inforum 3/1994 - 10 Jahre DFN-Verein
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Impressum10 Jahre DFN-Verein
Wissenschaftsrat fordert Hochgeschwindigkeitsnetzvon W. Held
Der Verein zur Förderung eines Deutschen Forschungsnetzes (DFN-Verein) hat in diesen Tagen sein 10jähriges Bestehen gefeiert.
Der DFN-Verein hat sich als Betreiber des Wissenschaftsnetzes (WIN) einen guten Namen gemacht. Seine umfassenden Aufgaben und Ziele hat der Wissenschaftsrat gerade begutachtet und dem DFN-Verein als Selbsthilfeeinrichtung der Wissenschaft bescheinigt, daß er den Hochschulen und der Wirtschaft eine wertvolle Infrastruktur im Bereich Datenkommunikation zur Verfügung stellt, die in vielen Fällen bereits heute zur Aufrechterhaltung einer qualifizierten Position im internationalen Wettbewerb beiträgt. Da neben anderen auch Mitarbeiter unseres Universitätsrechenzentrums zum Gelingen des DFN-Vereins beigetragen haben, freuen wir uns natürlich besonders über die außerordentlich positive Begutachtung des DFN-Vereins durch den Wissenschaftsrat.
Der DFN-Verein sorgt auch für Kommunikationsverbindungen mit dem Ausland. Ihm kommt eine wichtige Ordnungs- und Koordinierungsaufgabe zu, damit die derzeit 298 Mitgliedseinrichtungen die Dienste nutzen können. Der Verein sorgt für Beratung, Ausbildung und Informationsaustausch. Dazu hat er u. a. Nutzergruppen eingerichtet, von denen hier nur die Nutzergruppe Studierende genannt werden soll, die nach dem erfolgreichen Abschluß des DaWIN-Projektes in Münster gegründet wurde. Der DFN-Verein fördert an verschiedenen Standorten mit Mitteln des BMFT die Weiter entwicklung der elektronischen Kommunikation.
Als besonders große Aufgabe steht die Einführung eines flächendeckenden Hochgeschwindigkeitsnetzes an. Dazu sei der Wissenschaftsrat auszugsweise zitiert:
"Die Versorgung von Wissenschaft und Forschung mit Leistungen der Datenkommunikation ist auch in Zukunft unabdingbar. Die Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wissenschaft und die Sicherung des Wirtschaftstandortes Deutschland erfordern allerdings die Bereitstellung von Hochgeschwindigkeitsnetzen. ...So lassen sich z. B. Forschungsvorhaben in vielen Fällen nur noch durch überregionale oder internationale Kooperation und gemeinsame Nutzung von Informationsbeständen und Rechenkapazität durchführen. Als Beispiele können Fachdatenbanken genannt werden, die aus Kostengründen nur an wenigen Orten aufgebaut werden, oder Höchst leistungsrechner, die nur an wenigen Standorten stehen können. Auch teure Großgeräte, z. B. in der Physik, können nur an wenigen Orten vorgehalten werden und müssen von Wissenschaftlern im Verbund genutzt werden können. Ein leistungsstarkes Netz für die Kommunikation zwischen Rechnern ist die Voraussetzung dafür, daß örtlich nicht verfügbare Informationen für Wissenschaftler erreichbar sind.
Die aufgezeigte Entwicklung ist auch für die Lehre und das Studium von Bedeutung. In einer wachsenden Zahl von Fächern ist es notwendig, die Studierenden in die Nutzung der elektronischen Datenkommunikation ähnlich frühzeitig und intensiv einzuführen wie in die Benutzung der Universitätsbibliothek. Dies kann zur Entlastung der Hochschulen durch Nutzung häuslicher Arbeitsplätze und auch zur Verkürzung des Studiums beitragen.
Technische Innovationen, insbesondere die Erhöhung der Übertragungsleistung bei Netzen, erlauben es, neue Arbeitstechniken und Anwendungen zu entwickeln und einzusetzen. Interessante und wichtige Anwendungen, die sich zur Zeit in der Entwicklung befinden, sind auf Hochgeschwindigkeitsnetze, d. h. Netze mit Übertragungsraten von deutlich mehr als 100 Mbit/s, angewiesen. Beispiele für solche Nutzungsformen und Anwendungen sind:
Um international in der Forschung konkurrenzfähig zu bleiben, müssen diese neuen Arbeitstechniken genutzt werden können.
- Übertragung von hochaufgelösten Farbbildern ...
- Übertragung bewegter Bilder (Animationen) ...
