Studieren mit Behinderung
Behinderungsspezifische Hilfen
Besondere Hilfen, persönliche, bauliche, technische Hilfen im Studium sind behindertenspezifisch sehr unterschiedlich, weshalb diese im folgenden auch getrennt vorgestellt werden. Vorstellen möchten wir Ihnen die wesentlichen und bewährten Hilfen, verbunden mit der Bitte, Ihre persönlich gewonnenen Erfahrungen weiterzugeben an andere Studenten und die entsprechenden Stellen der Universität.
Eine besondere bauliche Hilfe für alle behinderten und chronisch kranken Studenten sei vorweg genannt. Seit Jahren verfügt die Universität über einen im Schloss zentral gelegenen Ruheraum, der von allen, die sich im Laufe eines anstrengenden Studientages für eine Weile ausruhen wollen, in Anspruch genommen werden kann. Der Raum ist mit einer Liege, einer Schreibecke sowie einer kleinen Waschgelegenheit ausgestattet. Bitte wenden Sie sich bei Interesse an den Hausmeister im Foyer des Schlosses.
Ruheraum für behinderte Studenten
Hausmeister (Foyer des Schlosses)
Schlossplatz 2, 48149 Münster
83-22100
Blinde und sehbehinderte Studenten
Die Universität ist glücklicherweise in der Lage, blinden und sehbehinderten Studenten diverse Hilfen bereitzustellen.
Dank wiederholt großzügiger Unterstützung durch die Paul-und-Charlotte-Kniese-Stiftung verfügt die Universität seit nunmehr über 15 Jahren über moderne Computerarbeitsplätze für Blinde und Sehbehinderte. Diese befinden sich zentral gelegen im Juridicum der Universität und stehen Studenten aller Fachrichtungen zur Verfügung. Neben mehreren leistungsfähigen PCs sind u. a. Ein Einlesegerät (Scanner) mit hervorragender Software, Großbildschirme (für Sehbehinderte) mit vielstufigen Vergrößerungsmöglichkeiten, eine Sprachausgabe zum Vorlesen des Bildschirminhalts, eine taktile Braille-Zeile (80 Zeichen), die es erlaubt, den Bildschirminhalt manuell zu lesen, ein Schwarz-Weiß-Drucker sowie ein Braille-Schrift-Drucker vorhanden. Ergänzend zu vielfältiger Software werden auch das System Windows für Blinde und eine leistungsfähige Spracheingabe bereitgestellt. Die Arbeitsplätze können nicht nur für persönliche Studienarbeiten genutzt werden. Durch die Einbindung in das Datennetz der Universität sind vielmehr auch vernetzte Informationen und Kommunikationsmöglichkeiten (Mail, Internet, Datenbankrecherche) blinden und sehbehinderten Studenten voll zugänglich; entstanden ist im Laufe der Jahre ein kleiner, doch leistungsfähiger Microrechner-Pool.
Studentische Tutoren sind bei der Einarbeitung wie auch für spätere erforderliche Hilfen anwesend. Die Einführung ist individuell und selbstverständlich kostenlos, so dass niemand Scheu haben sollte, sich mit diesen PCs vertraut zu machen. Bitte wenden Sie sich an das
Zentrum für Informationsverarbeitung (ZIV)
Mathias Grote
83-31675, grote@uni-muenster.de
Röntgenstraße 7–13, 48149 Münster
An diesen Mitarbeiter des Zentrums für Informationsverarbeitung können sich ebenfalls interessierte Studenten wenden, die sich einen eigenen PC mit entsprechender Peripherie zulegen möchten, um gemeinsam eine maßgefertigte Konfiguration herauszufinden. Für gewöhnlich wird es erforderlich und Ziel sein, im Laufe des Studiums über einen eigenen PC zu verfügen, um dessen Möglichkeiten optimal zu nutzen; nötigenfalls auch einen Laptop, um in Veranstaltungen und unterwegs arbeitsfähig zu sein.
