Gärtnertaufe bestanden

Azubis des Botanischen Gartens sind die besten Prüflinge 2009
von Christina Heimken

März 2010

Schlamm bis zum Oberschenkel, glitschige Wasserpflanzen und jede Menge Frösche – Caroline Röken, Astrid Nordhof und Stefan Boertz wissen, wie sich ein Bad im Teich des Botanischen Gartens anfühlt. Die drei haben im Sommer 2009 ihre Ausbildung zum Gärtner abgeschlossen und mussten bei der traditionell folgenden „Gärtnertaufe“ ein ausgiebiges Schlammbad nehmen. „Unsere Kollegen und die Gartenbesucher hatten einen Heidenspaß, uns zuzuschauen“, erinnern sich die drei jungen Leute. „Aber wir waren auch selbst in bester Stimmung.“ Dazu hatten sie allen Grund – schließlich haben sie als die drei besten Prüflinge des Jahrgangs 2009 im Produktionsgartenbau im Berufsschulbezirk Münster abgeschlossen.

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Ein gutes und vor allem erfolgreiches Team bildeten die drei Auszubildenden des Botanischen Gartens: Astrid Nordhof, Stefan Boertz und Caroline Röken (von links).
Fotos: hd.

Dass alle drei Azubis so hervorragend abgeschnitten haben, ist selbst für den Botanischen Garten eine bislang einmalige Bilanz – obwohl er seit etlichen Jahren immer wieder sehr gute Prüflinge hervorbringt. Vielleicht liegt ein Teil des Erfolgsgeheimnisses in den Freiheiten, die die Auszubildenden genießen. Und in der Selbstständigkeit, die von ihnen erwartet wird. „Wir mussten uns sogar manchmal eigenständig um ganze Gewächshäuser kümmern. Da lernt man, Verantwortung zu tragen“, sagt Caroline Röken, die mit 1,6 abgeschnitten hat. Astrid Nordhof – Note 1,8 – blickt zurück: „Wir durften aber auch immer wieder üben, was nicht so gut geklappt hat.“ Diese Zeit haben die Ausbilder – allen voran die Gärtnermeister Manfred Voß und Jürgen Hausfeld – dem Nachwuchs gelassen.

„Vielfalt“ ist das Stichwort, das sich durch die gesamte Ausbildung der drei jungen Gärtner zog. Röken, die wie ihre beiden Mitstreiter ihre Ausbildung in der Fachrichtung „Blumen und Zierpflanzen“ absolviert hat, meint: „Wir haben hier extrem viel gelernt. Wir können nun Pflastern, Hecke schneiden und Bäume fällen.“ Sie lacht, während sie das sagt, denn natürlich ist das nicht alles. Im Vordergrund standen Pflanzen – und eben nicht nur jene Zierpflanzen, die man aus Gartencentern kennt. Denn der Botanische Garten betreut als wissenschaftliche Einrichtung Pflanzen aus der ganzen Welt mit den unterschiedlichsten Ansprüchen. „Artenkenntnis wird bei uns groß geschrieben“ sagt Herbert Voigt, Technischer Leiter des Botanischen Gartens. Dementsprechend fit auf diesem Gebiet waren Caroline Röken, Astrid Nordhof und Stefan Boertz, als die Prüfer ihnen eine Reihe von Pflanzen unter die Nase hielten und nach den Namen fragten.

Auch sonst haben sich die drei während des ganztägigen Prüfungsmarathons, zu dem insgesamt 34 Produktionsgartenbau-Prüflinge antraten, hervorragend geschlagen. „Damit, dass ich zu den Besten gehören würde, habe ich vorher nicht gerechnet“, sagt Astrid Nordhof. Die 19-Jährige, die ebenso wie Stefan Boertz nach dem Realschulabschluss mit ihrer Ausbildung im Botanischen Garten anfing, hatte jedoch bereits im Vorstellungsgespräch einen besonders guten Eindruck gemacht. Insofern kam der Erfolg nicht überraschend. Röken war zuversichtlicher. Die 21-Jährige, die nach dem Abitur im Botanischen Garten angefangen und eine verkürzte Ausbildung von zwei statt drei Jahren absolviert hatte, schrieb schließlich regelmäßig sehr gute Noten. „Das Ergebnis habe ich daher erwartet“, sagt sie selbstbewusst.

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Die Ausbildung im Botanischen Garten ist vielfältig: Das Beschneiden der Pflanzen im Gewächshaus ist nur eine von vielen Tätigkeiten.

Dass Stefan Boertz mit seinem hervorragenden Abschluss (Note 1,6) in bester Damengesellschaft ist, ist laut Herbert Voigt kein Zufall. „In den Vorstellungsgesprächen fällt mir regelmäßig auf, dass die meisten Frauen deutlich besser vorbereitet sind als die männlichen Bewerber“, sagt er. „Bei Männern kann es vorkommen, dass ein Bewerber bis zum Vorstellungsgespräch noch nie einen Fuß in unseren Garten gesetzt hat, obwohl er aus Münster kommt. So etwas ist mir bei einer Bewerberin noch nicht untergekommen.“ Entsprechend sind die drei Nachfolger des Erfolgstrios, die ihre Ausbildung 2009 angefangen haben, allesamt weiblich. Damit hat der Botanische Garten nun insgesamt fünf Auszubildende – vier davon sind Frauen.

„Es waren in diesem Jahr einfach keine qualifizierten männlichen Bewerber dabei“, so Herbert Voigt. Er ergänzt jedoch schmunzelnd: „Boertz hat zum Glück zur Ehrenrettung unseres Geschlechts beigetragen.“ Kein Wunder. Der 19-Jährige ist Gärtner aus Leidenschaft. Bereits während seiner Schulzeit hat er Praktika in einer Baumschule und in einer Staudengärtnerei absolviert – und im Botanischen Garten der WWU. Außerdem war er seit der neunten Klasse in der Schulgarten-AG aktiv. Schon sein Großvater war begeisterter Hobbygärtner. Die Begeisterung für Pflanzen liegt Stefan Boertz also „im Blut“. Auch privat kann er von seinem Lieblingsthema nicht lassen. Daher ist er Mitglied in einem Kakteen- und in einem Orchideenverein. „Nach meinem Praktikum im Botanischen Garten war mir klar, dass die Arbeit hier genau das Richtige für mich ist“, erinnert sich der ehemalige Auszubildende.
Die Prüfungserfolge und das Schlammbad im Teich liegen nun schon einige Monate zurück. Den eingeschlagenen Erfolgskurs gehen die drei jungen Leute jedoch weiter. Stefan Boertz absolviert ein Freiwilliges Ökologisches Jahr im münsterschen Mühlenhof – seine Leidenschaft für Pflanzen und seine Fachkenntnis zur Pflege von Grünanlagen sind dort hochwillkommen. Astrid Nordhof hatte Erfolg mit ihrer Bewerbung beim Botanischen Garten in Konstanz und arbeitet dort nun in ihrem Traumjob. Und Caroline Röken hat noch nicht genug vom Thema Ausbildung. Sie studiert in Dresden Landschaftsarchitektur.


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