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Münster (upm/ja/nor)

Neujahrsempfang steht im Zeichen Europas

400 Gäste im Schloss / Vergabe der Universitäts-Preise
Rektorin Prof. Dr. Ursula Nelles (vorn, Mitte) begrüßte und beglückwünschte die Preisträgerinnen und Preisträger der Universitätspreise 2015.© WWU - Peter Grewer
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Es waren nicht wenige Gäste des Neujahrsempfangs der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU), die am Freitagabend bei ihrem Gang in Richtung Schloss einen Moment lang bewusst vor dem Haupteingang stehenblieben und die Fassadenansicht kurz und bündig kommentierten: "Wow!" Tatsächlich bot sich den rund 400 Besuchern ein ebenso ungewöhnlicher wie spektakulärer Anblick: Der kroatische Installationskünstler Goran Petercol hatte das Schloss mit Hilfe von Licht beziehungsweise verdunkelnden Vorhängen in eine dunkle und eine gleißend helle Hälfte verwandelt.

Nur zu häufig ist die Realität in zwei Hälften unterteilt, lautet die Botschaft des 66-jährigen Künstlers, der sein Können schon bei  zahlreichen Biennale-Teilnahmen und auf Ausstellungen unter Beweis gestellt hat. So sei Europa während des Kalten Krieges beispielsweise in Ost und West unterteilt gewesen, auch das große Friedensprojekt Europa zeichne sich durch die Unterscheidung von EU- und Nicht-EU-Staaten aus. Eine gute Nachricht für all diejenigen, die am Freitagabend nicht die Gelegenheit hatten, das Kunstwerk zu bestaunen: Die Installation wird noch bis zum 13. Januar an jedem Abend zu sehen sein.

Überhaupt prägte Europa den gesamten Empfang. Nachdem die WWU bereits im Dezember 2015 ein "WWU Centrum Europa" mit Prof. Dr. Jörg Becker an der Spitze gegründet hatte, kündigte Rektorin Prof. Dr. Ursula Nelles an, dass die WWU noch in diesem Jahr als dritte deutsche Hochschule eine eigene Anlaufstelle in Brüssel eröffnen wird - in Form eines Büros in der nordrhein-westfälischen Landesvertretung. Ziel ist es vor allem, die bereits zahlreichen Europa-Aktivitäten der WWU-Wissenschaftler zu bündeln und gleichzeitig neue Forschungsprojekte, möglicherweise gemeinsam, zu initiieren.

Der kroatische Lichtkünstler Goran Petercol verwandelte das Schloss in eine dunkle und eine helle Hälfte.<address>© WWU - Peter Grewer</address>
Der kroatische Lichtkünstler Goran Petercol verwandelte das Schloss in eine dunkle und eine helle Hälfte.
© WWU - Peter Grewer
Während Goran Petercol außerhalb des Schlosses mit seinen Lichteffekten für großes Erstaunen sorgte, konnten die Gäste im Keller mehrere thematisch passende Kurzfilme verfolgen - beispielsweise über das europäische Erasmus-Austauschprogramm und über das deutsch-niederländische Studien- und Austauschprogramm an der WWU. Auch das Büffet war europäisch ausgerichtet: Die Besucher hatten beispielsweise die Wahl zwischen Eurotalern mit Matjeshappen, französischen Creperöllchen, italieinischen Antipasti, spanischen Tapas und Brüsseler Petits fours.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung, bei der die koreanische Pianistin Jihye Lee für die musikalische Begleitung sorgte, stand jedoch traditionell die Vergabe der Universitäts-Preise. Die Preisträger im Kurzporträt:

Die PharMSchool, ein neues Konzept für die Lehre in der Pharmazie an der WWU, erhält den mit 30.000 Euro dotierten Lehrpreis, mit dem herausragende und innovative Leistungen in Lehre, Prüfung, Beratung und Betreuung von Studierenden ausgezeichnet werden. Mit der "PharMSchool" ist es gelungen, neue fächerübergreifende Lehrveranstaltungen zu konzipieren. Die PharMSchool begleitet die Studierenden durch das gesamte viersemestrige Hauptstudium. Indem fächerübergreifende Lehrveranstaltungen neu aufgebaut, bestehende Lehrangebote verbessert und die Studierenden umfassender betreut werden, gewährleistet das Lehrkonzept ein hohes Maß an Interdisziplinarität. Der Lehrpreis wird stellvertretend an den Sprecher der PharMSchool, Prof. Dr. Klaus Langer, sowie an Dr. Nina Henrichmann, Christian Thöle, Dr. Frauke Weber und Lisa Wessels vom Koordinationsteam verliehen.

Der mit insgesamt 20.000 Euro dotierte Gleichstellungspreis der Universität geht zu gleichen Teilen an die Projekte "MitKind" und an den "Philosophinnen-Salon".

