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Münster (upm/ja)

"Offizielle Ticket-Zweitmärkte sind sinnvoll"

Jurist Julian Fischer promovierte über den Weiterverkauf von Eintrittskarten
Seit Jahren heiß begehrt: Tickets von Borussia Dortmund<address>© Borussia Dortmund</address>
Seit Jahren heiß begehrt: Tickets von Borussia Dortmund
© Borussia Dortmund

Dem boomenden Schwarzmarkt für Fußball-Tickets oder andere begehrte Eintrittskarten wie etwa für Musikkonzerte ist nur schwer beizukommen. Diese Geschäftemacherei ist in vielerlei Hinsicht problematisch: Die Preise für beliebte Ereignisse auf diesem sogenannten Ticket-Zweitmarkt sind oft sehr hoch, der Weiterverkauf ist in den meisten Fällen illegal und wird durch die "Allgemeinen Geschäftsbedingungen" (AGB) ausgeschlossen. Hinzu kommt die soziale Komponente. "Geringverdiener, insbesondere Menschen aus unteren Bevölkerungsschichten, sind von solchen Ticketverkäufen ausgeschlossen", sagt Julian Fischer, Absolvent der Universität Münster.

Der Jurist, der sich in seiner Dissertation mit der rechtlichen Seite des Weiterverkaufs von Eintrittskarten beschäftigte, sieht einen Ausweg. "Vereine oder Veranstalter sollten verstärkt selbst einen offiziellen Ticket-Zweitmarkt ins Leben rufen. Borussia Dortmund hat dies zu Beginn der Bundesligasaison 2017/2018 getan." Der Vorteil bestehe darin, erläutert Julian Fischer, dass der Ticket-Verkäufer seine Karte kurzfristig weitergeben könne – Sperrung und Neuausgabe der Tickets erfolge durch den Veranstalter. "Und der Ticket-Käufer kann sicher sein, dass er auf legale Art und Weise ein gültiges Ticket erwirbt."

Ob dies jedoch die Lösung zur Bekämpfung des Ticket-Schwarzmarktes sei, werde erst die Zeit zeigen. "Kommerzielle Internetseiten, über die ein Vielfaches des Originalpreises zu erzielen sei, locken viele Menschen natürlich sehr an."

In seiner rechtswissenschaftlichen Promotionsarbeit fragte Julian Fischer konkret, inwiefern Veranstalter den Ticket-Weiterverkauf mittels AGB untersagen dürfen. Die Beantwortung dieser Fragestellung ist komplex. Sie vereint neben gesellschaftlich relevanten Themen wie die Gewährleistung der Stadionsicherheit und den allgemeinen Zugang zu kulturellen Veranstaltungen auch wirtschaftliche Überlegungen.

Dr. Julian Fischer<address>© WWU - privat</address>
Dr. Julian Fischer
© WWU - privat
"Wieso soll ein Ticketbesitzer seine Karte – anders als der Besitzer eines Gemäldes oder einer Briefmarke – nicht zu einem höheren Marktpreis verkaufen dürfen?", wirft der Jurist eine gängige Frage auf. Im Ergebnis rechtfertigt nach Ansicht des Promovierten allein die soziale Komponente des Ticketmarktes ein derartiges Weiterverkaufsverbot.

"Sport- und andere Veranstaltungen erschöpfen sich nicht nur in ihrem reinen Unterhaltungswert, sondern übernehmen auch eine gesellschaftliche Funktion." Bedeutsam sei deshalb, dass sich Vereine dieser Verantwortung bewusst sind und dies nicht durch eigene Kooperationen mit kommerziellen Ticketanbietern untergraben. Schließlich dürften, meint Julian Fischer, besonders interessante Veranstaltungen oder Sportereignisse nicht nur der "oberen Bevölkerungsschicht" vorbehalten bleiben.

Originalquelle:
Julian Fischer, "Die Weiterveräußerung von Eintrittskarten", ISBN 978-3-8300-9230-8)