Studieren mit Behinderung

Studien- und Prüfungsbedingungen

Nachteilsausgleich

Studierende, die aufgrund ihrer Behinderung oder chronischen Erkrankung die Studien- oder Prüfungsleistungen nicht in der eigentlich vorgeschriebenen Form erbringen können, haben die Möglichkeit, einen Nachteilsausgleich zu beantragen. Dies kann semesterbegleitende Prüfungen ebenso betreffen wie Modulabschlussprüfungen oder die schriftlichen Arbeiten zum Abschluss des Studiums. Die vorgeschlagene, modifizierte Form der Prüfung muss einen gleichwertigen Leistungsnachweis ermöglichen. Dieser Nachteilsausgleich stellt keine Bevorteilung der Betroffenen dar, er sorgt dafür, dass in begründeten Fällen ein individueller und angemessener Ausgleich für die oftmals massive Beeinträchtigung im Studium stattfindet. Hierdurch soll eine Chancengleichheit im Sinne der oben genannten Gesetze wiederhergestellt werden.

Beantragung von Nachteilsausgleichen bei Prüfungen und Studienleistungen
Studierende, die Nachteilsausgleiche benötigen, sollten sich rechtzeitig, in jedem Fall aber mindestens vier Wochen vor der Prüfung, mit dem zuständigen Prüfungsausschuss/Prüfungsamt, dem Prüfer oder der Prüferin in Verbindung setzen. Das ist wichtig, damit den zuständigen Instanzen noch genügend Zeit bleibt, vor Beginn der Prüfung über den Nachteilsausgleich zu entscheiden.

Nachteilsausgleiche sind immer individuell. Sie selbst wissen am besten, wo Einschränkungen vorhanden sind und wie diese ausgeglichen werden können. Das formale Procedere sollte rechtzeitig beim zuständigen Prüfungsamt erfragt werden. In der Regel wünscht das zuständige Prüfungsamt einen schriftlichen Antrag auf Nachteilsausgleich. Die von Ihnen beantragten, modifizierten Prüfungsbedingungenen müssen aber in jedem Fall benannt und begründet werden. Außerdem muss ein Nachweis der entsprechenden Beeinträchtigung – bezogen auf die Form der Prüfung – z. B. durch ein fachärztliches Attest oder einen Ausweis für schwerbehinderte Menschen beigebracht werden. Dabei sind Sie nicht verpflichtet, Ihre Diagnose preiszugeben. Wichtig ist jedoch, dass anhand der vorgelegten Unterlagen festgestellt werden kann, dass Sie aufgrund Ihrer Behinderung oder chronischen Erkrankung und der damit verbundenen Beeinträchtigungen/Symptome nicht an der Prüfung in ihrer nach der jeweiligen Prüfungsordnung vorgesehenen Form teilnehmen können. Zudem sollte der von Ihnen gestellte Antrag Ihre persön-lichen Daten und alle relevanten Informationen zu der zu modifizierenden Prüfung enthalten: den Namen des Prüfers, den Titel der Prüfung, ggf. die Kurs-Nr. aus dem QISPOS sowie Datum und Uhrzeit.

Mögliche Modifikationen von Studien- und Prüfungsordnungen:
(Liste nicht abschließend)

  • Schriftliche Ergänzungen mündlicher Prüfungen oder schriftliche statt mündlicher Prüfung (z.B. für Studierende mit Hör- oder Sprachbehinderungen)
  • Mündliche statt schriftlicher Prüfung (z.B. für blinde Studierende)
  • Hausarbeit statt Referat
  • Zeitverlängerungen für Hausarbeiten, Klausuren usw.
  • Separater Raum bei Prüfung und/oder zusätzliche Ruhepausen
  • Nutzung von technischen Hilfsmitteln (z.B. Notebook)
  • Nutzung personeller Hilfen (z.B. Gebärdensprachdolmet-scher/in, Schreibassistenz)
  • Berücksichtigung von Krankheitszeiten und eingeschränkter Arbeitsfähigkeit bei der Bemessung von Studienleistungen und Prüfungszeiträumen (z.B. Prüfungszeitverlängerung bei Abschlussarbeiten, Klausuren, Hausarbeiten etc.)
  • Nichtberücksichtigung von krankheitsbedingten/ behinderungsbedingten Prüfungsrücktritten bei der Zahl möglicher Prüfungswiederholungen
  • Ersatz der Anwesenheitspflicht durch andere Leistungen (z.B. zusätzliche Hausarbeit)
  • Modifikationen praktischer Prüfungen durch Einsatz von Assistenzen und technischen Hilfsmitteln; u.U. Ersatz durch andere Leistungen

Nachteilsausgleiche können sowohl bei Zwischen- und Ab-schlussprüfungen zur Anwendung kommen, als auch bei Leistungsnachweisen und Teilabschnitten im Studium.

Sonderfall Prüfungsrücktritt

Ein krankheitsbedingter Rücktritt von einer Prüfung ist unabhängig von einem beantragten Nachteilsausgleich möglich. Diese beiden Regelungen können nebeneinander bestehen. Der Prüfungsrücktritt muss durch eine ärztliche Bescheinigung bestätigt und dem Prüfungsamt umgehend gemeldet werden (Attest vorlegen!).

Treten während einer mündlichen oder schriftlichen Prüfung akut krankheitsbedingte Beschwerden auf, müssen diese sofort – vor Beendigung der Prüfung – angezeigt werden. Die Prüfung wird dann abgebrochen. Im Anschluss muss ein Arzt aufgesucht werden, der eine entsprechende Bescheinigung ausstellen und an das Prüfungsamt weiterleiten muss.

Beeinträchtigungen während einer Prüfung können in aller Regel im Nachhinein – also rückwirkend – nicht mehr geltend gemacht werden. In ganz seltenen, begründeten Ausnahmen kann eine krankheitsbedingte akute Beeinträchtigung in einer Prüfungssituation dazu führen, dass es dem/der Prüfungskandidaten/in nicht möglich bzw. nicht zumutbar war, rechtzeitig die Prüfung abzubrechen.

Wichtig ist:

  • Einen Anspruch auf eine bestimmte Form des Nachteilsausgleichs gibt es grundsätzlich nicht.
  • Ein Nachteilsausgleich stellt keinen Vorteil dar, sondern stellt gleiche Bedingungen wieder her.