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Münster (upm/nj)

Europäischer Forschungsrat zeichnet Chemiker der WWU aus

Dr. Jan J. Weigand erhält renommierten "Starting Grant 2012"
Dr. Jan J. Weigand<address>© Privat</address>
Dr. Jan J. Weigand
© Privat

Dr. Jan J. Weigand vom Institut für Anorganische und Analytische Chemie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) hat die begehrteste Förderung für den wissenschaftlichen Nachwuchs in Europa erhalten: Der Europäische Forschungsrat (ERC) zeichnete den 38-Jährigen mit dem "ERC Starting Grant 2012" aus. Das Programm des ERC unterstützt führende Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler bei innovativen Forschungsprojekten. Mit der Auszeichnung ist eine Förderung von mehr als 1,4 Millionen Euro für fünf Jahre verbunden. "Ich bin sehr froh und natürlich auch ein bisschen stolz", betont Jan Weigand, der die guten Arbeitsmöglichkeiten und den Teamgeist in seinem Institut hervorhebt. "Das exzellente Forschungsumfeld in Münster hat einen sehr wichtigen Beitrag zu diesem Erfolg geleistet."

Für Jan Weigand ist der "ERC Starting Grant" die jüngste und prestigeträchtigste in einer Reihe von Auszeichnungen, die ihm bereits zuteil wurden. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker zeichnete ihn beispielsweise 2011 mit dem Wöhler-Nachwuchspreis aus. Sowohl die Alexander-von-Humboldt-Stiftung als auch der Fonds der Chemischen Industrie gewährten ihm jeweils ein Stipendium. 2010 erhielt der Chemiker zudem eine Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft über 1,6 Millionen Euro für fünf Jahre.

Jan Weigand promovierte 2005 an der LMU München und wechselte im Oktober 2007 – nach einem Postdoktorat an der Universität Halifax in Kanada – an das Institut für Anorganische und Analytische Chemie der WWU. Er ist derzeit als selbstständiger Nachwuchsgruppenleiter in Forschung und Lehre tätig und fertigt seine Habilitation unter der Mentorenschaft von Prof. Ekkehardt Hahn an.

Im Mittelpunkt der Forschungsarbeit von Jan Weigand steht das Element Phosphor. Der Wissenschaftler widmet sich in erster Linie der Erforschung fundamental wichtiger Phosphorverbindungen und der Entwicklung effizienter und umweltschonender Synthesewege zu neuartigen, phosphorbasierten Materialien mit ungewöhnlichen Eigenschaften. Mit der Förderung unterstützt der ERC sein "SynPhos"-Projekt und damit die Entwicklung hochreaktiver Phosphorreagenzien, die sich für eine gezielte Synthese einsetzen lassen. Der besondere Clou: Der in diesen Reagenzien enthaltene Phosphor kann entweder recycelt werden oder Verbindungen bilden, die industriell verwertet werden können. Innovative Synthese- und Recyclingstrategien ermöglichen, ursprünglich industriell nutzlose Nebenprodukte oder auch gefährliche Nebenprodukte aus der Atomindustrie bei der Synthese von Kernbrennstoff – wie etwa Uranhexafluorid – in wertvolle, wirtschaftlich nutzbare Produkte umzuwandeln. "Ein besonderes Augenmerk unserer Forschung liegt dabei auf ressourcenschonenden und effizienten Synthesen. Denn Nachhaltigkeit wird in der modernen Chemie zunehmend wichtiger", betont Jan Weigand.

Der "ERC Starting Grant" als wichtigste europäische Auszeichnung unterstützt Nachwuchswissenschaftler, um ihre Laufbahn auf höchstem Niveau und unabhängig weiter zu entwickeln. Mit diesem Preis fördert der Europäische Forschungsrat gezielt herausragende Forschungstalente in Europa. Auswahlkriterium der Auszeichnung ist ausschließlich die wissenschaftliche Exzellenz des Antragstellers – sie wird in einem zweistufigen Prozess evaluiert.

In diesem Jahr gingen 4700 Anträge in drei Fachbereichen (Life Sciences, Physical Sciences and Engineering sowie Sciences and Humanities) ein - 536 Projekte davon bewilligte der Europäische Forschungsrat. Nach Deutschland gingen 78 „Starting Grants".

Mit Jan Weigand ist mittlerweile der dritte Nachwuchsforscher der WWU mit einem "ERC Starting Grant" ausgezeichnet worden. Darüber hinaus forschen an der Universität Münster aktuell vier Spitzenforscher, die der EU-Forschungsrat mit einem "Advanced Investigators Grant" ausgezeichnet hat. Der "Advanced Grant" ist der höchste EU-Wissenschaftspreis - er wird an exzellente, in ihrem Forschungsfeld bereits etablierte Wissenschaftler vergeben.

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