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Münster (upm/ch)

Transferpreis für Verbesserung der Gel-Elektrophorese

Universität Münster vergibt mit 20.000 Euro dotierten Preis an Prof. Dr. Simone König / Feierstunde am 3. Juni
Prof. Dr. Simone König<address>© Maren König</address>
Prof. Dr. Simone König
© Maren König

Was die Säge für den Tischler ist, ist die Gel-Elektrophorese für Forscher in den Bio- und Lebenswissenschaften: ein elementares Werkzeug. Dieser Vergleich stammt von Prof. Dr. Simone König, Wissenschaftlerin an der Medizinischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU). Der Chemikerin und ihrem Team ist es gelungen, die Gel-Elektrophorese, mit der Proteine und andere Biomoleküle voneinander getrennt werden, zu optimieren. Diese Weiterentwicklung erlaubt nun einen besseren Vergleich der Ergebnisse zwischen verschiedenen Labors. Für ihre Entwicklung, die inzwischen an die SERVA Electrophoresis GmbH, Heidelberg, lizenziert wurde, erhält Simone König den mit 20.000 Euro dotierten Transferpreis 2014 der WWU. Die Auszeichnung wird bei einer Feierstunde am 3. Juni im Rahmen des Gerhard-Domagk-Jahres in Münster verliehen.

Die Gel-Elektrophorese sei die weltweit am häufigsten eingesetzte Labortechnik für ganz unterschiedliche wissenschaftliche diagnostische Aufgaben, unter anderem bei Infektionskrankheiten, heißt es in der Begründung der Jury. Das Anwendungsspektrum erweitere sich ständig, und daraus ergebe sich der Bedarf an methodischen Verbesserungen. Die Arbeit von Simone König und ihren Kollegen sei vor diesem Hintergrund ein wichtiger Beitrag, für den sich "einer der namhaftesten Hersteller von Gel-Elektrophorese-Geräten" mit Blick auf eine globale Vermarktung interessiere. Die industrielle Produktion läuft. Bereits im Sommer 2014 werden die Gele im Handel erhältlich sein, heißt es bei der Firma SERVA, die die Umsetzung und Anwendung der Erfindung durch eine eigene Entwicklung vereinfacht hat.

Das Prinzip der Gel-Elektrophorese: Geladene Moleküle wandern in einem elektrischen Feld durch ein Gel – eine Polymermatrix. Im gleichen Zeitraum kommen sie unterschiedlich weit und erzeugen ein Muster aus Banden oder Punkten, das mit speziellen Farbstoffen sichtbar gemacht werden kann. Auf diese Weise lassen sich zum Beispiel Proteingemische als Vorbereitung für weitere Untersuchungen trennen. Das Problem: Die Molekülketten, aus denen das Gel besteht, sind nie ganz gleichmäßig vernetzt, und kein Gel gleicht dem anderen exakt. Daher kann es Verzerrungen innerhalb des Strich- oder Punktmusters geben und damit Unterschiede in verschiedenen Durchläufen. Das macht die Ergebnisse zum Teil schwer vergleichbar.

Simone König, Leiterin einer Technologieplattform am Interdisziplinären Zentrum für Klinische Forschung (IZKF), hat nun mit Doreen Ackermann und der ehemaligen Doktorandin Weiqun Schneider-Wang eine Lösung entwickelt, und zwar im Rahmen eines gemeinsamen Forschungsprojektes mit der Firma "eco-LUFTQUALITÄT + RAUMKLIMA GmbH" in Köln. Mit der ausgezeichneten Technik liegen die Proteinpunkte innerhalb eines Rasters aus sogenannten Markerproteinen. Das Raster dient als Bezugsgröße. Mit einer Software lassen sich die Ergebnisse verschiedener Durchläufe auf diese Weise vergleichen. Die Fehlerquote bei der Zuordnung der Protein-Koordinaten verschiedener Gele sinke von sieben auf unter ein Prozent, erklären die Forscher. Für den Kölner Kooperationspartner, der sich als Messinstitut mit dem Nachweis von Allergenen in Innenräumen und an Arbeitsplätzen befasst, wurden damit die Voraussetzungen geschaffen, Proteinmuster in Umweltproben zukünftig zu kartieren und die Koordinaten einzelner Allergene in einer Datenbank zu speichern.

Die Umsetzung der Forschungsergebnisse zur Gel-Elektrophorese bis zur Marktreife wurde unterstützt durch Clinic Invent, das Patent- und Verwertungsbüro der Medizinischen Fakultät der WWU.

Mit dem Transferpreis zeichnet die Universität Münster seit dem Jahr 2002 besondere Leistungen von Universitätsmitgliedern beim Forschungstransfer und bei der wissenschaftlichen Kooperation mit Partnern der außeruniversitären Praxis aus.

Prof. Dr. Simone König (Lebenslauf)

Simone König studierte Theoretisch-Physikalische Chemie in Leipzig und wurde anschließend dort promoviert. Nach einem Zusatzstudium in der Umweltchemie und der Geburt von zwei Kindern ging sie für einige Jahre als Postdoktorandin in der biomolekularen Massenspektrometrie in die USA an die Nationalen Gesundheitsinstitute in Maryland. 1999 wechselte sie an das Interdisziplinäre Zentrum für Klinische Forschung der Universität Münster, unterstützt durch ein Rückkehrerstipendium des Bundesforschungsministeriums. Im Jahr 2004 habilitierte sie sich an der Medizinischen Fakultät im Bereich Biophysikalische Chemie. Seit 2008 ist die 49-Jährige, die die Technologieplattform "Proteomik" am IZKF leitet, Außerplanmäßige Professorin an der WWU.

 

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