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Effizient und erfolgreich Literatur suchen. Teil 2


In Heft 3 von med info hatten wir, ausgehend von der Fragestellung „Computertomographie und Kernspintomographie als Diagnoseverfahren beim Bandscheibenvorfall“ versucht, die vielfältigen Möglichkeiten und Wege bei der Literatursuche aufzuzeigen. Nach der Besprechung relevanter Suchbegriffe und ersten Recherchen im größten deutschen Online-Katalog für Bücher, dem KVK, sollen weitere wichtige Suchmöglichkeiten unter Punkt 8 „Ausweitung der Recherche“ behandelt werden. Bitte beachten Sie das Glossar aller behandelten Datenbanken und Begriffe.

8. Ausweitung der Recherche
Eine Suche in LOCATORplus, dem Katalog der größten Medizinbibliothek der Welt, lohnt sich. Hier fällt eine Besonderheit ins Auge: Man kann nicht nur nach Stichwörtern im Titel suchen, sondern auch nach Medical Subject Headings (MESH). Diese erlauben eine sehr viel gezieltere Suche. Mit den MESH-Begriffen „Intervertebral Disk Displacement“, „Tomography, X-Ray Computed“ und „Magnetic Resonance Imaging“ findet sich u.a. folgender Treffer: Krausé, D.: CT and MRI of disk herniations. Berlin: Springer-Verlag, 1991.
Wie man relevante MESH-Schlagwörter findet, wird etwas später beschrieben. Der Vorteil dieser Begriffe ist, dass man mit Ihnen auch in Aufsatzdatenbanken wie z.B. MEDLINE suchen kann.

Dissertationen
Wie findet man Dissertationen? Gerade für die Vorbereitung einer Doktorarbeit ist es aus zwei Gründen unverzichtbar, Hochschulschriftenverzeichnisse zu befragen: Zum einen gilt es auszuschliessen, dass bereits zuvor über das gleiche Thema promoviert wurde (ansonsten wird die Promotion nicht anerkannt), zum anderen bieten Doktorarbeiten über ähnliche Themen ein ideales Vorbild für die eigene Arbeit. In vielen der oben besprochenen Buchkataloge und Buchhandelsverzeichnisse sind prinzipiell auch Dissertationen enthalten - wenn auch oft nur eine kleine Auswahl. Aber nur in wenigen kann auch gezielt nach diesen gesucht werden.

  • Der Katalog der Deutschen Zentralbibliothek für Medizin (http://www.zbmed.de) erlaubt die Eingrenzung nach Diss/Habil.
  • Die Deutsche Bibliothek in Frankfurt sammelt alle in Deutschland geschriebenen Dissertationen und verzeichnet sie in der Deutschen Nationalbibliographie. Diese ist mit dem „ILTIS“ genannten OPAC gezielt nach Dissertationen oder Habilitationen seit 1945 zu durchsuchen (http://dbf-opac.ddb.de). Elektronische Dissertationen: Unter http://tamino.ddb.de:7001 Suchoptionen 'Online Ressourcen' einstellen
    Feld Hochschulschrift <hss> auswählen und "diss?" eintippen.
  • Die Datenbank Dissertations Abstracts (DA) verzeichnet fach- und länderübergreifend 1,6 Mio. überwiegend nordamerikanische Dissertationen. Hier findet man z.B. „The role of diagnostic imaging in management of patients with persistent low back pain. By Ackerman, Stacey J.Johns, Hopkins University 1996“
  • Auf Hochschulschriftenservern (HSS) deutscher Bibliotheken findet man seit kurzem Volltexte von Doktorarbeiten (Eine Liste von HSS finden Sie unter http://www.uni-duesseldorf.de/ulb/univhs.html).

Digitale Volltexte von Lehrbüchern oder radiologischen Atlanten sind gerade erst im Entstehen. Bereits jetzt finden sich dagegen Volltexte auf dem Gebiet der Grundlagen- und Biowissenschaften (Encyclopedia of Life Sciences, www.els.net), der Inneren Medizin (Harrison’s Principles of Internal Medicine, http://www.harrisonsonline.com), der Onkologie (Cancer Handbook von Nature, http://www.cancerhandbook.net), dem Merck Index oder der Differentialdiagnose: Internistische Erkrankungen (Digitale Bibliothek NRW).

In den oben vorgestellten Katalogen und Datenbanken findet man in Bücher gegossenes Wissen, dem der Nimbus der Unfehlbarkeit, aber auch der fehlenden Aktualität anhaftet. Hochaktuelles, weniger vorverdautes Wissen findet man in Zeitschriften.


B. Suche nach Zeitschriftenartikeln

Die Punkte 1-3 (Fragestellung, Suchbegriffe, Übersetzung) können von A. Suche nach Büchern übernommen werden. Die Punkte 9-11 werden am Schluß der Artikelserie gemeinsam behandelt.

