Preußische Amtmannbürokratie und lokale Selbstverwaltung

Der Sonderforschungsbereich 1150 „Kulturen des Entscheidens“, welcher seit Juli 2015 besteht,  untersucht die soziale Praxis des Entscheidens in historisch vergleichender und interdisziplinärer Perspektive vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Am SFB 1150 sind die Fächer Geschichte, Literaturwissenschaft, Rechtswissenschaft, Philosophie, Ethnologie, Judaistik und Byzantinistik beteiligt. Er umfasst drei Projektbereiche mit insgesamt 20 Teilprojekten sowie ein Integriertes Graduiertenkolleg.

Entscheiden wird im Sonderforschungsbereich als voraussetzungsvolle und historisch veränderliche Form des sozialen Handelns thematisiert. In den Teilprojekten soll untersucht werden, wie das Entscheiden in unterschiedlichen historischen Kontexten gerahmt, modelliert, inszeniert und reflektiert wurde, auf welchen kulturspezifischen Bedingungen es jeweils beruhte, wie es seinerseits die institutionelle Struktur der Gesellschaft und die sozialen Machtverhältnisse prägte, aber auch, wie und warum sich Kulturen des Entscheidens langfristig veränderten.

Das Teilprojekt untersucht Praktiken des Entscheidens in westfälischen Dörfern um 1900. Im Mittelpunkt steht die Lokalverwaltung. Der preußische Amtmann hatte einerseits die Spielräume staatlicher Vorgaben auszuloten, anderseits dörfliche Interessen und Partizipationsansprüche zu berücksichtigen. Somit werden bürokratische Verfahren, die informelle Aushandlung mit dem Dorf und die parlamentarische Konsensbildung im Hinblick auf die Modi des Entscheidens untersucht. Das Projekt C05 ist Teilprojekt des SFB 1150 "Kulturen des Entscheidens" und wird von Dr. Constanze Sieger und der Teilprojektleitung Prof. Dr. Werner Freitag bearbeitet.

Kulturen des Entscheidens in politischen Übergangssituationen

Workshop der Teilprojekte B06, B07, C05 und C07 des SFB 1150
Plakat Workshop Kulturen Des Entscheidens In Politischen Uebergangssituationen 2016
© SFB 1150

Am 11.11.2016 findet ein Workshop der Teilprojekte B06, B07, C05 und C07 des SFB 1150 zum Thema "Kulturen des Entscheidens in politischen Übergangssituationen" statt.

Veranstaltungsort: Nördliches Kavaliershäuschen, Seminarraum im EG, Schlossplatz 6, 48149 Münster.
Beginn: 9.30 Uhr

Politische Übergangssituationen gehen häufig einher mit einer Neugestaltung der Spielregeln für politisches Entscheiden. Verfahren und Prozesse zur Entscheidungsfindung werden neu strukturiert, die Entscheidungen selbst einer anderen Legitimation unterworfen. Die Möglichkeiten, „Gestaltungsentscheidungen“ (Schimank) zu treffen, die das neue politische System und das entscheidungsförmige Handeln beeinflussen, stellen die Akteure vor große Herausforderungen.

Gleichzeitig gibt es die Beharrungskräfte von „alten“ Traditionen, Regeln und Verfahren, die teilweise vom neuen politischen System bewusst übernommen werden oder aber zu einem informellen Nebeneinander von unterschiedlichen Entscheidenskanälen führen können.
Vor diesem Hintergrund will der geplante Workshop folgenden Fragen nachgehen: Welche Regeln des politischen Entscheidens gaben sich die Akteure in der neuen Situation, wie wurde das Entscheiden gerahmt, welche neuen Verfahren und Prozesse wurden angewandt? Welche alten Formen der Entscheidungsfindung wurden übernommen, wie wurden diese in das neue politische System integriert? Welche Rolle spielte das informelle Entscheiden, in wie weit wurden die neuen formalen Vorgaben tatsächlich befolgt? Wie wurde die neue Kultur des Entscheidens legitimiert, wie grenzte man sich von den alten Praktiken ab?

Der Vergleich von unterschiedlichen politischen Übergangssituationen in der Moderne soll es ermöglichen, zu einer differenzierten Analyse von Prozessen und Verfahren des Entscheidens zu gelangen, um die Herausbildung von unterschiedlichen Kulturen des Entscheidens genauer zu beleuchten. (Stephan Ruderer)

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Kooperationspartner

SFB 1150 "Kulturen des Entscheidens"

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Das Projekt C05 ist eingebunden in den Sonderforschungsbereich (SFB 1150) "Kulturen des Entscheidens" und wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.