Uni Bielefeld gegen Zugangsbeschränkungen: Open Access immer mehr verbreitet

Bielefelder Resolution

Die Universität Bielefeld hat als erste deutsche Hochschule in einer Resolution ihre Wissenschaftler nachdrücklich dazu aufgefordert, Kopien ihrer Artikel auf dem Bielefelder Hochschulschriftenserver zu depo­nieren. Gleichzeitig werden die Autoren dazu ermutigt und unterstützt, in Open Access Journalen zu publizieren. Die Bielefelder Erklärung entstand aus der paradoxen Situation, dass die Veröffentlichungen der eigenen Wissenschaftler nicht mehr auf dem Campus gelesen werden konnten, da die exorbitanten Preise kommerzieller Zeitschriften eine Subskription verhindern. http://www.idw-online.de/pages/de/news115730

Kosten für Zeitschriftenartikel

Seitdem es elektronische Versionen von Zeitschriften gibt, bietet die Zweigbibliothek Medizin ihren Nutzern diese komfortable Möglichkeit an, auf Forschungsartikel zuzugreifen. 95% aller Zeitschriften werden mittlerweile von der Bibliothek als Online-Version angeboten. Dies ist die primäre Angebotsvariante. Gedruckte Zeitschriften werden nur noch abonniert, wenn der Verlag dies zur Bedingung für ein Online-Abo macht oder es preiswerter ist. Die überwältigende Akzeptanz von E-Journals zeigt sich in der Steigerung der Zugriffszahlen, die jedes Jahr um 50.000 - 100.000 zunehmen. Seit 1997 wurden insgesamt zwei Millionen Artikel heruntergeladen. Dieser immensen Summe stehen lediglich 300.000 Artikel gegenüber, die seit Eröffnung der Bibliothek im Jahre 1993 aus den gedruckten Zeitschriften kopiert wurden. Wieviel würden diese 2 Mio. Artikel kosten, wenn eine Privatperson sie am freien Markt kaufen müsste? Artikel-Volltext­e können bei Verlagen, aber z.B. auch bei Drittanbietern wie dem Deutschen Institu­t für Medizinische Dokumentation und Information (http://www.dimdi.de)gekauft werden. Bezahlt wird meist per Kreditkarte. Die Preisspanne reicht von 22 Euro für Karger-Titel bis zu 43 Euro für Springer-Zeitschriften - wohlgemerkt nicht für ein Heft, sondern für einen Artikel! Hätte jeder Artikel einzeln bezahlt werden müssen, wären damit Kosten in Höhe von bis zu 60 Mio. Euro entstanden. Durch Jahresabonnements von Zeitschriften können die Kosten bis auf wenige Cent pro Download gedrückt werden. Die ZB Med berechnet jedes Jahr für alle ihre 2.000 Zeitschriften diesen "Kosteneffizienz-Faktor". Da der Bibliotheksetat jedes Jahr um 10% hinter den Zeitschriftenpreisen zurückfällt, können Journale nur nach rein wirtschaftlichen Kriterien wie der Kosteneffizienz abonniert werden. Zeitschriften in den so genannten "Orchideen­fächern" können diese streng-ökonomische Prüfung umgehen, indem der Institutsleiter sein Abbestell-Veto einlegt. Titel, die nur von einigen wenigen Fakultätsmitgliedern gelesen werden, können allerdings wesentlich preiswerter als Privatabonnement eingekauft werden.

Copyright - Copyleft

Dürfen Autoren ihre Arbeiten ins Internet stellen und PDF-Kopien weiter­gebe­n? 92% aller Zeitschriften erlauben diese Form der "Zweit"-Veröffentlichung, so z.B. Elsevier, Nature und Springer, Science, BMJ und NEJM (http://romeo.eprints.org). Der Verleger Elsevier hat nun einen deutschsprachigen Leitfaden erstellt, der auf diese Fragen eingeht: http://www.elsevier.com/framework_librarians/LibraryConnect/lcpamphlet4german-v2.pdf. Wissenschaftler, die Arbeiten ins Internet stellen, die noch nirgendwo veröffentlicht worden sind, - wie z.B. Kongressvorträge -, können diese unter eine freie Lizenz stellen, wenn sie nicht wollen, dass sie ohne ihr Einverständnis kommerziell genutzt werden können. Zwei weitverbreitete Lizenzen sind die Creative Commons (http://de.creativecommons.org) und von der NRW-Initiative Open Content (http://www.uvm.nrw.de/opencontent/)

Neue Zeitschriften

Die Zahl der Open Access-Zeitschriften steigt - genauso wie deren Impact Faktoren. Die drei wichtigsten Verlage in diesem Bereich sind German Medical Science (für den deutschen Markt), Biomed Central und Public Library of Science.

