Lügde - Königsgut (A)

Für Lügde (villa Liuhidi) ist lediglich ein königlicher Aufenthalt belegt, der ganz offenkundig in einer Ausnahmesituation erfolgte. Es handelt sich um den ersten Winteraufenthalt im Sachsenland, und die Feier des Weihnachtsfestes erfolgt im Verlauf eines Kriegszuges im Feldlager (in castris), was sonst für Karl nicht belegt ist. Das Itinerar des Jahres 784 lässt sich im Grunde von der Feier des Osterfestes in Herstal (April 11) an zeitlich nicht präzise rekonstruieren. Es ist gekennzeichnet durch zwei wahrscheinlich einigermaßen parallel geführte Operationen gegen die Sachsen während des Sommers, von denen die eine vom Königssohn Karl gegen die Westfalen gerichtet war, während die andere vom König selbst geleitet, im Norden des östlichen Sachsenlandes stattfinden sollte. An der Überschreitung der Weser bei Huculvi (Petershagen?) gehindert, wählte Karl einen Anmarsch über Thüringen und stieß bis ins Elbe-Saalegebiet vor. Vater und Sohn trafen nach Abschluss der Feldzüge zu verschiedenen, zeitlich nicht zu fixierenden Zeitpunkten in Worms zusammen, wo ein Winterfeldzug beschlossen und das Heer versammelt wurde, um die Erfolge der Sommeraktionen fortzusetzen. Möglicherweise war das ursprünglich ins Auge gefasste Operationsgebiet jenseits der Weser im Norden des Sachsenlandes das eigentliche Ziel und der Übergang über die Weser bei Ohsen geplant.

Allerdings scheint der Weserübertritt bei Ohsen ebenfalls nicht möglich gewesen zu sein, denn unmittelbar nach der Feier des Weihnachtsfestes brach Karl der Große nach Rehme auf, wo er ebenfalls durch Überschwemmungen am Überschreiten der Weser gehindert wurde. Daraufhin wurde der Feldzug unterbrochen und die Eresburg zum Winterquartier bestimmt (vgl. Eresburg). Obwohl es den ganzen Winter zu Kampfhandlungen kam, wurde der eigentliche Feldzug erst im Juni wiederaufgenommen und dann in der Tat im Norden des Sachsenlandes im Bardengau durch Verhandlungen abgeschlossen, die letztlich zur Unterwerfung und Taufe Widukinds führten.

Der Aufenthaltsort Lügde war für das fränkische Königtum ausschließlich im Zusammenhang mit dem Feldzugkomplex 784/85 von Bedeutung.

Peter Johanek

Literatur

Peter Johanek, Art. Lügde, in: Die deutschen Königspfalzen. Repertorium der Pfalzen, Königshöfe und übrigen Aufenthaltsorte der Könige im deutschen Reich des Mittelalters, Bd. 7: Westfalen (in Vorbereitung).

Hans-Peter Wehlt, 1200 Jahre kirchliches Leben in Schieder, in: Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde 74 (2005), S. 155–180.