ZB Medizin :: med information
Dienstleistungen auf dem Prüfstand,
Teil 2: Bedürfnisse der studentischen Benutzer
Einführung
Nach der ersten, unter Wissenschaftlern und Ärzten durchgeführten
Umfrage (med info 5/6 2001),
wurde in der hier vorgestellten zweiten Studie geprüft, welches
Dienstleistungsspektrum unsere studentischen Benutzer favorisieren.
Als Dienstleistungsunternehmen achtet die Zweigbibliothek Medizin regelmässig
auf die Bedürfnisse und die Zufriedenheit ihrer Kunden und passt
ihre Servicepalette entsprechend an. Eine komplette Liste unserer 64
Informationsprodukte wurde Anfang 2002 in einem Fragebogen zur Wahl
gestellt. Die Bögen wurden innerhalb der Bibliothek gezielt an
Studierende verteilt.
Ergebnis
Bei der Auswertung wurde insbesondere auf die Hits' und die Nieten'
geachtet. Die zehn am häufigsten von den Studenten genannten Dienstleistungen
finden Sie in der unten stehenden Abb.
Dienstleistungs-„Hits“für Studenten
Dienstleistungen
|
Unverzichtbar
für:
|
|
Kopiermöglichkeiten
|
78 %
|
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Schließfächer und Garderobe
|
74 %
|
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Arbeitsplätze (mit und ohne PC)
|
72 %
|
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Erfrischungsraum
|
65 %
|
|
Lehrbuchsammlung (LBS)
|
65 %
|
|
Ausleihe von Büchern und sonstigen Medien
|
65 %
|
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Lesesaal mit Standardwerken sowie einem LBS-Exemplar
|
61 %
|
|
Behindertengerechter Zugang
|
59 %
|
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Nachweis und Suche der Bücher und Zeitschriften der Universität
|
57 %
|
|
Vormerkung ausgeliehener Bücher
|
54 %
|
Hits
Für über drei Viertel aller antwortenden Studenten waren die
Kopierer mit deutlichem Abstand die wichtigste Dienstleistung, dicht
gefolgt von den Schließfächern und der Garderobe sowie den
Arbeitsplätzen (womit wohl hauptsächlich die ohne PC gemeint
waren). Der Erfrischungsraum mit den Getränkeautomaten sowie die
Lehrbuchsammlung und die Ausleihe folgten mit jeweils 65% auf den weiteren
Plätzen. Obwohl unter den Benutzern kaum Rollstuhlfahrer sind,
wurde die Unverzichtbarkeit nach einem behindertengerechten Zugang mit
59% deutlich angemerkt. Der Nachweis der Bücher in einem Katalog
und die Möglichkeit, ausgeliehene Bücher vormerken zu können,
zählten für die Studenten ebenfalls zu den zehn wichtigsten
Dienstleistungen der Bibliothek.
Ausnahmslos alle Hits' sind Angebote, für deren Nutzung die
Bibliothek aufgesucht werden muß - ganz im Gegensatz zu den Wissenschaftlern:
Hier waren unter den 10 favorisierten Service-Leistungen allein neun
Internetangebote.
Kopierer
Für die Studenten waren die Kopiermöglichkeiten am unverzichtbarsten.
Da sie gleichzeitig kaum Interesse an Zeitschriften haben, dürfte
für sie das Kopieren von Büchern und das Zusammenstellen von
Lernvorlagen ausschlaggebend sein. Selbst wenn Kopierer nur selten wirklich
benötigt werden - wie es den Anschein hat -, würde man diese
dennoch wegen ihrer Wichtigkeit (oder schlechten Erfahrungen?) als unverzichtbar
bezeichnen.
