ZB Medizin :: med information
Spitzenbibliothek für Spitzenforschung

Dr. Oliver Obst, Leiter der Zweigbibliothek Medizin
der Universitäts- und Landesbibliothek Münster
Einführung
Die Medizinische Fakultät und das Universitätsklinikum Münster
streben einen Spitzenplatz in Forschung und Krankenversorgung an. Um
Leistung zu erbringen und damit Mittel zu erwirtschaften müssen
bestimmte Basis-Ressourcen bereitgestellt werden, seien es nun Forschungsflächen,
Personalstellen oder Informationen. Für den Wissenschaftsrat ist
deswegen auch "eine standortübergreifende Ressourcenoptimierung
und Nutzung von Synergieeffekten erforderlich, um eine national und
international konkurrenzfähige Leistungsposition und die damit
einhergehende Drittmittel-Kraft zu erschließen bzw. zu sichern."
Darüber hinaus betont der Wissenschaftsrat in seiner Stellungnahme
zur Medizinischen Fakultät Münster: "In zunehmendem
Maße wird es künftig erforderlich sein, bereits bei der Ausbildung
der Mediziner mit Blick auf die Notwendigkeit des lebenslangen Lernens
und des exponentiell wachsenden Wissens Techniken des Zeit- und Informationsmanagements
zu vermitteln, die eine Voraussetzung sind, das Leistungsniveau der
Gesundheitsversorgung dauerhaft zu sichern und zu verbessern."
Als wichtige Basisressource sind dabei Wissenschaftler, Studenten und
Ärzte auf eine leistungs- und konkurrenzfähige Informations-
und Literaturversorgung angewiesen. Der Zugang zu hochqualitativen Informationen
ist eine der wesentlichen Voraussetzungen für den Erfolg in Forschung,
Lehre und Krankenversorgung.
Das Uniklinikum Münster ist in Nordrhein-Westfalen Spitze bei elektronischen
Zeitschriften
Die Zweigbibliothek Medizin leistet eine hervorragende Literatur- und
Informationsversorgung. Sie ist nicht nur unter den Medizinbibliotheken
in NRW Spitze sondern auch deutschlandweit. Das konsequente und bedarfsorientierte
Angebot von elektronischen Zeitschriften, kombiniert mit einem kostenfreien
Expresslieferdienst für alle nicht am Ort vorhandenen Titel, ist
in Deutschland konkurrenzlos. Durch diesen Service ist es jedem Bediensteten
der Medizinischen Fakultät und des Universitätsklinikums möglich,
meist in Sekundenschnelle - längstens aber in 24 Stunden - auf
jeden Zeitschriftenaufsatz weltweit zugreifen zu können, der je
geschrieben wurde. 97% aller Nutzer möchten diesen Service aus
verständlichen Gründen nicht mehr missen, denn er stellt einen
Meilenstein in der Literaturbeschaffung dar. (War früher die Zentralbibliothek
der Medizin in Köln mit ihren 8.000 Zeitschriften die unerreichbare
Insel der Seeligen - jeder Kölner Wissenschaftler wurde um diese
fantastischen Zugangsmöglichkeiten beneidet - so ist Köln
als Mekka der Literatursuchenden mittlerweile von Bibliotheken abgelöst
worden, die kreativere Fernleihmöglichkeiten und vor allem wesentlich
mehr elektronische Zeitschriften anbieten.)
Gleichzeitig steigt die Attraktivität des Arbeitsortes und der
Lernumgebung "ZB Med"; die Gesamtbenutzung der Bibliothek,
die sich aus der Benutzung vor Ort und über das Internet zusammensetzt
wächst sehr schnell. Die Zugriffe auf die Internetangebote der
Bibliothek verdoppelten sich 2001 auf über 3 Mio.. Der Grund dafür
liegt darin, dass die Bibliothek Schritt für Schritt ihre Angebote
und Dienstleitungen ins Internet gestellt hat. Elektronische Bücher
und Zeitschriften führen zu einer stark wachsenden Nutzung, da
diese Medien komfortabel und einfach vom Arbeitsplatz bzw. von zu Hause
aus genutzt werden können.
Expresslieferungen einzigartig
Da unsere Nutzer Zeitschriftenaufsätze innerhalb weniger Tage benötigen,
bietet die Bibliothek seit Oktober 2000 allen Bediensteten der Medizinischen
Fakultät den Schnelllieferdienst SUBITO an. Subito garantiert erstmals
die Dokumentenlieferung innerhalb von bis zu 24 Stunden. Um diesen Service
möglichst vielen zur Verfügung zu stellen, übernimmt
die Zweigbibliothek für Angehörige der Medizinischen Fakultät
und Bedienstete des Uniklinikums die Kosten für die Lieferungen.
Der Erfolg gibt diesem Modell Recht: 2001 wurden 4.672 Bestellungen
über SUBITO ausgeliefert. Zusammen mit den ebenfalls schnellen
JASON-Lieferungen konnten damit vier Fünftel aller von unseren
Kunden aufgegebenen 7.000 Bestellungen innerhalb von nur wenigen Tagen
geliefert werden. Dies bedeutet einen großen Fortschritt gegenüber
den - früheren - Tagen des Roten Leihscheins: Bis damals der erste
Artikel eintraf, hatte man meist bereits vergessen, wofür man diesen
eigentlich bestellt hatte - die Forschung war längst weiter fortgeschritten.
