Laufende Projekte am Fachbereich Philologie


Kritische Gesamtausgabe der Werke des Schenute

Ziele des Projekts:

•    Eine gedruckte kritische Edition und Übersetzung des Korpus des Schenute (Klostervorsteher in Oberägypten, 4.–5. Jh.), um dessen Schriften Wissenschaftlern, Studenten und Interessierten zugänglich zu machen und eine Basis für weitere Forschungen zu schaffen.
•    Eine internet-basierte diplomatische Ausgabe der ca. 100 fragmentarischen und zerstreuten Handschriften aus dem „Weißen Kloster“ des Schenute, die seine Werke enthalten.

Projektförderung durch Deutsche Forschungsgemeinschaft, American National Endowment for the Humanities, Aziz S. Atiya Fund for Coptic Studies, Gesellschaft zur Förderung der WWU, American Research Center in Egypt, Brigitte-und-Martin-Krause-Stiftung, Heinrich-Hertz-Stiftung

Mitarbeiter des Projekts:

•    Leiter: Prof. Dr. Stephen Emmel, WWU Münster.
•    Team aus internationalen Wissenschaftlern: Prof. Dr. Heike Behlmer (Göttingen), Dr. Anne Boud’hours (Paris), Prof. David Brakke (USA), Prof. Andrew Crislip (USA), Dr. Jean-Louis Fort (Paris), Prof. Bentley Layton (USA), Dr. Samuel Moawad (Münster), Prof. Tito Orlandi (Rom), Prof. Zlatko Pleše (USA), PD Dr. Tonio Sebastian Richter (Leipzig), Dr. Sofía Torallas Tovar (Madrid), Prof. em. Frederik Wisse (Kanada); berantend: Dr. Wolf-Peter Funk (Kanada), Prof. Ariel Shisha-Halevy (Israel).
•    Münsteraner Hilfskräfte: Sina Becker, M.A. (wiss. Mitarbeiterin); Nina Simone Lau (stud. Hilfskraft).

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Stephen Emmel
Institut für Ägyptologie und Koptologie
Schlaunstraße 2, 48143 Münster
Tel.: 0251 83 24940 (Emmel) oder 24537 (Frau Beermann, Sekretariat) oder 29813 (Frau Becker, WMA)
Email: emmstel@uni-muenster.de

Erstpublikation von 119 noch nicht edierten Papyrus-Seiten des koptisch-manichäischen Psalmenbuches in der Chester Beatty Library

Der noch nicht publizierte 1. Teil des antiken koptischen Papyrus-Codex des manichäischen „Psalmenbuches“ ist trotz der Faksimile-Ausgabe von S. Giversen (The Manichaean Coptic Papyri in the Chester Beatty Library, Bd. 3, Psalm Book Part I, Facsimile Edition [CdO 16], Genf 1988), die 344 Tafeln umfasst, selbst der koptologischen Fachwelt nur äußerst eingeschränkt zugänglich. Die schwere Lesbarkeit der Texte erfordert eine Bearbeitung von Spezialisten, die den Codex weiteren Kreisen, wie z. B. Religionswissenschaftlern, zugänglich machen. Die mit transkribiertem koptischem Text und deutscher Übersetzung zu publizierenden Seiten sind unter den drei Bearbeitern Dr. N.A. Pedersen (Kopenhagen), PD Dr. S.G. Richter (Münster) und PD Dr. G. Wurst (Münster) aufgeteilt. Alle drei zeichnen sich durch langjährige Erfahrung auf dem Gebiet der Manichäismusforschung aus.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Stephen Emmel
Institut für Ägyptologie und Koptologie
Schlaunstraße 2, 48143 Münster
Tel.: +49 251 83-24940 (Emmel) oder
24537 (Frau Beermann, Sekretariat) oder
29813 (Frau Becker, WMA)
emmstel@uni-muenster.de