German Medical Science (GMS)

Die Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie hat zusammen mit GMS die Zeitschrift GMS Thoracic Surgical Science gegründet. Die zweite Neuerscheinung - GMS Current Topics in Otorhinolaryngology - Head and Neck Surgery - der Deutschen Gesellschaft für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie (DGHNO) ist eine Sammlung von Kongreßreferaten und liegt ab Jahrgang 3 vor (die ersten beiden Bände erschienen bei Thieme). Beide Titel finden Sie unter: http://www.egms.de/.

Public Library of Science (PLoS)

PLoS hat neben den gut eingeführten Zeitschriften PLoS Biology (Impact Faktor ~10,0) und PLoS Medicine drei Community Journals angekündigt: PLoS Pathogens, PLoS Genetics und PLoS Computational Biology. Jede Veröffentlichung in diesen Zeitschriften kostet 1.500 $. http://www.plos.org

Biomed Central (BMC)

BMC hat in den letzten Monaten weitere neue Zeitschriften herausgegeben und damit die Zahl seiner Open Access-Titel auf 140 erhöht. Viele dieser Titel haben respektable Impact Faktoren (http://medweb.uni-muenster.de/zbm/medinfo/2005/12_bereuter_tabelle.jpg). Mitglieder der Medizinischen Fakultät publizieren regelmässig in BMC-Zeitschriften. Die Publikation ist kostenfrei, wenn Sie als Institution "Medical School of the University of Münster" angeben. Unter http://www. biomedcentral.com/inst/1520­0 finden Sie die Liste aller Publikationen der Medizinischen sowie weiteren Fakultäten der WWU Münster.

Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)

PNAS erlaubt "normale" und "open access" Veröffentlichungen. Für letztere muß man 1.000 $ bezahlen, dafür stehen diese dann weltweit frei zur Verfügung und werden öfter gelesen. Autoren aus Münster brauchen nur 750 $ zu bezahlen, da die ZB Med ein Abonnement von PNAS hält. http://www.pnas.org

Nucleic Acid Research (NAR)

Oxford University Press hat NAR komplett kostenfrei im Internet zur Verfügung gestellt. Für akzeptierte Publikationen muss eine Gebühr von 1.500 $ bezahlt werden. Durch ein an der Zweigbibliothek Chemie vorhandenes Abonnnement ist die Publikation in NAR für Autoren der Universität Münster auf 500 $ ermäßigt.

Wiener Erklärung

In dieser Erklärung haben führende Forscher 10 Thesen zur Informationsfreiheit postuliert, die weit über die üblichen Resolutionen und Erklärungen zu Open Access hinausgehen und deshalb besonders lesenswert sind:

  • Abs. 5: Freie Werknutzungen sind eine elementare Bedingung gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Fortschritts. Die freie Verfügbarkeit von Informationen zu Zwecken der Forschung, Lehre und Bildung ist daher in größtmöglichem Ausmaß zu garantieren. Das Urheberrecht ist diesbezüglich reformbedürftig.
  • Abs. 8: ForscherInnen sind als Vorbilder im Umgang mit freiem Wissen gefordert. Wissenschaftsinstitutionen sollen ihren ForscherInnen empfehlen, insbesondere staatlich finanzierte Forschungsergebnisse leicht und unentgeltlich zugänglich zu machen.
  • Abs.10: Digitalisierung und Vernetzung bringen neue Fragen der Informationssicherheit und der Bewahrung von Information mit sich. Es ist staatliche Aufgabe zu verhindern, dass der fehlende technische Zugang zu Informationen zu einem Verlust von Wissen führt.
http://www.chaoscontrol.at/we.htm

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