INFAS-Umfrage
Im Sommer 2001 hatte sich die ZB Med zum zweitenmal nach 1997 in einer
Umfrage dem Urteil ihrer Benutzer gestellt. Die Umfrage, die Teil des
Qualitätsverbesserungskonzeptes der Universitäts- und Landesbibliothek
war, sollte die Stärken und Schwächen unseres Dienstleistungsangebots
aufzeigen und wurde zusammen mit dem infas - Institut für angewandte
Sozialwissenschaft GmbH in Bonn entwickelt. 115 Umfragebögen wurden
von studentischen Benutzern in der Bibliothek ausgefüllt, 39 weitere
vom wissenschaftlichem Personal der Medizinischen Fakultät (die
Fragebögen waren mit dem med info Heft Nr. 3 verschickt worden).
Insgesamt konnten so die Antworten von 154 Nutzern ausgewertet werden.
Benutzung
Während Studenten die Bibliothek hauptsächlich für die
Buchausleihe (79%) und zum Arbeiten (70%) benutzten, wurden von den
Wissenschaftler am häufigsten Zeitschriften gelesen oder kopiert
(80%). 44% führten eine Literaturrecherche durch, 33% gaben eine
Fernleihe auf und 31% liehen sich Bücher aus oder benutzten die
Internet-PCs.
Ärzte und Wissenschaftler haben andere Ansprüche an das Angebot
der ZB Med als die Studenten und nutzen es auch anders. Während
2/3 der Studenten die Bibliothek mehrmals in der Woche oder sogar täglich
aufsuchte, tat dies nur ein einziger Wissenschaftler. Stattdessen benutzten
diese die Bibliotheksangebote im Internet. 90% griffen mehrmals die
Woche auf unsere Homepage zu, 69% sogar täglich. Die Studenten
ließ dieses Angebot eher kalt: Zwar surfte immerhin mehr als die
Hälfte wenigstens einmal im Monat auf den Bibliotheksseiten, aber
nur 13% benutzten dieses Angebot mehrmals die Woche oder öfter.
Dementsprechend bewertete das wiss. Personal die Wichtigkeit und Aktualität
der elektronischen Bestände sehr hoch (Zeitschriften = 1,8; Volltexte
= 2,0). Sie meinten allerdings gleichzeitig, dass das Angebot noch vollständiger
sein dürfte.
Zufriedenheit
Wie in der Umfrage vor fünf Jahren war für die Studenten die
Öffnungszeit am wichtigsten, gefolgt von der Zahl der Arbeitsplätze,
den Arbeitsbedingungen und der Lehrbuchsammlung und der Auskunft. Besonderen
Wert legten sie außerdem auf die Möglichkeit, in der Bibliothek
ins Internet gehen zu können und auf gut funktionierende Fotokopierer.
Die allgemeine Zufriedenheit über den Service der Bibliothek war
mit 2,0 (auf einer Skala von 1=sehr zufrieden bis 5=sehr unzufrieden)
erfreulich hoch - dabei war das wissenschaftliche Personal mit 1,9 zufriedener
als die Studenten (2,1). Am zufriedensten waren die Befragten mit der
großzügigen Öffnungszeit der Bibliothek (Studenten 1,8;
Wiss. 1,6), während die - reduzierten - Öffnungszeiten von
Ausleihe und Lehrbuchsammlung um jeweils 0,3 Punkte schlechter bewertet
wurden. Etwa 30% der Studenten waren nicht zufrieden mit der Schliessung
der Ausleihe an Sonntagen. Ca. 40% wünschten sich eine Ausweitung
der Öffnungszeit insbesondere am Sonntag Morgen von 10.00 bis 14.00
Uhr, während eine Verlängerung werktags in den Morgen (7-8
Uhr) oder den Abend hinein (22-24 Uhr) nur von 8-13% gefordert wurde.
Insgesamt waren 94% der Wissenschaftler zufrieden oder sehr zufrieden
mit der Öffnungszeit, aber 'nur' 83% der Studenten. Insgesamt zufrieden
oder sehr zufrieden mit der Bibliothek waren 89% des wiss. Personals
und 79% der Studenten.
Die Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Kompetenz des Bibliothekspersonals
wurde von den Wissenschaftlern mit jeweils 1,6 außerordentlich
positiv bewertet. Mehr als 92% aller Antwortenden waren zufrieden oder
sogar sehr zufrieden mit dem Personal, während dies nur auf 73%
der Studenten zutraf.

Abb.1: Für Studenten sind besonders der Internetzugang innerhalb der
Bibliothek, die Kopierer und die Lern- und Arbeitsbedingungen verbesserungswürdig.
