Lässt sich der neue Personalausweis an der WWU nutzen?
Uniweite Befragung beleuchtet Nutzungspotential des nPA
A. Thoring
Seit November 2010 gibt es in Deutschland den neuen Personalausweis (nPA), der zusätzliche elektronische Ausweis- und Unterschriftenfunktionen bietet. Er ermöglicht Nutzern, sich im Internet auszuweisen und Dokumente digital zu unterzeichnen. Der Einsatz der neuen Funktionen wäre auch an der WWU denkbar, zum Beispiel bei der Immatrikulation, bei Formularen des Studierendensekretariats oder bei der Anmeldung für Dienste des Zentrums für Informationsverarbeitung (ZIV) wie perMail und Print & Pay. Um das Potential dieses zusätzlichen Zugangsweges zu digitalen Diensten an der WWU herauszufinden, wurden Studierende und Mitarbeiter in einer gemeinsamen Erhebung von ERCIS (European Research Center for Information Systems) und ZIV zu ihren Erfahrungen mit dem nPA befragt. Rund 2.300 Teilnehmer füllten den umfangreichen Fragebogen aus, darunter 20 Prozent WWU-Mitarbeiter. Dies spricht für das große Interesse am Thema.
Die Umfrageergebnisse zeigen, dass der nPA noch nicht in den Alltag der meisten Studierenden und Mitarbeiter der WWU integriert ist. Zwar besitzen 37 Prozent der Umfrageteilnehmer den neuen Ausweis, davon haben jedoch nur 35 Prozent die Identifikationsfunktion freigeschaltet und nur 29 Prozent verfügen über ein Lesegerät. Die Erfahrungen mit den neuen Funktionen sind dementsprechend gering: nur sechs Prozent aller Befragten nutzen die Möglichkeiten des nPA mehrmals pro Jahr oder öfter, 71 Prozent greifen dagegen nie darauf zurück. Ursache hierfür ist unter anderem der unzureichende Informationsstand. Nicht einmal ein Viertel der Teilnehmer fühlt sich gut über den nPA im Allgemeinen sowie über Sicherheitsaspekte und Einsatzmöglichkeiten des nPA im Speziellen informiert.
Wer sich dagegen gut informiert fühlt oder sogar einen nPA besitzt, beurteilt die Benutzerfreundlichkeit des nPA durchaus positiv. Die Mehrheit ist der Ansicht, dass die Nutzung der nPA-Funktionen nur eine geringe Einarbeitungszeit erfordert (76%), verständlich ist (68%) und durch ausreichend Hilfestellung unterstützt wird (60%). Große Mängel werden jedoch im Bereich Datensicherheit und Datenschutz gesehen: etwa 70 Prozent der Befragten sehen hier ein Risiko des nPA. Im Hinblick auf die Nutzungsabsicht gibt es unter Besitzern und gut Informierten widersprüchliche Meinungen: 43 Prozent sprechen sich für eine zukünftige Nutzung aus, 57 Prozent wollen die neuen Ausweisfunktionen dagegen nicht nutzen.
Besonders große Einsatzmöglichkeiten des nPA an der WWU sehen die Teilnehmer bei Formularen sowie bei Bewerbungs- und Immatrikulationsprozessen, da sie hier mit einer Aufwandsverringerung und Prozessbeschleunigung rechnen. Etwa die Hälfte der Studierenden würden die Möglichkeiten des nPA in diesen Bereichen nutzen und ein ebenso großer Anteil der Mitarbeiter kann sich die Nutzung des nPA bei Formularen vorstellen. Die Verwendung des nPA beim Single-Sign-On (SSO), also die Anmeldung zu verschiedenen Onlinesystemen mit nur einer Passworteingabe, erachten jedoch weder Studierende noch Mitarbeiter als großen Vorteil, nur bei etwa einem Viertel der Befragten besteht eine diesbezügliche Nutzungsabsicht.
Eine weitere Einsatzmöglichkeit des nPA wäre als Alternative zur Gebäudezugangskarte ZIVintro sowie zu den gegenwärtigen Möglichkeiten der Anmeldung an Druckern und Scannern. Etwa 35 Prozent der Studierenden und Mitarbeiter, die bereits von diesen Angeboten Gebrauch machen, würden den nPA als Ersatz nutzen. Im Bereich der Vorlesungs- und Prüfungsanmeldung können sich 40 Prozent der Studierenden die Nutzung des nPA vorstellen.
Auch wenn sich alles in allem eine eher geringe Nutzungsintention bei Studenten und Mitarbeitern zeigt, können sich doch etwa 60 Prozent der Befragten vorstellen, dass eine geeignete Kommunikation der WWU ihre Einschätzung zum Einsatz des nPA verändern könnte. Bei einer Einführung des nPA als Online-Ausweisfunktion an der WWU wünschen sich die meisten Umfrageteilnehmer vorrangig Informationen zu Sicherheitsfunktionen (80%) und zur allgemeinen Funktionsweise des nPA (70%) sowie zu ZIV-Diensten und WWU-Online-Angeboten, die den nPA unterstützen (70%). Entsprechende Kommunikation sollte über Online-Informationskanäle (WWU-Website, ZIV-Website und E-Mail) erfolgen.
Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass zwar noch eine gewisse Skepsis gegenüber dem neuen Personalausweis vorhanden ist, Studierende und Mitarbeiten aber durchaus auch sinnvolle Einsatzmöglichkeiten an der WWU sehen.
Stand: 26.09.2012


