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Münster (upm/kk)

Rektorat zeichnet Autoren der besten Dissertationen aus

Festakt mit Ehrung im Schloss / 7.500 Euro Preisgeld
WWU-Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels (l.) und Prorektorin Prof. Dr. Monika Stoll (r.) mit den Preisträgern 2017: Dr. Maximilian Holtgrave, Anika Barbara Rupflin, Dr. Gerrit Budde, Dr. Jonas Franz (v.l.)<address>© WWU - Peter Leßmann</address>
WWU-Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels (l.) und Prorektorin Prof. Dr. Monika Stoll (r.) mit den Preisträgern 2017: Dr. Maximilian Holtgrave, Anika Barbara Rupflin, Dr. Gerrit Budde, Dr. Jonas Franz (v.l.)
© WWU - Peter Leßmann

Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist für die Westfälische Wilhelms-Universität Münster (WWU) eine zentrale strategische Aufgabe. Die Vergabe der Dissertationspreise für exzellente Promotionen gehört an der WWU traditionell dazu. Sechs Absolventinnen und Absolventen erhielten dieses Jahr den Dissertationspreis als Anerkennung für außergewöhnliche Doktorarbeiten. Ihnen zu Ehren lud das WWU-Rektorat am 1. Dezember zu einem Empfang in die Aula im münsterschen Schloss ein. Der Preis ist mit jeweils 7.500 Euro dotiert und dient der Förderung von Forschungsarbeiten der Preisträger.

Mit Dissertationspreisen wurden gewürdigt der Theologe Matthias Schleiff, der ein teleologisches Argument für die Existenz eines Schöpfers der Welt entwickelte und die Rechtwissenschaftlerin Anne Gläßner für eine Arbeit über psychologische Erkenntnisse zum menschlichen Entscheidungsverhalten bei der Gesetzgebung. Darüber hinaus ging der Preis an den Wirtschaftswissenschaftler Maximilian Holtgrave, der die Partnerschaften zwischen Firmen und Lieferanten analysierte, den Mediziner Jonas Franz für ein Verfahren zur automatisierten Vermessung der Zelloberfläche, die Historikerin Annika Barbara Rupflin, die ihre Arbeit über die umkämpften Menschenrechte in Argentinien verfasste sowie an den Geowissenschaftler Gerrit Budde für eine Arbeit über die frühe Entwicklung unseres Sonnensystems.

Die Preisträger und ihre Arbeiten im Einzelnen:

Matthias Schleiff (Evangelisch-Theologische Fakultät)
Thema: "Schöpfung, Zufall oder viele Universen? Ein teleologisches Argument aus der Feinabstimmung der Naturkonstanten"
Betreuer: Prof. Dr. Dr. Michael Beintker

Wenn die Naturkonstanten, die die Gestalt unseres Universums bestimmen, nur minimal andere Werte angenommen hätten, hätte sich nie bewusstes Leben darin entwickeln können - Physiker sprechen in diesem Zusammenhang vom Phänomen der „Feinabstimmung“. In seiner Arbeit entwickelt Matthias Schleiff daraus ein teleologisches Argument für die Existenz eines Schöpfers. Teleologische Argumente gehören zu den sogenannten klassischen Gottesbeweisen. Sie schließen von der Ordnung in der Welt auf einen ersten Ordner. Wie aber steht es um die Chancen eines solchen Arguments unter den Bedingungen naturwissenschaftlichen Denkens? Die Arbeit kommt zu einem positiven Ergebnis: Da Naturwissenschaften Ordnungen immer genauer beschreiben, machen sie das teleologische Argument – anders als manche erwarten – grundsätzlich nicht schlechter, sondern besser. Das lässt sich auch am Phänomen der Feinabstimmung zeigen: Die Arbeit wägt verschiedene Hypothesen zu seiner Erklärung ab und sieht als beste Hypothese die Annahme einer zielgerichteten Schöpfung. Mit den Einsichten moderner Naturwissenschaft gewinnt so ein altes Gottesargument neue Beweiskraft.

Dr. Anne Gläßner (Rechtswissenschaftliche Fakultät)
Thema: "Die Beschränkung des Vertriebs von Finanzprodukten - Eine verhaltensökonomische und regulierungstheoretische Analyse des Kleinanlegerschutzgesetzes"
Betreuer: Prof. Dr. Matthias Casper

In der Arbeit geht es darum, wie psychologische Erkenntnisse zum menschlichen Entscheidungsverhalten bei der Gesetzgebung berücksichtigt werden. Anleger werden am Kapitalmarkt traditionell durch Informationspflichten geschützt: Der Anbieter muss umfassend und wahrheitsgemäß über sein Produkt informieren. Die meisten Menschen können diese Fülle an Informationen nicht richtig verarbeiten, sodass es zu Fehlentscheidungen kommt, die wiederum zu Fehlinvestitionen führen. Anne Gläßner untersuchte, wie der Gesetzgeber bessere Anlageentscheidungen fördern kann. Um einen angemessenen Ausgleich zu schaffen zwischen dem Interesse an "richtigen" Anlageentscheidungen und der Freiheit, sein Geld auch unvernünftig einzusetzen, hat sie in ihrer Dissertation ein dreistufiges Regulierungsmodell entwickelt.

