutsche Auswandererhaus angemeldet. Das Museum wurde 2007 mit dem „European Museum of the Year Award“ ausgezeichnet und hält sein Versprechen. Die Ausstellung ist abwechslungsreich und interaktiv aufgebaut. Besucher erleben in einem Rundgang die verschiedenen Stationen der Auswanderung: den emotionalen Moment des Abschieds am Anleger, die strapaziöse Überfahrt im engen Schiff und die Ankunft in der neuen Heimat, am Beispiel von Ellis Island/New York. Mit der Eintrittskarte, die wie ein Bording-Pass aussieht und den Namen eines echten Auswanderers trägt, können wir an zahlreichen Hör-Stationen Informationen abrufen und mehr über die persönlichen Beweggründe und Schicksale der Emigranten erfahren. 7,2 Millionen Menschen wanderten zwischen 1830 und 1974 über Bremerhaven aus. Die Berichte berühren mich sehr. Was für eine schwere Entscheidung muss es gewesen sein, der Heimat, geliebten Menschen sowie allem Bekannten und Vertrauten den Rücken zu kehren?

Die meisten Auswanderer verließen Deutschland aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen mit der Hoffnung, im Ausland ein besseres Leben zu führen. Oft haben die Menschen ihre letzten Ersparnisse für die Überfahrt aufgebracht und mussten im neuen Land von vorne anfangen. Zu der ungewissen Zukunft kamen die beschwerlichen Reisebedingungen. Die Dauer der Überfahrt mit Segelschiffen hing vom Wind ab und betrug mehrere Wochen. Wer sich nur eine Unterkunft dritter Klasse auf dem Zwischendeck leisten konnte, musste sich mit mehreren – oft fremden – Personen eine Schlafkoje teilen. Oft gab es nicht genug Nahrungsmittel an Bord und die hygienischen Bedingungen unter Deck waren katastrophal.

Im Anschluss an den historischen Teil der Ausstellung schlägt der „Raum der Nachfahren“ die Brücke zur heutigen Zeit. Anhand von Fotos und Informationstafeln berichtet er über die Biografien einzelner Auswanderer – von den Hintergründen ihrer Ausreise über ihren Werdegang in der neuen Heimat bis hin zu ihren heutigen Nachfahren.

Betriebsausflug

Die WWUler betrachteten im Klimahaus unter  anderem die beeindruckende Unterwasserwelt Samoas.
Foto: Christine Thieleke

Nach so vielen Informationen brauche ich eine Mittagspause. Ich mache einen Spaziergang durch die (nicht besonders schöne) Innenstadt von Bremerhaven und esse eine Pizza beim Italiener. Anschließend schlendere ich mit einem Eis in der Hand beim Klimahaus vorbei. Zufällig beginnt gerade die Nachmittags-Führung für die Beschäftigten der Uni Münster. Es sind noch Plätze frei, und so komme ich in den Genuss, mir auch das Klimahaus ansehen zu dürfen. Schnell drück ich Wolfgang Gellenbeck mein Eis in die Hand, und los geht’s. Der Rundgang erstreckt sich aufgrund der Größe des Museums nur über einen kleinen Teil der Ausstellung.

Im Anschluss fehlt mir leider die Zeit, das Klimahaus ausführlich zu erkunden, da um 17.30 Uhr die Busse abfahrbereit sind. So bleibt mein Eindruck ein sehr oberflächlicher. Im Bus frage ich Kollegen, die mehr Zeit im Klimahaus verbracht haben, nach ihren Eindrücken. „Es war spannend, an einem Ort so viele verschiedene Welten zu erleben. Ein besonderes Urlaubsfeeling hatte ich in Samoa. Es war schön, sich dort eine Stunde hinzusetzen und alles auf sich wirken zu lassen,“ berichtet Linus Stehr vom ZIV. Für Ann-Kathrin Schwind, Referentin des Kanzlers, war der Besuch im Klimahaus eine besondere Sinneserfahrung. „Mir hat der Gang durch den Regenwald bei Nacht am besten gefallen. Man musste sich voran tasten, hat den weichen Boden unter den Füßen gespürt, Geräusche wie Vogelstimmen und Blätterrauschen wahrgenommen.“ Alice Fleury aus dem Dezernat 2 hat keine Führung mitgemacht. „Ich habe das Klimahaus eigenständig erkundet. Besonders gut erinnere ich mich an die Schweiz: Dort roch es nach Kuhfladen“, erzählt sie.

Gegen 20.30 Uhr kommen wir wieder in Münster an. Nach so vielen Eindrücken habe ich keine Lust mehr auf ein Bier im Schlossgartencafé. Das hatte ich schon im Bus. Müde und zufrieden fahre ich mit dem Rad nach Hause. Es war ein rundum schöner Tag. Lediglich eine Vorstellungsrunde oder Namensschilder hätte ich mir gewünscht. So wäre es leichter gewesen, über die eigene Abteilung hinaus mit Kollegen ins Gespräch zu kommen. Sicher habe ich mit vielen Mitarbeitern bereits telefoniert, aber die Gesichter zu den Stimmen kenne ich nicht. Alles in allem bin ich aber nach meinem ersten Betriebsausflug gerne bereit, auch im nächsten Jahr wieder so früh aufzustehen.


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