4. Relevante Recherchedatenbanken bestimmen
In der Medizin ist die Wahl einer Datenbank für Zeitschriftenartikel nicht sehr schwierig: In der Regel recherchiert man zuerst oder ausschließlich in MEDLINE. Medline enthält alle 11 Mio. Aufsatznachweise (auch Zitate o. Records genannt) des gedruckten Index Medicus seit 1966. Es wird kolportiert, dass es kein medizinisches Thema geben würde, zu dem nicht mindestens ein paar Zitate in der Medline-Datenbank existieren. Wir benutzen den einfachen und beliebten PubMed-Zugang.

5. Relevante Schlagwörter ermitteln
Da Medline eine englischsprachige Datenbank ist, gibt man „computed tomography“ ein. Die über 100.000 Treffer werden in 20er Häppchen angezeigt. Wenn man auf den Button DETAILS klickt, wird deutlich, dass PubMed den Begriff automatisch mit dem passenden MeSH-Schlagwort Tomography, X-Ray Computed ergänzt hat. Auf ähnliche Weise sucht man „NMR tomography“, das zu Magnetic Resonance Imaging und slipped disk, das zum MeSH-Begriff Intervertebral Disk Displacement umgesetzt wird. Da dieses intelligente Mappingverfahren nicht immer perfekt funktioniert (s. med info Heft 1.2001), sollte man sich durch Klick auf DETAILS oder Benutzung des MeSH Browsers (links, in der Navigationsleiste) von dem richtigen Schlagwort überzeugen. Diese Vorgehensweise besitzt den unvergleichlichen Vorteil, dass man überprüfen kann, ob das von PubMed zugewiesene Schlagwort wirklich das richtige ist.

Medical Subject Headings

Zu den besonderen Vorzügen gegenüber anderen Datenbanken zählt der bei Medline / PubMed sorgfältig gepflegte Thesaurus, das Verzeichnis der genormten Schlagwörter (Medical Subject Headings = MESH), die von der NLM für die inhaltliche Kennzeichnung der in Medline enthaltenen Zeitschriftenaufsätze verwendet werden. Es erhöht die Effizienz dieses Thesaurus beträchtlich, daß die Schlagwörter hierin nicht nur alphabetisch sondern auch hierarchisch aufgelistet und genau definiert sind. Medline-Nutzer sollten deshalb bei jeder Suche und insbesondere bei begrifflichen Unklarheiten immer zuerst diesen Thesaurus aufblättern und sich die Definition fraglicher Schlagwörter anzeigen lassen. Bei Verwendung der lokalen Win/WebSPIRS-Version ist dies über den Button Thesaurus jederzeit möglich, bei PubMed klickt man dazu in der Navigationsleiste auf den Link MESH Browser.

6. Schlagwörter logisch verknüpfen
Wieder müssen alle drei Begriffe bzw. deren Treffermengen mit AND logisch verknüpft werden. Dies funktioniert entweder über die Benutzung der entsprechenden Suchnummern #1 AND #2 AND #3 in der History (das AND muß groß geschrieben werden) oder über die AND-Verknüpfung der Suchbegriffe in der Suchmaske. Im nächsten Teil wird die Suche in Medline vertieft und weitere wichtige Literaturdatenbanken vorgestellt.

Metasuchmaschinen

  1. Die Digitale Bibliothek (DigiBib) bietet - ähnlich wie der KVK - eine Metasuche in verschiedenen Kataloge an, nur dass im Unterschied zum KVK zusätzlich Literaturdatenbanken durchsucht werden können. Die DigiBib ist unter Homepage / Bücher / Katalogsuche zugänglich. Wie bei jeder Metasuchmaschine gilt auf für die DigiBib, dass man zwar mehr Treffer findet, aber die Suche sehr viel weniger präzise ist.
  2. Das Gateway der National Library of Medicine (NLM) erlaubt die gleichzeitige Suche in zahlreichen Datenbanken, angefangen von PubMed, LOCATORplus, AIDS Meetings, Space Life Sciences und Health Services Research Meetings sowie die Consumer Health Information unter MEDLINEplus. Hier ist die einzige Möglichkeit mit nach MEDLINE-Zitaten von 1958 - 1995 zu suchen (OLDMEDLINE). Unten sehen Sie das Ergebnis einer Recherche im NLM Gateway (http://gateway.nlm.nih.gov) nach PANCREATIC NEOPLASMS. Sie finden nicht nur 33.625 Zeitschriftenaufsätze, sondern auch 217 Bücher, Meeting Abstracts und eine reichhaltige Linkliste.
  3. Die Metasuchmaschine MedPilot der Virtuellen Fachbibliothek Medizin wird im nächsten Teil besprochen. Ob


 


Dieser Aufsatz ist erschienen in der Zeitschrift  med information.


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 aktualisiert: 2004-09-16