Ein von der Universität Dortmund gepflegter Katalog »Sehkon« (Sehgeschädigtengerechter Katalog online) verzeichnet ca. 100 Titel wissenschaftlicher Studienliteratur! Katalogisiert werden zentral alle blindengerecht adaptierten Bücher deutscher wissenschaftlicher Bibliotheken: www.ub.uni-dortmund.de/sehkon
Im Zuge der enormen Entwicklung von PCs für Blinde und Sehbehinderte ist das Vor- bzw. Auflesen von Literatur für das Studium vielfach nicht mehr von zentraler Bedeutung, gleichwohl für kurze und aktuell benötigte Texte weiterhin erforderlich. Neben Freunden und Kommilitonen kann man hier auf die bereits erwähnten studentischen Tutorinnen und Tutoren der Fachbereiche und Fakultäten zurückgreifen oder sich an die Westdeutsche Blindenhörbücherei (Adresse siehe unten) wenden. Sollte ein umfangreicher Vorlesedienst erforderlich sein, so sollten Sie diesen selbst organisieren.
Abschließend seien an dieser Stelle noch drei weitere, erfreuliche Hinweise gegeben.
Zum einen hält der Blinden- und Sehbehindertenverein Münster einen Stadtplan für blinde Menschen bereit; dieser kann angefordert werden beim
Blinden- und
Sehbehindertenverein Münster
Edith Grämer
Norbertstr. 6, 48151 Münster
525696
Der Stadtplan kostet € 20; ein Exemplar ist auch in der »Münster-Information« im Stadthaus 1, Heinrich-Brüning-Straße 9, 48143 Münster, einsehbar.
Zum anderen befindet sich in Münster die Westdeutsche Blindenhörbücherei, die insbesondere belletristische und journalistische Werke in großem Umfang bereitstellt. Sie ist gleichermaßen behilflich beim Suchen nach professionellen Vor- bzw. Auflesekräften.
Westdeutsche
Blindenhörbücherei
Harkortstraße 9, 48163 Münster
719901, Fax 712846,
wbh@wbh-online.de
www.wbh-online.de
Sprechzeiten: Mo bis Do von 8−15.45 Uhr, Fr von 8−12 Uhr
Schließlich erreichen Sie in der Nachbarschaft Münsters das Berufsbildungswerk Soest, wo Sie sich über alle modernen technischen Hilfsmittel für Blinde und Sehbehinderte informieren und vor allem auch die bereitstehenden Geräte ausführlich praktisch erproben können, um zu erfahren, was sich ganz individuell für Sie eignet.
Berufsbildungszentrum für
Blinde und Sehbehinderte Soest
Hattroper Weg 57, 59494
Soest
02921/684-0, Fax 02921/684-109, bbwsoest@lwl.org
www.berufsbildungswerk-soest.de
Körper- und gehbehinderte Studenten
Wie berichtet ist die Westfälische Wilhelms-Universität in weiten Bereichen behindertenfreundlich gestaltet.
Mit Ausnahme weniger sog. Kleiner Fächer sind mittlerweile so gut wie alle Gebäude der Universität mittels Auffahrten (Rampe) oder Aufzügen ebenerdig zu erreichen, was nicht nur für Rollstuhlfahrer von großer Bedeutung ist. Ebenso ist eine größere Anzahl von behindertengerechten Toiletten vorhanden; die Universität wird – flächendeckend planend – noch weitere einrichten.
Zumeist steht also für körper- und gehbehinderte Studenten, namentlich für Rollstuhlfahrer, die generelle Erreichbarkeit der Universität nicht mehr in Frage; es sind vielmehr »Kleinigkeiten« wie schwer zu öffnende Türen und Stolperkanten im Bodenbelag oder aber Hindernisse für ein angemessenes Arbeiten und Studieren in den Hörsälen, Seminarräumen und Bibliotheken selbst, die das Studium weiterhin beeinträchtigen. Ein geeigneter Sitz- bzw. – für Rollstuhlfahrer – Standplatz in Hörsälen ist nicht immer sofort gefunden, das Mobiliar mag für den Einzelnen ungeeignet sein; Stehsitze etwa für naturwissenschaftliche Labore sind erst einmal nicht vorhanden. In all diesen Detailfragen eines behindertenfreundlichen Studierens ist die Universität dringlich auf Ihre Mithilfe angewiesen. Bitte wenden Sie sich bei solchen Misslichkeiten als erstes an den betreffenden Dozenten, vielleicht vermag er die Veranstaltung in einem anderen Raum abzuhalten, oder an den Hausmeister, der womöglich sofort kleine Reparaturen vornehmen bzw. erforderlichenfalls mit anderem Mobiliar aushelfen kann. Nach aller Erfahrung lässt sich immer eine Lösung finden.
