Für den Fall der Fälle

Risikomanager Dieter Nienhaus will ein Bewusstsein für Gefahrenquellen schaffen
von Kristin Woltering

März 2012
Nienhaus

Je nach Eintrittswahrscheinlichkeit und möglichem Schadenmaß ordnet Dieter Nienhaus die Risiken in einer Matrix an.
Foto: Kristin Woltering

Mit ernstem Blick durch seine Brille schaut Dieter Nienhaus auf das Risikomanagement-Cockpit auf dem Bildschirm seines Computers. Ein Quadrat zeigt fünf mal fünf Kästchen in grün, gelb und rot. Rot steht dabei für ein hohes Risiko der Universität, gelb für ein mittleres und grün für ein geringes Risiko. Dieter Nienhaus arbeitet seit zehn Jahren an der Universität Münster und hat vor einem Jahr den Posten des Risikomanagers übernommen. Seit dem Hochschulfreiheitsgesetz liegt die Verantwortung für Risiken nicht mehr beim Land, sondern bei den Hochschulen selbst. „Die Universität hatte sich auch vorher schon mit Risiken zu beschäftigen, aber diese Risiken sind noch nie in Summe zusammengetragen worden“, erklärt Dieter Nienhaus. Im Rahmen des WWU-Programms „Mitarbeitermobilität“ war er zwei Wochen in der Schweiz, um Erfahrungen zu sammeln. Die Hochschule in Bern hat bereits vor fünf Jahren ein Risikomanagement etabliert.

Gemeinsam mit einem Team von Mitarbeitern von zentralen Einrichtungen an der Universität ordnet und bewertet Dieter Nienhaus potenzielle Risiken. Auf seiner Checkliste stehen 70 Kategorien, in die er die neuen Risiken einordnet. Die Bandbreite reicht von Ethik über Betrug bis IT-Sicherheit Eine selbst entworfene Excel-Tabelle stellt den Mitarbeitern die Risiken in einer Matrix dar. Je nach Eintrittswahrscheinlichkeit und möglichem Schadensmaß wird das Risiko mit Grün, Gelb oder Rot bewertet. „Ist das Kind erst in den Brunnen gefallen, ist es zu spät“, bemerkt Dieter Nienhaus und betont, dass sein Job viel mit Beobachtung und guter Vorbereitung zu tun hat. Durch einen falschen Schritt könne alles zerstört werden, meint er. „Ein wesentliches Risiko wird eigentlich immer unterschätzt, ist aber für die Hochschule ein besonders wichtiges“, beteuert er und nennt die Reputation, von der die Hochschule maßgeblich lebt. „Denken Sie an die Fälle zu Guttenberg, Koch-Mehrin und andere. Mit diesen Affären gerieten auch die Universitäten von einem Tag auf den anderen mit in Verruf und mussten sich vor einem möglichen Schaden schützen“, erklärt er. Eine kontinuierlich gute Arbeit an der Hochschule, Grundsätze für nicht-wissenschaftliche und wissenschaftliche Mitarbeiter und ein vernünftiger Anspruch an sich selbst seien unerlässlich, um Risiken zu vermindern. „Wir nehmen niemandem ein Risiko ab, wir zeigen es nur auf“, erläutert Dieter Nienhaus.

„Ein Brand wird nicht durch die Feuerwehr verhindert, sondern durch aufmerksame Mitarbeiter“, betont Dieter Nienhaus. Welche Risiken muss eine Universität heutzutage bewältigen? Risiken sind nicht nur die Vermeidung von Sach- und Personenschäden, wie zum Beispiel beim Laborbrand in der Anorganischen Chemie im August, sondern auch mangelnde Datensicherheit, wegbrechende Finanzmittel und fehlende Prozesssicherheit. Dieter Nienhaus nennt drei „Sphären“, in die er die Risiken einteilt: Umfeld und Umwelt, Prozesse und Strategie. Innerhalb der ersten Sphäre wirken Risiken von außen auf die Universität. Das kann zum Beispiel eine kritische Meinung der Gesellschaft zu bestimmten Forschungsfeldern sein. Bei den Prozessen handelt es sich um Risiken aus dem Inneren der WWU, beispielsweise Arbeitsabläufe, die nicht korrekt ablaufen. Und bei der Strategiesphäre drohen Risiken bei der Umsetzung von strategischen Zielen, die damit die Zielerreichung des gesamten Unternehmens gefährden würden. Man könne nicht alle Risiken verhindern. Durch Maßnahmen können Risiken jedoch vermieden, vermindert, überwälzt oder selbst getragen werden. „Ganz wichtig ist eine kontinuierliche Beobachtung“, erklärt der Risikomanager.

Eine der Maßnahmen, die Dieter Nienhaus und seine Mitarbeiter im Bereich Risikomanagement geschaffen haben, ist ein Versicherungspaket für die Universität, das am 1. Januar dieses Jahres in Kraft getreten ist. Damit ist das gesamte Unternehmen gegen Haftpflichtschäden aus dem Betrieb der Hochschule mit all ihren Facetten abgesichert. Darüber hinaus sind die Gebäude und das Inventar gegen Schäden durch Feuer, Leitungswasser, Sturm oder Hagel und Einbruchdiebstahl versichert. Die Elektronik ist mit einer speziellen Versicherung abgedeckt, die auch Schäden übernimmt, die aus einer Fehlbedienung durch Beschäftigte resultieren. Es geht nicht nur darum, Schäden zu begleichen, die durch Mitarbeiter verursacht werden, sondern auch um Spezialfälle, wie Dieter Nienhaus erzählt. Beispiel: Wenn ein Beschäftigter einen Studenten falsch berät, sei es möglich, dass dieser einen Schaden geltend mache, weil er möglicherweise sein Studium erst später als geplant habe abschließen können.

Auf seiner Matrix sieht er anhand der drei Farben und der Lage des Risikos im Quadrat, wie sich Risiken verändern können. Die Schwierigkeit sei, die Informationsfülle zu kanalisieren. Noch ist die Gesamtschau aller Risiken ein Versuch - und es sei durchaus möglich, dass es weiterer Instrumente bedarf, um die Risiken zu minimieren. Aber der Anfang scheint gemacht.


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