Edition des Kitab Suluk Duwal al-Muluk von Ibn Nubata

Ibn Nubata al-Misri (Kairo, Damaskus 1287-1366) war einer der führenden Literaten und Intellektuellen seiner Zeit. Im Jahre 1332 – genau 200 Jahre vor dem Erscheinen des Principe von Machiavelli – widmete er dem Fürsten von Hama einen Herrscherratgeber, der dem Principe an „Machiavellismus“ um nichts nachsteht und eine völlig säkulare Vorstellung von Politik zum Ausdruck bringt. Das Werk zeigt, dass man im Islam sehr wohl Politik und Religion trennen konnte und soll deshalb in der nächsten Antragsphase des Excellenzclusters 'Religion und Politik' eingehender untersucht werden.
Ein erster, gescheiterter Editionsversuch (Beirut 2006) berücksichtigte nur eine Handschrift, ließ mehr als ein Drittel des Textes unberücksichtigt und entstellt den Rest des Textes durch zahllose Fehler. Es muss also erst eine zuverlässige Edition erarbeitet werden. Den Bearbeitern (Thomas Bauer, Housam Abu-Eta und Salah al-Maraqa) stehen hierfür drei gute Handschriften zur Verfügung, die überdies zwei Textfassungen (die Widmungsfassung für den Fürsten und die für ein breiteres Publikum bearbeitete veröffentlichte Fassung) repräsentieren.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Thomas Bauer
Institut für Arabistik und Islamwissenschaft
Schlaunstraße 2
Zimmer 214
48143 Münster
Tel.: +49 251 83 - 24571
sindibad@uni-muenster.de

Housam Abu-Eta
Exzellenzcluster ‘Religion und Politik’ Forschungsfeld A
Domplatz 20-22
Zimmer 340
48143 Münster
Tel.: +49 251 83 – 23215
sahraa21@t-online.de

DFG-Projekt: Der Dīwān des Ibrāhīm al-Miʿmār (gest. 749/1348)
Kritische Edition

Ibrāhīm al-Miʿmār (gest. 749/1348), Steinmetz und Architekt in Kairo, ist der bedeutendste volkstümliche Dichter aus der Handwerkerschicht der Mamlukenzeit (1250-1517). Sein in (mindestens) sieben Handschriften erhaltener Dīwān ist die umfangreichste Sammlung populärer Poesie des Orients vor der Osmanenzeit. Er enthält in der längeren Rezension rund 500 Epigramme, ein hochsprachliches Strophengedicht (muwaššaḥ), eine Maqame, 34 Vierzeiler im Dialekt (mawwāl) sowie ein Dutzend umgangssprachlicher Strophengedichte (zağal und bullayq). Der Dīwān ist nicht nur literaturgeschichtlich interessant, sondern auch eine erstrangige Quelle für die historische Dialektologie, vor allem aber für die Sozial- und die Mentalitätsgeschichte, erlaubt er doch einen authentischen Einblick in die Welt der urbanen Mittelschichten der Mamlukenzeit. Die bevorzugten Sujets al-Miʿmārs sind Liebe, Sexualität und Drogen (Wein, Haschisch, Bier). Daneben werden Kairo und der Nil sowie Feste und Spiele (Schach und Nard) thematisiert. Häufig finden sich auch Satiren und kritische Reflexionen der politischen, gesellschaftlichen und religiösen Zustände.


Ansprechpartner:
Prof. Dr. Thomas Bauer
Institut für Arabistik und Islamwissenschaft
Schlaunstraße 2
Zimmer 214
48143 Münster
Tel.: +49 251 83 - 24571
sindibad@uni-muenster.de

Dr. Anke Osigius
Institut für Arabistik und Islamwissenschaft
Schlaunstrasse 2
Zimmer 354
48143 Münster
Tel.: +49 251 83 – 29844
anke.osigus@web.de

Edition des Kashf al-Litham 'an Wajh at-Tawriya wa-l-Istikhdam
von Ibn Hijja al-Hamawi