Verbesserungsbedarf
Abbildung 1 zeigt ein so genanntes Aktionsportfolio. Die abgefragten
Dienstleisungen sind nach ihrer Bewertung bezüglich Wichtigkeit
und Zufriedenheit in ein Koordinatensystem eingetragen worden. Dieses
Portfolio erlaubt es nun, die Serviceleistungen in vier Gruppen zu unterscheiden:
Diejenigen Angebote, die eine hohe Wichtigkeit aber eine niedrige Zufriedenheit
verzeichnen (Rechteck links oben), sind sofort zu verbessern. Diejenigen
mit niedriger Wichtigkeit und niederiger Zufriedenheit (Rechteck links
unten) sind mittelfristig zu verbessern, während die Angebote mit
hoher Wichtigkeit und hoher Zufriedenheit (Rechteck rechts oben) langfristig
zu verbessern sind. Dienstleistungen mit niedriger Wichtigkeit aber
hoher Zufriedenheit (Rechteck rechts unten) sind zu festigen.
Das Portfolio-Rechteck wird von einer imaginären Diagonalen von
links unten nach rechts oben in zwei Dreiecke geteilt. Dienstleistungen
in der Nähe dieser Diagonalen haben einen gleich hohen (oder niedrigen)
Grad an Wichtigkeit wie Zufriedenheit. Diese Dienste gelten darum als
ausgewogen, es besteht kein unmittelbarer Handlungsbedarf (gelbe Punkte).
Je weiter eine Dienstleistung oberhalb der Diagonalen liegt, desto unzufriedener
sind die Kunden relativ zur Wichtigkeit und desto schneller muß
gehandelt werden (rote Punkte). Bei den studentischen Bedürfnissen
betrifft dies insbesondere den Internetzugang in der Bibliothek, die
Anzahl der Lern- und Arbeitsplätze, die Lern- und Arbeitsbedingungen,
die Lehrbücher, die Kopierer und - in eingeschränktem Maße
- auf die Öffnungszeiten zu. Diesen sechs 'Schwachstellen' wird
die Bibliothek sich als erstes zuwenden.
Bei den Medizinern und Wissenschaftlern der Fakultät sehen die
Bedürfnisse - verglichen mit den Studenten - sehr viel anders aus:
Hier sind mit den Kopierern, der Fernleihe und den gedruckten/elektronischen
Beständen lediglich vier akute Verbesserungspunkte (rot) zu verzeichnen
(Abb. 2). Dass auch hier wiederum die Kopiermöglichkeiten bemängelt
werden, ist unverständlich, da die Bibliothek sowohl von der Zahl
(sechs Schwarzweiß-, ein Farbkopierer) als auch von der Qualität
her (drei neue digitale Kopierer) sehr gut ausgestattet ist. Da seit
zwei Jahren deutlich weniger kopiert wird, können auch nicht noch
mehr oder bessere Kopierer aufgestellt werden. Vielleicht handelt es
sich bei dem Votum um eine Reminiszenz an die Zeiten, als noch viel
kopiert wurde und die Geräte häufiger defekt waren?

Abb.2: Für Wissenschaftler und Ärzte sind die Kopierer, die Fernleihe
und die gedruckten Bestände verbesserungswürdig.
Wissenschaftler und Ärzte sind zufriedener mit den Angeboten
der Bibliothek als die Studenten, was auch dadurch sichtbar wird, dass
die meisten Punkte in Abb.2 auf der rechten Seite des Portfolios stehen
und erfreulicherweise alleine fünf im oberen rechten Quadranten
(hohe Wichtigkeit, hohe Zufriedenheit).
Die elektronischen Bestände geniessen die höchste Wichtigkeit,
werden aber auch positiv wahrgenommen. Diesen vier Bereichen wird die
ZB Med in Zukunft ihre größte Aufmerksamkeit widmen. Die
Internetpräsenz der Bibliothek, Lehrbücher, die Katalogbenutzung
sind weitere Punkte, die zu beobachten und zu verbessern sind. Die Zufriedenheit
für SUBITO ist deutlich besser als die für JASON oder die
Fernleihe generell.
Ausblick
Die Bibliothek betrachtet es als ihre vordringlichste Aufgabe, sich
zum einen von einer Hol- zu einer Bringbibliothek zu entwickeln, zum
anderen als Lern- und Arbeitsort noch attraktiver zu werden.
- In digitaler Form vorliegende Ressourcen und Informationsquellen sollen
verstärkt über das Hochschulnetz angeboten und so jedem vernetzten
Arbeitsplatz leicht zugänglich gemacht werden.
- Die Zahl und Qualität der Arbeitsplätze soll erhöht,
Ruhezonen ausgebaut sowie Gruppen- und Laptop-Arbeitsplätze eingerichtet
werden. Eine Ausweitung der Öffnungszeiten soll zusammen mit der
Fachschaft Medizin vorbereitet werden. Lehrbücher werden laufend
aktualisiert (s. letzte Seite).
Über alle Entwicklungen informieren wir Sie regelmäßig
und stets aktuell mit dem Newsletter und med info. Diese Informationsprodukte
werden sowohl in gedruckter Form (Auflage 35.000) als auch im Internet
angeboten.
Dieser Aufsatz ist erschienen in der Zeitschrift med information.
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