Schließlich sei noch auf ein ganz wichtiges Hilfsmittel zu Ihrer Mobilität hingewiesen, um die Universität von zuhause aus überhaupt gut zu erreichen, nämlich auf einen PKW! Wenn immer es Ihnen möglich ist, ein Auto zu führen, sollten Sie auch tatkräftig einen Führerschein und ein Auto erwerben! Der technischen Phantasie beim Umbau eines gewöhnlichen Autos für körperbehinderte Fahrerinnen und Fahrer sind keine Grenzen gesetzt, und der Besitz eines eigenen Autos verleiht Ihnen eine enorme Selbständigkeit, will heißen Unabhängigkeit von jeglichen Transportproblemen. Der Führerschein lässt sich im Zweifel mit einem bereits auf die individuellen Bedürfnisse angepassten Fahrzeug ablegen; eine entsprechende Fahrschule gibt es auch in Münster.
Alle körper- bzw. gehbehinderten Studenten erhalten auf Wunsch einen Parkausweis, der sie berechtigt, alle Parkplätze der Universität zu nutzen. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an die
Zentrale Universitätsverwaltung
Nadine Weiermann
Dezernat Gebäudemanagement, Arbeits- und Umweltschutz
Orléansring 16, 48149
Münster
83-22137, nadine.weiermann@uni-muenster.de
Vonseiten der Stadt Münster erhalten Sie auf Antrag einen Parkausweis (»außergewöhnlich Gehbehinderte« und »Blinde«) für Behindertenparkplätze in der Stadt oder auch unter bestimmten Voraussetzungen einen sog. Personengebundenen Parkplatz vor Ihrer Wohnung ausgewiesen. Zur Beantragung wenden Sie sich an die
Stadt Münster – Ordnungsamt
Doris Millgate, 492-3290, millgatd@stadt-muenster.de
Karin Isselhorst, 492-3289
Cornelia Habert, 492-3291
Stadthaus 1, Klemensstraße
10, 48143 Münster
Sollten Sie nicht in der Lage sein, ein Fahrzeug selbst zu führen, und auch in Begleitung keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen können, so gibt es verschiedene Fahrdienste, die Sie nutzen können. Stellvertretend sei hier eine Einrichtung genannt, die auch mit verschiedenen anderen Fahrdiensten zusammenarbeitet.
Arbeiter-Samariter-Dienst e.V.
Carsten Pöhler, Sascha
Rieskamp
Gustav-Stresemann-Weg 62,
48155 Münster
2897-0, asb-ms@muenster.de
www.muenster.org/asb/index.htm
Die Stadt Münster fördert allgemein einen Fahrdienst für Menschen mit Behinderung, die in ihrem Behindertenausweis »außergewöhnlich gehbehindert« vermerkt haben und auf deren Namen kein PKW zugelassen ist. Nähere Informationen zu diesem Fahrdienst finden Sie im Internet unter der Adresse
www.muenster.de/komm oder beim münsterschen Sozialamt:
Stadt Münster – Sozialamt
Waltraud Hölscher
Hafenstr. 8, 48153 Münster
492-5997, hoelscherw@stadt-munester.de
Hörbehinderte und gehörlose Studenten
Für Hörbehinderte und Gehörlose hält die Universität leider nur wenige bauliche bzw. technische Hilfen bereit; einige große Hörsäle und Seminarräume verfügen über Induktionsschleifen.
Hörbehinderte setzen, sofern im Einzelfall geeignet, in Vorlesungen eine Mikroport-Anlage ein. Bitte erklären Sie gegebenenfalls den Hochschullehrern die Anlage, so dass sich eine erste mögliche Befremdlichkeit legt. Die Universität selbst verfügt über keine eigenen, ausleihbaren Mikroport-Anlagen. Diese lassen sich aber leicht vermittels verschiedener sog. Kostenträger, u. a. Der Krankenkassen, erwerben oder aber auch bei der Beratungsstelle des Deutschen Studentenwerks in Berlin ausleihen.
Weit schwieriger gestaltet sich für gehörlose Studentinnen und Studenten der gewöhnliche Studienalltag. In aller Regel sind Sie auf eine umfangreiche Assistenz durch einen Gebärdendolmetscher angewiesen. Zögern Sie nicht, sich rechtzeitig um einen solchen zu bemühen. In Münster finden Sie einen ersten Kontakt in folgenden Beratungsstellen.