Nachdem die arabisch-islamische Rhetorik bis zum 14. Jhdt. einem Prozeß der Systematisierung und Standardisierung – vor allem durch as-Sakkaki (gest. 1229) und al-Qazwini (gest. 1338) – unterworfen war, begannen die arabisch-islamischen Rhetoriker sodann, ihre Aufmerksamkeit konkreten Einzelaspekten der Rhetorik zu widmen. Es entstand eine Reihe von Schriften, die nicht den Anspruch erhoben, ein Lehrkompendium des gesamten Rhetorikstoffes zu beinhalten, sondern die stattdessen ihre Bemühungen auf Einzelthemen konzentrierten, die nicht alle zu den klasischen Hauptgebieten der Rhetorik gehörten. Zugleich entbrannte zwischen den Rhetorikern ein Fachdisput, der sich in Form von Streitschriften manifestierte.
Unter diesen Rahmenbedingungen ist die Schrift ‘kashf al-Litham an wghh at-Tawriya wa-l-istikhdam von Ibn Highgha al-Hamawi (gest. 1434) entstanden. Ibn Highgha al-Hamawi gehört zu einer Reihe von Gelehrten, die sich intensiv mit der Rhetorik beschäftigten; zu seinen Hauptwerken gehört neben der eben erwähnten noch eine andere Schrift Khizanat l-Adab, die in zwei kritischen Editionen zur Vefügung steht.
Ibn Highgha al-Hamawi bezieht mit diesem Werk deutlich Stellung für das Stilmittel at-Tawriya (Inhalt/Bedeutung) und gegen das Stilmittel al-Ghinas (Zeichen/Ausdruck). Er widerspricht damit gezielt der Position des berühmten as-Safadi, der al-Ghinas als das eloquentere Stilmittel betrachtete.
Die Edition berücksichtigt vier Handschriften, die alle gut erhalten und lesbar sind; es existiert eine fünfte Handschrift, die bis jetzt nicht konsultiert werden konnte.

Ansprechpartner:
Housam Abu-Eta
Exzellenzcluster ‘Religion und Politik’ Forschungsfeld A
Domplatz 20-22
Zimmer 340
48143 Münster
Tel.: +49 251 83 – 23215
sahraa21@t-online.de

'Breslauer Äsop' - Deutsche Reimpaarfabeln im lateinischen Textstudium.

Es handelt sich bei dem 'Breslauer Äsop' um eine Sammlung von einem halben hundert Reimpaarfabeln, die von einer heute in Breslau aufbewahrten Handschrift überliefert werden. Niedergeschrieben wurden sie um die Mitte des 15. Jahrhunderts vermutlich im Umkreis der Dominikaner und mit Blick auf ein anspruchsvolles Universitätsstudium: die Reimpaarfabeln sind nämlich regelmäßig den lateinischen Versen des 'Anonymus Neveleti' nachgestellt, einer im Schulkontext sehr verbreiteten lateinischen Fabelsammlung. Hinzu treten weiterhin ein durchgehender lateinischer Prosakommentar zum 'Anonymus Neveleti' und lateinische Glossen, Syntaxziffern und Marginalien.
Das Projekt ist als Editionsvorhaben bei der Arbeitsstelle "Deutsche Texte des Mittelalters" der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften gemeldet. Es befindet sich im Stadium der Vorbereitung. Reproduktionen der Handschrift liegen vor. Die Transkription des deutschen Textes steht vor dem Abschluss.

Ansprechpartner:
Dr. Michael Baldzuhn, M. A.
Germanistisches Institut - Abteilung Literatur des Mittelalters
Stein-Haus, Hindenburgplatz 34
48143 Münster
Zimmer: SH 114
Tel.: +49 (0)251 83-24623
michael.baldzuhn@uni-muenster.de

Jacobus Montanus: 'Centuria epistolarium formularum'

Die Edition der 1525 in Köln im Druck erschienenen 'Centuria' des westfälischen Humanisten, ostwestfälischen Reformators und Herforder Lehrers Jacobus Montanus macht ein zweisprachig lateinisch-niederdeutsches Lehrbuch zur Verfertigung lateinischer Briefe zugänglich. In ihr werden zum einen Volkssprache und Latein im niederdeutschen Raum der Zeit auf einzigartige Weise verbunden, indem den lateinischen Textteilen das Niederdeutsche in ausführlichen Prosastücken vorgeordnet wird. Zum anderen vertritt die 'Centuria' mit ihren den Prosabriefen jeweils nachgestellten, ausführlichen Listen lateinisch-niederdeutscher Synonyme die auf Stilübung ausgerichtete Phrasensammlung, die die Tradition der spätmittelalterlichen Gesprächsbüchlein weiterführt und mit dem frühneuzeitlich verbreiteten Typ der Synonymglossare verbindet. Das Projekt ist als Editionsvorhaben bei der Arbeitsstelle "Deutsche Texte des Mittelalters" der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften gemeldet. Es befindet sich im Stadium der Vorbereitung. Die beiden erhaltenen Drucke liegen vor. Die Transkription des Textes steht vor dem Abschluss.