Dr. Maximilian Holtgrave (Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät)
Thema: "Interorganizational Collaboration: Empirical Contributions to Supply Chain Research"
Betreuer: Prof. Dr. Gerhard Schewe

Die Dissertation befasst sich mit den Motiven und dem Management der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und ihren Lieferanten. Das Ziel solcher Partnerschaften ist es, die eigene Lieferkette (Supply Chain) zu einem schlagkräftigen Instrument im globalen Wettbewerb zu machen. Die Arbeit zeigt, dass eine enge Zusammenarbeit in der Supply Chain den Unternehmen nicht nur vertiefte Möglichkeiten zum Informationsaustausch bietet, sondern darüber hinaus Lernprozesse innerhalb eines Unternehmens anstoßen kann, die im globalen Wettbewerb einen gewichtigen Vorteil darstellen. Hinsichtlich des Managements solcher Unternehmenspartnerschaften offenbart die Arbeit Wege und Instrumente, wie Unternehmen ihre Lieferanten kontrollieren können, ohne dabei die Vertrauensbasis zwischen den Partnern zu untergraben. Dies ist insbesondere dann von Bedeutung, wenn es zu einem Konflikt zwischen den Partnern kommt. Denn wie die Arbeit zeigt, hat das Ausmaß an Vertrauen zwischen zwei Unternehmen maßgeblichen Einfluss darauf, ob Konflikte einvernehmlich gelöst werden können.

Dr. Jonas Franz (Medizinische Fakultät)
Thema: "Rasterkraftmikroskopie: Endotheliale Inflammation und atopische Dermatitis"
Betreuer: Prof. Dr. Christian Stock

Die Arbeit befasst sich mit der Frage: Wie erkennt man eine entzündete Zelle, wenn sie fast gesund aussieht, sprich die "normale" Lichtmikroskopie keinen Unterschied erkennt? Dafür wurden Endothelzellen, die unsere Blutgefäße von innen auskleiden, mit einem Rasterkraftmikroskop untersucht. Dieses Rasterkraftmikroskop tastet mit einer Art Schallplattennadel die Oberfläche der Zellen ab. Durch diese Mikroskopietechnik erhält man ein nanometergenaues Bild der Zelloberfläche, und sie zeigte Tentakel-ähnliche Strukturen auf der Oberfläche entzündeter Zellen. Mit diesen Nanotentakeln können die Endothelzellen der Blutgefäßwand mit dem Blutstrom schwimmende Abwehrzellen (weiße Blutkörperchen) einfangen und an den Ort der Entzündung holen. Dabei zeigte Jonas Franz, dass bestimmte Proteine, die spezifisch mit Abwehrzellen interagieren, auf der Spitze dieser Nanostrukturen sitzen und somit die Bindung von Endothelzelle und Abwehrzelle verstärken. Dieses Verfahren kann beispielsweise bei der Erkennung von Neurodermitis helfen.

Anika Barbara Rupflin (Fachbereich Geschichte/Philosophie)
Thema: "Umkämpfte Menschenrechte - Katholische Kirche und Militärdiktatur in Argentinien (1976-1983)"
Betreuerin: Prof. Dr. Silke Hensel

Die Studie befasst sich mit den vom Staat verübten Menschenrechtsverbrechen während der letzten argentinischen Diktatur in den 1976 bis 1983. Zentral ist dabei die Haltung der katholischen Kirche zu diesen Verbrechen. Dabei wird einerseits die Rolle der Bischöfe beleuchtet, deren Haltung aufgrund einer Analyse interner Papiere differenziert dargestellt wird. Andererseits nimmt die Arbeit eine mikrohistorische Perspektive ein. Sie untersucht, wie katholische Laien, deren Angehörige Opfer der Militärdiktatur waren, ihre Handlungsspielräume gegenüber dem Militär über die Unterstützung der Kirche oder die Einbindung ihrer Anliegen in kirchliche Rituale auszuweiten versuchten.

Dr. Gerrit Budde (Fachbereich Geowissenschaften)
Thema: "Isotopic constraints on the accretion of planetesimals, the origin of chondrules and the genetic heritage of meteorites"
Betreuer: Prof. Dr. Thorsten Kleine

Die Doktorarbeit beschäftigt sich mit der frühen Entwicklung unseres Sonnensystems und der Bildung von Planeten. Direkte Einblicke in diese Prozesse liefern uns Meteorite – extraterrestrische Gesteinsbrocken, die seit ihrer Entstehung zu Beginn des Sonnensystems vor etwa 4,5 Milliarden Jahren unverändert geblieben sind. So konnte er durch die Analyse von Wolfram- und Molybdän-Isotopen in Meteoriten zeigen, dass sogenannte Chondren (millimetergroße Kügelchen) wahrscheinlich eine entscheidende Rolle zu Beginn der Planetenbildung spielten. Des Weiteren enthüllten diese Untersuchungen, dass unser Sonnensystem in den ersten Millionen Jahren zweigeteilt war, wobei die Trennung von innerem und äußerem Sonnensystem vermutlich auf die frühe Entstehung Jupiters zurückzuführen ist.