Hörbehindertenberatung
der Paritätischen
Sozialdienste – Münsterland
Esther Lißeck
Hafenweg 6–8, 48155 Münster
(Schreib)Telefon 6185-124,
Fax 6185-145, Mobil 0173/9945697, Bildtelefon 6185-146,
hoerbehindert-ms@parisozial.de
Caritasverband Emsdetten-Greven
Beratungsstelle für
Hörgeschädigte
Bärbel Meyer
Haus der Caritas,
Josefstraße 2, 48151 Münster
53009-432, 53009-432, cv.emsd-greven-meyer@caritas-ms.de
Landschaftsverband Westfalen-Lippe
Abt. Behindertenhilfe
Renate Gärtner
Piusallee 8,
48133 Münster
591-3715, Fax 591-6576, renate.gaertner@lwl.org
oder gehoerlosenbildung@lwl.org
www.lwl.org
oder www.weiterbildungsboerse-nrw.de
Schließlich sei darauf hingewiesen, dass Sie sich immer wieder bei den Hochschullehrern um Skripte bzw. andere geeignete Unterlagen bemühen sollten, um den Veranstaltungen leichter folgen zu können.
Organisch behinderte Studenten
Für organische behinderte und kranke Studenten sind zunächst keine besonderen personellen und technischen Hilfen eingerichtet, wohl aber im Einzelfall möglich. Oft werden die erwähnten Möglichkeiten flexibler Studien- und Prüfungsbedingungen in Anspruch genommen, insbesondere längere Fristen für Haus- und Examensarbeiten.
Ein häufig auftretendes Problem ist eine längere Unterbrechung des Studiums aus gesundheitlichen Gründen und der dadurch verlorengehende Anschluss an die Kommilitonen und gewachsenen Arbeitsgruppen. Dieser Verlust ist oft schwer zu kompensieren, weshalb es sich neben der immer wieder neuen Suche nach Arbeitsgruppen empfiehlt, sich auch – nach Möglichkeiten und Interessen – in studien- bzw. semesterübergreifenden Gruppen und Vereinigungen am Hochschulort umzusehen, etwa im Hochschulsport oder in Universitätschören und -orchestern, in Hochschulgemeinden oder politischen Hochschulgruppen. Bitte nehmen Sie diesbezüglich gerne auch eine Beratung oder Begleitung bei der Zentralen Studienberatung oder bei den Studienfachberatern wahr.
Psychisch behinderte Studenten
Eine erste Anlaufstelle für psychisch behinderte Studenten wird die Zentrale Studienberatung der Universität sein. Es empfiehlt sich, einen Termin mit Herrn Koscielny zu vereinbaren (s.u.), wenn Sie Ihr Studium beginnen oder aber auch jeweils ein neues Semester planen; nicht zuletzt natürlich dann, wenn Sie im Laufe Ihres Studiums erstmals in eine psychische Krise geraten. Die psychologischen Berater der Zentralen Studienberatung stehen insbesondere für ein erstes Gespräch bereit und sind in der Lage, Ihnen einen Überblick über weitere psychotherapeutische Hilfen in Münster zu verschaffen (Psychologische Beratungsstellen, niedergelassene Psychotherapeuten und Psychiater).
Seit vielen Jahren bietet die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Westfälischen Wilhelms-Universität in Zusammenarbeit mit der Zentralen Studienberatung ein besonderes Programm zur Unterstützung psychisch behinderter Studenten an, das bundesweit zum Modell wurde. Angeboten werden sowohl ein semesterbegleitender Kurs (Gruppen mit max. 10–12 Teilnehmern) zu Fragen der Studienorganisation, Planung und Durchführung des Semesters als auch eine studienunterstützende Einzelberatung. Kurs und Beratung finden in den Räumen der Zentralen Studienberatung statt. Bitte wenden Sie sich bei Interesse an die
Zentrale Studienberatung
Volker Koscielny
Schlossplatz 5, 48149
Münster
83-22082, Fax 83-22085, volker.koscielny@uni-muenster.de
Dieses Programm hat bereits vielen Betroffenen zu einem erfolgreichen Studium verholfen. Es ist mehr als zu wünschen, dass es künftig noch eine Erweiterung erfährt, insofern als eine psychische Behinderung häufig noch falsch wahrgenommen und bagatellisiert wird.
Ansprechpartner
Zentrale StudienberatungSchlossplatz 5
48149 Münster
Tel.: +49 251 83-22357
Fax: +49 251 83-22085
zsb@uni-muenster.de