Ansprechpartner:
Dr. Michael Baldzuhn, M. A.
Germanistisches Institut - Abteilung Literatur des Mittelalters
Stein-Haus, Hindenburgplatz 34
48143 Münster
Zimmer: SH 114
Tel.: +49 (0)251 83-24623
michael.baldzuhn@uni-muenster.de

Online.Swift – Historisch-Kritische Ausgabe der Prosa Swifts mit Variorum-Kommentar

Thema: Historisch-kritische Buch- und Online-Ausgabe der Prosa Jonathan Swifts: Textkonstitution mit (politisch-religions-wissenschafts-sozial und literar-historischer) Einleitung und Variorum-Kommentar

Projekt: Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft seit 2008 geförderte Projekt Online.Swift basiert auf den Vorarbeiten des verstorbenen Swift Herausgebers Dr. David Woolley (Perth, Western Australia, vormals London), der von Oxford University Press in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts gemeinsam mit Professor Angus Ross (University of Sussex, Brighton) mit einer neuen Ausgabe der Prosa Swifts beauftragt wurde. Diese Ausgabe wurde aus einer Vielzahl von Gründen nie abgeschlossen und gelangte nie zur Veröffentlichung. Zum ersten Mal in ihrer Textgeschichte sollte die Prosa Swifts nach den Grundsätzen der ‘neuen’ anglo-amerikanischen Bibliographie und Editionstheorie (Bowers-Greg-Tanselle) herausgegeben werden. Dieser ‘Schule’ zufolge werden alle vom Autor zu Lebzeiten vorgenommenen Wort- und Sinnvarianten in den Grundtext (copy text), in aller Regel die editio princeps, integriert, um Texte zu konstituieren, die an allen strittigen Stellen allein von Swift autorisierte Lesarten bieten. Ein weiteres Ziel des aktuellen Projektes ist es, zum ersten Mal in der Deutungsgeschichte der Prosaschriften Swifts für jeden einzelnen Text neben einer historischen Einleitung einen Kommentar bereitzustellen, der nicht nur die gesamte Deutungsgeschichte seit 1745 aufarbeitet, sondern auch die Voraussetzungen des Autors rekonstruiert und Verstehen innerhalb seines eigenen Erfahrungs- und Lesehorizontes situiert. Dafür bietet die im Ehrenpreis Institut mit über achtzig Prozent in identischen Impressa rekonstruierte Bibliothek und Lesewelt Jonathan Swifts ein geradezu ideales Arbeitsinstrument. Der Kommentar ist überdies ausdrücklich als ‘laufender,’ in progressu befindlicher Kommentar konzipiert, um ihn jederzeit der aktuellen Forschungslage anpassen zu können.

Um Texte, Einleitungen und Kommentare einer möglichst breiten, internationalen Leserschaft zugänglich zu machen, erfolgt die Publikation in Form einer Online-Ausgabe (Open Access). Dabei gilt es, den Erfordernissen der Langzeitsicherung und -archivierung Rechnung zu tragen, weshalb alle Ergebnisse in der XML-basierten Auszeichnungssprache TEI (Text Encoding Initiative) kodiert werden. Die eigentliche Online-Präsentation von Online.Swift wird auf der Grundlage dieser TEI-Dateien generiert. Darüber hinaus soll eine druckfähige und typografisch angemessene Darstellung im PDF/A-Format erzeugt werden.

Projektwebsite: http://www.online-swift.de/

Projektleiter: Dr. Dirk F. Paßmann; Prof. Dr. Hermann Josef Real
Mitarbeiterinnen: Dr. Kirsten Juhas; Eva Schaten, M.A.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Hermann Josef Real
Ehrenpreis Institut für Swift Studien
Johannisstraße12-20
48143 Münster
Tel.: +49 251 83 24548 oder +49 251 83 25613
Fax: +49 251 83 24827
realh@uni-muenster.de

Geoffrey Chaucers Pardoner's Prologue and Tale und Link 21 on CD-ROM

Im Rahmen des internationalen Projekts 'Geoffrey Chaucer's Canterbury Tales on CD-ROM' (General Editor Dr. Peter Robinson, University of Birmingham) werden die ca. 50 Manuskripte und vier Inkunabeln, in denen Chaucer's Pardoner's Prologue and Tale sowie der Link 21 tradiert sind, digitalisiert, transkribiert, kollationiert und zu einer Publikation in Form einer elektronischen Edition aufbereitet. Das Projekt steht im größeren Kontext neuerer Editonstheorien und verstärkter Bemühungen um die Erforschung komplexer Manuskripttraditionen.