Bücher, Kataloge
Der Buch- und Zeitschriftenkatalog der Universitäts- und Landesbibliothek
(ULB), eine der zentralen Dienstleistungen, wird von der Klientel dieser
Umfrage offensichtlich nur marginal wahrgenommen bzw. benutzt. Während
es die systematische Aufstellung der Bücher in der ZBMed immerhin
auf Rang 12 geschafft hat, muss sich der Online Public Access Catalogue
(OPAC) mit Platz 27 begnügen. Das aufwändige Versehen der
Bücher mit Schlagwörtern - eine der Hauptaufgaben der Fachreferenten
der ULB und das Pendant zur Indexierung der MEDLINE mit den MESH-Begriffen
- wird nicht honoriert. Lediglich 10 Antwortende haben dieses Feature
als unverzichtbar angegeben - Platz 51 und damit in unmittelbarer Nähe
der Nieten'.
Nieten
In Abbildung 2 (s.u.) finden Sie die Liste der am wenigsten unverzichtbaren
Dienstleistungen der ZBMed. Es fällt auf, dass unter den am seltensten
genannten Serviceprodukten - den zehn "Nieten", dreimal Zeitschriften
(print, online, Fernleihe) und viermal Informationsbroschüren (inkl.
med info) auftauchen. Während es verständlich ist, dass Zeitschriften,
Datenbanken und die dazugehörigen Infohefte auf ein geringes Interesse
bei den Studenten stoßen, macht das schlechte Abschneiden der
zentralen Informationsbroschüre "Einführung in die ZBMed"
und des Verkaufs von Lehrbüchern nachdenklich.
|
Dienstleistungs-„Nieten“ für
Studenten
Dienstleistungen
|
Unverzichtbar
für:
|
|
Roter Leihschein: Lieferung von Artikeln und Büchern aus
anderen Bibliotheken
|
17%
|
|
MED INFO Zeitung
|
17%
|
|
Schulungen am Arbeitsplatz
|
15%
|
|
Verkauf von Dubletten und älteren Auflagen von Lehrbüchern
|
15%
|
|
Angebot von Print-Zeitschriften
|
15%
|
|
Angebot von Online-Zeitschriften
|
15%
|
|
Schulungen für Institutsbibliotheken
|
13%
|
|
Broschüre ‚Zeitschriftenliste 2001‘
|
13%
|
|
Broschüre ‚Datenbanken und Schulungsangebote’
|
11%
|
|
Broschüre ‚Einführung in die Zweigbibliothek Medizin’
|
9%
|
Bei der Informationsbroschüre könnte die fehlende Aktualität
und Verfügbarkeit - und damit die Unklarheit, was sich hinter diesem
Angebot eigentlich verbarg - den Ausschlag für die schlechte Bewertung
gegeben haben. Von der Broschüre Alle Datenbanken und Schulungsangebote
der ZB Med' wurden dieses Jahr 400 Stück verteilt, so dass verwundert,
warum nur so wenige diese Broschüre als unverzichtbar angekreuzt
haben - vielleicht wird das Webangebot hier wirklich zuerst genutzt.
Für den Kauf von ausgemusterten Auflagen von Lehrbüchern war
offensichtlich nur eine kleine Gruppe von etwa 15% der Studierenden
als potenzielle Kunden anzusprechen. Die überwiegende Majorität
von 85% war also entweder mit den Ausleihmöglichkeiten zufrieden
oder kaufte Lehrbücher lieber bei der "Konkurrenz": den
Buchhandlungen und Kommilitonen.
Schulungen
Unter den "Nieten" sind auch zwei Schulungen zu finden, die
jedoch ausdrücklich nicht die Studenten als Zielgruppe hatten.
Insgesamt sind diese wesentlich fortbildungsbegeisterter als die Wissenschaftler
und Ärzte, die Schulungen so gut wie gar nicht mehr besuchen. Es
kommen zwar auch weniger Studenten zu unseren Schulungen als noch vor
fünf Jahren, aber insgesamt war die Befürwortung der Schulungen
bei ihnen wesentlich stärker ausgeprägt. Insbesondere die
Kurzeinführungen bei der Auskunft (41 vs. 10%), die Einführung
in die Informations- und Literatursuche im Internet (37 vs. 15%), die
Einführung in die Bibliotheksbenutzung (33 vs. 14%) und die Sprechstunde
für die Literatursuche (33 vs. 15%) finden bei den Studenten einen
wesentlich größeren Widerhall als beim wissenschaftlichen
Personal.
