ProTalent-Stipendiaten bei den Vereinten Nationen

Tim Wansing, Betriebswirtschaftslehre, 4. Semester Bachelor und Stefan Kahnert, Medizin, 9. Semester Staatsexamen
Stefan Kahnert (li.) und Tim Wansing (re.)
© Tim Wansing

Rückblende: Mitte 2016 waren die beiden auf die Ausschreibung des Münster MUN e.V. aufmerksam geworden, der jedes Jahr eine Delegation von Studierenden zu der UN-Simulation „National Model United Nations“ (NMUN) entsendet. Nachdem die ProTalent’ler in einem schriftlichen und mündlichen Auswahlverfahren überzeugt hatten, galt es, sich das ganze Wintersemester lang zusammen mit 14 anderen Studierenden der WWU aus verschiedenen Fachbereichen in die Geschichte und Möglichkeiten der UN einzuarbeiten und das Halten von Reden und Abfassen von Resolutionen – unter Berücksichtigung der diplomatischen Etikette und natürlich auf Englisch – zu üben. Parallel hatten die beiden auch innerhalb der Gruppe wichtige Aufgaben: Stefan Kahnert war einer der beiden Delegationsleiter und Tim Wansing gelang es u.a., der Delegation einen Termin bei der Haitianischen Botschaft in Berlin zu ermöglichen. Bei der UN-Simulation vertreten die Delegationen nämlich nicht ihr jeweiliges Heimatland, sondern müssen sich in die Position eines völlig anderen Staates einarbeiten und den Münsteranern war der Karibikstaat Haiti zugewiesen worden. „Die Botschafterin hat sich viel Zeit für uns genommen, und das hat sehr geholfen, die Position und Interessen Haitis noch besser zu verstehen und in New York in den uns jeweils zugewiesenen UN-Gremien vertreten zu können“, erinnert sich Stefan Kahnert.

Diese gründliche Vorbereitung nutzte den beiden sehr, als sie im März mit insgesamt fast 5000 anderen Studierenden aus aller Welt im Konferenzhotel nahe des Times Square zusammenkamen und über globale Fragestellungen diskutierten. „Das waren vier sehr arbeitsreiche Tage, mit offiziellen Sitzungszeiten von frühmorgens bis mitunter 23 Uhr, und auch in den Pausen wurde weiter über Resolutionsinhalte diskutiert“, erzählt Tim Wansing. Die Arbeit in den Gremien bestand aus zwei Anteilen – während der formellen Teile hielten die beiden Reden vor den ca. 300 Mitgliedern ihres Komitees, „und während der informellen Zeiten bzw. Unterbrechungen der Sitzung mussten wir uns schnell eine Arbeitsgruppe aufbauen, z.B. mit anderen Inselstaaten oder Entwicklungsländern, und dann an den Resolutionspapieren schreiben, wobei einerseits viele Ideen zusammenkamen, aber auch intensiv über einzelne Formulierungen diskutiert wurde“, berichtet Stefan Kahnert aus der Atomenergiebehörde IAEA, in der dem Medizinstudenten sein Fachwissen in Gesundheitsfragen sehr nützlich war. Nachdem die Arbeit geschafft und die Resolutionen der Münsteraner angenommen worden waren, wartete zum Abschluss noch ein besonderes Highlight: Die Closing Ceremony fand im großen Saal der echten UN-Generalversammlung statt (s. Bild) und an den Plätzen, an denen sonst die „richtigen“ Diplomaten diskutieren, wartete für die Münsteraner Gruppe dann noch eine schöne Überraschung, die Delegation wurde nämlich direkt zweimal ausgezeichnet: Einmal für ihre Gesamtleistung während der Simulation, und daneben gewann Stipendiat Stefan Kahnert noch den Outstanding Position Paper Award für die in der Vorbereitung eingereichte Darstellung von Haitis Positionen zu den Fragestellungen der IAEA.

Stolzer als auf die Auszeichnung ist er aber auf den eigenen Lerneffekt: „Gesehen zu haben, wie ich in so einer völlig ungewohnten und auch stressigen Situation arbeite, und z.B. von anderen Delegierten als Vermittler gesucht werde, ist eine schöne Erfahrung“, und auch Tim Wansing pflichtet bei: „Wir haben viel über uns selbst gelernt, aber mir hat auch dieser Geist der internationalen Kooperation gefallen, und den Prozess selber hautnah miterlebt zu haben, wie eine UN-Resolution entsteht, von der Themensetzung bis hin zum Feilschen um kleine Formulierungen, verschafft mir einen ganz neuen Blick auf die globale Entscheidungsfindung“, resümiert der politisch interessierte BWL-Student, der schon Praktika im deutschen und US-amerikanischen Parlament absolviert hat.

Insgesamt ist die UN-Simulation in New York für beide eine intensive, einmalige Erfahrung gewesen, die sie den anderen ProTalent‘lern wärmstens weiterempfehlen, nicht nur für Jura- oder Politikstudenten, sondern auch für eher fachfremde Studienrichtungen wie bei den beiden Stipendiaten. „Bewerbt Euch für die nächste Delegation, Ihr werdet viel über die zentrale Plattform der internationalen Zusammenarbeit lernen und mit einer interdisziplinären Gruppen von Münsteraner Studierenden zu einer Delegation zusammenwachsen, und Euch werden sich Türen öffnen, die anderen verschlossen bleiben!“. Zurück zur Übersicht