Projektwebsite: http://www.canterburytalesproject.org/index.html

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Gabriele Müller-Oberhäuser
Institut für Buchwissenschaft & Textforschung    
Aegidiistr. 5
48143 Münster
Tel.: +49 251 83-26141
Fax: +49 251 83-26147
sekmo@uni-muenster.de

Neuedition des 'Tristan'
Gottfrieds von Straßburg (DFG-Projekt)

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Tomas Tomasek
Dr. Ute Nanz
Frank Schäfer
Germanistisches Institut - Abteilung Literatur des Mittelalters
Hindenburgplatz 34
48143 Münster
Tel.: +49 251 83 24412 (/24626)
tomasek@uni-muenster.de
utenanz@uni-muenster.de
f.schaefer@uni-muenster.de

Textkritische Übersetzung der Aufzeichnungen des Scheiterns und Grams (Qiongchou zhi) des Li Deyu (787–850)

Ziel des Projekts ist es, die Aufzeichnungen des Scheiterns und Grams (Qiongchou zhi 窮愁志) vollständig und erstmalig überhaupt in eine moderne Sprache zu übertragen. Die Aufzeichnungen sind ein Spätwerk des Literatenbeamten Li Deyu 李德裕 (787–850 n.Chr.), welche dieser in seiner „Verbannung“ im Süden Chinas, in den heutigen Provinzen Guangdong (Kanton) und Hainan verfasste. Nachdem er von 840 bis 846 unter Kaiser Wuzong 武宗 das Amt eines Tongping zhangshi 同平章事, in etwa das eines Kanzlers oder Premierministers, innehatte, war Li 846 von Wuzongs Nachfolger dorthin auf einen unbedeutenden Provinzposten degradiert worden. Li war involviert in die berüchtigte Huichang 會昌-Proskription des Buddhismus, die mutmaßlich schwerste Verfolgung als ausländisch geltender Religionen in der Geschichte Ostasien.
Die Aufzeichnungen sind eine Sammlung von 48 „Essays“ oder „Traktaten“ (lun 論) in vier Kapiteln (juan 卷). Ihr Umfang beträgt ca. 17.500 Schriftzeichen/  monosyllabische Wörter, und ist damit dreimal so umfangreich wie Lao Zi 老子, Daodejing 道德經 (Tao Te king). Sie sind eingerahmt von einem Vorwort, das Li selbst verfasst hat, und einem Nachwort aus dem Jahre 1159. Früheste Erwähnung in seinem heutigen Umfang finden die Aufzeichnungen im Zhizhai shulu jieti 直齋書錄解題 des Chen Zhensun 陳振孫 (ca. 1183–1262) aus dem Jahr 1238.
Das Projekt basiert auf einer festlandchinesischen Edition aus den Jahren 1999/ 2000, die aufgrund unklarer textkritischer Standards mit einer Kollation des Lu Xinyuan 陸心源 (1834–1894), welche ihren Weg in die Seikado Bunko Library 静嘉堂文庫 in Tokyo fand, verglichen werden muss. Es liefert die erste kritische Übersetzung einer größeren, kohärenten Sammlung von Prosatexten aus der Tang 唐-Zeit (618–907). Nach wie vor schlummern unzählige Einzeltexte und Textsammlungen unbearbeitet im überlieferten Schriftgut der 2000jährigen Geschichte des chinesischen Kaiserreichs.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Reinhard Emmerich
Institut für Sinologie und Ostasienkunde
Ansprechpartner:
Michael Höckelmann, M.A.
Exzellenzcluster „Religion und Politik in den Kulturen der Vormoderne und Moderne“
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Schlaunstraße 2–4
48143 Münster
mich.hoec@uni-muenster.de
+49-251-83-29835



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