Der "Philosophinnen-Salon", ein Projekt des Philosophischen Seminars, bemüht sich darum, Frauen in der Philosophie zu unterstützen und zu fördern. Drei Ziele stehen dabei im Vorgergrund. Erstens sollen die Teilnehmerinnen weibliche Vorbilder kennenlernen. Der Salon soll den Teilnehmerinnen zweitens als ein geschützter Raum dienen, in dem sie unterschiedliche Argumentationsstile ausprobieren können. Schließlich soll ihre Sensibilität zu Fragen der Frauenförderung erhöht werden. Hintergrund ist, dass Studien zufolge Frauen in der Philosophie unterrepräsentiert sind. Obwohl der Frauenanteil bei den Studienanfängern eher hoch ist, sinkt er mit Blick auf die höheren Karrierestufen deutlich. In Folge dessen geht häufig das Interesse von Frauen an einer wissenschaftlichen Karriere zurück – diese Entwicklung ist in der Philosophie deutlich ausgeprägter als in anderen Fächern der Geistes- und Sozialwissenschaften. Der Philosophinnen-Salon an der WWU soll Ortsgruppe des 2012 in Berlin gegründeten "Vereins zur Förderung von Frauen in der Philosophie" werden. Die Jury bewertet den Philosophinnen-Salon auch deswegen als preiswürdig, weil er eine große Gruppe von Nachwuchswissenschaftlerinnen anspricht. Zudem lässt sich das Angebot sowohl lokal, national als auch international mit ähnlichen Initiativen kombinieren.

Das Projekt "MitKind" der Medizinischen Fakultät hat das Ziel, optimale Bedingungen zur Vereinbarkeit von Familie und Studium zu bieten. So werden junge Medizinstudierende mit Familienwunsch oder -planung unterstützt, einerseits ihr Studium zu bewältigen und andererseits dem Kind und der Familie genug Platz einzuräumen. So kann später die berufliche Karriere fachlich kompetent begonnen werden. Eine spätere Elternzeit und die Kleinkinderziehung entfallen möglicherweise sogar. Der Studiendekan der medizinischen Fakultät und geschäftsführende Direktor des Instituts für Ausbildung und Studienangelegenheiten, Dr. Bernhard Marschall, hat das Projekt initiiert. Die Bandbreite bisheriger Aktivitäten umfasst digitale wie analoge Informationen, Beratungsmöglichkeiten, Vortragsreihen, Veranstaltungen zum Austausch sowie Impulse zur Schaffung familienfreundlicherer curricularer Vorgaben. Die Jury betont, dass das Projekt vorbildlich auf die Bedürfnisse der Studierenden eingeht. Schließlich seien die einzelnen Angebote nachhaltig verankert.

Der mit 7.500 Euro dotierte Studierendenpreis geht an "WelcomeMünster e.V.".  Die von sieben Studierenden im Februar 2015 gegründete Initiative erleichtert Flüchtlingen das Einleben in Münster. In dem Verein engagieren sich zahlreiche Mitglieder aus unterschiedlichen Fachrichtungen der WWU. Sie organisieren und koordinieren beispielsweise regelmäßig gemeinsame Aktivitäten und bieten den Flüchtlingen an genau den Stellen Hilfe, wo sie sie brauchen. Die Jury lobt das große und zielstrebige Engagement der Studierenden. Sie bündeln vielfältige Initiativen und Hilfsangebote für Flüchtlinge und setzen mit dieser konkreten Hilfe ein wichtiges Signal für die WWU. Stellvertretend geht der Preis an den 1. Vorsitzenden von WelcomeMünster, Jakob Heering, sowie an den 2. und an die 3. Vorsitzende, Konstantin Fasselt und Sophie Gurland.

Sechs WWU-Absolventen erhalten einen Dissertationspreis, der mit jeweils 7.500 Euro dotiert ist:

Katholisch-Theologische Fakultät:
Dr. Christian Hengstermann ("Origenes und der Ursprung der Freiheitsmetaphysik")

Rechtswissenschaftliche Fakultät:
Dr. David Kästle-Lamparter ("Welt der Kommentare – Struktur, Funktion und Stellenwert juristischer Kommentare in Geschichte und Gegenwart")

Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät:
Dr. Philipp Romeike ("Effective Management of Virtual Work Relationships – Empirical Contributions to Leadership Research")

Medizinische Fakultät:
Dr. Laura Tegtmeyer ("Phosphoglukomutase 1-Defizienz – molekulargenetische Entschlüsselung und klinisch-biochemische Charakterisierung eines neuen Stoffwechseldefekts")

Fachbereich Philologie:
Dr. Maria Horsthemke ("une manière analogue de déformer le temps. Simultaneität und Totalität bei Carl Einstein und Marcel Proust")

Fachbereich Physik:
Dr. Stephan Rosendahl ("Gas purification of the XENON dark matter search")
 

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