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Münster (upm/ja)

Die dunklen Zwanziger

Studierende zeigen und kommentieren den Stummfilm "Die freudlose Gasse" am 28. Januar im Cinema
Aus &quot;Die freundlose Gasse&quot;: Der Fleischer Josef Geiringer (Werner Krauß) mit zwei Gelegenheitsprostituierten in der Melchiorgasse<address>© Cinema</address>
Aus "Die freudlose Gasse": Der Fleischer Josef Geiringer (Werner Krauß) mit zwei Gelegenheitsprostituierten in der Melchiorgasse
© Cinema

Wer wissen wolle, was Inflation sei, solle sich den Film "Die freudlose Gasse" (1925) ansehen. Dies befand 1927 ein französischer Abgeordneter während einer Parlamentsdebatte. In der Tat zeichnet der Film ein sehr trostloses Bild der Wiener Zeit zu Beginn der 1920er Jahre: Hunger, Not, Elend und Rücksichtslosigkeit bestimmen das Leben. Am Mittwoch, 28. Januar, ab 19 Uhr zeigen die Abteilung für Westfälische Landesgeschichte des Historischen Seminars der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) und der Verein "Die Linse" den Stummfilm-Klassiker mit Greta Garbo und Asta Nielsen in Münsters Filmtheater "Cinema", Warendorfer Straße 45. Interessierte sind willkommen, der Eintritt beträgt 7,50 Euro, ermäßigt 6 Euro. Nach dem Film ist eine offene Diskussionsrunde vorgesehen.

Zum Hintergrund der Filmvorführung: Im Rahmen einer Lehrveranstaltung über das Kino der Weimarer Republik erarbeiteten WWU-Studierende der Geschichtswissenschaft eine historische Einordnung des Filmes in die Zeit und die Lebensverhältnisse nach dem Ersten Weltkrieg.

Gezeigt wird die aufwendig restaurierte Fassung des Filmmuseums München, die vollständiger ist als alle bisher bekannten Versionen. Aufgrund seines brisanten Inhalts – das Thema sexuelle Ausbeutung durchzieht den gesamten Film – war er mehrfach stark zensiert worden. Noch heute trägt er deshalb den zweifelhaften Titel "meistzensierter Film der deutschen Filmgeschichte". "Die freudlose Gasse" illustriert jene andere Seite eines Jahrzehnts, das heute allzu leicht "Goldene Zwanziger" genannt wird.

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