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inforum 1/2008 - Lösung inforum-Quiz Lokführerstreik

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Lösung inforum-Quiz Lokführerstreik

E. Sturm

Passend zum Ende des Lokführerstreiks hier der Versuch einer Erklärung des Paradoxons.
Es gibt einen Wikipedia-Artikel über das „Paradoxon der unerwarteten Hinrichtung“. Das Paradoxon handelt nicht vom Bahnchef und von Streik, sondern von einem Gefangenen, der hingerichtet werden soll:

„Einem Gefangenen wird am Sonntag mitgeteilt, er werde nächste Woche hingerichtet. Allerdings würde der Termin für ihn eine Überraschung sein. Nun überlegt er sich: wenn ich am Samstag Abend noch lebe, muss ich am Sonntag hingerichtet werden, was aber keine Überraschung wäre. Also fällt der Sonntag als Hinrichtungsdatum weg. Dann weiß ich aber am Freitag Abend, wenn ich noch lebe, dass ich am Samstag hingerichtet werde – ebenfalls keine Überraschung usw., ich kann also überhaupt nicht hingerichtet werden!

Am Mittwoch taucht, unerwartet, der Henker zur Hinrichtung auf.“

Als Lösung wird angeboten:

„Setzen wir voraus, der Gefangene lebt am Samstagabend noch: Könnte er mit hundertprozentiger Sicherheit voraussagen, dass er am Sonntag hingerichtet wird? Das Paradoxon kommt dadurch zustande, dass diese Frage mit Ja beantwortet wird, die richtige Antwort ist jedoch Nein. Der Gefangene geht nämlich davon aus, dass die Aussage, er werde in der nächsten Woche überraschend hingerichtet, wahr ist; wenn er aber eine unerwartete Hinrichtung voraussetzt, kann er selbst am Samstagabend nicht davon ausgehen, dass er am Sonntag hingerichtet wird, da dies seiner eigenen Annahme widerspräche. Ergo kann der Gefangene selbst am Sonntag überraschend hingerichtet werden, womit seine Argumentation widerlegt wäre.“

Ich muss zugeben, dass ich diesen Absatz auch nach zehnmaligem Durchlesen nicht verstehe. Ich weiß einfach nicht, was gemeint ist.

Insofern habe ich dann doch die zahlreichen Zuschriften von inforum-Lesern zu Rate gezogen, um hier eine verständliche Lösung präsentieren zu können. Folgende Punkte wurden erwähnt:

  • Die Regeln müssten präzisiert werden,

  • zeitlich abhängige Prädikate sind nicht induktionsfähig.

Insgesamt habe ich mir jetzt folgende Argumentation zurechtgelegt, ob auch zu Recht, möge der Leser entscheiden!

Man könnte unterscheiden zwischen Verkündung des Streiks am Morgen des Streiktages durch den Gewerkschaftsboss und der tatsächlichen Durchführung des Streiks. Wenn man die Worte von Schell, oh pardon, des Gewerkschaftbosses, präzisiert, dann könnte man sagen:

„Wir werden entweder Montag oder Dienstag oder Mittwoch morgens den Streik für den betreffenden Tag verkünden. Wenn das dann vom Bahnchef vorausgesehen wurde, wird der Streik nicht stattfinden, sonst doch.“

Damit ist klar, dass Mittwoch wirklich nicht gestreikt werden könnte, da der Bahnchef, wenn Montag und Dienstag nichts passiert war, die Streikverkündigung am Dienstagabend für Mittwoch vorhersagen würde.

Ist jetzt eine Induktion für Dienstag und Montag möglich? Natürlich nicht, der Mittwoch ist ja als Verkündungstag nicht ausgeschlossen, sondern nur als Streiktag. Der Bahnchef kann also für Montag und Dienstag keine sichere Vorhersage treffen.

Wer mit dieser Präzisierung nicht einverstanden ist, für den gilt auf jeden Fall der Satz einer Löserin: „Da laut der Logik des Bahnchefs nie gestreikt werden kann, wird er immer vom Streik überrascht!“


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