Neuzugang auf der Liberoposition
Finanzdezernent Matthias Schwarte ist neuer Kanzler der WWU – ein Porträt
von Norbert Robers

Foto: WWU Münster
Wenn Fußballfans in diesen spannenden Bundesliga-Tagen die Köpfe zusammenstecken und über die Lage an der Tabellenspitze fachsimpeln, kommen sie automatisch auf das „Phänomen schwarz-gelb“ zu sprechen – auf die Topform von Borussia Dortmund. Tatsächlich haben sich die westfälischen Kicker mit einer imponierenden Serie an Siegen mächtig Respekt erarbeitet, die Münchener Bayern zittern. Die Fachleute haben lange diskutiert und sind sich mittlerweile einig, woran es liegt: Der BVB spielt nach Meinung aller Experten einen imposanten Hochgeschwindigkeits-Fußball“. Spätestens jetzt fragen Sie sich wahrscheinlich: Was hat das mit Matthias Schwarte zu tun, dem neuen Kanzler der Universität Münster?
Erstens: Matthias Schwarte hat sich ebenfalls zu einem bekennenden schwarz-gelben Anhänger entwickelt. Nachdem er sich von den grün-weißen Werderanern aus Bremen „getrennt“ hat … Zweitens: Wenn er den Begriff „Hochgeschwindigkeits-Fußball“ liest oder hört, denkt er dann und wann über eine gewisse Parallele zu seinem eigenen Werdegang nach. Und tatsächlich ist eines nicht zu bestreiten: Matthias Schwarte hat an der WWU eine „Hochgeschwindigkeits-Karriere“ absolviert. Am 1. Juni 2009 bezog der gebürtige Lingener sein neues Büro im Schloss und trat sein Amt als Finanzdezernent an – gut zwei Jahre später steht er bereits als Nachfolger von Dr. Stefan Schwartze an der Spitze der Universitäts-Verwaltung. „Das ging alles extrem schnell. Aber ich freue mich über diese Entwicklung und vor allem über den Riesen-Vorschuss an Vertrauen“, betont er.
Aber es war offensichtlich nicht nur Vertrauen, Hoffnung und der Glaube an seine Qualitäten, die die Findungskommission, den Hochschulrat und den Senat dazu bewogen haben, sich eindeutig zugunsten von Matthias Schwarte auszusprechen. „Mit Matthias Schwarte gewinnt die WWU einen ausgezeichneten Finanzexperten, der darüber hinaus durch seine berufliche Erfahrung in der Begutachtung anderer Hochschulen alle notwendigen Kompetenzen für einen erstklassigen Kanzler mitbringt“, urteilt der Vorsitzende des WWU- Hochschulrats, Prof. Dr. Reinhard Kurth. Der 43-jährige Diplom-Kaufmann punktete in den Auswahlgesprächen vor allem mit seinem fundierten Wissen über die Universität Münster und mit seiner Fähigkeit, die finanzielle Lage der Hochschule im Detail zu analysieren und Lösungswege aufzuzeigen.
Wie er es bereits auch während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre (mit juristischem Schwerpunkt) an der Oldenburger Carl von Ossietzky Universität praktizierte, als er Kostenrechnungen und weitere „Controlling-Subsystems“ aufstellte – ebenfalls im Auftrag des dortigen Dezernats 5. Nach Stationen bei der Düsseldorfer Wibera AG und PwC Consulting übernahm er im Mai 2000 die Leitung der 23-köpfigen Abteilung „Public – Financial Management“ der IBM Deutschland GmbH. Sein Aufgabengebiet: die Betreuung von Bundesministerien, Landesbetrieben, Universitäten und Forschungseinrichtungen in Finanz- und Rechnungsfragen, Controlling und der strategischen Steuerung.
Ein fordernder und kräftezehrender Job, der vor allem auf Beratung und auf die Akquisition neuer Projekte angelegt war. Sein Interesse an politischen und öffentlichen Themen, an einer gestalterischen Tätigkeit ließ Matthias Schwarte 2009 aufhorchen, als die Universität Münster die Leitung des Haushaltsdezernats ausschrieb. Zumal ein IBM-Kollege schon immer von Münster und dem „sehr hohen Renommee der WWU“ geschwärmt hatte. „Ich freue mich, jetzt auch die andere Seite des Schreibtischs kennenzulernen“, unterstrich er nach seiner Ernennung.
Und jetzt Kanzler. Man spürt es im Gespräch mit ihm: Matthias Schwarte hat Lust auf diese Aufgabe – und er hat Respekt vor dieser Aufgabe. Er bezeichnet sich selbst als jemanden, „der gerne Position bezieht, der sich gerne einmischt, auch wenn dies ein Mehr an Arbeit nach sich zieht“. An entsprechenden Gelegenheiten wird es ihm wohl nicht mangeln. Gleichzeitig schätzen viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seinen kollegialen und freundlichen Ton, seine Bereitschaft, zuzuhören, um schließlich zügig zu entscheiden. Auch den Personalrat hat er auf seiner Seite. „Der Kanzler sollte ein versierter Haushälter sein, der Klartext redet und Führungsqualitäten mitbringt“, unterstreicht deren Vorsitzender Frank-Peter Kaup. „Bei Herrn Schwarte sehe ich das als gegeben an.“
Dessen Zuversicht, die großen Themen und Projekte der Zukunft wie beispielsweise die Evaluation der Verwaltung und die Einführung einer neuen, uniweiten Software schultern zu können, speist sich vor allem aus der Gewissheit, „eine Reihe von Top-Leuten“ neben und um sich zu haben. „Ich habe immer dann ein besonders gutes Gefühl, wenn viele Kolleginnen und Kollegen auf ihrem Gebiet viel mehr wissen als ich – und das ist an der Universität Münster der Fall.“
Welche Ziele hat Matthias Schwarte vor Augen? „Wir machen uns das Verwaltungs-Leben häufig durch schwerfällige und komplizierte Arbeitsabläufe selbst schwer“, meint er. „Wir müssen einfacher und effizienter arbeiten – gerne auch verständlicher“, unterstreicht er. Und nach den vielen Personalwechseln in den vergangenen Wochen und Monaten wünscht er sich vor allem eines: Kontinuität.
Traditionell ist der Kanzler einer Hochschule vorrangig für den Haushalt und für die Liegenschafts-Themen verantwortlich. Aber natürlich sollte er auch Rechtsfragen und alle sonstigen Verwaltungsaufgaben im Blick behalten. Mit anderen Worten: Ein Kanzler muss als Generalist agieren. Auch dafür scheint Matthias Schwarte die besten Voraussetzungen zu haben. Womit wir wieder beim Fußball wären. Denn nachdem er als Stürmer bei seinem Heimatverein Concordia Langen die eine oder andere Verletzung überstanden hatte, zog er sich in die hinteren Reihen zurück: Er spielte fortan einen umsichtigen Libero.
Redaktion:
Hanna Dieckmann (verantwortlich)
Presse- und InformationsstelleSchlossplatz 2
48149 Münster
Telefon: 0251 83-21414
Telefax: 0251 83-22258
E-Mail: universa@uni-muenster.de