- gemeinsame, schnelle Übertragung von Bild, Text, Ton und Sprache unter Echtzeitbedingungen ...
- Übertragung extrem umfangreicher Meßdaten ...
- Rückübertragung sehr umfangreicher Ergebnisse von Berechnungen (z. B. Simulationen) aus Höchstleistungs rechnern in lokale Höchstleistungsgrafiksysteme zur Auswertung und Visualisierung vor Ort;
- gleichzeitige Übertragung von vielen aufeinander folgenden und nicht abhängigen Videobildern, beispielsweise bei Videokonferenzen;
- schnelle Übertragung sehr großer Datenbestände (Bild, Text, Ton) bei der Recherche in (Bild-)Datenbanken, beim Blättern in elektronischen Dokumenten oder beim elektronischen Publizieren.
Unabhängig davon, daß einzelne Anwendungen schon für sich allein sehr schnelle Netze erfordern, wird aber der Bedarf an schnelleren Netzen auch durch die Zahl der Nutzer geprägt. Grundsätzlich ist davon auszugehen, daß die Zahl der Nutzer steigen wird und daß der Datenverkehr pro Nutzer durch ein erhöhtes weltweites Datenangebot zunehmen wird. Gleichzeitig werden auch immer mehr Nutzer Anwendungen mit hohem Kommunikationsbedarf einsetzen. Hierdurch ergeben sich eine Multiplikationswirkung und ein rasch wachsender Bedarf nach Hoch geschwindigkeitsdatennetzen. ...
In den USA wird der schnellen Datenkommunikation eine besondere Aufmerksamkeit und Förderung zuteil, da diese Netze sowohl für die Forschung als auch mit Blick auf mögliche Wettbewerbsvorteile der Wirtschaft erhebliche Bedeutung haben. In den USA sind solche Netze unter dem Stichwort Data Highway zu einem besonderen Anliegen der derzeitigen Administration geworden. Im Rahmen dieser Entwicklungen werden die derzeitigen Wissenschaftsnetze mit Übertragungsbandbreite von 140 Mbit/s durch Netze im 1.000-Mbit/s- Bereich ersetzt. ... In Europa hat Großbritannien mit dem Super-Janet den größten Vorsprung. Hier wird derzeit eine Übertragungsbandbreite von 140 Mbit/s landesweit etabliert; in zwei Jahren sollen 622 Mbit/s erreicht sein.
Die Entwicklung in Deutschland, wo das WIN in Teilbereichen erst auf eine maximale Übertragungsbreite von 2 Mbit/s ausgelegt ist, macht deutlich, daß hier ein enormer Nachholbedarf entstanden ist.
Zusammenfassend ist festzuhalten, daß schnelle Datenkommunikation für die Wettbewerbsfähigkeit der Bundesrepublik Deutschland in Wissenschaft und Wirtschaft heute und in Zukunft unabdingbar ist. ...
Schnelle Datenkommunikation gehört deshalb zur Grundversorgung von Hochschulen und Forschungseinrichtungen jeder Größe und fachlichen Ausrichtung wie Elektrizität und Telefon. Es sind in Deutschland allerdings noch große Anstrengungen erforderlich, um bei der schnellen Datenkommunikation den internationalen Anschluß zu erreichen."
Und der Bundesminister für Forschung und Technologie sagt dazu in einer Pressemitteilung vom 09.06.94:
"Zweifellos wird die Wissenschaft mit ihrem Bedarf nur einen kleinen Teil der riesigen Investitionen rechtfertigen, die in den Aufbau der Glasfasernetze fließen. Die Wissenschaft kann aber ein wichtiger Innovationsmotor und Multiplikator sein. Die Forschungsnetze, ob national oder europäisch, stehen ebenso der industriellen Forschung offen und könnten auch im Vorfeld kommerzieller Verwertung als Pilotumgebung genutzt werden. Trotzdem gibt es hier Vorbehalte, die Industrie, Netzbetreiber und Wissenschaft im eigenen Interesse überwinden sollten."
Der in Deutschland im internationalen Vergleich zu hohe Monopolpreis für Datenleitungen der DBP Telekom behindert die Entwicklung massiv. Das Land Nordrhein-Westfalen wird diese modernen Infrastrukturen zur Kommunikation wie bisher schon sicher auch in Zukunft weiter fördern. Und last but not least ist es Aufgabe der Universität, die Voraussetzungen für das Hochgeschwindigkeitsnetz zu schaffen und sich mit Nachdruck für den Anschluß einzusetzen.
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