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Jan Hildebrandt 2

Jan Hildebrandt

c/o Seminar für Lateinische Philologie
des Mittelalters und der Neuzeit
Salzstraße 53
D-48143 Münster

 

Lebenslauf  


2000-2006 Studium der Mittleren Geschichte, Ur- und Frühgeschichte und Mittellateinischen Philologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster

2003-2006 Studentische Hilfskraft am Historischen Seminar und dem SFB 496 "Symbolische Kommunikation und gesellschaftliche Wertesysteme" an der WWU Münster

2004-2005 Auslandssemester an der University of Wales in Swansea im Rahmen des ERASMUS-Austauschprogrammes der Europäischen Union

2006 Magister Artium in den Fächern Mittlere Geschichte, Mittellateinische Philologie und Ur- und Frühgeschichte. Thema der schriftlichen Arbeit: „Destruktion und Rezeption: Pagane Traditionen in der Karolingischen Gesellschaft“

2006-2007 Wissenschaftliche Hilfskraft am SFB 0496 „Symbolische Kommunikation und gesellschaftliche Wertesysteme“ an der WWU Münster

Seit 2007 Promotionsstipendium am Graduiertenkolleg „Gesellschaftliche Symbolik im Mittelalter“ an der WWU Münster. Thema der Promotion „Mythendiskurse in der karolingischen Gesellschaft“

2008 Organisation des Workshops für Doktoranden „Kontinuität und Konfrontation.Antike Traditionen in Mittelalter und Früher Neuzeit“ vom 23. bis 25.04.2008. Teilnahme mit dem Vortrag „Remigius von Auxerre und die Wiederbelebung karolingischer Mythenrezeption“

2008 Mitarbeit an der Organisation der Tagung „Symbolik in Zeiten von Krise und gesellschaftlichem Umbruch“ vom 23. bis 25.10.2008

Dissertationsprojekt

Götter, Dichter und Dämonen – Mythendiskurse in der karolingischen Gesellschaft

betreut durch Prof. Dr. Nikolaus Staubach, Mittelalterliche Geschichte

In karolingischer Zeit lässt sich eine erstaunliche Präsenz mythisch-paganer Stoffe der Antike in fast allen Bereichen fränkischer Kultur beobachten. Die Tradition dieser mythischen Stoffe erfolgte im Wesentlichen in zwei anscheinend weitgehend voneinander unabhängigen Überlieferungssträngen: Einerseits kam es zu einer Aufarbeitung der antiken Götter- und Heldensagen in der karolingischen Kunst und Literatur, besonders in der Folge der karolingischen Reformbemühungen. In diesem Bereich erfolgte eine Rehabilitation des paganen Mythos als Mittel des literarischen Ausdrucks und Werkzeug der symbolhaften Wertevermittlung. Andererseits finden sich die Namen antiker Götter immer wieder in den Quellen zur Superstitionenverfolgung, in deren Rahmen seit merowingischer Zeit gegen das angebliche Fortleben paganer Traditionen polemisiert wurde. Hier erscheinen die antiken Götter als dämonische Mächte, die eine überzeitliche Bedrohung für die christliche Gemeinschaft darstellen und als Urheber von Idolatrie, Dämonenkult und aller möglicher Formen der Zauberei und Wahrsagerei verantwortlich zu machen sind. Es ist hervorzuheben, dass beide Rezeptionsformen zeitgleich nebeneinander her existieren und im Einzelfall sogar innerhalb einer einzigen Quelle auftauchen können, ohne dass dies vom Autor und zeitgenössischen Lesern als widersprüchlich empfunden wurde.

Im Rahmen des Dissertationsprojektes soll versucht werden, die Entwicklung und Nutzung dieser beiden inhaltlich kongruenten, nach ihrer argumentativen Basis und Ausrichtung jedoch gegensätzlichen Mythendiskurse insbesondere im Kontext der karolingischen Reformbewegung nachzuweisen. Es sollen die jeweiligen überindividuellen Denkkategorien und Begriffsordnungen herausgearbeitet werden, die in der diskursiven Formation beider Rezeptionsformen des antiken Mythos wirksam werden und die Aussagen der jeweils zugehörigen Einzelquellen determinieren. Dadurch soll es möglich gemacht werden, in einem zweiten Schritt die Funktionen beider Diskursformen innerhalb des sie umgebenden sozialen Feldes zu erfassen, um so auf die pragmatische Dimension frühmittelalterlicher Mythenrezeption zu schließen.

Als Quellen für den destruktiven Mythendiskurs im Rahmen der Superstitionenverfolgung sollen vorzüglich Rechtsquellen wie die karolingischen Königs- und Bischofskapitularien sowie Konzilienbeschlüsse dienen. Weiterhin sind verschiedene theologische Traktate des 8. und 9. Jahrhunderts zu behandeln sowie gegebenenfalls für diesen Bereich ergiebige Heiligenviten. Der mythographisch-enzyklopädische Mythendiskurs soll anhand der karolingischen Dichtung und Kommentarliteratur erforscht werden. Darüber hinaus ist es für ein besseres Verständnis der Genese der karolingischen Mythendiskurse notwendig, in einer Rückschau die spätantike Mythenrezeption in Patristik und mythographischer Literatur sowie die Grundlegung der Superstitionenverfolgung in merowingischer Zeit zu untersuchen.








Betreuer

Professor Dr. Nikolaus Staubach Institut für Frühmittelalterforschung
Salzstr. 41
48143 Münster
Tel.: (0) 251 / 83-27923
Fax: (0) 251 / 83-27911

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