Alle Benutzer
Welche Dienstleistungen sind nun für den gesamten Nutzerkreis der
Bibliothek unverzichtbar und welche nicht? Mit weitem Abstand führen
die Kopiermöglichkeiten die Beliebtheits- bzw. Unverzichtbarkeitsskala
an (Abb.3 s.u.).
Dienstleistungs-„Hits" der Bibliothek
Dienstleistungen
|
Unverzichtbar für
|
|
Kopiermöglichkeiten
|
83%
|
|
MEDLINE
|
66%
|
|
Schließfächer und Garderobe
|
62%
|
|
Homepage
|
59%
|
|
Die Digitale Bibliothek
|
56%
|
|
Ausleihe von Büchern, CD-ROMs und sonstigen Medien
|
56%
|
|
JASON-Lieferung von Artikeln und Büchern aus anderen Bibliotheken
|
53%
|
|
Arbeitsplätze mit und ohne PC
|
53%
|
|
Lehrbuchsammlung
|
53%
|
|
Angebot von Online-Zeitschriften
|
51%
|
Die Kopierer bieten die einzige Möglichkeit, sich Literatur aus
der Bibliothek dauerhaft anzueignen und sich zu beliebigen Zeitabständen
immer wieder anschauen zu können. Die Reihenfolge der weiteren
Dienstleistungen spiegelt die wechselnden Interessen der beiden Benutzergruppen
wieder. So kommen nach MEDLINE (Wiss.) die Schließfächer
(Stud.), Homepage und Digitale Bibliothek (Wiss.). Ausleihe, Arbeitsplätze
und Lehrbuchsammlung wurden von den studentischen Nutzern für unverzichtbar
erklärt, während JASON und eJournals wiederum wichtige Bibliotheksangebote
für das wissenschaftliche Personal waren.
Nieten sind wichtig
Eine schlechte Plazierung bedeutet noch lange nicht das Aus für
eine Dienstleistung. Die Aufnahme von Bibliotheksbeständen aus
Instituten und Kliniken z.B. ist trotz aller Negaitvbewertungen eine
unverzichtbare Dienstleistung, da die Bibliothek eine Archivfunktion
zu erfüllen hat. Die ursprünglich geplante Größe
der Bibliothek (mit Überdachung des Innenhofes und einer Kapazität
von 300.000 Bänden) konnte zwar aus finanziellen Gründen nicht
verwirklicht werden, trotzdem bemüht sich die Zweigbibliothek,
alle relevanten Zeitschriften und Bücher für die Medizin aufzubewahren.
Bei zunehmender Raumnot in den Instituten und Kliniken ist diese Archivierung
eine wichtige Dienstleistung.
Manchmal scheitert eine Dienstleistung aber auch schon an ihrem Namen.
So konnten sich offensichtlich die wenigsten unter einem "Führer
zur relevanten Literatur" bzw. einer "Navigationshilfe"
etwas vorstellen. Nur ein Sechstel aller Befragten kreuzte dies als
unverzichtbar an, obwohl es sich im wesentlichen um die stark benutzten
Informationsbroschüren bzw. die entsprechenden Seiten auf unserer
Homepage handelte.
Die nur von sehr wenigen angekreuzten Angebote der Zeitungsecke, der
patientengerechten und der schöngeistigen Literatur sind bei einer
kleinen Klientel durchaus beliebte Nischenangebote, für die von
vornherein kein großer Zuspruch erwartet werden konnte. Da diese
Produkte gut angenommen werden und gleichzeitig kaum Bibliotheksressourcen
verschlingen, spricht nichts gegen eine Fortsetzung dieses Angebots.
Die Liste der von allen Benutzern als verzichtbar angesehenen Bibliotheksangebote
wird von zwei speziellen Zielgruppenschulungen und der erwähnten
schlecht verfügbaren Informationbroschüre abgeschlossen. O.Obst
Dieser Aufsatz ist erschienen in der Zeitschrift med information.
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